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Zeitschrift Der Seminarkurs
Ein Weg zur Methodenkompetenz Methodentraining als
Vorbereitung Heft 3/2002 , Hrsg.: LpB
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Ein besonderes Schulprofil. Am Evangelischen Heidehof-Gymnasium Stuttgart gehört ein dreiwöchiges Sozialpraktikum zum festen Programm jedes Schülers am Ende von Klasse 11. Zu diesem traditionellen Schwerpunkt des Schulprofils passt eine thematische Ausrichtung des Seminarkurses, die soziale Aspekte unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses stellt. So entschied sich das Lehrerinnenteam für ein Thema, das verschiedene Ansatzmöglichkeiten bietet, um soziale Spannungsfelder im lokalen oder auch globalen Umfeld zu untersuchen. Lebensumfeld und Aktualität. "Neuer Reichtum, neue Armut": Diese gesellschaftliche Tendenz lässt sich im unmittelbaren Lebensumfeld der Schüler und Schülerinnen wahrnehmen, bearbeiten und überprüfen. In räumlich entfernten Regionen Osteuropas oder in der "Dritten Welt" nehmen wir das Phänomen vor allem über die Medien wahr. Das Thema kann den jungen Menschen sowohl direkt in ihrer Familie, ihrem Bekanntenkreis oder auf der Straße in der Innenstadt begegnen, wie auch indirekt in der Berichterstattung von Zeitungen, Funk und Fernsehen. Dementsprechend ist eine vielfältige Schwerpunktsetzung innerhalb des Gesamtthemas möglich. Diese Fokussierung ist aber auch notwendig, um tatsächlich zu konkreten, verwertbaren Erkenntnissen zu gelangen. Um die Motivation der Kursteilnehmer zu wecken und zu erhalten, bietet sich ein Gesamtthema an, dem aktuelle Sprengkraft zugesprochen werden kann. In diesem Fall handelt es sich um ein politisch aktuelles Thema, das nicht nur im Alltag, sondern auch in den Medien präsent ist, beispielsweise auch, wenn es in erster Linie um Fragen der Steuerreform, der Renten- und Familienpolitik, der Einwanderung, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder -hilfe geht. Fächerverbindung und methodische Vielfalt. Die Fächer, die bei diesem Seminarkursthema berührt sind, umfassen das Spektrum von Gemeinschaftskunde, Religion, Geschichte, Erdkunde und Deutsch. Selbst Mathematik ist gefordert, wenn jemand den Bereich statistisch aufarbeiten will. Natürlich wird das Spektrum zunächst von den Fächern ausgehen, welche die leitenden Lehrerinnen repräsentieren. Doch sollte bei vorhandenem Interesse die Chance genutzt werden, auch die Kompetenzen anderer Lehrkräfte und außenstehender Personen mit einzubeziehen. Bei der Bearbeitung des Projekts sollte eine große methodische Vielfalt angestrebt werden. In den bisherigen Teams wurden sowohl die klassischen Methoden der Literaturauswertung und der Recherche im Internet angewandt als auch stärker empirische Formen wie Interviews, Besuche von Einrichtungen oder eigene Erkundungen vor Ort. Wenn sich verschiedene Teams für unterschiedliche Bearbeitungsformen entscheiden, so kann dies zu sehr fruchtbaren Vergleichen und Diskussionen über Leistung und Reichweite verschiedener wissenschaftlicher Methoden führen. Die Arbeitsweise des Seminarkurses Selbstverantwortung. Die Arbeitsweise des Seminarkurses ist in besonderer Weise dazu angetan, dem Prinzip der Selbstverantwortung Rechnung zu tragen, das in der Schule oft eine untergeordnete Rolle spielt, gleichzeitig aber in der Arbeitswelt, besonders im Unternehmensmanagement, einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Oft erleben Schüler und Schülerinnen den Übergang von der Schule zur Universität und in die Arbeitswelt als erheblichen Bruch, da von ihnen plötzlich selbstverantwortliche Entscheidungen erwartet werden, während es bis zum Abitur nur allzu leicht war, Verantwortung auf diejenigen abzuschieben, die für die eigene Schulzeit verantwortlich sind, namentlich Schule und Elternhaus. Da erwachsen zu werden Selbstverantwortung voraussetzt, kann die Arbeitsweise des Seminarkurses eine Einübung von Selbstverantwortung bieten, von der die Schüler und Schülerinnen über ihre Schulzeit hinaus profitieren. Teamarbeit bezeichnet eine der immer wieder geforderten so genannten Schlüsselqualifikationen. Dabei ist Teamarbeit weder für Schüler noch für Lehrer selbstverständlich. Deshalb und wegen der größeren Fächer- sowie Kompetenzvielfalt ist es wünschenswert, den Seminarkurs auch tatsächlich im Team zu unterrichten, auch wenn das mit zusätzlichem Koordinationsaufwand verbunden ist. Für die Schülerinnen und Schüler geht die Arbeit im Team deutlich über das hinaus, was sie bisher als Gruppenarbeit aus dem regulären Unterricht kennen. Im Seminarkurs ist die Phase des gemeinsamen Arbeitens sehr lang; sie erstreckt sich fast über das gesamte Schuljahr. Jeder ist in weit stärkerem Maße als im regulären Unterricht auf die anderen Teammitglieder und deren Kooperationsbereitschaft und Engagement angewiesen. Von einem bestimmten Zeitpunkt an kann niemand mehr das Team wechseln. Die Folgen einer gelungenen oder misslungenen Teamarbeit für das eigene Ergebnis sind nicht zu unterschätzen. Begleitung der Teams. Es war für die Lehrerinnen wichtig, den Prozess der Teamarbeit aufmerksam zu begleiten, Hilfestellung zur Konfliktbearbeitung zu geben oder Gruppen- und Einzelgespräche zu führen. Die Kursteilnehmer müssen lernen, dass Unstimmigkeiten oder Konflikte normal sind, manchmal sogar gewinnbringend sein können. Im Extremfall kann es sogar notwendig werden, die Schüler nicht zur weiteren gemeinsamen Arbeit zu ermutigen, sondern eine Trennung der Arbeitsbereiche zu empfehlen. Durch ständige Konflikte können die Reibungsverluste so groß werden, dass kein gutes Ergebnis zu erwarten ist. Das Eingeständnis des Scheiterns eines Teams ist durchaus möglich und muss realistisch in Betracht gezogen werden. Die Gründe für das Scheitern können verschieden sein: die völlige Unvereinbarkeit der Terminkalender, die Überforderung eines Mitglieds oder eine nicht zu bereinigende Antipathie einzelner Personen, die erst durch die intensive Zusammenarbeit entstanden sein mag. Eine begleitende bewusste Reflexion der Teamarbeit kann förderlich für den Erfolg sein. Die Materialien A 10 bis A 13 im Baustein A geben wertvolle Tipps für die Teamarbeit. Zeitmanagement. Der Seminarkurs erfordert einen anderen Umgang mit Zeit als ihn die Schüler und Schülerinnen vom normalen Unterricht her gewohnt sind. Das beginnt mit der flexiblen Gestaltung der Kurssitzungen, deren Länge sich an inhaltlichen Erfordernissen orientiert und nicht am üblichen 45-Minuten-Takt. Der Stundenplan lässt nach der zwei- bis dreistündigen wöchentlichen Sitzung meist noch Zeit für die weitere Arbeit der Teams außerhalb der Schule. Das erleichtert die Organisation der Teamtermine. Da der Seminarkurs über eine lange Zeit hinweg kontinuierliche selbstständige Arbeit erfordert, werden die Schüler und Schülerinnen mit ihrem persönlichen Zeitmanagement Erfahrungen machen, die in der ansonsten kleinschrittigen Arbeitsweise des Unterrichtsalltags nicht oder nicht so deutlich in Erscheinung treten. Auch im Erleben und Erlernen eines guten und für jeden persönlich passenden Zeitmanagements liegt ein wichtiges Lernziel des Seminarkurses. Verbindlichkeit. Für einen sinnvollen Umgang mit der Zeit sind gemeinsame Planung, feste Termine und verbindliche Absprachen nötig. Auch wenn für die Grobplanung des Schuljahres einige Vorgaben von Lehrerseite nötig sind, sollte die Terminplanung im Einzelnen so weit wie möglich von den Kursteilnehmern vorgenommen werden. So erhalten Termine eine stärkere Verbindlichkeit und so wird die Verantwortung für alle deutlich gemacht, gelegentlich die Terminplanung auch zu überprüfen und eventuell zu aktualisieren. Zwischenbilanzen strukturieren den Weg durch das Schuljahr und führen - wenn die Ausdauer nachlässt - das nahende Ziel wieder vor Augen. Sie helfen auch, sich die bereits beachtlichen, schon zurückgelegten Etappen bewusst zu machen. Wichtig für die Gruppe ist zum Beispiel ein Zwischenbericht der eigenen Teamarbeit, der bis zu einem bestimmten Termin vorzulegen ist, und nicht einfach, weil "etwas dazwischen kam", in die nächste Stunde verschoben werden kann. Das Vereinbaren und Einhalten von Absprachen und Terminen stellt ein eigenes Lernziel des Seminarkurses dar. Besondere Anforderungen und Ziele
Wissenschaftliches Arbeiten. Das Entwickeln von bearbeitbaren Fragestellungen stellt eine nicht zu unterschätzende Anforderung des Seminarkurses dar, denn dass Lernende selbst die Fragen stellen, kommt im Unterricht eher selten vor. Dass zu einem korrekten wissenschaftlichen Arbeiten die Belege benutzter Quellen gehören, muss erläutert und ge-übt werden. Mögliche Ergebnisse sind zu erörtern, um abzuschätzen, ob sich eine gewählte Fragestellung zur weiteren Bearbeitung überhaupt eignet. Selbstorganisation. Um die Selbstorganisation zu fördern, hat sich in Seminarkursen das Führen eines Werkstattbuches bewährt, in das die Kursteilnehmer vom Beginn ihrer Arbeit an Notizen, Termine, Anmerkungen, Ergebnisse und weiterführende Gedanken eintragen. Das Werkstattbuch erspart das Suchen nach Aufzeichnungen an verschiedenen Orten und gewährleistet so eine sinnvolle Selbstkontrolle. Man kann sich auch später leichter Rechenschaft darüber ablegen, wieviel Zeit für welche Arbeitsphasen gebraucht wurde. Das Werkstattbuch ermöglicht für die Lehrenden auch Einblick in die persönliche Arbeitsweise der Lernenden, die ja beim Seminarkurs häufig außerhalb der Schule stattfindet und deshalb sonst schwer nachvollziehbar ist. Präsentationsfähigkeit. Auch wenn die Schüler und Schülerinnen am Ende des Schuljahrs mit der Abgabe der Dokumentation, der Vorbereitung des Kolloquiums und ihren sonstigen Kursen stark be-lastet sind, sollte auf eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse besonderer Wert gelegt werden. Nach den Strapazen des Schuljahres lässt sich hier stolz und engagiert zeigen, was geleistet wurde. Das Präsentieren selbst wird ja im Seminarkurs immer wieder praktiziert, zum Beispiel in den Zwischenberichten der Teams. Die Abschlusspräsentation kann in sehr unterschiedlicher Form - als Ausstellung, als Vortragsabend, als Podiumsdiskussion - stattfinden, je nach Thema und Vorlieben der einzelnen Teams. Auch hier kommt es auf die gemeinsame Verantwortung für eine gelungene Veranstaltung an, inklusive Werbung und Einladung. Die Lehrkräfte dürfen nicht der Versuchung nachgeben, eigene Vorstellungen durchsetzen zu wollen. Zum guten Präsentieren gehört der Stolz auf das, was man präsentiert, gehört das sichtbare Engagement und die Überzeugung von der eigenen Sache. Dafür muss die Atmosphäre stimmen und der äußere Notendruck darf nicht allzu groß sein, auch wenn die Schlusspräsentation selbstverständlich in die Bewertung einfließt. Die Präsentation und ihre Beurteilung wird ausführlich im Baustein C behandelt. Der Kursverlauf Hinführung zu den Inhalten. Die erste Sitzung des Seminarkurses war einer inhaltlichen Annäherung an das Gesamtthema "Neuer Reichtum - neue Armut" gewidmet und machte mit den besonderen Zielen und Anforderungen des Seminarkurses vertraut. Daneben standen auch das gegenseitige Kennenlernen und die Klärung von Erwartungen der Lehrerinnen und der Schüler und Schülerinnen im Mittelpunkt. Als Einstieg dienten Bilder mit Menschen in unterschiedlichen Situationen und Karikaturen, die etwas mit dem vorgeschlagenen Thema zu tun hatten (Beispiel: B 1). Jeder sollte sich ein Bild auswählen, das ihn in Bezug auf das Thema angesprochen hatte. Anschließend stellte er oder sie sich der Gruppe vor, begründete die Wahl des Bildes und formulierte seine Erwartungen an den Seminarkurs. Wichtig war die Besprechung des Zeitplans (B 2), da die Schüler und Schülerinnen von Anfang an in die Kursplanung einbezogen werden sollten. Am Ende der ersten Sitzung entstand ein Mindmap zum Thema "Neuer Reichtum - Neue Armut" (B 3), das möglichst viele Aspekte ins Bewusstsein rücken sollte. Dabei entwickelten die Schüler und Schülerinnen bereits eine Vorstellung, mit welchem Aspekt sie sich im Laufe des Jahres intensiv beschäftigen wollten. An der Sammlung von Assoziationen war zu sehen, dass die Schüler und Schülerinnen den Bereich "Neuer Reichtum" wenig im Blick hatten. Die zweite Sitzung diente einer Erprobung der Lernziele des Kurses im Kleinen (Besondere Anforderungen und Ziele). Eine Übung war der Bau einer Brücke aus Bänken mit anschließender Erklärung und Präsentation der Konstruktion. Hierbei üben sich die Kursteilnehmer in Präsentationsfähigkeit, Gruppenentscheidungen sowie in der Entwicklung von Fragestellungen, von Kreativität und Lösungen. Ein Gespräch über die Erfahrungen in den Gruppen bildete den Abschluss. Leitende Fragestellungen waren: Wie haben wir uns als Team erlebt? Wie habe ich mein Team erlebt? Kamen alle Gruppenmitglieder zu Wort? Hörten die anderen und ich selbst zu? Fühlte sich jeder ernst genommen? Kamen die Fähigkeiten der einzelnen Gruppenmitglieder zur Geltung? Wurde die Gruppe durch einzelne Mitglieder dominiert? Haben sich Einzelne nicht eingebracht? Training der Präsentationsfähigkeit. Die folgenden Sitzungen waren dem Training von Methoden der schriftlichen und mündlichen Präsentation gewidmet. Zunächst gab es Übungen in Rhetorik und freiem Sprechen. Besonderes Augenmerk sollte auf den Beginn einer Unterhaltung, die Sprache, die Gestik, die Mimik, die Haltung und die Stimmführung gelegt werden. Anschließend wurden die Ergebnisse auf die Rede übertragen, wobei deutlich wurde, dass erfolgreiches Reden immer den anderen und seine Situation im Blick haben muss, dass der Redner wissen muss, was er erreichen will, wie entscheidend der erste Satz ist, welche Bedeutung Körperhaltung, Mimik und Gestik haben. (B 4). Vergleiche dazu auch Baustein C. Eine gute Zusammenfassung wichtiger rhetorischer Grundregeln bieten Kurt Tucholskys "Ratschläge für einen schlechten Redner" (Text auch bei Büttner, D 77, S.36). Die Schüler und Schülerinnen erhalten den Text mit der Aufgabe, ihn zu einer kurzen Rede umzuarbeiten mit dem Thema "Was einen guten Redner auszeichnet. Tipps für eine gelungene Rede!" Einige kurze Reden wurden an Hand von Stichworten gehalten und besprochen. Karikaturen zu einzelnen wichtigen Aspekten einer Rede sollten deutlich machen, wie man sinnvoll einsteigt, ohne die Zuhörer zu überfordern (B 6), wie man eine Argumentation klug aufbaut, wie wichtig ein klar gesetzter Schlusspunkt ist. Die Karikatur B 5 machte schließlich schnell klar, dass ein kluger Körpereinsatz ein wichtiges Element eines guten Vortrags ist. Um ihre besonderen Interessen am Gesamtthema herauszufinden, erhielten die Kursteilnehmer für die nächste Sitzung die Aufgabe, jeweils eine höchstens zehnminütige Rede zu einem Aspekt des Kursthemas auszuarbeiten und frei zu halten. In dieser Sitzung wurde ein Instrumentarium zur Beurteilung von Redner und Rede entwickelt. Die restlichen Reden wurden in kleinen Gruppen gehalten und an Hand des Beurteilungsbogens (B 7) besprochen und dem Redner oder der Rednerin neben der besonders wichtigen positiven Rückmeldung Anregungen gegeben, woran er oder sie arbeiten sollte .In der ersten Sitzung hatten die Schüler und Schülerinnen die Aufgabe erhalten, eine sozial-karitative Einrichtung in Stuttgart zu besuchen, danach die Gruppe über Ziele und Arbeit der Einrichtung zu informieren und einen schriftlichen Bericht anzufertigen (B 8). An Hand dieser Präsentationen wurde noch einmal auf die mündliche Präsentation eingegangen, wobei der Schwerpunkt dieses Mal auf der Notwendigkeit und den Möglichkeiten der visuellen Unterstützung lag. Die Karikatur B 9 leitete zu der Fragestellung über, welche Fehler bei einer Präsentation vermieden werden sollten und was eine gute Präsentation ausmacht. Auch auf die Recherche als Methode der Informationsbeschaffung, auf Methoden des Interviews und auf sinnvolle Fragestellungen wurde dabei eingegangen. Der Text B 10 ist die selbstständige Arbeit eines Teams. Die Schülerinnen wollten diese Methode für ihre Arbeit (Soziale Einrichtungen in Stuttgart am Beispiel des Sozialkaufhauses und der Vesperkirche) nutzen. Sie befragten eine Journalistin und entwickelten aus diesem Gespräch die "Methoden des Interviews". Die schriftlichen Arbeiten wurden besprochen, vor allem auch in Hinblick auf Aufbau und Struktur der Dokumentation. Hierzu wurden Beispiele aus wissenschaftlichen Arbeiten vorgelegt. Teambildung, Themenfindung und Methoden. Die folgenden beiden Sitzungen dienten der Teambildung und der endgültigen Themenfindung der Gruppen. Auf dem Hintergrund der bisherigen Recherchen, der Reden und des in der ersten Sitzung erstellten Mindmaps wurden mit Hilfe der Modera-tionsmethode mögliche Themen eruiert und inhaltliche Dimensionen ausgewählter Themen in Kleingruppen überlegt und der Gesamtgruppe vorgestellt. Die Schüler und Schülerinnen sollten sich danach in Ruhe ihr Schwerpunktthema überlegen und mit wem sie zusammenarbeiten wollten. Es war wichtig, für die Themenfindung und die Teambildung viel Zeit zu lassen, denn oft ist es entscheidender, mit wem man zusammen arbeitet, als an welchem Thema man arbeitet. Ausgewählt wurden folgende Themen:
Nachdem Teams und Einzelthemen feststanden, gingen die Lehrerinnen auf die Probleme jener Teams ein, in denen jeder nur sein eigenes Interesse im Blick hatte und nicht das gemeinsame Ziel. Die Karikatur B 11 veranschaulicht, wie aus einzelnen Interessen zielgerichtetes Handeln werden kann. Die ausgewählten Einzelthemen vor Augen ging es noch um Methoden der Informationsbeschaffung, eine Einführung ins Internet und in die sinnvolle Nutzung von Bibliotheken und Büchern.
Der Seminartag. Es folgte ein etwa dreiwöchiger Zeitraum zur Bearbeitung der einzelnen Themen mit dem Ziel, an einem gemeinsamen Seminartag die ersten Ergebnisse und ein Exposé
(B 12) vorzustellen. Während dieser Zeit führten die Lehrerinnen mit jeder Gruppe ein Gespräch über den Stand ihrer Arbeit. Als wichtige Zäsur und Motivation für die weitere Arbeit erwies sich der Seminartag
Die Arbeit und ihre Begleitung. Im folgenden Zeitraum stand die intensive Arbeit der Teams an ihrem Thema im Mittelpunkt. Wichtige Kristallisationspunkte waren regelmäßige Präsentationen des Arbeitsfortschritts im Plenum, laufende Gespräche mit den Lehrerinnen und das Führen und Besprechen der Werkstattbücher (LEU: Seminarkurs auf der gymnasialen Oberstufe, S. 38f.). Die Teams arbeiteten zum größten Teil außerhalb der Schule. Einige Sitzungen sollten allerdings in der Schule abgehalten werden, damit die Lehrerinnen Einblick in die Art der Teamarbeit und das Verhalten Einzelner im Team gewinnen konnten. Manche Fragen und Probleme treten erst im Verlauf des Kurses auf. Ihre Bearbeitung ist dann sinnvoll, wenn sie sich für die Schüler und Schülerinnen als problematisch herausstellen. Das war zum einen das Thema Zeitmanagement .Dokumentation, Kolloquium und Präsentation. Den ersten Höhepunkt des Kurses bildete die Fertigstellung der Dokumentationen, die allesamt bewiesen, dass sich die Kursteilnehmer mit viel Engagement und Sachverstand an die Arbeit gemacht hatten. Bis man das gebundene Exemplar tatsächlich in den Händen hielt, mussten noch so viele kleinere und größere Hürden genommen werden, dass schon allein das äußere Erscheinungsbild der schriftlichen Dokumentation alle Beteiligten mit Stolz erfüllte (B 17 bis B 20). Das Kolloquium gab Gelegenheit, einzelne Ergebnisse der Dokumentation im Prüfungsgespräch noch einmal zu diskutieren. Hier hat es sich als fruchtbar erwiesen, Gedanken des Werkstattbuches aufzugreifen, die oft nicht alle in der späteren Dokumentation auftauchen. So kann in Gesprächen begründet werden, warum bestimmte Wege weiterverfolgt wurden, andere nicht, und welche Konsequenzen das hatte. Den abschließenden Höhepunkt bildete die öffentliche Präsentation der Arbeiten des Seminarkurses, die im Rahmen einer Schulveranstaltung nur in sorgfältig ausgewählten Ausschnitten vorgestellt werden können. Zur Kunst des Präsentierens gehören die Auswahl geeigneter Teile der gesamten Arbeit sowie die Beherrschung von Präsentationstechniken, die im Kurs erworben und trainiert wurden und hier noch einmal unter Beweis gestellt werden konnten. So wurden beispielsweise zum Thema "Armut, global gesehen" Plakatwände gestaltet und zum Thema "Armut und Wirtschaft in Deutschland" Vorträge mit Unterstützung ausgewählter Karikaturen und Statistiken als Overhead-Folien gehalten. Das Thema "Spendenaktionen in den Medien" wurde präsentiert, indem das Team ein Interview mit einem SWR-Mitarbeiter führte, den die Schülerinnen zur Präsentation eingeladen hatten. Zum Thema "Soziale Einrichtungen in Stuttgart" gab es sowohl eine Diareihe zu sehen, die bei diversen Besuchen dieser Einrichtungen entstanden war, als auch eine Videodokumentation, die mehrere Monate im Internet abgerufen werden konnte http://www.Vesperkirche.de. Gerade die Präsentation hat sich für die Schüler und Schülerinnen als wichtiger Schlusspunkt erwiesen, obwohl sie zunächst gar nicht begeistert davon waren, nach Dokumentation und Kolloquium ein drittes Mal ihre Leistungen zeigen zu müssen. Aber schließlich war es ihnen am Ende doch wichtig, mit einigem Stolz einer größeren Öffentlichkeit gegenüberzutreten und durch die Präsentation eine wichtige Bestätigung für die geleistete Arbeit zu erhalten .Die meisten Kursteilnehmer investieren in den Seminarkurs sehr viel Zeit und Kraft, selbst wenn die Professionalität der Ergebnisse und der Präsentation noch zu wünschen übrig lassen sollte. Je mehr Freiraum die Schüler haben, um sich selbst methodische Kompetenzen zu erarbeiten, um so mehr sind ihre Ergebnisse tatsächlich ihre eigenen, selbst wenn sie manchmal nicht allzu spektakulär ausfallen. Natürlich lassen Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler nicht jeden Irrweg beschreiten. Lehrerinnen und Lehrer müssen aber der Versuchung widerstehen, einen Seminarkurs mit Blick auf beeindruckende Ergebnisse womöglich von vornherein zu stark zu dirigieren. Erfahrungen Ein Jahr ist kurz! Man sollte sich am Anfang nicht zu viel Zeit lassen, sonst verlagert sich die meiste Arbeit ins zweite Halbjahr und am Ende muss man sich womöglich mit weniger zufrieden geben, weil die Zeit nicht gereicht hat. Eine übersichtliche, realistische Planung verhindert böse Überraschungen. Ein Termin ist ein Termin! Es gilt streng und konsequent zu sein, denn junge Leute sind oft nicht gewohnt, ihre selbst gesetzten Termine auch einzuhalten. Nur mit verlässlichen Partnern kann man gut zusammenarbeiten. Jede Gruppe ist anders! Da es sich bei Seminarkursen um relativ kleine Kurse handelt und der Einzelne ganz besonders zählt, können Seminarkurse je nach Besetzung auch sehr verschieden sein. So können wenig allgemeingültige Ratschläge gegeben werden. Wichtig ist, dass die Verantwortlichen nicht mit einem festgelegten Konzept in den Seminarkurs gehen, sondern offen und aufnahmefähig sind für das, was die jeweilige Zusammensetzung an Potenzial, aber auch an Schwierigkeiten mit sich bringt. Der Weg ist das Ziel! Auch wenn auf den ersten Blick die Dokumentation, das Kolloquium und die Abschlusspräsentation als die Krönung des Seminarkurses erscheinen, liegen viele wesentliche Lernziele auf dem Weg dorthin. Eine gründliche, mühsame Recherche, auch wenn sie relativ wenig vorweisbare Ergebnisse erzielt, kann wertvoller und reicher an Lerneffekten sein als eine am Ende erstellte Hochglanzbroschüre, an der die gesamte Familie und ihre hervorragende technische Ausstattung einen großen Anteil hatten. Sich gut verkaufen heißt gut sein! Präsentationsfähigkeit gehört zu den überall verlangten Schlüsselqualifikationen. Um sie zu erlangen, gibt es reichlich Rezepte - gute und weniger gute. Schüler sind auf ihre eigenen Produktionen stolz, sehen sie aber auch kritisch. Das sollten wir ihnen nicht austreiben, indem wir ihnen beibringen, alles mit großem Aufwand als Nonplusultra zu verkaufen. Zunächst geht es um Qualität und Niveau. Gute Anleitungen zum Präsentieren verweisen immer wieder darauf, dass weniger manchmal mehr sein kann. Literaturhinweise Ralf Büttner: Rhetorik im Deutschunterricht. Stuttgart: Landesinstitut für Erziehung und Unterricht 1991 Heinrich und Gudrun Fey: Redetraining als Persönlichkeitsentwicklung. Stuttgart: Rhetor 1975 Klaus Poenicke: Die schriftliche Arbeit. Duden. München: Duden-Verlag 1989 Lothar J. Seiwert: Das neue 1x1 des Zeitmanagements. Offenbach: Gabal 1997
Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden Landesinstitut für Erziehung und Unterricht: Seminarkurs auf der gymnasialen Oberstufe. Stuttgart 1998 Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft: Seminarkurs in der gymnasialen Oberstufe. Stuttgart 1998
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