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Medien

 

BAUSTEIN B

Das Internet

 



 

Inhaltsverzeichnis

 

Information und Kommunikation gelten als die Ressourcen des 21. Jahrhunderts. Doch es besteht die Gefahr, dass nicht alle den Sprung ins nächste Jahrtausend schaffen:
"Manche Revolutionen sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. Wer nicht selbst im Internet surft, hat vielleicht noch nicht gemerkt, dass ein kleiner Teil der Menschheit so völlig anders kommuniziert als früher: 40 Millionen [im Jahr 2000 fast 200 Millionen] Menschen, besser gesagt: Computer, sind heute weltweit miteinander verbunden. Der Rest der Menschheit ist offline. Tendenz: stark abnehmend ... Bisher tummeln sich in der digitalen Welt die wenigen, die wissen, wie man hineinkommt und sich dort zurechtfindet. Das weltweite Netz spiegelt ... unsere ungleiche Gesellschaft wider - und vergrößert den gesellschaftlichen Graben noch: online ist nur die Elite, wer offline ist, kommt nicht vor."1

So funktioniert es

Die dezentrale Organisation des Internets ist ursprünglich ein Kind des Kalten Krieges. Der Plan für ein weltweites Netz wurde Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts vom amerikanischen Verteidigungsministerium entwickelt. Nach dem Sputnikschock von 1957, als die Sowjetunion den ersten Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde geschickt hatte, wollten die Vereinigten Staaten von Amerika ein Computernetz entwickeln, das auch dann noch funktionsfähig sein sollte, wenn Teile des Netzes durch einen Atomschlag zerstört worden wären. Die Konstruktionsprinzipien des Internets sind bis heute die Gleichen geblieben:

  • Alle Knotenpunkte des Netzes haben einen eigenen Status und sind für sich funktionsfähig.
  • Alle Knotenpunkte haben eine eigene Berechtigung, Nachrichten herzustellen, zu empfangen und zu übertragen.
  • Die Nachrichten selbst werden in kleine Pakete unterteilt, wobei jedes Paket einzeln mit Adressat und Absender versehen ist.
  • Jedes Paket sucht sich seinen eigenen Weg durch das Netz. Geht ein Teil der Nachricht verloren, wird dieser Teil vom Computer des Empfängers neu angefordert:2

In den siebziger und achtziger Jahren wurde das Netz vor allem an den Universitäten genutzt. Massentauglich wurde das Internet erst Anfang der Neunziger mit der Entwicklung des World Wide Web. Mit dem neuen Dateiformat html, dem Internetprotokoll http und den Browsern können Texte, Bilder und Töne in Internetdokumente eingebunden werden und unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem auf jedem Rechner dargestellt werden.

Industrie und Wirtschaft sehen im Netz den Absatzmarkt der Zukunft. Dabei geht es den Unternehmen immer auch darum, möglichst eine beherrschende Marktposition zu erobern. Besonders wichtig ist beim Internet die Vergabe der Adressen von Internetseiten, denn ohne Adresse kann eine Seite nicht aufgerufen werden, sie existiert einfach nicht. Kontrolliert wird die Adressenvergabe von der
Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers)
- einer privaten Organisation, die nicht demokratisch legitimiert ist. Die technische Kontrolle des Internets bedeutet aber auch eine mögliche Kontrolle über die Inhalte. Damit ist ein direkter Konflikt mit der Meinungs- und Informationsfreiheit möglich.

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Neue Herausforderungen

Die dezentrale Struktur des Internets stellt neue Anforderungen an die Medienkompetenz, weil das Internet grundsätzlich den freien Zugriff auf alle Informationen ermöglicht, die im Netz stehen. Berichte zur Menschenrechtslage finden sich dort ebenso wie nationalsozialistische und andere Propaganda oder pornographische Seiten. Kontrollen oder staatliche Eingriffe sind wegen der dezentralen Struktur und fehlenden Hierarchie im Netz erschwert.

Der Baustein D soll den Schülerinnen und Schülern helfen, sich in und mit den neuen Medien zurechtzufinden. (Es wird bei diesem Thema nicht selten vorkommen, dass zumindest bei technischen Dingen die Lehrer-Schüler-Rolle im Unterricht vertauscht oder in ein Schüler-lehren-Schüler-Modell umgewandelt werden kann.)

Ziele

Die Schüler und Schülerinnen sollen lernen, die Chancen und die Risiken abzuschätzen, die mit dem neuen Medium verbunden sind. Im Mittelpunkt steht hier deshalb nicht eine allgemeine Einführung ins Internet, sondern die Präsentation von Materialien, um nach deren Behandlung viele Fragen mit mehr Sachverstand als vorher diskutieren zu können:

  • Führen die neuen Medien zu einer Veränderung des Nutzerverhaltens?
  • Welche Werte und Normen sollen im Internet gelten?
  • Sollen Internetinhalte kontrolliert werden? Wie kann eine Kontrolle technisch umgesetzt werden?
  • Haben alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Einkommen und Religion den gleichen Zugang zum Internet?
  • Welchen Einfluss haben technische Standards auf den Zugang zum Netz?

Medienkompetenz zu erwerben, bedeutet im Zusammenhang mit dem Internet auch, sich der deutlich höheren Verantwortung bewusst zu werden, bei Lehrenden wie bei Schülerinnen und Schülern. Diese - wie die anderen Nutzer auch - müssen selbst entscheiden lernen, welche Informationen sie sich anschauen wollen und welche nicht.

Die Unterrichtsvorschläge sollen helfen, Kriterien für die Beurteilung von Internetseiten zu entwickeln. Die Ansichten darüber, welche Inhalte im Internet verboten werden sollten, gehen international weit auseinander. Nach einer repräsentativen Umfrage3 der Bertelsmann-Stiftung in Deutschland, Australien und den USA befürworten 79 Prozent der Deutschen eine Ausblendung rassistischer Inhalte im Internet, in den USA trifft dies nur für 63 Prozent und in Australien nur für 60 Prozent zu.

Während die Deutschen bei der Kontrolle der Internetinhalte vor allem auf staatliche Instanzen bauen, setzen die Amerikaner viel stärker auf die Selbstkontrolle. Doch selbst eine Einigung über auszu-schließende Inhalte würde das Problem nicht lösen, denn wegen der dezentralen Struktur des Internets wäre ein solcher Konsens kaum umzusetzen. Ein wichtiges Ziel für den Unterricht muss es also sein, die Notwendigkeit eines eigenen Verhaltenskodex zu erkennen und einen solchen zu entwickeln. 

 

1  Markus Grill: Schweigend ins Gespräch vertieft; Badische Zeitung vom 23.10.1996

2  Nach Gisela Ruprecht. Politische Bildung im Internet. Mit Tipps und Tricks, Schwalbach/Taunus (Wochenschau) 2000, S. 13

3  Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 2. August 1999

 

 


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