Zeitschrift 

Bundestagswahl  2002

P & U  aktuell 12

Die Bundestagswahl 
am 22. September 2002

 

Juli 2002 , Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

2. Wie bisher gewählt wurde

Ein Rückblick auf 1998

Die vergangene Bundestagswahl wies mehrere Besonderheiten auf:

  • Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wurde eine Bundesregierung durch eine Regierung abgelöst, welche komplett aus bisherigen Oppositionsparteien gebildet wurde. Frühere Regierungswechsel kamen durch den Wechsel einer Koalitionspartei zustande.
  • Die Grünen wurden zum ersten Mal auf Bundesebene an einer Regierung beteiligt.
  • Die SPD wurde stärkste Partei - mit einem Vorsprung von 5,7 Prozent gegenüber der Union. Bisher war das der SPD nur im Jahre 1972 gelungen. Die SPD verdoppelte nahezu die Zahl ihrer Direktmandate - von bisher 109 auf 212.
  • Die SPD gewann dreizehn Überhangmandate, zwölf davon in den neuen Bundesländern. Erst dadurch hatte die rot-grüne Koalition eine komfortable Mehrheit im Bundestag.
  • Die Veränderung im Wählerverhalten der Ostdeutschen war besonders auffällig: Die CDU verlor in den neuen Bundesländern deutlich mehr Stimmen als in Westdeutschland (minus 11,1 Prozent); Grüne und FDP blieben dort weit unter fünf Prozent.
  • In den neuen Bundesländern war die PDS mit 21,6 Prozent der Zweitstimmen dritte Kraft. Die Partei übersprang zum ersten Mal die Fünf-Prozent-Hürde und zog mit Fraktionsstärke in den Bundestag ein.
  • Die rechtsextremen Parteien blieben weit unter fünf Prozent. Der Vergleich der Ergebnisse in Ost und West zeigt jedoch, dass sie im Osten auf größere Zustimmung stoßen als in den alten Bundesländern.
  • Die Wahlbeteiligung bei einer Bundestagswahl lag wieder einmal - wie zuletzt 1987 - deutlich über 80 Prozent.
  • Als wahlentscheidend bewerteten viele Beobachter den Wunsch der deutschen Wählerinnen und Wähler nach einem Wechsel. Die Wochenzeitung "Die Zeit" interpretierte das Ergebnis als ein "Volksbegehren gegen Helmut Kohl". 
  • Bei der Bundestagswahl 1998 nahm die CDU auch in allen baden-württembergischen Wahlkreisen bei den Zweitstimmen ab. Die SPD konnte überall in Baden-Württemberg zulegen und entsandte zum ersten Mal 30 Abgeordnete in den Bundestag, davon elf direkt (vier Jahre zuvor kein einziges Direktmandat).
  • In Baden-Württemberg erreichte die CDU ihr bestes Zweitstimmenergebnis mit 45,9 Prozent im Wahlkreis Odenwald-Tauber, während die SPD die meisten Zweitstimmen im Wahlkreis Mannheim-Stadt erzielte (45,6 Prozent).
  • Während die FDP bei den Zweitstimmen im Bundesgebiet nur 0,6 Prozent einbüßte, waren es in Baden-Württemberg 1,1 Prozent Verlust.
Was ist wichtig und was nicht?

Hier sind zwölf mögliche Schwerpunkte für die Arbeit der nächsten Regierung angegeben. Entscheiden Sie bitte, was Sie für wichtig halten, indem Sie Rangziffern vergeben: 1 für die wichtigste Aufgabe, 12 für die am wenigsten wichtige. Vergleicht eure Antworten in der Klasse und begründet eure Entscheidung. Das Ergebnis einer Umfrage von 1998 ist weiter unten abgedruckt.

Priorität  Schwerpunkt 
Steuerpolitik

Kriminalität und Drogen

Umweltschutz

Bildung und Ausbildung

Soziale Probleme

Gesundheitswesen

Arbeitslosigkeit

(Zu viele) Ausländer

Europäische Integration

Wirtschaftliche Situation

Ausländerfeindlichkeit

Renten und Altersvorsorge

 

Die Bundestagswahlen seit 1949

Die Wahlbeteiligung bei den Bundestagswahlen

In Prozent; bis 1987 alte Bundesländer ohne Westberlin, seit 1990 alle Bundesländer

1949 78,5 1976 90,7
1953 86,0 1980 88,6
1957 87,8 1983 89,1
1961 87,7 1987 84,3
1965 86,8 1990 77,8
1969 86,7 1994 79,0
1972 91,1 1998 82,2

 


 

Baden-Württemberg

Das Ergebnis 1998 in Baden-Württemberg 

Bundestagswahl 1998. Zweitstimmen in Prozent

  1998 1994

Wahlbeteiligung

83,1

79,7

CDU

37,8

43,3

SPD

35,6

30,7

GRÜNE

9,2

9,6

FDP

8,8

9,9

PDS

1,0

0,8

Sonstige

7,6

5,7

Zahl der Abgeordneten aus Baden-Württemberg

  1998 1994

CDU

32

37

SPD

30

25

GRÜNE

8

8

FDP

7

8

PDS

1

1

Direktmandate in Baden-Württemberg

Bei der Bundestagswahl 1994 hatte die CDU in Baden-Württemberg alle Direktmandate errungen. Vier Jahre später eroberte die SPD elf von 37 Wahlkreisen: Stuttgart II, Esslingen, Neckar-Zaber, Karlsruhe-Stadt, Heidelberg, Mannheim I und II, Pforzheim, Freiburg, Lörrach-Müllheim und Tübingen.


 

Was ist wichtig und was nicht? 

Zu den Fragen, die oben abgedruckt sind, hat Infratest-Dimap vor der Bundestagswahl 1998 eine Umfrage durchgeführt. Die Ergebnisse (Angaben in Prozent, Mehrfachnennungen waren möglich): 
Arbeitslosigkeit 88, Soziale Probleme 15, Kriminalität und Drogen 13, (Zu viele) Ausländer 11, Steuerpolitik 9, Renten und Altersvorsorge 9, Wirtschaftliche Situation 8, Ausländerfeindlichkeit 5, Bildung und Ausbildung 5, Gesundheitswesen 3, Europäische Integration 3 Prozent.

 


 

Zwischenergebnisse: Die Landtagswahlen seit 2000

 


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