Zeitschrift 

Medien

 

BAUSTEIN C

Das Fernsehen

Unterrichtspraktische Hinweise 



 

Inhaltsverzeichnis

 

Fernsehgewohnheiten (C 1, C 2)

In einer anonymen Umfrage kann der durchschnittliche Fernsehkonsum der Klasse abgefragt werden (C 1). Die Grafik C 2 zeigt den durchschnittlichen Fernsehkonsum von Jugendlichen. Im Anschluss an die Erhebung in der Klasse können Unterschiede und Übereinstimmungen mit dem durchschnittlichen Nutzungsverhalten diskutiert werden. Im Gruppengespräch lassen sich Gründe für die Fernsehgewohnheiten diskutieren.

Eine Untersuchung hat folgende Motive für den Fernsehkonsum ermittelt:5

  • Fernsehen gestaltet insbesondere bei jüngeren Jugendlichen die Abendsituation mit den Eltern.
  • Jugendliche betonen vor allem die Spaß- und Unterhaltungsfunktion des Fernsehens.
  • Das Fernsehen liefert den Jugendlichen Gesprächsstoff: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen gibt an, mehrmals in der Woche über das Fernsehen oder einzelne Programme zu reden.

 

Auswertung zu C 1
(Meine Fernsehgewohnheiten)

Zähle deine Punkte zusammen.

10 bis 20 Punkte: Du bist ein normaler Fernsehnutzer. Manchmal schaust du vielleicht ein bisschen zu viel fern, insgesamt aber hast du die Sache im Griff.

21 bis 35 Punkte: Du siehst oft zu viel Fernsehen. Du solltest dir überlegen, welche Auswirkungen das auf dein Leben hat.

36 bis 50 Punkte: Dein Fernsehkonsum ist ein echtes Problem. Du musst lernen, weniger zu glotzen.

Öffentlich-rechtliche und private Sender (C 3 bis C 5)

Die Materialien sind geeignet, um über grundlegende Strukturen der deutschen Rundfunk- und Fernsehlandschaft zu informieren. Einzugehen ist auf die Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern bei der Struktur, bei der Finanzierung und beim Programmangebot. Das Strukturprinzip der öffentlich-rechtlichen Sender ist im Schaubild C 3 dargestellt. Die Grafik C 5 beleuchtet die unterschiedlichen Programmangebote der wichtigsten Fernsehsender. Vor allem die unterschiedliche Gewichtung von Information und Unterhaltung bei privaten und öffentlich-rechtlichen Anbietern fällt ins Gewicht. Mit interessierten Schülern kann erörtert werden, ob und wie sich die Finanzierungsmodalitäten der beiden Systeme auf deren Programm auswirken. Zu fragen ist auch, wie sich der Wettbewerb um Marktanteile auf die Gestaltung der Programme auswirkt. Die Medienmultis des Privatfernsehens zeichnen sich durch eine hohe Verflechtung aus. Was im Schaubild C 4 am Beispiel von RTL an gegenseitigen Verbindungen dargestellt ist, lässt sich von der Grundstruktur her auch auf die Kirch-Gruppe oder Bertelsmann übertragen. Weitere Informationen finden Interessierte in "Media Perspektiven". Die Schülerinnen und Schüler können abschließend diskutieren, welche Vor- und Nachteile die Einführung privater Sender gebracht hat und wie die Konzentrationsprozesse im Privatfernsehen einzuschätzen sind.

Fernsehjournalismus und seine Gefahren (C 6 bis C 8)

Das Fernsehen bildet die Realität nicht nur ab, sondern erzeugt durch Bildauswahl, Schnittfolgen, Hintergrundmusik und andere Techniken immer auch ein bestimmtes Bild der Realität. Bewusst oder unbewusst zeigen die Fernsehbilder immer nur einen Ausschnitt und damit einen bestimmten Teil der Realität. Im Extremfall (Big Brother) schafft sich das Fernsehen seine eigene Wirklichkeit selbst. Für diese Prozesse soll in diesem Abschnitt der Blick geschärft werden.

Wer die Möglichkeiten der Manipulation kennt (C 6), kann Manipulationen leichter erkennen und das Fernsehen kritischer betrachten. Die Schüler und Schülerinnen sollen zunächst Kriterien für die Überprüfung des Wahrheitsgehaltes von Fernsehnachrichten entwickeln: Wird die Quelle der Nachricht angegeben? Werden die Nachrichten durch andere Quellen bestätigt? Zeigen die Bilder wirklich den Ort, die Situation oder die Person, die im Kommentar erwähnt wird?

Besonders reizvoll ist es für technisch interessierte Jugendliche, bei der Eigenproduktion von Videos oder mit Computertricks selbst Erfahrungen mit der Veränderung von Bildmaterial zu sammeln. Wer Bescheid weiß, wird beim Zuschauen aufmerksamer auf solche Techniken achten. Verschiedene Arbeitsgruppen suchen sich eine Kurzmeldung aus der Zeitung und verfilmen sie auf dreierlei Weise: einmal professionell richtig, ein anderes Mal mit "propagandistischer" Musik unterlegt und in der dritten Version passen Bilder und der Text des Sprechers nicht zusammen. Bei der Vorführung der Videos sollen die anderen den bösen Tricks der Filmemacher auf die Schliche kommen.

Das Ampelspiel

Ziel des Ampelspiels ist es, gerade durch provozierende Thesen eine Diskussion zu einem Thema in Gang zu bringen. Hier soll die Diskussion darüber angestoßen werden, ob Fernsehen dumm macht und ob es glaubwürdig ist. Alle Schüler und Schülerinnen bekommen je eine rote, eine gelbe und eine grüne Abstimmungskarte. Mit diesen Karten zeigen sie ihre Zustimmung (grün) oder Ablehnung (rot) zu den folgenden Thesen. Wenn sie keine eindeutige Meinung zur These haben, zeigen sie gelb.

Die Thesen

  1. Erwachsene denken viel mehr über ihre Fernsehgewohnheiten nach als Kinder und Jugendliche.
  2. Fernsehen ist vor allem zur Unterhaltung da.
  3. Die Menschen, die in Talkshows auftreten, zeigen sich dort so, wie sie in Wirklichkeit sind.
  4. In den Nachrichten wird die Welt gezeigt, wie sie ist.
  5. Zeitungsnachrichten sind glaubwürdiger als Nachrichten im Fernsehen.
  6. Wer brutale Sendungen im Fernsehen ansieht, wird selbst gewalttätig.
  7. Das Fernsehen bildet die Wirklichkeit nicht ab, sondern nur eine künstliche Welt.
  8. Je mehr Sex in Filmen vorkommt, desto höher sind die Einschaltquoten.
  9. Fernsehen macht schlau.
  10. Privatsender sind einfach besser als die öffentlich-rechtlichen.
  11. ARD und ZDF sollten abgeschafft werden.

Vgl. dazu Grafik 1, S. 7

Der Bericht C 7 schildert den Umstand, dass die bloße Anwesenheit von Kameras die Wirklichkeit beeinflussen und verändern kann. Dazu kann man in der Klasse kontrovers diskutieren. Die Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe unterstützt die These "Authentische Eindrücke vom Geschehen und Aussagen vor Gericht erlauben der Bevölkerung ein eigenes Urteil". Die zweite Gruppe muss versuchen, diese These zu entkräften.

Eine andere Übung: Die Klasse wird in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe spielt eine kurze Szene, bei der eine Person im Kaufhaus einen Pullover umtauschen will. Die zweite Gruppe soll die Situation beobachten und beschreiben. Die dritte Gruppe bekommt eine Videokamera (oder einen Fotoapparat) und darf die Situation nur aus der Kameraperspektive beobachten (das zweite Auge der Kameraleute kann auch abgedeckt werden). Anschließend werden die Ergebnisse der beiden Beobachtergruppen verglichen.

Durch die Auswertung des Interviews mit Jörg Kaiser von Caritas International (C 8) arbeiten die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Faktoren heraus, welche die Entstehung von Medienbildern beeinflussen. Das Schaubild 8 fasst das Ergebnis zusammen.

Schaubild 8: Wie Medienbilder entstehen

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Wo liegen die Grenzen? (C 9 bis C 11)

Der wachsende Wettbewerb der Medien hat in manchen Bereichen zu raueren Sitten geführt. Die Gier nach Sensationen verleitet unter Umständen zu bedenklichen Grenzüberschreitungen, wie die Karikatur des Fotoreporters zeigt (C 11). Auch die Berichterstattung über Gewalt und Katastrophen ist nicht gegen Auswüchse gefeit. Dieter Stolte hat hier einige Standards formuliert (C 9).

Die neuen "Reality-Formate" (Shows) des Fernsehens schaffen eine neue Wirklichkeit. Das vermeintlich echte Leben fasziniert die Zuschauer. Doch wo sind die Grenzen? Bis in die Neuzeit waren öffentliche Hinrichtungen rege besucht. In den USA wird zur Zeit über Fernsehübertragungen aus der Todeszelle diskutiert. Bei einem fiktiven Fall (C 10) können die Schüler und Schülerinnen diskutieren, wo die Grenzen liegen.

Das Quiz C 12 fasst die wichtigsten Begriffe des Bausteins noch einmal in spielerischer Form zusammen. Lösung: 1B, 2F, 3A, 4E, 5C und 6D.

 

5  Maria Gerhards, Walter Klingler: Jugend und Medien: Fernsehen bleibt dominierend. In: Media Perspektiven 2/2001, S. 72-73 

 


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