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Globalisierung

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Globalisierung in der Kritik: Konzepte und Perspektiven 

 

Heft 4/2003 
Hrsg.: LpB

 

Inhaltsverzeichnis

E 3 bis E 4   Konzepte und Visionen


 

E 3 

Die Tobin-Steuer

Schätzungen zufolge haben 80 bis 90 Prozent der Devisentransaktionen vorwiegend spekulativen Charakter, sie dienen also ausschließlich dazu, kurzfristige Profite zu erzielen. Möglich ist dies aufgrund der Tatsache, dass die Wechselkurse schwanken. Der Umfang der Transaktionen ist beträchtlich: Das tägliche Volumen der gehandelten Devisen beträgt ... rund 1.200 Milliarden Dollar.

Um die Schwankungen zu verringern, machte der 2002 verstorbene amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger James Tobin schon 1972 den Vorschlag, eine relativ geringe Steuer von einem Prozent auf alle Devisentransaktionen zu erheben. Aufgrund des geringen Steuersatzes wären seiner Meinung nach kurzfristige Spekulationen und nicht langfristige Investitionen von der Steuer betroffen. Da ein Großteil der spekulativen Devisengeschäfte eine Gewinnspanne von weniger als einem Prozent hat, würde dies, so seine Vorstellung, dazu führen, dass das Transaktionsvolumen zurückgeht und sich die Wechselkurse stabilisieren.

Auch heute noch findet diese Idee, vor allem in der globalisierungskritischen Bewegung Attac, ihre Befürworter, die sich von der ... Steuer den Schutz von schwachen Volkswirtschaften und eine bessere Entwicklungshilfe durch die aus der Steuer erzielten Einnahmen erhoffen. Tobin selbst hat allerdings nie von einer Verwendung der Einnahmen für die Entwicklungshilfe gesprochen. Sein Ziel war lediglich die Stabilisierung der Finanzmärkte. ...

[Auch] bei den meisten Fachleuten stößt die Tobin-Tax auf Skepsis und Ablehnung. Das am häufigsten vorgebrachte Gegenargument lautet, die Steuer sei überhaupt nur machbar, wenn sich alle Länder daran beteiligten, da andernfalls Devisenhändler die Möglichkeit hätten, auf andere Börsenplätze auszuweichen. Darüber hinaus sei zu bedenken, dass Banken die zusätzlichen Kosten einfach auf Verbraucher und Unternehmen abwälzen könnten, was wiederum negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaften hätten. Auch blieben große Finanzkrisen durch die Steuer nicht aus, da sie die Flucht aus einer Währung nicht verhindern könnte.

So viel versprechend die Idee auf den ersten Blick auch sein mag, bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass auch die Tobin-Steuer kein Allheilmittel ist, und es bleibt festzuhalten, dass sie weder alleine die Armut in der Dritten Welt bekämpfen noch ohne zusätzliche Schritte für eine stabilere Weltwirtschaft sorgen kann. Sie könnte wohl lediglich - wie Tobin es formulierte - ein "bisschen Sand im Getriebe unserer übermäßig effizienten internationalen Geldmärkte" streuen. ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. September 2003 (Sven Eiermann).

 

E 4

Global Compact

Im Sommer 2000 wurde auf die Initiative des UN-Generalsekretärs Kofi Annan der "Global Compact" verabschiedet. Die Globalisierung, so Annan, erfolge im Internet-Zeittakt: "Wir können daher nicht warten, bis die Regierungen das Nötige tun." In Zusammenarbeit mit den nationalen Regierungen hätten Wirtschaft und Zivilgesellschaft Mittel und Wege, rascher auf eine stabile Lage in der Welt hinzuarbeiten. Der Global Compact umfasst einen Verhaltenskodex für Unternehmen und sonstige private Institutionen. Diese verpflichten sich zur Umsetzung der folgenden Prinzipien im Rahmen ihrer Unternehmenspolitik:

  1. Menschenrechte: Unternehmen sollen den Schutz der international verkündeten Menschenrechte innerhalb ihres Einflussbereichs gewährleisten und sicherstellen, dass sie nicht indirekt in Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind.

  2. Arbeit: Unternehmen sollen die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf kollektive Verhandlungen für ihre Beschäftigten gewährleisten, jede Form von Zwangsarbeit abschaffen, Kinderarbeit wirksam unterbinden und jede Diskriminierung bei Einstellung und Beschäftigung abstellen.

  3. Umwelt: Unternehmen sollen sich im Umgang mit Umweltproblemen am Prinzip der Vorsorge orientieren, Initiativen ergreifen, um ein größeres Umweltbewusstsein zu schaffen sowie die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien fördern.

Als eines der ersten multinationalen Unternehmen bekannte sich z.B. die DaimlerChrysler AG zu den Prinzipien des Global Compacts. Der weltweiten Allianz von Wirtschaft und Politik gehören weitere zahlreiche international agierende Unternehmen aus Deutschland an, wie z.B. BWM oder die Bayer AG.

Umstritten ist der Global Compact jedoch hinsichtlich seiner Erfolgschancen, weil er auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basiert, keine Kontrollinstanz enthält und die Verpflichtungen nicht konkretisiert.

Als Beispiel einer Unternehmensbeteiligung: 
http://www.daimlerchrysler.com


 

 

 

 


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