Zeitschrift

Weltbevölkerung und Welternährung



BAUSTEIN D:  Lösungsansätze
D 12 -  D 18
Verantwortliche Elternschaft


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INHALT


D 12 Familienberatung in Indien

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Umfassende Information und Entscheidungsfreiheit sind das A und O der Familienplanung.
Bild: Süddeutscher Verlag


D 13 Werbung für Familienplanung

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Lieber größere Abstände zwischen den Geburten und drei gesunde Kinder als eine siebenköpfige kränkelnde Kinderschar. So heißt die Botschaft in Afghanistan.
Bild: Südd. Verlag

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Fahradfahrende Massen vor einem Werbeplakat für die "Ein-Kind-Familie" in Peking
Bild: epd

D 14 Umstrittene Sterilisierung

LIMA, 1. März (ap). Perus Regierung will an dem umstrittenen Programm zur Familienplanung festhalten, das unter anderem die Sterilisierung armer Frauen vorsieht. Gesundheitsminister Marino Costa Bauer sagte in Lima, vor der Sterilisierung sei künftig Beratung und Bedenkzeit vorgeschrieben. Frauen- und Kirchengruppen hatten beklagt, Ärzte würden Sterilisationen erzwingen und armen Frauen würden materielle Anreize geboten, um festgelegte Quoten zu erreichen.

Frankfurter Rundschau vom 2.3.1998 (AP)


D 15 Verantwortliche Elternschaft

Aus einer Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland

Der christliche Leitgedanke lautet: "verantwortliche Elternschaft". Das Subjekt einer verantworteten Elternschaft sind die daran unmittelbar beteiligten Menschen. Menschen haben als Personen, die ihre Lebensführung selbst bestimmen können und sollen, ein Recht auf Fortpflanzung.

Staat und Gesellschaft haben grundsätzlich kein Verfügungsrecht über den Menschen als Person und damit kein Recht auf Eingriffe in den persönlichen Bereich, vor allem kein Recht zu Zwangsmaßnahmen.

Es ist ein Menschenrecht, Kinder zu haben. An diesem unaufhebbaren Menschenrecht finden alle Maßnahmen staatlicher Lenkung eine Grenze. Die Achtung der Würde und Autonomie der Person ist der Ausgangspunkt aller Überlegungen zu verantwortlicher Elternschaft. Mann und Frau sind die ursprünglichen Träger, die Subjekte von Freiheit und Verantwortung.

Diese Subjekte müssen freilich die Auswirkungen und Folgen individuellen Verhaltens auf Mitmenschen und Gesellschaft, auf die Weltgemeinschaft und auf künftige Generationen bedenken. Die individuelle Entscheidung ist abhängig von Wissen und Wertvorstellungen, von kulturellen Traditionen und religiöser Weltdeutung, von Maßstäben, Normen, von Kriterien der Beurteilung und der Orientierung individuellen Verhaltens.

Menschen können auch bewußt freiwillig Verzicht auf Kinder üben. In der Tradition der christlichen Kirche hat diese Haltung in der Verpflichtung zur Ehelosigkeit und zur Keuschheit Ausdruck gefunden.

Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.): Wie viele Menschen trägt die Erde? - Ethische Überlegungen zum Wachstum der Weltbevölkerung. Hannover. o.J., S. 35. (= EKD-Texte, Nr. 49)


D 16 Gegen die Verhütungsmentalität

Die Frohe Botschaft vom Leben für jedes Zeitalter und jede Kultur

Die Enzyklika Papst Johannes Pauls II. l Auszüge

Es wird häufig behauptet, die sichere und allen zugänglich gemachte Empfängnisverhütung sei das wirksamste Mittel gegen die Abtreibung. Sodann wird die katholische Kirche beschuldigt, de facto der Abtreibung Vorschub zu leisten, weil sie weiter hartnäckig die moralische Unerlaubtheit der Empfängnisverhütung lehrt. Bei genauerer Betrachtung erweist sich der Einwand tatsächlich als trügerisch.

Denn es mag sein, daß viele auch in der Absicht zu Verhütungsmitteln greifen, um in der Folge die Versuchung der Abtreibung zu vermeiden. Doch die der "Verhütungsmentalität" - die sehr wohl von der verantwortlichen, in Achtung vor der vollen Wahrheit des ehelichen Aktes ausgeübten Elternschaft zu unterscheiden ist - innewohnenden Pseudowerte verstärken nur noch diese Versuchung angesichts der möglichen Empfängnis eines unerwünschten Lebens. In der Tat hat sich die Abtreibungskultur gerade in Kreisen besonders entwickelt, die die Lehre der Kirche über Empfängnisverhütung ablehnen. Sicherlich sind vom moralischen Gesichtspunkt her Empfängnisverhütung und Abtreibung ihrer Art nach verschiedene Übel: die eine widerspricht der voll ständigen Wahrheit des Geschlechtsaktes als Aus druck der ehelichen Liebe, die andere zerstört das Leben eines Menschen; die erste widersetzt sich der Tugend der ehelichen Keuschheit, die zweite widersetzt sich der Tugend der Gerechtigkeit und verletzt direkt das göttliche Gebot "Du sollst nicht töten".
Sicherlich gibt es Fälle, in denen jemand unter dem Druck mannigfacher existentieller Schwierigkeiten zu Empfängnisverhütung und selbst zur Abtreibung schreitet; selbst solche Schwierigkeiten können je doch niemals von der Bemühung entbinden, das Gesetz Gottes voll und ganz zu befolgen. Aber in sehr vielen anderen Fällen haben solche Praktiken ihre Wurzeln in einer Mentalität, die von Hedonismus und Ablehnung jeder Verantwortlichkeit gegenüber der Sexualität bestimmt wird, und unterstellen einen egoistischen Freiheitsbegriff, der in der Zeugung ein Hindernis für die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit sieht. Das Leben, das aus der sexuellen Begegnung hervorgehen könnte, wird so zum Feind, das absolut vermieden werden muß, und die Abtreibung zur einzig möglichen Antwort und Lösung bei einer mißlungenen Empfängnisverhütung.

Auszug aus der Enzyklika "Evangelium vitae" von Papst Johannes Paul II. vom 25.3.1995. Entnommen: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31.3.1995, S. 10


D 17 Das Thema im Islam

Ein arabischer Wissenschaftler hat 1983 zusammengestellt, wie offen und meist bejahend angese hene islamische Religionsgelehrte und Vertreter des religiösen Rechts in früheren Jahrhunderten über Fragen der Sexualität und der Geburtenkontrolle de battierten... Das religiöse Recht des Islams, einer Religion, die die Sexualität in der Ehe voll bejaht und jahrhundertelang, oft bis heute, einem Mann die Ehe mit bis zu vier Frauen gestattet, läßt Empfängnisverhütung durchaus zu.
Ob islamische Länder heute, wie Ägypten und Tune sien, Familienplanung propagieren oder eher Kinderreichtum fördern, hängt von ihrer ökonomischen Situation ab. Alle (konservativ-islamischen) Ölländer,
die auf Fremdarbeiter - auch aus anderen arabischen Ländern - verzichten möchten, begünstigen mit Hilfe religiöser Begründungen und durch ihre Familien- und Steuerrechtsgesetzgebung Kinderreichtum. Schwangerschaftsabbruch ist in einigen islamischen Ländern wie Algerien, Tunesien, sogar im fundamentalistischen Ölland Libyen, bei medizinischer Indikation, also zum Schutz der Frau, gestattet, doch muß die Zustimmung des Ehemannes vor liegen.

Wiebke Walther: Zwischen Ideologie und Pragmatismus. In: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung - Newsletter. Nr. 24. April 199 7, S. 2-3


D 18 Lehren ohne Dogma

Hinduismus und Buddhismus billigen Verhütungsmittel. Allein asiatische Politiker brachten die Geburtenkontrolle in Verruf

Anders als der christliche Katholizismus oder der Islam äußern Buddhismus und Hinduismus im Prinzip keine Bedenken gegen die Familienplanung. Doch auch hier gelten Einschränkungen. So schreibt die buddhistische Lehre vor, daß die Kinder eine Totenmesse für ihre Eltern halten müssen. Also müssen die Gläubigen unbedingt Nachkommen haben - und die Kinder dürfen nicht vor den Eltern sterben.
Im überwiegend hinduistischen Indien wiederum muß ein Mann mindestens einen überlebenden Sohn haben: Denn der, so will es die Religion, muß nach dem Tode den Scheiterhaufen anzünden und ihm die Gehirnschale spalten. Nur so kann die Seele sich auf ihre Wanderung zur Wiedergeburt begeben und den unendlichen Weg zum Nirwana fortsetzen. Das erklärt, unter anderem, die indische Sucht nach Söhnen. Frauen und Töchter sind in diesem Zyklus von Geburt und Tod weder vorgesehen noch von Bedeutung.
Die beiden großen fernöstlichen Religionen verbieten ihren Anhängern, Leben zu vernichten. Doch was ist "Leben"? In Indien werden Föten nicht als Lebewesen angesehen - schon gar nicht, wenn sie weiblich sind. Das beweist unter anderem die millionenfache Abtreibung ungeborener kleiner Mädchen... In buddhistischen Ländern hingegen wird der Streit um die Abtreibung mit einem Trick gelöst: Man stellt das Wohlergehen der Kinder über das des ungeborenen Kindes. Widerstände gegen Programme der Familienplanung erwachsen in Süd oder Ostasien also weniger aus den Religionen als aus der Politik. So argwöhnen zum Beispiel die Hindu-Faschisten der Indischen Volkspartei, die Geburtenkontrolle könne die eigene Religion schwächen. Diese Fanatiker wähnen, die 110 Millionen Muslime im Lande würden sich "wie die Kaninchen vermehren" und die 800 Millionen Hindus schon bald zu einer Minderheit machen.

Gabriele Uenzky: Lehren ohne Dogma. In: ZEITpunkte Nr. 4/1994: Weltbevölkerung. Wird der Mensch zur Plage? Hamburg. 1994, S. 111 (Auszug)


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