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Zeitschrift Globalisierung Aspekte einer Welt ohne Grenzen Globalisierung:
Kulturelle Globalisierung
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Die Globalisierung der Wirtschaft Globalisierung in der Kritik:
Heft 4/2003
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E 1 bis E 2 Stimmen zur Globalisierung
Die "Schatten der Globalisierung" Weshalb ist die Globalisierung - als eine Kraft, die so viel Gutes bewirkt hat - mittlerweile so heftig umstritten? Die Volkswirtschaft vieler Länder ist dank der Öffnung ihrer Märkte für den internationalen Handel sehr viel schneller gewachsen, als es ansonsten der Fall gewesen wäre. Der Welthandel fördert die ökonomische Entwicklung, wenn die Exporte eines Landes die treibende Kraft seines Wirtschaftswachstums sind. Wachstum durch Export war das Kernstück der Industriepolitik, der Millionen von Menschen in Asien ihren Wohlstand verdanken. Aufgrund der Globalisierung leben viele Menschen auf der Welt heute länger als früher, und ihr Lebensstandard ist deutlich höher. Menschen im Westen halten die niedrig bezahlten Arbeitsplätze bei Nike vielleicht für reine Ausbeutung, aber viele Menschen in den Entwicklungsländern stellen sich deutlich besser, wenn sie einen Job in einer Fabrik ergattern, als wenn sie weiterhin in der traditionellen Landwirtschaft tätig sind. Die Globalisierung hat das Gefühl des Ausgeschlossenseins verringert, das viele in der Dritten Welt empfinden, und sie hat vielen Menschen in den Entwicklungsländern Zugriffsmöglichkeiten auf Wissen eröffnet ... Die Proteste der Globalisierungsgegner sind selbst das Resultat dieser Vernetzung, Kommunikationsverbindungen zwischen Aktivisten in verschiedenen Teilen der Welt, insbesondere über das Internet, erzeugten den öffentlichen Druck, der schließlich trotz des Widerstands vieler mächtiger Regierungen zum Internationalen Abkommen über Landminen führte. Dieses bis 1997 von 121 Ländern unterzeichnete Abkommen verringert das Risiko, dass Kinder und andere unschuldige Opfer durch Minen getötet oder verstümmelt werden. Ähnliche wohl koordinierte öffentliche Pressionen zwangen die internationale Staatengemeinschaft dazu, einigen der ärmsten Länder ihre Schulden zu erlassen. Diese kommunikative Verflechtung ist ein wirksames Instrument, um Transparenz zu erzwingen, und genau dies erwarten diejenigen, die gegen die zerstörerischen Folgen der Globalisierung protestieren, von Organisationen wie IWF und WTO nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. Selbst die Schattenseiten der Globalisierung gehen vielfach mit positiven Effekten einher. Die Öffnung des Milchmarktes auf Jamaika für US-Importe im Jahr 1992 hat vielleicht den einheimischen Milchproduzenten geschadet, aber sie bewirkte auch, dass arme Kinder billiger Milch bekamen. Auslandsinvestitionen schaden vielleicht geschützten Staatsunternehmen im Zielland, aber sie können auch zur Einführung neuer Technologien und zur Entstehung neuer Wirtschaftszweige führen. Die Auslandshilfe ... hat ... die Lebensbedingungen von Millionen von Menschen verbessert...: Guerillakämpfer auf den Philippinen erhielten im Rahmen eines von der Weltbank finanzierten Projekts Arbeitsplätze, sofern sie bereit waren, ihre Waffen niederzulegen; Bewässerungsprojekte haben das Einkommen von Landwirten, die das Glück hatten, darin einbezogen zu werden, mehr als verdoppelt; Bildungsprojekte haben die Analphabetenrate in ländlichen Regionen deutlich gesenkt; in einigen Ländern haben Projekte zur AIDS-Bekämpfung die Ausbreitung dieser tödlichen Krankheit einzudämmen geholfen. ... Aus: Joseph Stiglitz: Die Schatten der Globalisierung. Berlin (Siedler) 2002, S. 18 f.
Globalisierung gestalten Die einen sagen, die Globalisierung führt zum Verlust vertrauter Bindungen und zur Schwächung des Nationalstaates - und sie haben Angst davor. Andere feiern, dass die Herrschaft des Marktes und seiner Gesetze bald überall für alles gilt. Manchen erscheint all das wie ein unentrinnbares Schicksal, anderen wie die Verheißung eines goldenen Zeitalters. Das Stimmengewirr ist groß und die Unsicherheit darüber, was Globalisierung bedeutet - für jeden Einzelnen, für die Familien, für unsere Gesellschaft als ganze: Es hat mit Globalisierung zu tun, wenn die Firma, in der man arbeitet, plötzlich mit Betrieben aus Gegenden der Welt konkurriert, von denen man bisher kaum gehört hatte. Es hat mit Globalisierung zu tun, wenn sich junge Leute, die durch die Anden wandern, aus dem Internetcafé in Quito bei ihren Eltern in Oberursel melden und mal eben per E-Mail die ersten digitalen Fotos schicken. ... Es hat mit Globalisierung zu tun, wenn in dem Auto, das wir kaufen, die Teile aus vielen Ländern kommen ... Es hat mit Globalisierung zu tun, wenn aus abgelegenen Berghöhlen ein Verbrechen geplant und gesteuert wird, das die ganze Welt erschüttert... Aus der Geschichte wissen wir: Nichts, keine technische Erfindung, keine politische Entwicklung, keine gesellschaftliche Veränderung führt automatisch und für alle ausschließlich zum Schlechteren oder zum Besseren. Auch bei der Globalisierung kommt es darauf an, was wir aus den neuen Möglichkeiten machen. Viele fragen heute aber: Kann man denn überhaupt etwas machen? Ist die Globalisierung nicht unbeeinflussbar, ist sie nicht wie ein Naturereignis, dem wir ausgeliefert sind? Dann wäre es tatsächlich sinnlos, auch nur zu überlegen, wie man gestaltend eingreifen kann und wer das tun sollte. Nein, die Globalisierung ist kein Naturereignis. Sie ist von Menschen gewollt und gemacht. Darum können Menschen sie auch verändern, gestalten und in gute Bahnen lenken. ... Aus: Chance, nicht Schicksal - die Globalisierung politisch gestalten. "Berliner Rede" von Bundespräsident Johannes Rau am 13. Mai 2002 im Museum für Kommunikation Berlin (Die Rede im Internet: http://www.bundespraesident.de).
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