Zeitschrift 

Europa wählt -
Europa wird größer!

Europa wählt

Europa wird größer

Europa wird anders

Perspektiven, Chancen und Probleme

 

Heft 1-2/2004, 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

C28 - C30

Der Euro kommt später


C28 

Auf den Euro müssen die neuen EU-Staaten warten

Frühestens zwei Jahre nach dem EU-Beitritt könnte in den Beitrittsländern auch der Euro eingeführt werden. Dass die Mehrzahl der zehn neuen Mitgliedstaaten die europäische Währung haben will, daran gibt es … kaum Zweifel. Die Frage ist, ob sich die Beitrittsstaaten auch so schnell für den Euro qualifizieren können und welche Folgen das für ihre Wirtschaft hätte … Vor allem bei den Staatsverschuldungen sieht es in vielen Beitrittsstaaten noch schlecht aus. In Polen, Ungarn und Tschechien liegen die Haushaltsdefizite (2003) voraussichtlich bei fünf bis acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts, weit oberhalb der erlaubten 3-Prozent-Grenze … Für den Eurobeitritt müssten die osteuropäischen Länder ihre Verschuldung deshalb spürbar zurückfahren … Das aber hätte eine "rigorose Sparpolitik" zur Folge … Damit würde wiederum das Wachstum dieser Länder in den kommenden Jahren spürbar gebremst.

Aber auch der Wechselkurs ist ein "kritische Größe" … Denn die Vorgabe für den Eurobeitritt heißt: Erst wird ein bestimmter Wechselkurs etwa des Zloty zur europäischen Einheitswährung festgelegt, anschließend dürfen die Schwankungen am Devisenmarkt zwei Jahre lang nicht mehr als 15 Prozent nach oben und unten betragen … Wie schwierig das sein wird, zeigen die teils heftigen Schwankungen, denen die Währungen Polens, Ungarns und Tschechiens in den vergangenen Jahren unterworfen waren.

Die Schätzungen, wann die Beitrittsländer den Euro einführen werden, gehen denn auch weit auseinander. (Sie reichen vom Jahr 2006 über fünf Jahre bis hin zum "Ende dieses Jahrzehnts".) Dennoch werden die Osteuropäer damit schneller sein als die Briten … Für die Europäische Zentralbank würde ein Beitritt Großbritanniens zum Eurosystem eine wesentlich größere Herausforderung darstellen als alle osteuropäischen Staaten zusammen. Denn die Wirtschaftskraft der neuen EU-Mitglieder beträgt insgesamt nur knapp zehn Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der Eurozone. Und der Inflationsdurchschnitt im Euroraum wird laut Schätzungen durch diese Staaten um lediglich 0,1 Prozentpunkte nach oben steigen. Das ist zu wenig, um die Geld- und Zinspolitik der Eurohüter nachhaltig zu beeinflussen …

Stuttgarter Zeitung, 11. Juni 2003 (Holger Paul).

 

C29 

Keine Gefahr für den Euro!

Von der Osterweiterung der Europäischen Union gehen keine Gefahren für den Euro aus. Im Gegenteil: Die Vergrößerung des Währungsgebiets nach Osten wird den Euro stärken ...

Erstens können die Beitrittskandidaten erst dann beitreten, wenn sie die strikten Bedingungen für den Beitritt zur Währungsunion erfüllen, und zweitens sind diese Länder ökonomisch betrachtet so klein, dass ihr Beitritt keine nennenswerten Auswirkungen auf Euroland hat ... Das Sozialprodukt der zehn Beitrittskandidaten ... macht zusammengenommen nur etwa sechs Prozent der Wirtschaftskraft der heutigen Europäischen Währungsunion aus. Damit ist offensichtlich, dass diese Staaten keinen bestimmenden Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung in Euroland ausüben werden.

Betrachtet man die umlaufende Geldmenge, wird der Unterschied noch deutlicher: Die ... Geldmenge der Bewerberstaaten beträgt nur etwa drei Prozent der Geldmenge der derzeitigen Europäischen Währungsunion.

Norbert Walter in: Das Parlament vom 12. Januar 2001, S. 13.

 

C30 

Der Fahrplan zum Euro

 

Voraussichtliche Termine für die Einführung der Einheitswährung in den zehn Beitrittsländern

Mai 2004:

Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Ungarn und Zypern treten der Europäischen Union bei.

Spätsommer 2004:

Teilnahme am Europäischen Wechselkurssystem EWS II:

Für jede nationale Währung wird ein Wechselkurs gegenüber dem Euro festgelegt. Die Währungen dürfen in der Folge höchstens um 15 Prozent von dem Referenzkurs abweichen. Bricht eine Währung aus, müssen nationale Notenbank und Europäische Zentralbank (EZB) intervenieren.

Spätsommer 2006:

Der Ecofin (Rat der europäischen Finanzminister) prüft, ob die zehn neuen EU-Länder die Maastricht-Kriterien erfüllt haben.

Voraussetzung zur Prüfung:

zwei Jahre ohne Abwertung im EWS II.

Die Maastricht-Kriterien sind:

  1. Die Inflationsrate darf den Durchschnitt der drei niedrigsten EU-Länder um nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte überschreiten.
  2. Die langfristigen Zinsen dürfen den Durchschnitt der drei niedrigsten EU-Länder um nicht mehr als 2 Prozentpunkte überschreiten.
  3. Das Haushaltsdefizit darf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten.

Anfang 2007

Frühestmögliche Einführung des Euro als Recheneinheit.

Ab 2008

Die neuen EU-Länder geben Euro-Scheine und -Münzen aus.

 

Die ZEIT, 12. Dezember 2002.


 


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