C 13 Große Hungerkatastrophen
| Zeit |
Region |
Anmerkungen |
| 310 u.Z. |
England |
40.000 Tote |
| 917-918 |
Indien, Kaschmir |
|
| 1064-72 |
Ägypten |
7 Jahre ungenügendes Nilwasser |
| 1600 |
Rußland |
500.000 Tote |
| 1660 |
Indien |
2 Jahre kein Regen |
| 1677 |
Indien, Hyderabad |
Überschwemmungen |
| 1769 |
Frankreich |
5 % der Bevölkerung starben |
| 1769-70 |
Indien, Bengalen |
10 Millionen Tote |
| 1837-38 |
NW. Indien |
800.000 Tote |
| 1846-47 |
Irland |
2-3 Millionen Tote |
| 1866 |
Indien, Bengalen, Orissa |
1 Million Tote |
| 1869 |
Indien, Rajputana |
1,5 Millionen Tote |
| 1876-78 |
Indien |
5 Millionen Tote |
| 1876-79 |
Nordchina |
9-13 Millionen Tote |
| 1888-92 |
Äthiopien |
Opfer: 1/3 der Bevölkerung |
| 1920-21 |
Nordchina |
500.000 Tote |
|
Rußland |
Trockenheit, Millionen Tote |
| 1929 |
China, Hunan |
2 Millionen Tote |
| 1930 |
Rußland, bes. Ukraine |
3 Millionen Verhungerte |
| 1943 |
Bengalen |
1,5-3 Millionen Tote |
| 1946-48 |
China |
30 Millionen Menschen von Hungersnot
betroffen |
| 1966-70 |
Biafra |
2 Millionen Tote durch Krieg,
Hunger und Krankheiten |
| 1973-74 |
Sahel |
Dürre |
| 1974 |
Bangladesh |
ca. 100.000 Tote |
| 1983 |
Bolivien |
1,6 Millionen Betroffene |
| 1983-84 |
Sahel |
Dürre |
| 1992 |
östliches und südliches Afrika |
Dürre, Bürgerkriege |
| 1993 |
Ostafrika |
Kriege, Millionen von Hungertod bedroht |
| 1995-96 |
östliches und südliches Afrika |
Dürre, Bürgerkriege |
Quelle: Masefield (1963); Bohle(1992); Timberlake(1988) und Zusammenstellung aus:
Ulrich Oltersdorf u. Lioba Weingärtner: Handbuch der Welternährung. Bonn: Dietz-Verlag.
1996. S. 13
C 14 Hunger

Sudan 1998
Bild: dpa
C 15 Hungersnot trotz Rekordernte
Äthiopien benötigt dringend 30 000 Tonnen Getreide
Von Moyiga Nduru (ips)
Im Norden Äthiopiens sind fast drei Millionen Menschen akut von einer Hungersnot
bedroht. Schätzungen des UN-Welternährungsprogramms (WFP) zufolge, werden für ein
geplantes Hilfsprogramm 30 000 Tonnen Getreide benötigt.
In Äthiopien wurde 1995 zwar ein Überschuß an Nahrungsmitteln produziert, aber die
Menschen sind zu arm, um diese zu kaufen. Besonders bedroht von einer Hungersnot sind die
Regionen Tigray, Wollo, Wolayita und Hararge, wo in den Jah ren 1984 und 1985 eine Million
Menschen verhungerten.
Sogar in guten Zeiten wie in diesem Jahr, in denen Äthiopien in den landwirtschaftlichen
Hauptbereichen einen Überschuß erwirtschaftet, können viele Familien nur 70 Prozent
ihres Nahrungsmittelbedarfs aus eigenem Anbau decken, erklärte das WFP Äthiopien habe
landesweit genug Lebensmittel, sei aber nicht in der Lage, diese den bedürftigen Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen.
Die Bauern in den bedrohten Regionen haben nur begrenzt Zugang zu kultivierbarem Land.
Viele sind zu arm, um ihre Familien zu ernähren oder landwirtschaftliches Gerät zu
kauten, das ihre Produktion steigern könnte. Lokale Mißernten und viele Vertriebene
haben die Nahrungsmittelknappheit verschärft.
Das WFP will jetzt ein Notprogramm für 10,4 Millionen Dollar starten, das 550 000
Menschen für vier Monate Lebensmittel garantieren soll. Mit Spendengeldern sollen 30 000
Tonnen Weizen und Mais sowie 1080 Tonnen Pflanzenöl aus äthiopischen Beständen gekauft
werden.
"In diesem Jahr versuchen wir auf andere Weise, Hilfsaktionen in Äthiopien
durchzuführen", sagt Allen Jones, WFP-Landesdirektor für Äthiopien. "Die
guten Lebensmittelvorräte geben uns eine Chance, die Abhängigkeit von (ausländischer)
Hilfe zu durch brechen."
In Übereinstimmung mit der staatlichen Politik zur Krisenbewältigung sollen kostenlose
Lebensmittel nur an eine begrenzte Zahl Bedürftiger ausgegeben werden. 70 Prozent der
Nahrungsmittel sollen dagegen im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnah men (ABM) verteilt
werden, an denen die Bevölkerung teilnehmen soll. Die Regierung will mit den
Lebensmittelhilfen nicht nur den Hunger bekämpfen. Sie betrachtet die ABM, etwa im
Bereich Wasserversorgung oder Straßenbau, als Beitrag zu Wiederaufbau und Entwicklung
des Landes.
In Äthiopien sind Armut und Hunger an der Tagesordnung. Das Pro-Kopf-Einkommen ist mit
geschätzten 110 Dollar eines der niedrigsten der Welt. Fast die Hälfte der 56,4
Millionen Einwohner Äthiopiens lebt unterhalb der Armutsgrenze. Auch in an deren
afrikanischen Ländern ist die Ernährungssituation ähnlich kritisch, Für Äthiopiens
Nachbar Sudan benötigt das WFP für dieses Jahr 40,3 Millionen Dollar Spendengelder, um
4,5 Millionen Menschen vor dem Verhungern zu retten. Der Süden Sudans, Schauplatz eines
Bürgerkriegs, braucht über 61 000 Tonnen Hilfslieferungen. Nur die Hälfte davon kann
das WFP aus Vorräten des vergangenen Jahres bestreiten.
1995 erhielten UN-Organisationen nur 39 Prozent des für die Soforthilfe in Sudan
benötigten Kapitals. Laut WFP wurde dadurch die Aktionsfähigkeit der UN-Organisationen
im Land stark eingeschränkt. Schlechte Straßen und Plünderungen durch Rebellen zwingen
die Hilfsorganisationen außerdem dazu, ihre Transporte auf den teureren Luftweg zu
verlagern. Vom Hunger bedroht sind außer Äthiopien und Sudan auch Staaten wie Ruanda,
Burundi, Somalia, Sierra Leone und Liberia.
Jaques Diouf, Generaldirektor der UN-Ernährungs und Landwirtschaftsorganisation (FAO)
schätzt, daß in Afrika die Zahl der unterernährten Menschen bis zum Jahr 2010 um 50
Prozent auf 300 Millionen steigen werde. Diese Zahl könne die Welt nicht verkraften. Er
erwartet vom Welternährungsgipfel, der im November in Rom stattfinden soll, sich mit
diesem Problem zu befassen.
Frankfurter Rundschau vom 29.4.1996
C 16 Unterernährung: Rund 840 Millionen Menschen leiden an Nahrungsmangel
Als unterernährt gelten Menschen, die weniger als 1700 bis 1950 Kalorien am Tag zur
Verfügung haben
Die im Heft abgebildete Karte ist zu groß, um sie im Internet darzustellen. |