D8 Frauen ernähren die WeltBäuerinnen halten die
Landwirtschaft am Leben
Von Elvira Treffinger
In diesem Jahr hat die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) den Welternährungstag unter das Motto gestellt: "Frauen ernähren die Welt". Mehr als
die Hälfte aller Nahrungsmittel weltweit werden von Frauen angebaut. Ohne die Früchte
ihrer Gärten könnten viele Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika nicht
überleben.
Frauen seien in vielen Ländern des Südens "die treibende Kraft", unterstreicht
das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt". In Afrika erzeugen Frauen nach
FAO-Angaben bis zu 80 Prozent aller Grundnahrungsmittel. In Asien stellen sie 50 bis 90
Prozent der Arbeitskräfte im Reisanbau. Sie pflanzen, harken, bewässern und ernten. Oft
müssen sie auch pflügen und sind nach der Ernte meist allein für Lagerung,
Vorratshaltung, Verarbeitung, Kochen und Vermarktung verantwortlich. Frauen halten Geflügel, Schafe und Ziegen, schleppen kilometerweit schwere Wasserkübel und
Brennholzbündel, versorgen die Kinder.
"Frauen auf dem Land spielen eine Schlüsselrolle für die Ernährungssicherheit
ihrer Haushalte, vor allem in Krisenzeiten", schreibt FAO-Generaldirektor Jacques
Diouf. Doch die Knochenarbeit der Frauen und Mädchen werde oft nicht wahrgenommen, nicht
oder nur miserabel bezahlt und in der Statistik nicht erfaßt.
Wenn das Essen auf den Tisch kommt, bedienen sich die Männer zuerst. In Teilen Südasiens
bleibt für Frauen und Mädchen rund die Hälfte der Kalorien übrig, die männlichen
Familienmitgliedern zukommen. Bäuerinnen werden oft bei Landbesitz und Kredit vergabe
diskriminiert, obwohl in einigen Ländern Afrikas sechs von zehn Haushalten von einer Frau
geführt werden. Die FAO beobachtet eine "Femini sierung der Landwirtschaft",
weil viele Männer auf der Suche nach Arbeit in die Städte abwandern. "Der Schrei
nach Land tönt durch das südliche Afrika", so Isabella Matambanadzo aus Simbabwe,
wo Frauen nicht das Recht haben, Land zu erben. Im südlichen Afrika hat eine Frau nur so
lange Land nutzungsrechte, wie ihr Mann oder Sohn lebt, klagt die Deutsche
Welthungerhilfe.
"Der Kampf für Ernährungssicherheit kann nur gewonnen werden, wenn der
unschätzbare Beitrag der Frauen anerkannt wird", sagt Diouf. Die Hindernisse für
Frauen müßten beseitigt, ihnen gleichberechtigt Zugang zu Ressourcen und Teilhabe an
Entscheidungen verschafft werden. Zu oft blieben die Maß nahmen zur Frauenförderung in
der Entwicklungspolitik "eher beliebig und zufällig".
Badisches Tagblatt vom 16.10.1998
D9 Mit und ohne Lohn

Jetzt ist es amtlich: Frauen arbeiten mehr und verdienen dabei weniger als Männer. In
den Entwicklungsländern schuften sie bis zu 20 Prozent mehr (Industrieländer: knapp 6
Prozent), werden aber sowohl in den armen als auch in den reichen Ländern nur für rund
ein Drittel ihrer Arbeitszeit entlohnt (Männer: mindestens zwei Drittel). Im Süden
leiden die Frauen zudem besonders stark unter der Umweltzerstörung: Um Wasser und
Brennholz zu beschaffen, müssen sie immer mehr nichtentlohnte Arbeit leisten während die
Männer genau für jene Tätigkeiten bezahlt werden, deren ökologische Konsequenzen den
Frauen das Leben schwermachen: Waldabholzung und Viehzucht.
D 10 Säuglingssterblichkeit
Todesfälle im 1. Lebensjahr auf 1000 Lebendgeburten
|
1960 |
1994 |
| Industrieländer |
31 |
7 |
| Entwicklungsländer |
138 |
68 |
| Afrika südl. d. Sahara |
153 |
107 |
| Nordafrika u. Mittl. Osten |
156 |
48 |
| Südasien |
146 |
84 |
| Ostasien u. Pazifik |
133 |
42 |
| Lateinamerika u. Karibik |
106 |
38 |
| Nordamerika |
26 |
8 |
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (Hrsg.): Familienplanung rettet Leben. Hannover.
1997, S. 2
Quelle: UNICEF, The State of the World´s Children, 1996 (Oxford u. New York: Oxford
University Press, 1996)
D 11 Mangelnde Versorgung

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