D3 UN-EntwicklungsprogrammAlle Weltkonferenzen der 90er Jahre sprachen sich
für eine Verringerung der Armut aus, aber der entscheidende Durchbruch kam im Jahr 1995
mit der politischen Verpflichtung zur völligen Beseitigung der Armut. Hier einige der
konkreten Ziele:
- Bis 2000 Steigerung der Lebenserwartung bei Geburt auf nicht weniger als 60 Jahre in
allen Ländern, bis 2005 auf über 70 Jahre und bis 2015 auf über 75 Jahre.
- Bis 2000 Senkung der Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren um ein Drittel
(bezogen auf 1990) oder auf 70 pro 1000 Lebendgeburten, je nachdem, welcher Wert niedriger
ist; bis 2015 Senkung auf weniger als 45 pro 1000 Lebendgeburten.
- Bis 2000 Verringerung der Müttersterblichkeit um die Hälfte (bezogen auf 1990), und
bis 2015 noch einmal um die Hälfte.
- Bis 2000 Verringerung der schweren und mittleren Mangelernährung von Kindern unter
fünf Jahren um die Hälfte (bezogen auf das Jahr 1990) unter besonderer Berücksichtigung
geschlechtsbedingter Disparitäten bei der Ernährung.
- Bis 2000 Vollendung des allgemeinen Zugangs zu einer qualifizierten, erschwinglichen
Grundversorgung mit Gesundheitsdiensten sowie Beseitigung aller programmbezogenen
Barrieren für den Einsatz von Familienplanung bis 2005. Beseitigung von Kinderlähmung,
Guineawurm-Erkrankungen, Jodmangel und Vitamin-A-Mangel.
- Bis 2000 Verwirklichung eines elementaren Bildungsniveaus für alle und Absolvierung der
Primarstufe durch mindestens 80 Prozent aller Kinder im Grundschulalter; bis 2015 Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung in allen Ländern.
- Bis 2000 Verringerung der Anzahl erwachsener Analphabeten auf mindestens die Hälfte der
Zahl von 1990; bis 2005 Gleichstellung der Ge schlechter bei der Primar- und Sekundarschulausbildung und bis 2020 Verringerung der Anzahl weiblicher Analphabeten auf zumindest die
Hälfte des Niveaus von 1990.
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Hrsg.): Bericht über die menschliche
Entwicklung 1997. Bonn. 1997, S. 134
D4 Alphabetisierung
Rückgang der Analphabetenrate von Erwachsenen (Prozent)

Süd
-Asien |
Arabische
Staaten |
Afrika
südlich
der
Sahara |
Latein
-amerika
und
Karibik |
Südost-
asien
und
Pazifik |
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Hrsg.): Bericht über die menschliche
Entwicklung 1997. Bonn 1997, S. 32
D5 Stadt und Land
Auf dem Lande erhalten junge Frauen weniger Schulbildung als in der Stadt.

Anmerkung: Für die USA gelten die Prozentangaben für Frauen mit mindestens 12
Schuljahren, für Großbritannien für die mit mindestens 11 und für Deutschland, Japan
und Polen für die mit mindestens 10 Schuljahren
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (Hrsg.): Zur Sexualität und reproduktiven
Gesundheit von jungen Frauen weltweit. Hannover: Balance-Verlag. 1998, S. 13
D6 Mädchenbildung wirkt
Mädchenbildung bringt weitreichenden Nutzen für Mädchen, Frauen, Familien,
Gemeinwesen und die Welt insgesamt. Sie wirkt gegen die Armut. Jedes Schuljahr bringt
einer Frau 10 bis 20 Prozent mehr Lohn, auch ohne ein formelles Arbeitsverhältnis. Vier
Schuljahre erhöhen die Produktivität von Bauern um durchschnittlich neun Prozent.
Bildung bedeutet Stärkung der Frauen. Sie wissen besser über ihre Rechte Bescheid und
nehmen sie eher wahr. Sie gehen auch öfter zur Wahl und beteiligen sich an der Politik.
Sie und ihre Familien sind gesünder. Sie haben eine längere Lebenserwartung, die
Mütter- und Säuglingssterblichkeit ist niedriger. Hat eine Frau auch nur ein bis drei
Schuljahre, so ist die Sterblichkeit ihrer Kinder bis zum 5. Lebensjahr um 15 Prozent
niedriger, und in Peru wurde bei sieben Schuljahren eine um 75 Prozent geringere
Sterblichkeit fest gestellt.
Mädchenbildung bedeutet kleinere Familien und verlangsamtes Bevölkerungswachstum. Frauen
mit einer Ausbildung haben häufiger nicht mehr Kinder, als sie sich wünschen. In Asien,
Afrika und Lateinamerika haben Frauen mit mindestens sieben Schuljahren zwei bis drei
Kinder weniger als Frauen mit nur drei Schuljahren. Frauen mit einer Ausbildung heiraten
auch später und bekommen später Kinder ...
Mädchenbildung ist eine Investition in die nächste Generation. Diese Frauen haben
weniger, gesündere und besser ausgebildete Kinder. Ihre Familien sind weniger auf
staatliche Hilfe angewiesen und können ihre Chancen in einer sich rasch wandeln den Welt
besser wahrnehmen.
Rockefeller Stiftung (Hrsg.): Viel steht auf dem Spiel. Die Weltbevölkerung und unsere
gemeinsame Zukunft. New York. 1998, S. 26. Die Daten stammen aus - Accelarating Girls'
Education: A Priority for Governments", Fact Sheet, The Population Council, 1995.

D7 Was ist Empowerment ?
»To empower« heißt laut Wörterbuch zum einen ermächtigen/bevollmächtigen und zum
anderen befähigen. In der Entwicklungszusammenarbeit be deutet Empowerment, die
Einflußmöglichkeiten der Benachteiligten auf die Gestaltung ihrer eigenen
Lebensverhältnisse zu erweitern. Beispielsweise durch die Förderung des Verständnisses
für Arbeits- und Lebenszusammenhänge, durch Beratung und Bei hilfe zu gemeinsamen
Organisationsstrukturen oder durch geeignete Ausbildung. Dies aus der Erfahrung heraus,
daß ohne diese Möglichkeit alle noch so gutgemeinten Bemühungen für eine Verbesserung
der materiellen Lage benachteiligter Menschen keine nachhaltigen Resultate erzielen
können. Gleichzeitig verstehen jedoch viele Fachleute unter Empowerment unterschiedliche
Dinge: Die einen sehen nur wirtschaftliche, andere nur technische und die dritten
ausschließlich gesellschaftliche und politische Aspekte der benötigten Erweiterung von
Einflußmöglichkeiten.
Die DEZA (...) plädiert für eine all diese Aspekte umfassende Betrachtung. Empowerment
wird immer dann notwendig, wenn Ungleichheit bei der Verteilung von Wissen, Macht und
Ressourcen bestimmte Individuen, Gruppen, Schichten oder auch ganze Länder daran hindert,
die Verbesserung der eigenen Lebensqualität selbstbestimmt, selbsttätig und ziel
gerichtet an die Hand zu nehmen.
Eine Welt, Nr. 2/Juni 1998, S. 21 |