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Globalisierung

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Heft 4/2003 
Hrsg.: LpB

 

Inhaltsverzeichnis

D 19 bis D    13 Global Players


 

D 9 

Das Ziel heißt Global Player: Wer fusioniert mit wem?

In einer Studie ... zu so genannten Mega-Fusionen stellt das Kieler Institut für Weltwirtschaft einen klaren Trend zu horizontalen Fusionen fest. Das heißt, es schließen sich heute immer mehr Partner der gleichen Branche zusammen. Ziel dieser Strategie ist die Konzentration auf die Kernkompetenz eines Unternehmens, sei es durch Verkäufe nicht dazu passender Unternehmensteile oder eben durch das Zusammengehen mit entsprechenden Partnern.

... Für die Suche nach immer neuen Allianzen gibt es zwei wesentliche Gründe:

  1. Die Globalisierung: In dem Maße, wie die Grenzen für Güter und Kapital fallen, wächst der für die Unternehmen relevante Markt. Also müssen sie auch ihre Größe diesen strukturellen Änderungen anpassen, denn ein weltweiter Markt verlangt auch weltweit operierende Unternehmen - wie der Name schon sagt: Global Player. Wie groß ein Unternehmen sein muss, um auf dem globalen Markt zu bestehen, ist auf Grund fehlender Erfahrungen weit gehend unbekannt. ... Dennoch haben die Unternehmen einen Hang zur Größe - allein schon weil Fusionen oft steigende Produktion und sinkende Durchschnittskosten versprechen.

  2. Die Deregulierung: Vor allem die Öffnung der Dienstleistungsmärkte - Telekommunikation, Energie, Verkehr und Banken - hat den Fusionen den Weg bereitet. Waren die Spielräume der Unternehmen zuvor meist auf den engen nationalen Markt beschränkt, können sie sich heute auch auf fremdem Terrain versuchen.

Nach: IWD, 20. April 2000

 

D 10

"Das Kapital kennt weder Vaterland noch Gefühle"

"Wie Beduinen, die zu neuen Weideplätzen ziehen, packen sie zusammen, weil anderswo die Arbeit noch billiger ist." Manuel Carvalho da Silva ist empört. Der Chef des portugiesischen Gewerkschaftsverbandes ... weist darauf hin, dass innerhalb von nur drei Wochen drei ausländische Unternehmen ihre Zelte in Portugal abgebrochen haben. ... Wie der Gewerkschaftler ... warnen in Portugal auch Wirtschaftswissenschaftler und Lokalpolitiker vor transnationalen Unternehmen, die als Investoren in strukturschwachen Regionen der ... EU üppige Subventionen kassieren, sich aber davonmachen, sobald ihnen andernorts neue - und möglicherweise höhere - öffentliche Hilfen winken.

[Der Sprecher eines der deutschen Unternehmen] begründet den Rückzug ... mit den hohen Produktionskosten in Portugal. Immerhin habe die Firma dort zwölf Jahre lang fertigen lassen. Er bestätigt, für die Ansiedlung EU-Zuschüsse erhalten zu haben. Die vorgeschriebene Ansiedlungsdauer sei jedoch bereits 1998 abgelaufen. ...

Und so sieht die Rechtslage aus: Unternehmen, die sich in wirtschaftlich rückständigen Regionen ansiedeln, bekommen ihr Engagement durch Zuschüsse versüßt, die wiederum zu gleichen Teilen aus nationalen und Brüsseler Töpfen kommen. Die Investoren gehen dabei die Verpflichtung ein, mindestens fünf Jahre über jenen Zeitpunkt hinaus vor Ort zu bleiben, an dem sie zuletzt Strukturfonds-Gelder kassiert haben. Während dieser Frist dürfen sie auch keine Arbeitsplätze abbauen, die nachweislich mit Hilfe europäischer Fördermittel geschaffen worden sind. ...

Im Westen der Iberischen Halbinsel sind es jedoch nicht allein ausländische Investoren, die Portugal verlassen, um sich nach profitableren Produktionsstandorten umzusehen. Auch einheimische Unternehmen wandern aus. Von der durch die Globalisierung wachsenden Konkurrenz bedrängt, haben zahlreiche Firmen beschlossen, sich in Brasilien anzusiedeln. ...

Frankfurter Rundschau, 7. Juni 2003 (Quelle: P.S.-Inter Press Service)

 

D 11

VW produziert in China

Der Automobilkonzern Volkswagen will spätestens im Jahr 2007 in China eine Million Fahrzeuge verkaufen: Das ist mehr, als VW im vergangenen Jahr in Deutschland abgesetzt hat. Schon heute steuere China die höchsten Renditebeiträge je Fahrzeug zum Gewinn des Unternehmens bei, sagte [der] Konzern-Vertriebsvorstand ... 2002 löste China erstmals Amerika als wichtigster Auslandsmarkt von VW ab. ... Die enormen Zuwachsraten resultieren aus dem Marktwachstum in China nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO. ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Februar 2003

 

D 12

 

Lackierungsanlage im BMW-Werk Rosslyn in Südafrika

Foto: Werkfoto BMW

 

D 13

Sozialcharta für das "globale Dorf"

Gleicher Lohn und gleiche Arbeitszeiten - so weit geht die globale soziale Verantwortung des Volkswagen-Konzerns zwar nicht. Aber der viertgrößte Autoproduzent der Welt hat mit der "Erklärung zu den sozialen Rechten und industriellen Beziehungen" einen wichtigen Schritt hin zu einer einheitlichen Behandlung der 320.000 VW-Beschäftigten an 42 Standorten in 18 Ländern getan. ... Festgeschrieben wird das Grundrecht, Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen zu bilden. Zwangs-, Pflicht- und Kinderarbeit sind verboten. Löhne und andere Leistungen sowie die Arbeitszeiten sollen ebenso mindestens dem Standard der jeweiligen nationalen Gesetze entsprechen wie Arbeits- und Gesundheitsschutz. ... Die Welt wird zum "globalen Dorf", sagte ein hoher deutscher Gewerkschaftsfunktionär. "Während die Globalisierung der Waren- und Kapitalmärkte voranschreitet, ist es bisher nicht gelungen, auch nur ein Minimum an weltweit gültigen sozialen Regeln für Handel und Investitionen durchzusetzen."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Juni 2002 (Rüdiger Köhn).


 


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