Zeitschrift 

Kinder in Deutschland
Familie - Freizeit - Konsum

Kinder und Familie

Kinder in der Freizeit- und Erlebnisgesellschaft

Kinder und Konsum

 

Heft 3/2004, 
Hrsg.: LpB

 



 

Inhaltsverzeichnis

A 6 - A21

Die Bedeutung der Familie für Heranwachsende:


A 6  Deine Familie und du

Wie wichtig sind diese Personen zurzeit für dein Leben?

  sehr wichtig weniger wichtig gar nicht wichtig habe ich nicht
Vater        
Mutter        
Bruder/Brüder        
Schwester(n)        
Großeltern        
Tante/Onkel        
gleichaltrige Verwandte        
gute Freundin/ guter Freund        
Freundesgruppe        
Mitschülerinnen/ Mitschüler        
Lehrerinnen/Lehrer        

 

Was bedeuten dir deine Familie und deine Eltern?

  trifft zu  trifft nicht zu
Der Zusammenhalt in unserer Familie ist viel stärker als in anderen Familien.    
Für mich kommen meine Eltern an erster Stelle. Sie sind meine Vorbilder.    
Von meinen Eltern fühle ich mich am besten verstanden. Sie helfen mir bei wichtigen Entscheidungen.    
Meine Eltern hören mir fast immer zu und versuchen, sich in meine Probleme hineinzudenken und Probleme gemeinsam mit mir zu lösen.    
Meine Eltern nehmen sich genügend Zeit für mich und wir verbringen viel Zeit gemeinsam in der Familie.    

Verändert nach: Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2000.
13. Shell Jugendstudie, Bd. 1, Opladen (Leske + Budrich)
2000, S. 73, 87, 458.


 

A 7  Meine Familie

Manchmal frage ich mich, ob wir nicht ein bisschen kompliziert sind, meine Eltern und ich. Komplizierter als Wengers zum Beispiel. Wengers sind unsere Nachbarn. Bruno Wenger geht mit mir zur Schule. Er ist mein Freund.

Wenn Bruno fragt, warum die Katzen ihre Haare verlieren und die Mäuse nicht, sagt sein Vater: Das ist einfach so. Damit meint er, dass er im Moment keine Zeit hat. Die Wengers sind anders als wir. Ich meine nicht, dass sie anders heißen oder anders aussehen oder einfach andere Möbel haben, andere Bücher, andere Pflanzen. Eher ist es der Geruch in ihrem Korridor oder die Art, wie Frau Wenger mit der Post hereinkommt und sie ablegt um die Jacke auszuziehen, oder wie sie nach dem Abwaschen ihre Hände mit Creme einschmiert. Eigentlich weiß ich nicht, was es ist. Das heißt, ich weiß es schon, aber ich kann es nicht sagen. Es ist, als hätten sich die Wengers auf etwas verabredet, das sie keinem verraten. Manchmal bin ich mitten unter ihnen ziemlich verloren. Wie in einem Aquarium unter Südseefischen.

Für andere Leute sind auch wir andere Leute. Wir haben uns ein Leben angewöhnt, unser eigenes, das nur uns normal vorkommt. Bei uns riecht es vermutlich auch irgendwie anders als anderswo. Es ist schwer sich das vorzustellen.

Mutter legt das Buch, in dem sie zwischendurch immer liest, mit den offenen Seiten nach unten auf den Tisch oder den Fenstersims oder die Gartenmauer, und sie wird wütend, wenn Anna es anrührt. Aber sie legt das Buch weiterhin irgendwo ab und Anna nimmt es weiterhin irgendwo weg, trägt es herum, blättert darin und tut so, als lese sie. Bei Wengers passiert das nicht. Das ist nur ein Beispiel und vielleicht ein schlechtes.

Beim Nachtessen haben wir darüber geredet, über das Anderssein. Über die Art, wie Vater die Nase putzt, wie Mutter einen lästigen Gedanken mit der Hand verscheucht, wie ich rascher zu reden anfange, wenn niemand mir zuhört, wie Anna dreinschaut, wenn sie klebrige Finger hat.

Wir wissen nur sehr wenig über unser eigenes Leben. Es ist leichter über den Dampfkochtopf oder über die Wengers zu reden als über uns selber. Wir können unsere eigene Nase eben nicht riechen, hat Vater gesagt.

Wie wir sind, wenn wir anders sind, müssten andere eigentlich wissen, zum Beispiel gerade die Wengers...

Jürg Schubiger: Mutter, Vater, ich und sie, Weinheim (Beltz & Gelberg) 1997, S. 74f.


 

A 8  Einmal im Monat

Einmal im Monat kommt Marcels Vater und holt ihn für einen ganzen Tag zu sich. Marcel ist immer noch Vatis Junge, auch jetzt noch, wo die Eltern geschieden sind. Marcel hat ihn sehr lieb. Er hat ihn jetzt sogar lieber als früher. (...) 

Marcel und Mama haben zusammen eine dicke Freundschaft. Marcel braucht Frieden und Freundschaft, damit er in Ruhe spielen, lesen, malen und lernen kann. Er zieht sich gern zurück und beschäftigt sich mit Oskar, dem Meerschweinchen, und mit all seinen Spielsachen und Büchern über Flugzeuge. 

Marcels Vater ist technischer Zeichner. Er hat Marcel gezeigt, wie man ein Flugzeug zeichnen muss. Marcel möchte auch gern technischer Zeichner werden, in einer Fabrik, wo Flugzeuge gebaut werden. 

Heute ist Samstag, schon zehn Uhr vorbei. Marcel ist um zehn Uhr mit seinem Vater verabredet. (...) "Was jetzt?", fragt Marcels Vater, als sie draußen auf der Straße stehen. "Mein Herr Sohn, wohin soll die Fahrt gehen?" "Hast du dir schon was überlegt?", will Marcel wissen. "Ich mach dir einen Vorschlag: Wir fahren (...) zum Flughafen und gucken uns alles an, was es zu sehen gibt." "Wau", seufzt Marcel. Er ist begeistert. Auf so eine Idee kann nur sein Vater kommen. "Los, fahr ab!"

Otti Pfeiffer: Papa nur für mich, Bindlach (Loewe) 1992, S. 30-33.

 


 

A 9 Spiel mit Grenzen

Es ist ein Morgen wie jeder andere, Viertel nach sieben. Vincent, dreieinhalb Jahre alt, sitzt am Frühstückstisch, fuchtelt mit einem Messer in der Luft herum und blitzt mich unternehmungslustig an. 

"Leg das sofort hin!" ermahne ich meinen jüngsten Sohn. Er grinst verschmitzt, dann senkt er das Besteck. Doch schon leuchtet in seinem Gesicht eine neue Idee auf. "Säge, säge, säge", singt er und rasselt dabei mit dem Messer an der Tischkante. Ich springe auf, um ihm das Werkzeug zu entreißen. Darauf hat er nur gewartet, hüpft mit einem Juchzer vom Stuhl und rennt davon. An der Tür erwische ich ihn, entwinde ihm das Messer und bin froh, dass er sich dabei nicht schneidet.

Inzwischen ist Jo, mit zehn Jahren unser Ältester, zum Frühstück erschienen - schlaftrunken und mit ungekämmten Haaren. "Guten Morgen!" begrüßt ihn Bärbel, meine Frau. Statt einer Antwort grapscht er nach einer Scheibe Brot und beschmiert sie mit Margarine. "Milch!" kommandiert er. "Wie heißt das?" fragt seine Mutter. "Gib mir die Milch - BITTE!" "Das war nicht der richtige Tonfall", sagt sie und rührt keinen Finger. Genervt erhebt er sich und holt die Milch selber.

Dann ertönt ein Verzweiflungsschrei aus der oberen Etage: "Wo ist meine Hose?" ruft Ingmar, der Achtjährige. Jetzt wühlt er wieder in der Schublade: Die eine Buxe ist zu groß, die andere zu klein, die dritte zu kratzig und die vierte zu doof. Gleich wird er die Wand anstarren, warten, bis wir nach ihm rufen, und dann klagen: "Aber ich hab' keine Hose!" Bis er schließlich doch eines der ungeliebten Kleidungsstücke übergestreift hat, ist es nach halb acht, und wir müssen die Kinder antreiben, damit sie noch rechtzeitig zur Schule kommen.

Ein ganz normaler Morgen in einer ganz normalen Familie: drei Söhne, drei Methoden, ein harmonisches Familienfrühstück zu verhindern.

Quelle: Henning Engeln: Spiel ohne Grenzen, in: GEO Wissen: Kindheit und Jugend. Nachdruck 23/1995, Hamburg (Gruner + Jahr), S. 58-61.

 


 

A 10 Ein wichtiger Geschichtenerzähler

Für den achtjährigen Leon (...) ist der Großvater ein wichtiger Mann. "Mein Opa kommt gleich nach Mama und Papa", sagt der Kleine. 

Der Großvater hat Leon gezeigt, wie man ein Bauernfrühstück zubereitet und lehrte ihn, mit einem Schnitzmesser umzugehen. Bei ihm kann sich Leon auch mal aussprechen, wenn daheim nicht alles zum Besten steht. (...) Besonders wichtig sei der Großvater als Geschichtenerzähler. Er mache Geschichte über seine Person anfassbar und stelle einen Zusammenhang zum Heute her. Nicht nur Enkel, auch viele Großväter wissen diesen Austausch zu schätzen. (...)

Heilbronner Stimme vom 1. September 2003 (Monika Hope)

 


 

A 11 Schule vereint Eltern und Kinder

Foto: VISUM

 


 

A 12 Zeit für uns

Zeichnung: Pit Grove

 

 

Fragen zu A 7-A 12:
zu A 7:
Was unterscheidet die beiden Familien in dem Text. Was ist kennzeichnend?

zu A 8: Warum sind die beiden Eltern so wichtig für Marcel?

zu A 9: Gibt es den ganz normalen Alltag? Was ist typisch, was kennst du nicht? Warum verläuft die gleiche Situation in jeder Familie anders? Überlegt euch Alternativen und versucht die Szene zu spielen!

zu A 10: Was bedeutet die gemeinsame Zeit mit den Großeltern für die Enkel?

zu A 11 und A 12: Was machst du am häufigsten mit deiner Mutter bzw. deinem Vater? Was machst du am liebsten mit deiner Mutter bzw. deinem Vater?

 

 


 

A 13  Miteinander sprechen

 

Fotos: Nomi Baumgartl


 

A 14 "Wie war's denn heute?" "Nicht so doll." ...
  1. ... "Ach du armes Ding. Komm' her und erzähl' mir alles."
    "Wir haben 'nen neuen Mathe-Lehrer. Ich hab' kein Wort verstanden."
    "Das ist aber schlimm. Soll ich dir nachher mit den Schulaufgaben helfen?"
    "Die hab' ich liegen lassen."
    "Soll ich morgen in der Schule anrufen und mit dem Direktor sprechen?"
    "Also, ich weiß nicht..."
    "Glaubst du nicht auch, dass es besser ist, den Anfängen zu wehren, bevor alles noch schlimmer kommt?"
    "Na ja ..."
    "Ich will doch nicht, dass du in der Schule durchfällst."
    "Fffffhhhh ..."

  2. ... "Du hast gut reden! Ich würde mir auch gerne mal einen schönen Tag machen, lernen und bequem in der Schule rumsitzen."
    "Na ja, heute haben sie uns ganz schön rangenommen. Der neue Mathe-Lehrer ist ganz schön bescheuert..."
    "Rede bitte nicht in diesem Tonfall über deine Lehrer! Wenn du ein bisschen besser aufpassen würdest, würdest du alles mitbekommen. Du glaubst wohl, dir muss alles auf dem Servierteller präsentiert werden!"
    "Fffffhhhh ..."

  3. ... "Na Kopf hoch, so schlimm wird's schon nicht gewesen sein oder? Willst du ein Brot?"
    "Danke. Ich mach' mir ein paar Sorgen wegen Mathe ..."
    "Dein Vater und deine Mutter sind auch keine Einsteins, und du auch nicht. Komm', schau dir was im Fernsehen an, lass dich davon nicht unterkriegen."
    "Fffffhhhh ..."

  4.  ... "So schaust du auch aus.Was ist denn schief gelaufen?"
    "Ach, wir haben einen neuen Mathe-Lehrer. Der ist zu schnell."
    "Machst du dir Gedanken, dass du da nicht mithalten kannst?"
    "Ja, schon. Ich habe ihn gefragt, ob er mir eine Sache erklären könnte, und er sagte bloß, ich sollte besser aufpassen."
    "Hmmm ... und wie hast du dich dabei gefühlt?"
    "Ich war ganz schön wütend - und die anderen haben mich auch noch aufgezogen ..., obwohl sie selber Probleme haben."
    "Also ärgerst du dich darüber, dass du in Schwierigkeiten geraten bist, weil du dich als Erster gemeldet hast."
    "Ja, so von den anderen vorgeführt zu werden, das mag ich gar nicht."
    "Was willst du denn jetzt machen?"
    "Ich bin mir nicht sicher; vielleicht frage ich ihn noch mal, wenn der Unterricht vorbei ist."
    "Glaubst du, dass es dann besser läuft?"
    "Ja schon, dann wäre mir das Fragen nicht so peinlich. Außerdem ist er wahrscheinlich auch ein bisschen unsicher. Vielleicht legt er deshalb so ein Tempo vor."
    "Du meinst, dass er selber Probleme hat?"
    "Ja, ich glaube, dass wir ihn einfach nervös machen."
    "Kein Wunder, wenn er sich mit so schlauen Schülern wie dir rumschlagen muss!"

Aus: Steve Biddulph: Das Geheimnis glücklicher Kinder, 11. Aufl., München (Heyne) 2001, S. 71ff.

 


 

A 15  Starke Schüler brauchen Stark-Macher

(...) Stark ist nicht, wer seine Muskeln fleißig trainiert und effektvoll einzusetzen weiß. Starke Schülerinnen und Schüler sind: selbstbewusst und rücksichtsvoll. Sie wissen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Sie können Konflikte bewältigen. Sie müssen nicht rauchen, weil das in ihrem Alter gerade "hipp" ist. Und sie denken nicht immer zuerst an sich. Sie wissen, was es heißt, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Solche starken Schüler gibt es (...). Das Robert- Mayer-Gymnasium Heilbronn integriert die Persönlichkeitsentwicklung jedes einzelnen Kindes in den Stundenplan: als Arbeitsgemeinschaft oder Workshop, auch eingeflochten in den "gewöhnlichen" Lehrplan.

In der 5. Klasse fängt es an. Eine Verfügungsstunde ist jede Woche fest im Stundenplan verankert. Da machen die Kinder Bekanntschaft mit ALF, sie lernen allgemeine Lebenskompetenzen und Fertigkeiten. Was ist das? Ein Beispiel: Jedes Kind erkundet seine eigenen Stärken und wird dadurch seiner selbst bewusster. Nicht nur die soziale Kompetenz der jüngsten Gymnasiasten wird aufgebaut, sie lernen auch Arbeitstechniken, die ihnen den neuen Schulalltag erleichtern.

In der Klasse 6 gibt es "stups", ein Selbstbehauptungstraining für Kinder, ein freiwilliges Angebot. Pflicht ist die Teilnahme am Kurs "Herausforderung Gewalt" der Polizei. Be smart don't start - die Verpflichtung nicht zu rauchen, ist auch in Klasse 6 verankert. Sucht- und Drogenprävention prägt das Projekt in Klasse 7. Die Achtklässler besuchen Schulteamseminare, die Drogenkonsum verhindern sollen.

"Flugzeuge im Bauch" kommt mit Pro Familia in die Schule und macht die Pubertät in allen Schattierungen zum Thema. In der 9. Klasse ist ein Aktionstag im Hochseilgarten oder das Projekt "freiraum" Highlight der Selbsterfahrung. Ein Streitschlichterprogramm wird für die 10.-Klässler aufgelegt. (...)

Heilbronner Stimme vom 19.November 2003 (Gertrud Schubert)

 


 

A 16 Gutes Benehmen

Gutes Benehmen und Umgangsformen - was gehört für dich dazu?

  Ja  Nein
Du gehst durch die Tür und lässt der nachfolgenden Person die Türe vor der Nase zufallen.    
Du bietest älteren Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln deinen Platz an.    
Du antwortest auf die Begrüßungsformel "Wie geht's?" mit "Danke, schlecht."    
Du begrüßt deine Tante aus Hamburg mit einem Knicks oder einem Diener.    
Du grüßt freundlich in die Runde, wenn du einen Raum betrittst, in dem sich bereits mehrere, dir nicht näher bekannte Personen befinden.    
Du fällst deinem Mitschüler ständig ins Wort.    
Du meldest dich am Telefon nur mit "Ja" oder "Hallo", obwohl du nicht weißt, wer anruft.    
Du bedankst dich, wenn du von der Mutter deiner Mitschülerin oder deines Mitschülers im Auto nach Hause gebracht wirst.    

 


 

A 17 Wo ist die Höflichkeit?

Die beste Freundin bekommt zur Begrüßung eine dicke Umarmung, die Omi ein Küsschen, der Lehrer ein einfaches Hallo und der Arzt einen festen Händedruck. Die Begrüßung - sie gehört zum Alltag dazu. Wer denkt da noch ernsthaft darüber nach, wen er wie begrüßt und vor allem warum? Festgefahren in ihren Ritualen, hat so ziemlich jeder Freundeskreis seine eigene Art der Begrüßung. Bei der Mädchenclique gibt's Küsschen, die 13- bis 14-jährigen Jungs klatschen sich ab und andere geben sich einfach nur die Hand.

Weder die Begrüßung der Mädchenclique, noch die der Jungs kommt ihrem ursprünglichen Sinn nach. Das Küsschen steht nur noch selten für wahre Wiedersehensfreude und das Abklatschen wirkt meist nicht wie gewollt cool, sondern eher peinlich. Zerstört wurde die Bedeutung dieser Grüße, indem sie zur Routine wurden und somit von ihrer wertvollen Bedeutung immer mehr verloren haben.

Immerhin. Diese Cliquen machen sich noch die Mühe, sich zu begrüßen und diese Begrüßung zumindest freundlich wirken zu lassen. Denn schon beim Gang in den Supermarkt vergessen die meisten Menschen diese Tugend plötzlich. Falls es eine Begrüßung gibt, fällt diese oft mürrisch aus. Ein nettes Lächeln oder ein freundlicher Blick in die Augen ist zu viel verlangt.

Die Höflichkeit bleibt auf der Strecke. Genauso ist es bei den zahlreichen Jugendlichen, die, wenn sie ihren Mathelehrer sehen, an plötzlicher Blindheit erkranken, um nicht grüßen zu müssen. Doch nicht nur Jugendlichen ist diese Anstrengung zu groß. Vielen Erwachsenen mangelt es oftmals auch an Respekt und Höflichkeit gegenüber Jugendlichen und vor allem Kindern. Warum sich auch unnötig bemühen wegen eines Grußes?

Ehrliche und zugleich freundliche Begrüßungen sind zur Seltenheit geworden. An ihre Stelle sind Unfreundlichkeit, Feigheit, Falschheit und Routine gerückt. Traurig für alle, die ihre Begrüßung ernst meinen. Doch sicher ist eins: Jeder mit ein bisschen Menschenverstand merkt den Unterschied zwischen einem ehrlich gemeinten und aus falscher Freundlichkeit ausgesprochenen Gruß.

Heilbronner Stimme vom 5. Februar 2004 (Jana Müller)

 


 

A18 So oder so?

Foto: DIAGENTUR

Foto: Nomi Baumgartl


 

A 19 Tischmanieren

Zeichnung: Pit Grove

 


 

A 20 Benimmkurse bei schlechter Kinderstube?

Pünktlichkeit, Ausreden lassen, Sauberkeit und Grüßen: Sollen diese Benimmregeln in der Schule unterrichtet werden? Anstand und Benehmen gehören zu einer guten Bildung. Gehören Benimmkurse auf den Lehrplan? Dazu zwei Meinungen:

Oliver Haas (24), Sozialversicherungsfachangestellter aus Bretten

So etwas dürfte es eigentlich nicht geben. Es müssten die Benimmregeln von Haus aus vorhanden sein. Ich denke aber, heutzutage müssten solche Benimmkurse stattfinden. Der ein oder andere hätte es bestimmt nötig.

Gabriele Wilke (51), Hausfrau aus Wüstenrot

Ich fände es sehr sinnvoll. Die Jugendlichen grüßen kaum noch ältere Menschen. In der Stadt ist es gar nicht mehr üblich, auf dem Land noch eher. Wenn die Kinder nicht im Elternhaus angehalten werden, sich zum Beispiel bei Tisch zu benehmen oder älteren Menschen zu helfen, sollte dies die Schule, zumindest teilweise, übernehmen.

Heilbronner Stimme vom 6. September 2003 (Lina Scheu)

 


 

A 21  Benehmen ist angesagt

Schlechte Manieren kommen auch bei Kindern untereinander nicht an: Bitte, Danke und Entschuldigung sagen halten 95 Prozent der Schüler zwischen sechs und 13 Jahren für eine ganz wichtige Benimmregel, wie eine Umfrage ergab. Das Gleiche gilt für grüßen und andere ausreden lassen. Jedes sechste Kind kann es partout nicht ausstehen, wenn neben ihm gerülpst wird. Häufig genannt wurden auch schlechte Eigenschaften wie Angeben, Schreien oder Zicken.

Heilbronner Stimme vom 19. März 2004

 

 

Fragen zu A 13-A 21:

zu A 13: Betrachte die beiden Gesprächssituationen! Was fällt dir auf? Was könnten die Personen sprechen? Schreibe dies in Sprechblasen!

zu A 14: Bildet nach dem Lesen der Texte Gruppen und überlegt euch die unterschiedlichen Gesprächssituationen. Charakterisiert das Gespräch und achtet dabei besonders auf folgende Aspekte:

  1. Wie viel redet der Erwachsene, wie viel das Kind?
  2. Kann das Kind im Laufe des Gesprächs zum Kern der Sache vordringen und wie entwickeln sich seine Gefühle im Laufe des Gesprächs?
  3. Wer löst das Problem?
  4. Vergleicht die vier Gespräche und begründet, welches euch am besten gefällt!

zu A 15: Du hast den Artikel in einer nicht ortsüblichen Zeitung gelesen und möchtest das Projekt auch in eurer Schule anregen. Was berichtest du überzeugend darüber?

zu A 17-A 20:Wo ist die Höflichkeit? (A 17) Was zählt!

Gibt es richtiges und falsches Verhalten? Begründe!

Vergleiche die beiden Fotos in A 18 unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Umgebung! Was sagst du zu der Karikatur A 19?
Was ist deine Meinung zum Thema Benimmkurse in der Schule bei schlechter Kinderstube?

zu A 21:Was meinst du zu den Umfrageergebnissen? Ergänze mit weiteren Beispielen, die für dich besonders wichtig sind.

 

 

 


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