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Medien

 

BAUSTEIN C

Das Fernsehen

 



 

Inhaltsverzeichnis

 

Bildung kommt von Bildschirm
und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung!

(Dieter Hildebrandt, Kabarettist)

Das Fernsehen ist und bleibt das Leitmedium der Jugendlichen. Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahre sehen durchschnittlich 188 Minuten pro Tag fern.1 Mit dem Baustein C soll deshalb der kritische Umgang von Jugendlichen mit dem Fernsehen gefördert werden. Folgende Aspekte werden dabei besonders berücksichtigt:

  • das Nutzungsverhalten der Jugendlichen,
  • die Konzentration auf dem deutschen Fernsehmarkt,
  • Manipulationstechniken und
  • der Umgang mit Fernsehbildern.

Medienkompetenz zeigt sich besonders auch im Umgang mit Informationsangeboten. Eine neue Untersuchung zum Nutzungsverhalten ergab, dass Fernsehen für die Jugendlichen nicht - wie vielfach angenommen - nur zur Unterhaltung dient, sondern auch zur Information über subjektiv als wichtig empfundene Themen.2 Zwar nutzen die Jugendlichen das Fernsehen zu 49 Prozent, um sich fiktionale Filme und Sendungen anzusehen. Der Konsum von Informations- oder Infotainment-Angeboten ist aber mit 19 Prozent der zweithäufigste Grund, um das Fernsehen anzuschalten.3

Allerdings zeigen sich in der Medienkompetenz deutliche Unterschiede. Aus den Untersuchungen von Susanne Eggert geht hervor, dass nur ein Teil der Jugendlichen kritisch mit den Informationsangeboten im Fernsehen umgeht. Es gibt eine starke Kluft zwischen den Jugendlichen, die klar zwischen Informationen und Infotainment trennen, und denjenigen, die dazu nicht in der Lage sind. Alter, Bildung der Jugendlichen, sozialer Status und Bildung der Eltern sowie die Gruppe der Gleichaltrigen beeinflussen die Sehgewohnheiten der Jugendlichen. Bis zum Alter von 13 bis 14 Jahren sehen sich die Jugendlichen noch nicht als Teil des politischen Sys-tems. Politik ist etwas "für Erwachsene"; politische Informationen werden nur dann wahrgenommen, wenn sie in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Lebenswelt der Jugendlichen stehen oder einzelne Schicksale thematisieren, die die Jugendlichen nachvollziehen können.

Je stärker sich die Gruppe der Gleichaltrigen für Politik interessiert, desto kritischer wird die Mediennutzung der Jugendlichen. Je höher die Schulbildung ist, desto leichter erfassen die Jugendlichen politische Zusammenhänge, können Informationen kritisch bewerten und Wichtiges von Unwichtigem trennen. Jugendliche mit niedrigerer Schulbildung informieren sich hauptsächlich aus Boulevard-Magazinen und Talkshows. Auch das Elternhaus beeinflusst die Sehgewohnheiten. Jugendliche aus unteren Schichten haben zu Hause kaum Zugang zu politischen Themen. Sie sehen sich in zweierlei Weise als Teil des politischen Systems: Einmal insofern, als sie den geltenden Gesetzen gehorchen müssen, zum anderen schreiben sie der Politik oft eine "Bringschuld" zu, wenn es darum geht, die eigenen Probleme zu lösen. Susanne Eggert schreibt über diese Jugendlichen:
"Fernsehinformation nutzen sie, um zu erfahren, wie andere Menschen leben und mit ihrer Situation zurechtkommen. Sie interessieren sich für Katastrophen, Einzelschicksale, die Menschen betreffen, mit denen sie sich identifizieren können. Aus diesen Informationen glauben sie, auch für ihr eigenes Leben etwas lernen zu können."4

1 Maria Gerhards, Walter Klingler: Jugend und Medien: Fernsehen bleibt dominierend. In: Media Perspektiven 2/2001, S. 65-74

2  Susanne Eggert: Fernsehen als Informationsmedium Jugendlicher: Präferenzen und Barrieren. In: Media Perspektiven 2/2001, S. 75

3  Maria Gerhards, Walter Klingler: Jugend und Medien: Fernsehen bleibt dominierend. In: Media Perspektiven 2/2001, S. 73

4  Susanne Eggert: Fernsehen als Informationsmedium Jugendlicher: Präferenzen und Barrieren. In: Media Perspektiven 2/2001, S. 81

 

 


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