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Zeitschrift Kinder in
Deutschland Kinder
und Familie
Heft
3/2004,
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Was ist eine Familie? Kaum ein anderes Thema ruft so emotionsgeladene Diskussionen und kontroverse Standpunkte hervor wie die Frage, was heute unter Familie zu verstehen ist. Da Ehe und Familie gleichermaßen unter dem Schutz des Gesetzes stehen, werden im alltäglichen Sprachgebrauch oft, vor allem in Statistiken, sowohl Paare mit als auch ohne Kinder als Familie bezeichnet. Dem Verfassungsbegriff der Familie wird jedoch deutlich eine auf Abstammung oder entsprechende Fürsorge- und Erziehungsverantwortung (Adoptiv-, Stief- und Pflegekinder) beruhende Lebensgemeinschaft von Eltern und Kindern zugrunde gelegt. Die anerkannte besondere Schutzbedürftigkeit der Kinder gilt unabhängig davon, ob Eltern und Kinder in einer "häuslichen Gemeinschaft" leben und ob die familiäre Lebensgemeinschaft auf einer Ehe basiert (nach Maunz/Dürig/Herzog: Kommentar zum Grundgesetz, Artikel 6, S. 5f. und 39f.).
In den heutigen Industriegesellschaften ist die Familie die bedeutendste Einheit der sozialen Lebensform. Die Familie hat - mehr oder weniger ausgeprägt - wichtige Funktionen wie die quantitative und qualitative Nachwuchssicherung (Recht und Pflicht der Eltern zur Pflege und Erziehung der Kinder) sowie wechselseitige Rechte und Pflichten (Beistand und Rücksicht, Solidarität). Sie bietet dem Individuum bei persönlichen oder gesellschaftlich bedingten Umbrüchen oder Krisen Rückhalt und Schutz. "Wir sind eine Familie" - dieses Gefühl schweißt zusammen, stärkt das Selbstwertgefühl und trägt so manches Kind durch das Leben. Die Familie ist der erste und wichtigste Ort, an dem die natürlichen Grundlagen für die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit geschaffen werden. Unbestritten ist zum einen die zentrale Bedeutung der Familie in der frühkindlichen Phase bis zu vier Jahren ("primäre Sozialisation" oder "soziokulturelle Geburt") und zum anderen die andauernde Wirksamkeit der Erziehung und Verantwortung auch bei wachsender Überlagerung durch hinzukommende Sozialisationsinstanzen wie Kindergarten, Schule, Gruppe der Gleichaltrigen und Massenmedien. Bedingt durch die gesellschaftlichen Entwicklungen wie bessere Ausbildung, gestiegene Erwerbstätigkeit und die veränderte soziale Stellung der Frau sowie aufgrund der beruflich geforderten Mobilität existiert eine Vielfalt von Erscheinungsformen der Familie.
Angesichts der vielfältigen Erscheinungsformen von Familie stellt sich die Frage nach ihrer aktuellen Bedeutung und ihrer Zukunftsfähigkeit. Während die einen die Familie als Auslaufmodell sehen, steht für die anderen Ehe und Familie an erster Stelle der Wünsche und Lebensziele. Betrachtet man nun einige Aspekte des gesellschaftlichen Wandels - beispielsweise die sinkenden Eheschließungs- und Geburtenzahlen, die steigende Scheidungsrate und die zunehmende Zahl allein lebender Menschen -, so könnte man leicht die Familie vor dem Aus sehen. Es ist jedoch fraglich, ob diese Entwicklungen tatsächlich eine Abkehr von Ehe und Familie zur Folge haben oder ob mehr Zwischen-, Neben-, Vor- oder Nachformen die "postfamiliale Familie" konturieren (Elisabeth Beck-Gernsheim, Auf dem Weg in die postfamiliale Familie, 1998, S. 135). Auf jeden Fall ist offensichtlich, dass die Familie nicht isoliert von ihrem gesellschaftspolitischen Umfeld betrachtet werden kann und dass sie sich als "kleinste Einheit" sowohl in der Erscheinungsform als auch in ihren Funktionen je nach gesellschaftlicher und historischer Situation verändert. Allein der Blick in die neueste Statistik zeigt, dass nach wie vor die Familie die populärste Lebensform in Deutschland ist. Vier von fünf Kindern wachsen demnach bei ihren verheirateten Eltern auf, drei Viertel aller Kinder werden gemeinsam mit Geschwistern groß. Obwohl die Zahl der Single-Haushalte auf 18 Prozent gestiegen ist, leben mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland in einer Familie mit Kindern.
Die Bedeutung der Familie für Heranwachsende Aufgrund ihrer Struktur sind Familien dynamische soziale Gebilde und aufgrund der Orientierung an den individuellen Bedürfnissen der unterschiedlichen Familienmitglieder äußerst vielfältig. Die Familie, in die das Kind hineingeboren wird, hat Einfluss auf seine persönliche und seine intellektuelle Entfaltung. Viele Charaktereigenschaften werden den Kindern mitgegeben, doch ob und wie sie ihre Fähigkeiten und eigene Wertvorstellungen entwickeln, hängt von ihrem Umfeld, besonders von den Eltern ab. Da heute oft eine Familie bewusst gegründet wird, wird die Stellung des Kindes in der Familie enorm aufgewertet. Diese "Kindzentrierung" führt dazu, dass das Augenmerk stärker auf das Wohlergehen des Kindes gerichtet wird und die Eltern-Kind-Beziehungen stärker emotionalisiert sind. Dies hat den Übergang vom autoritär-patriarchalischen zum partizipativen Modell der Familie zur Folge, in dem der bedingungslose Gehorsam der Kinder eher durch partnerschaftliche Verständigung und durch ein kameradschaftliches Verhältnis von Eltern und Kindern ersetzt wird. Der individuelle Wert einer Familie wird durch die Qualität der persönlichen Beziehungen, Geborgenheit, Liebe, Kommunikation, Verständnis, gegenseitige Hilfe und Unterstützung sowie die Wertschätzung der Familienmitglieder untereinander bestimmt. Gerade weil die Familie hauptsächliche, wenn nicht alleinige Erfüllungsinstanz für emotionale und existenzielle Bedürfnisse und Sehnsüchte ist, besteht auch die Gefahr, dass hohe Erwartungen nicht erfüllt werden können und Enttäuschungen oder nicht gelingende Abstimmungsleistungen der Individuen schnell zu Krisen oder gar zum Scheitern führen können. Als Folge von Überforderung oder als Versagen der Familie als Erziehungsinstanz ist die wachsende Zahl an Kindern mit Sozialisationsdefiziten, unangemessenen Normvorstellungen (wie hohe Ansprüche und wenig Leistungsbereitschaft), psychosomatischen und psychischen Störungen und einem hohen autoaggressiven Potenzial anzunehmen. Im Folgenden werden exemplarisch drei Bereiche aus dem alltäglichen Zusammenleben in der Familie betrachtet, die heute von besonderer Bedeutung für die Heranwachsenden sind.
Kommunikation Für die Sozialisation des Kindes ist die Kommunikation in der Familie von großer Bedeutung, indem es sich von Anfang an als einen wichtigen Teil einer Gemeinschaft erlebt, in der täglich Bedürfnisse aufeinander abgestimmt und Entscheidungen ausgehandelt und getroffen werden müssen. Hier lernt das Kind Fragen zu stellen, Antworten zu geben, seinen Standpunkt zu artikulieren und Konflikte auszutragen. Zwar sind Erwachsene in bestimmten Phasen der Erziehung regelrecht genervt über ständiges Streiten oder endlose Diskussionen, zugleich sind sie aber auch das Vorbild im Äußern von respektvoller Kritik und bei der sachlichen und friedlichen Lösung von Konflikten. Um zu selbstbewussten Menschen heranzuwachsen, müssen Kinder auch lernen, sich ihrer Gefühle wie Trauer, Wut, Angst oder Zuneigung bewusst zu werden, diese zu verarbeiten und kompetent mit ihnen umzugehen. Genauso wichtig ist es, die Gefühle anderer zu erkennen und so auf sie einzugehen, dass auch Auseinandersetzungen fair und konstruktiv verlaufen. Kinder mit stabilem Selbstwertgefühl, die sich selbst akzeptieren, müssen sich nicht durch Gewalt beweisen oder durchsetzen. In der Familie lernt das Kind die Schlüsselqualifikationen sich auszudrücken und sich einzufühlen, was eine wichtige Grundlage zur Gewaltvorbeugung und Suchtprävention ist.
Foto: picture-alliance/dpa
Selbstbewusstsein Indem das Kind bei der Entdeckung seiner eigenen Persönlichkeit unterstützt wird, wird es auf seine Talente und unverwechselbaren Eigenschaften aufmerksam gemacht. Es erfährt, wie aufregend die Welt dadurch wird, dass kein Mensch dem anderen gleicht. So kann es seine Identität und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Ein stabiles Selbstbewusstsein, ein positives Bild vom eigenen Ich und ein gesundes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken Kinder und lässt sie Optimismus und Lebensfreude entwickeln. Da sie Halt und Stärke in sich selbst finden, sind sie weniger anfällig für negative Einflussnahme durch andere Menschen oder Gefährdungen wie Sucht oder Missbrauch. Erfahren Kinder im Alltag Respekt und entwickeln sie Selbstvertrauen, so können sie auch ihre Ablehnung deutlich machen, wenn Erwachsene ihnen etwas aufzwingen wollen. Wie selbstbewusst ein Kind ist, hängt davon ab, welches Selbstbild es von sich und seinen Fähigkeiten entwickelt hat. Selbstbewusst auftretende Kinder werden von den anderen gleichermaßen als stark empfunden und auch so behandelt. Dies bestätigt sie wiederum in ihrem Selbstbild. Wenn Kinder an die eigenen Fähigkeiten glauben, betrachten sie neue Aufgaben und Situationen als Herausforderung, sie "trauen sich was" und lassen sich von Misserfolgen nicht so schnell entmutigen. Erfolge erfüllen sie mit Stolz und Befriedigung und stärken das Vertrauen in die eigene Person. Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit sind eng miteinander verbunden. Wenn dem Kind etwas zugetraut wird, wenn es seine Stärken nutzen kann, um bestimmte Situationen eigenverantwortlich erfolgreich zu meistern, dann entwickelt es schrittweise mehr Selbstvertrauen. Indirekt spielt die Familie so eine große Rolle für die berufliche Orientierung, weil sie die Grundlage für das "Selbstkonzept" der jungen Menschen legt, für das Bild, das der junge Mensch sich von seinen eigenen Fähigkeiten aufbaut und für das Selbstvertrauen, mit dem persönliche Potenziale wahrgenommen und entwickelt werden.
Quelle: Globus Infografik GmbH
Regeln und Rituale In jeder Familie gelten Regeln, die das Miteinander der Familienmitglieder bestimmen. Das Kind lernt sich in eine Gemeinschaft einzufügen, die Bedürfnisse anderer gelten zu lassen und die Grenzen seiner Freiheit anzuerkennen, während es sich als Persönlichkeit entwickelt. Regeln, klare Grenzen, eine bestimmte Ordnung und berechenbares Verhalten geben Kindern dabei Sicherheit und Geborgenheit. Die Familie ist der erste Ort, wo junge Menschen Vertrauensbereitschaft, Solidarität, Rücksicht, Flexibilität und Kreativität, aber auch Pflichterfüllung und Fleiß sowie die notwendige Anpassung an gegebene Rahmenbedingungen einüben können. Sich aufeinander verlassen können, Achtung voreinander haben, ein freundlicher Umgangston, gegenseitige Hilfestellung bei der Erledigung von Aufgaben nach Fähigkeiten und Möglichkeiten sind dabei nur einige wichtige Regeln, die den Erwerb von Sozialkompetenzen wie Motivation, Leistungsbereitschaft und guten Umgang mit anderen positiv beeinflussen. Rituale und Spielregeln sind sozial notwendig. Sie begrenzen zwar einerseits die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit, andererseits braucht jeder Mensch die Gruppe auch dafür, um seine Individualität zu entwickeln. Indem das Kind lernt, sich mit den Ritualen der sozialen Gruppe, in der es aufwächst, auseinanderzusetzen und damit zu leben, gliedert es sich in das gesellschaftliche Leben ein und lernt "gutes Benehmen". Dennoch entspricht das Benehmen vieler Kinder und Jugendlichen nicht mehr dem, was man unter gewöhnlichem Anstand und höflichen Umgangsformen versteht. Unzählige Beispiele lassen sich dafür finden und vielfältig sind die Klagen darüber. Es ist die Rede vom Versagen der elterlichen Erziehung. Benimm-Kurse werden als Schulfach gefordert oder mancherorts sogar eingeführt. Betrachtet man beispielsweise die Gepflogenheiten beim Grüßen, so lässt sich unschwer feststellen, dass das, was man unter gutem Benehmen bzw. Anstand versteht, zwar einem zeitlichen Wandel unterliegt, situativ bestimmt ist und auch durchaus hinterfragbar ist, gewisse Grundmerkmale jedoch zum sozialen Verhalten gehören.
Wird unsere Gesellschaft als kinder- und familienfreundlich erlebt? Die zeitliche Organisation und die Gestaltung des Familienlebens hängen wesentlich von der Berufstätigkeit der Eltern und der Betreuungssituation der Kinder ab. Deshalb ist die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur ein Thema für Erwachsene, insbesondere für Frauen bzw. Mütter. Sie prägt vor allem auch die Kinder in ihrer Einschätzung der Kinder- und Familienfreundlichkeit der Gesellschaft und wirkt sich auf ihre eigene Lebensplanung aus. Von herausragender Bedeutung für die Entwicklung von Kindern und für das Erleben von Kinder- und Familienfreundlichkeit sind außerdem die Wohnung und das Wohnumfeld. Generell sind die Lebensräume für Kinder ungünstiger geworden, weil durch die zunehmende Bebauung die Möglichkeiten zum spontanen, unbeaufsichtigten und gefahrfreien Spielen im Freien immer geringer werden. Die Wohnquartiere bieten wegen ihrer monofunktionalen Nutzung weniger Anregungen, der Verkehr schränkt den Bewegungsraum stark ein, und die Verkehrssicherheit ist nicht immer vorhanden.
Quelle: Globus Infografik GmbH
Diese Einschränkungen kindlicher Aktionsräume haben nicht nur veränderte Möglichkeiten der Bewegung, des Naturerlebens und des Spielens zur Folge. Auch der für das Erwachsenwerden wichtige Kontakt mit dem städtischen oder dörflichen Alltagsleben kann nicht mehr uneingeschränkt stattfinden. So werden Kinder aus dem öffentlichen Raum in den privaten Bereich und in institutionelle Freizeit- und Betreuungseinrichtungen "verdrängt". Ihre Aktivitäten finden an isoliert voneinander liegenden Orten statt, wodurch die Mobilitätserfordernisse steigen. Oft bietet der öffentliche Raum in einer Wohngegend keine sicheren Orte, an denen Kinder aller Alterstufen zusammenkommen, reden und spielen können. Besonders Kinder in städtebaulichen und sozialen Problemgebieten leiden oft gleichzeitig unter ungünstigen Wohnverhältnissen und schlechten Spiel- und Lebensbedingungen außerhalb der Wohnung. Als weitere Erscheinung ist die Flucht der Familien aus den Innenbereichen der Städte in Randgebiete oder in den ländlichen Raum mit familiengerechten und bezahlbaren Wohnungen zu beobachten.
Zeichnung: Mester
Welche Vorstellungen von Familie haben Jugendliche? Die Gefühlsbindungen und Machtbeziehungen in der Familie beeinflussen das Entstehen von Vertrauen und wechselseitiger Anerkennung sowie die Bereitschaft, von Vater und Mutter zu lernen und sich an ihren Verhaltensweisen und Einstellungen zu orientieren. Mit zunehmendem Alter beobachten die Heranwachsenden ihre Eltern bewusst. Sie imitieren gezielt, lehnen sich auf, versuchen sich abzugrenzen und machen dabei Erfahrungen, die ihr soziales Verhalten, ihre berufliche Orientierung und ihr späteres Verhältnis zu Ehe und Familie, aber auch ihre Fähigkeit, es selbst anders zu machen, prägen. Sie beobachten Eltern, wie sie alltägliche Belastungen bewältigen: Auseinandersetzungen mit dem Partner, Doppelbelastung durch Familie und Beruf, finanzielle Notlagen. Der Stellenwert der Familie im persönlichen Wertekosmos der Jugendlichen zeigt zweierlei. Erstens muss es sich bei dem Konzept von Familie nicht notwendig um das traditionelle Familienbild vom (leiblichen) Vater-Mutter-Kind-Ideal handeln. Zweitens wird Familie unzweifelhaft als Ressource für soziale Geborgenheit verstanden. Partnerschaft und Familie scheinen in der Wahrnehmung der jungen Generation heute frei von jeglicher materieller Motivation zu sein und ausschließlich auf emotionaler Zuneigung und dem Wunsch nach persönlichem Glück und sozialem Halt zu beruhen.
Quelle: Globus Infografik GmbH
Unterrichtspraktische Hinweise Sicherlich ist es am sinnvollsten, wenn die Familie im Unterricht nicht zur Idylle verklärt wird, aber auch nicht trocken als "Sozialisationsagentur" abgehandelt wird. So soll hier die Familie als Lebensform, als "Zusammenleben" betrachtet werden. Ausgehend von der Frage "Was ist eine Familie heute, wer gehört dazu?" wird die Vielfalt der Lebensformen und deren zahlenmäßige Bedeutung sowie die Veränderung der Familie in Bezug auf die Größe und die Rollenverteilung deutlich (A 1 - A 5). Einleitend zu dem Aspekt "Deine Familie und du" können als Impuls zu den Buchstaben des Wortes "Familie" dazugehörende Begriffe gebildet werden (bspw. Freude, Alltag, Miteinander usw.). In einem weiteren Schritt werden die konkrete Bedeutung, die Aufgaben und die Funktion der Lebensform Familie für die Heranwachsenden in unserer Zeit erarbeitet (A 6 - A 12). Dabei soll vor allem erkennbar werden, dass nicht nur die äußere Erscheinungsform unterschiedlich sein kann, sondern dass das alltägliche Zusammenleben in jeder Familie einzigartig ist. Verständlich wird dadurch, dass die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, der Fertigkeiten und Kompetenzen durch diese unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnisse geprägt werden, zugleich aber auch ein "Grundmuster" für den Umgang mit anderen erworben wird. Die Funktionen der Familie sollen an drei Bereichen, die den Erwerb von kommunikativen, personalen und sozialen Kompetenzen betreffen, vertieft werden. Diese Beispiele wurden deshalb ausgewählt, weil sie zum einen von den Schülerinnen und Schülern reflektiert werden können. Zum andern aber sind sie von entscheidender Bedeutung für alle Lebensbereiche und zwischenmenschliche Beziehungen. Sie dienen somit auch als Grundlage für die Bausteine B und C. Das Ziel ist eine Stärkung der Schülerinnen und Schüler sowie eine positive Auswirkung auf das schulische Miteinander. Einführend in das Thema Kommunikation können anhand der Fotos A 13 die Grundmerkmale des Gesprächs erarbeitet werden. Das Fallbeispiel A 14 soll jeder Schülerin bzw. jedem Schüler ermöglichen, unabhängig von der konkreten familiären Kommunikationssituation durch Empathie einen "neutralen Fall" zu analysieren und zu bewerten. Das Thema "Selbstbewusstsein macht stark" ist ein Bereich, in dem Schule und Eltern unterstützend zusammenwirken müssen, spielt er doch eine immer größere Rolle beispielsweise in Bezug auf Gewaltvorbeugung, Suchtprävention sowie Konsum- und Medienerziehung. Wie notwendig die Thematisierung in der Schule ist, zeigen auch zahlreiche Projekte überall im Land. An dem Beispiel A 15 wird deutlich, wie Selbstbewusstsein entwickelt werden kann. Praktisch geübt werden kann in Rollenspielen:
Der dritte Themenbereich "Regeln und Rituale" wird hier nicht nur wegen seiner aktuellen Medienpräsenz aufgegriffen. Hier steht stärker die gesellschaftliche Orientierung (Sozialisation) im Vordergrund - als Ergänzung zu dem vorherigen, mehr auf die Stärkung des einzelnen Individuums ausgerichteten Themenbereichs. Der Einstieg (A 16) soll zu der Erkenntnis führen, dass sich gutes Benehmen nicht nur auf Begrüßungsrituale und auf perfekt trainierte Tischmanieren nach Knigge beschränkt, sondern dass darunter vor allem auch ein freundlicher und situationsgerechter Umgang mit den Mitmenschen zu verstehen ist. Konkretisiert wird dies an den Beispielen A 17 - A 19, die aus dem Alltag der Heranwachsenden gegriffen sind. Abschließend ist die eigene Meinung (A 20 und A 21) gefordert. Als nächster Schwerpunkt wird die Frage "Wird unsere Gesellschaft als kinder- und familienfreundlich erlebt?" an aktuellen Beispielen diskutiert und durch eigene Erfahrungen bereichert, um schließlich die eigene Urteilsbildung zu fördern. Als Impuls dient das Ergebnis einer repräsentativen Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2003. Danach sagten 72 Prozent der befragten Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, sie hätten nur selten den Eindruck, dass Erwachsene sich durch sie gestört fühlten. Die meisten genießen ihre Kindheit und fühlen sich von den Erwachsenen gemocht. Danach werden die Aspekte der Familienförderung durch den Staat (A 22) und die Aspekte der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie (A 23 und A 24) erarbeitet und mit der Situation in Frankreich verglichen (A 25). Das konkrete Lebensumfeld wird unter dem Motto "kinderfreundliche Stadt" (A 26) näher betrachtet. Hier sollen vor allem die unterschiedlichen Interessen der Bevölkerung und die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen deutlich werden. Abschließend wird die eigene Meinung durch ein Statement begründet "Wenn ich Bürgermeister/in von ... wäre ..." Sicherlich ist es reizvoll, das Fallbeispiel "Wie familien- und kinderfreundlich ist mein Wohnort?" zu vertiefen. Unter anderem sind die Aspekte aufzugreifen: Warum werden bestimmte Gegenden von Familien bevorzugt? Wo können Kinder im Freien spielen? Wie sind die Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer? Ein von der Klasse erarbeiteter, an die örtliche Situation angepasster Fragenkatalog kann dazu mithilfe von Karten und anderen Daten, Expertenbefragungen und Vor-Ort-Erkundungen beantwortet werden. Zusätzlich können Möglichkeiten ausfindig gemacht werden, wie und wo Kinder ihr Anliegen und ihre Ausführungen vorbringen können. Die Diskussion der Frage "Welche Vorstellungen von Familie haben Jugendliche?" (A 27 - A 29) rundet den Baustein A ab.
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