Zeitschrift

Zur Europawahl
am 13. Juni 1999

 

 

Einleitung


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             Inhalt


Im Juni 1999 sind die Bürger in den fünfzehn Staaten der Europäischen Union aufgerufen, ihre gemeinsame Vertretung in Europa, das Europäische Parlament, direkt zu wählen. In der Bundesrepublik Deutschland findet die Wahl am Sonntag, 13. Juni 1999, statt. Die Wahllokale sind - für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich - von 8.00 Uhr bis 21.00 Uhr geöffnet. Nach 21 Uhr werden dann in allen Mitgliedstaaten die Stimmen ausgezählt. Das gilt auch dort, wo schon an einem der drei vorausgehenden Tage gewählt wurde. In einigen europäischen Ländern gehört es nämlich zur Tradition, dass Wahlen werktags sind.
Die Europawahl 1999 fällt in eine historisch bedeutende, aber auch kritische Phase der europäischen Integration. Zwei große, in einem Spannungsverhältnis stehende Herausforderungen hat die Europäische Union (EU) in den nächsten Jahren zu bewältigen: die Vertiefung durch die Agenda 2000 und die Erweiterung nach Osten und Süden.

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Die Währungsunion. Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Währungsunion am 1. Januar 1999 in Kraft getreten, wie im Vertrag von Maastricht vereinbart. Am 2. Mai 1998 hatten die Regierungschefs der Europäischen Union in Brüssel den Teilnehmerkreis für die Währungsunion festgelegt. Damit sind die Wechselkurse für die Währungen der elf Teilnehmerstaaten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien unwiderruflich fixiert: Ein Euro entspricht genau 1,95583 DM. Die gemeinsame Währungseinheit
dient seither als Buchgeld für Bankgeschäfte. Auch Aktienkurse werden in Euro notiert und wer will, kann sein Konto in Euro führen. Für die Geldpolitik ist nun die im Frankfurter Euro-Tower ansässige Europäische Zentralbank zuständig. Die nationalen Banknoten und Münzen bleiben noch drei Jahre lang gültig, doch sind die nationalen Währungen praktisch nur noch Platzhalter für die gemeinsame Währung. Vom 1. Januar 2002 an werden die neuen Euromünzen und -scheine in Umlauf gebracht; am 1. Juli desselben Jahres verlieren die elf nationalen Geldeinheiten ihre Gültigkeit als Zahlungsmittel.

Osterweiterung. Die Vorbereitungen für die Erweiterung der EU schreiten voran. So beschlossen die Regierungschefs der EU-Länder auf ihrem Gipfeltreffen am 12. und 13. Dezember 1997 in Luxemburg, die Staaten Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Rumänien, Bulgarien und Zypern als Beitrittskandidaten zu betrachten. Am 31. März 1998 wurde mit der Aufnahme bilateraler Besprechungen mit Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Estland und
Zypern die erste Erweiterungsrunde eingeläutet. Die offiziellen Verhandlungen mit diesen Staaten begannen am 10. November 1998. Wann die Verhandlungen mit den fünf übrigen Kandidaten anfangen, steht noch nicht fest.

Agenda 2000. Das so bezeichnete Programm der Europäischen Union umfasst die Reform der Agrar- und Strukturpolitik sowie der Finanzverfassung. Die Agenda 2000 wird noch vor der Europawahl auf einem Sondergipfel der fünfzehn Regierungschefs behandelt. Wie rasch und in welchen Themenbereichen Einigungen möglich sind, bleibt abzuwarten.
Die Integration strukturschwacher und landwirtschaftlich geprägter Länder
Mittel-, Ost- und Südosteuropas in die Europäische Union wird zwar längerfristig die Stabilität und Sicherheit in Europa erhöhen, zunächst aber einige Probleme und Konflikte mit sich bringen. Die Erweiterung setzt eine tiefgreifende Reform der Institutionen und Entscheidungsverfahren sowie der Landwirtschafts- und Strukturpolitik voraus. Vor allem die Ausgaben für die Gemeinsame Agrarpolitik, die in den letzten Jahren jeweils etwa die Hälfte des gesamten Haushalts der Union ausmachten, müssten entweder sprunghaft steigen oder die administrativ festgesetzten Erzeugerpreise müssten sinken. Die Proteste der Bauern haben schon begonnen. Bei einer Erhöhung des Etats kämen auf die bisherigen "Nettozahler" zusätzliche Belastungen zu, und manche Staaten wären nicht mehr Empfänger-, sondern Geberländer. Auf alle Fälle berührt die Erweiterung der EU das eingespielte System des Gebens und Nehmens zwischen den Mitgliedsländern. Die in der Agenda 2000 enthaltenen Projekte lassen daher bei teilweise gegensätzlichen Interessen harte Verhandlungen erwarten.

Angesichts der kommenden Herausforderungen für die Europäische Union wird die europapolitische Diskussion im Vorfeld der Wahl noch einen Schub erhalten. Insofern könnte der Wahlkampf diesmal stärker als bei den bisherigen Europawahlen von genuin europapolitischen Themen geprägt sein. Für den Unterricht bietet die Europawahl eine gute Gelegenheit, über Wahlrecht und Wahlsystem hinaus auch die politischen Entscheidungsprozesse und Institutionen der EU, insbesondere das Europäische Parlament, näher zu behandeln.
Ferner empfiehlt es sich, auf die Bedeutung der Europäischen Union für den Lebensalltag der Bürger und auf ihr Demokratie- und Öffentlichkeitsdefizit einzugehen.

Dieses Heft bietet dazu Informationen und Materialien. Es beruht - wenn nicht anders angegeben - auf dem am 2.10.1997 unterzeichneten Vertrag von Amsterdam, der im wesentlichen die beiden europäischen Hauptverträge, den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EG-Vertrag) und den Vertrag über die Europäische Union (EU-Vertrag), ändert und ergänzt.


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