Zeitschrift

Weltbevölkerung und Welternährung



BAUSTEIN D
Lösungsansätze


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INHALT


Die negativen Auswirkungen des Weltbevölkerungswachstums auf das Ökosystem Erde sind als existenzielles Problem für das menschliche Dasein erkannt worden. Um diesem zu begegnen, um aber vor allem auch die humanitären und sozialen Aspekte des Bevölkerungswachstums im globalen Zusammenspiel anzugehen, wurden in den neunziger Jahren eine bis dato nicht gekannte Fülle von Weltkonferenzen abgehalten, deren Themenstellungen die globale Problemkonstellation widerspiegeln:

1992 Weltkonferenz zu Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro
1994 Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung in Kairo
1995 Weltgipfel für soziale Entwicklung in Kopenhagen, Weltfrauenkonferenz in Peking
1996 Städtegipfel in Istanbul, Welternährungskonferenz in Rom.

Für das Problem Weltbevölkerung und Welternährung sind vor allem die Konferenzen von Kairo und Rom von Belang. Ob durch die in Kairo und Rom beschlossenen Schritte eine Lösung des Problemkreises Weltbevölkerung und Welternährung erreicht wird, ist abzuwarten und sollte den Schülern auch als Lösungsansatz und Prozeß mit offenem Ende vermittelt werden. Nicht um sie zu entmutigen oder gar zu ängstigen, sondern um sie aufzufordern, durch ihr eigenes Verhalten an einer erfolgreichen Lösung der globalen Probleme mitzuwirken.

Weltbevölkerungskonferenz in Kairo (1994)

Die Weltbevölkerungskonferenz in Kairo 1994 war die notwendige internationale Reaktion auf die Bewußtwerdung der fortgeschrittenen Bevölkerungsentwicklung, vor allem aber auf die Dringlichkeit, Lösungswege zu suchen und gemeinsam anzugehen.

Während bei den vorangegangenen Weltbevölkerungskonferenzen in Bukarest 1974 und in Mexico City 1984 der Nord-Süd-Konflikt die in zwei Lager gespaltene Diskussion um Lösungsansätze bestimmte, waren es in Kairo die religiösen Positionen zu grundsätzlichen Fragen der Familienplanung, die eine rasche Einigung verhinderten. Dabei gingen die katholische Kirche, unterstützt von einer Reihe südamerikanischer Staaten und einigen islamischen Staaten als entschiedene Gegner der' Abtreibung eine Koalition gegen diejenigen ein, die einen Schwangerschaftsabbruch als legales Mittel zur Dämpfung des Bevölkerungswachstums akzeptier ten. Nach zähem Ringen konnte schließlich ein gemeinsames "Aktionsprogramm über Bevölkerung und Entwicklung" verabschiedet werden, dem ein integrativer Politikansatz zugrunde liegt und dessen zentrale Zielsetzungen sind:

  • Beseitigung der Armut
  • Nachhaltiges Wirtschaftswachstum im Rahmen einer tragfähigen Entwicklung
  • Bildung, insbesondere für Mädchen
  • Gleichstellung und Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Schutz, Unterstützung und Förderung der Familie
  • Senkung der Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit
  • Ermöglichung des allgemeinen Zugangs zu Diensten für reproduktive Gesundheit einschließlich Familienplanung und sexueller Gesundheit.

Die Verabschiedung dieses Aktionsplanes wurde vor allem von Seiten der Entwicklungsländer begrüßt, da sie entgegen deren ursprünglichen Befürchtung nicht allein von einer rein bevölkerungspolitischen Maxime dominiert war, sondern einem integrativen Ansatz folgend, die zentralen Elemente der Entwicklungsförderung in den Mittelpunkt stellte, die nachfolgend etwas näher betrachtet werden.
Trotz der jahrzehntelangen internationalen wie nationalen Bemühungen zur Bekämpfung von Unterentwicklung und Armut, können heute bei weitem nicht für alle Regionen der Erde Erfolge in der Armutsbekämpfung verzeichnet werden. Vielmehr lösen sich in allen Weltregionen immer wieder Phasen des Fortschritts und solche der Stagnation gegenseitig ab. Einstige Wohlstandsregionen wie die OECD Staaten oder auch die GUS-Staaten sehen sich seit Beginn der neunziger Jahre mit einer neuen Armutswelle konfrontiert. Demgegenüber verzeichneten die ost- und südostasiatischen Tigerstaaten im gleichen Zeitraum eine deutliche Verbesserung der Armutssituation, wenngleich infolge der Asienkrise derzeit ein erneutes Vordringen von Armut in der Region zu verzeichnen ist. Die grundlegende Erkenntnis, daß Armut nicht Folge, sondern Ursache eines starken Bevölkerungswachstums ist, erklärt die zentrale Position der Armutsbekämpfung im Rahmen der Bevölkerungspolitik.

Der aus der Forstwirtschaft entlehnte Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens dominiert seit den achtziger Jahren zunehmend die entwicklungspolitische Diskussion. Der zentrale Gedanke dabei ist, daß die jeweils gegenwärtige Generation die auf der Erde verfügbaren Ressourcen zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse nur in dem Maß nutzen darf, das es auch nachfolgenden Generationen garantiert, ihre Grundbedürfnisse noch befriedigen zu können. Das Konzept fungiert als entwicklungspolitische Leitlinie für die in Rio 1992 verabschiedete Agenda 21. Die zentrale Forderung des in Kairo verabschiedeten Aktionsplans zielte in diesem Zusammenhang auf die Veränderung der vorherrschenden Konsum und Produktionsmuster, die weder bei einem geringen noch bei einem starken Anwachsen der Weltbevölkerung mit dem Konzept der Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen sind, da sie die Umwelt zu sehr belasten und soziale Ungleichheit und Armut verstärken. (Dem Thema "Nachhaltigkeit" widmet sich ein Heft von "Politik und Unterricht" im Jahr 1999.)

Bildung gilt als eine der Schlüsselfaktoren des Entwicklungsprozesses im allgemeinen und der Bevölkerungsentwicklung im besonderen (vgl. dazu auch die Einleitung in diesem Heft.) Korrelationen bestehen nicht nur zwischen Fortpflanzungsverhalten und Bildungsstand der Frauen, sondern sind auch zwischen den Dimensionen Armut/Wohlstand und Bildung zu beobachten. Deshalb setzt die inter nationale Entwicklungszusammenarbeit seit geraumer Zeit auf integrative Ansätze, wobei dem Faktor Bildung die entsprechende Berücksichtigung sicher ist. Zwar konnten bereits deutliche Verbesserungen in diesem Bereich erzielt werden, doch ein Blick auf den Stand der Dinge verdeutlicht, daß insbesondere die Regionen Südasien, Afrika südlich der Sahara sowie der arabische Raum nach wie vor große Defizite aufweisen.

Die Gleichstellung der Geschlechter mag in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte gemacht haben. Während in den stark patriarchalisch geprägten Gesellschaften die Stellung der Frauen nach wie vor als äußerst schwach zu bezeichnen ist, krankt es in vielen als fortschrittlich geltenden Staaten an einer offenkundigen Diskrepanz zwischen der verfassungsrechtlich verbürgten Gleichstellung der Geschlechter auf der einen und der gesellschaftlichen Realität auf der anderen Seite. Der bevölkerungspolitische Hintergrund dieses Teilansatzes basiert auf der Erkenntnis, daß mit der Zunahme der Selbstbestimmung und der Rechte von Frauen die Abnahme der pro Frau geborenen Kinder einhergeht.

Der Schutz der Familie wurde in Kairo in allen ihren Erscheinungsformen anerkannt, wobei die traditionelle Familie als Keimzelle der Gesellschaft im Mittelpunkt steht. Gefordert wurde darüber hinaus eine verbesserte Förderung und Stabilisierung der Familien durch den Staat.

Die Mütter- und Säuglingssterblichkeit konnte weltweit in den vergangenen vier Jahrzehnten deutlich gesenkt werden, wenngleich nach wie vor große regionale Unterschiede bestehen und auch die bis heute erreichten Verbesserungen nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden können. Denn noch immer sterben rund zehn Prozent aller Neugeborenen in den Entwicklungsländern, etwa acht Mal mehr als in den Industrienationen. Ähnlich gestaltet sich die Situation mit Blick auf die Müttersterblichkeit: Tag für Tag sterben geburts- oder schwangerschaftsbedingt mehr als 1600 Frauen, wobei 99 Prozent dieser Sterbefälle in den Entwicklungsländern und nur ein Prozent in den Industrienationen zu verzeichnen sind. Im Rahmen des in Kairo verabschiedeten Aktionsplanes werden neben der Verbesserung der Gesundheitsdienste explizit auch die Problemfelder Aids sowie eine gezielte Bildungsförderung für Frauen und Mädchen gefordert.

Die umstrittenste Passage des Kairoer Aktionsplanes war lange Zeit die weltweite Billigung des Zugangs zu Mitteln und Methoden der Familienplanung. Abtreibung als Mittel der Familienplanung wurde ausgeschlossen. Das Recht auf Abtreibung unterliegt keiner internationalen Vereinbarung, sondern weiterhin den jeweiligen nationalstaatlichen Regelungen. Alle bisherigen Anstrengungen und Programme im Bereich der Familienplanung haben dazu geführt, daß die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau um die Hälfte auf 3,4 gefallen ist und dieser Effekt - wenn auch mit regional unterschiedlichen Daten - weltweit zu beobachten ist. Wären in der Vergangenheit keinerlei familienplanerische Projekte und Programme in den Staaten des Südens gestartet worden, dann wäre die Weltbevölkerung heute um eine halbe Milliarde Menschen größer. Die Industrienationen haben sich in Kairo dazu verpflichtet, ein Drittel der ab dem Jahr 2000 jährlich erforderlichen 17 Milliarden US-Dollar für Programme zur Familienplanung, zur Gesundheit von Mutter und Kind und zur Vorbeugung vor Geschlechtskrankheiten aufzubringen. Doch diese finanziellen Zusagen sind nach jüngsten Angaben der amerikanischen Rockefeller-Stiftung bisher nicht realisiert bzw. nicht eingehalten worden. Nach vorliegenden Schätzungen sind in den Entwicklungsländern derzeit rund ein Viertel aller Geburten unerwünscht und noch mehr sind ungeplant. Sollten die aus diesen Zahlen abzulesenden Bedürfnisse der 800 Millionen ins Fortpflanzungsalter kommenden Jugendlichen nach Familienplanung nicht befriedigt werden, so hätte dies in nur fünfzig Jahren eine um etwa zwei Milliarden Menschen größere Weltbevölkerung zur Folge.

Die unzureichende finanzielle Ausstattung des Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, der auf diesem Sektor tätigen Nichtregierungs-Organisationen und staatlichen Einrichtungen ist jedoch nicht das alleinige Regulativ in dem Bemühen, das Bevölkerungswachstum zu mindern. Vielmehr sind angesichts der globalen Dimensionen der Problematik zudem verschiedene, einerseits auf religiösen andererseits auf ideologischen Fundamenten basierende Wertesysteme in Beschlüsse und mögliche Maß nahmen einer Weltbevölkerungspolitik einzubeziehen. So spricht sich die katholische Kirche explizit gegen jede Form der Schwangerschaftsverhütung aus. Demgegenüber kennen zwar weder Islam noch Hinduismus oder Buddhismus religiös begründete Widerstände gegen den Gebrauch von Kontrazeptiva, doch fundamentalistische oder politisierte Auslegungen des Islam wie auch des Hinduismus versuchen, diese Religionen in ihrem Sinne zu instrumentalisieren und Maßnahmen zur Geburtenbegrenzung zu unterbinden. Die reale Situation in den arabischen Staaten zeigt ein sehr heterogenes
Bild. So betreiben beispielsweise Ägypten und Tunesien eine sehr aktive Bevölkerungspolitik - in Ägypten gelten zu viele Kinder gar als Vergehen ge gen Gott -, während in den ökonomisch prosperierenden, durch kleine Gesellschaften geprägten und äußerst wertkonservativen Ölländern die Regierungen Kinderreichtum durch steuer- und familienpolitische Maßnahmen fördern. Die statistische Wirklichkeit in überwiegend katholischen Ländern zeigt ein überraschendes Bild: So zählen Italien mit 1,2 und Spanien mit 1,3 Kindern pro Familie zu den Staaten mit den niedrigsten Geburtenraten nicht nur in Europa, sondern weltweit. Auch ein Blick auf Brasilien bestätigt diesen Eindruck.

Neben religiös begründeten Wertordnungen sind es ideologische oder politische Vorgaben, die das Fortpflanzungsverhalten großer Teile der Weltbevölkerung beeinflussen. Ein Blick nach China zeigt, daß hier seit den achtziger Jahren eine rigide kontrollierte und bei Verstoß mit empfindlichen Sanktionen geahndete Ein-Kind-Politk verfolgt wird, wenngleich diese nicht den erwarteten Erfolg gebracht hat. Im Sommer 1998 wurde bekannt, daß der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen seit Jahren erstmals wieder ein bevölkerungspolitisches Projekt in der Volksrepublik China durchführen will, wobei nicht Repression und Sanktion, sondern Freiwilligkeit und Einsicht die Leitlinien der Entscheidung für eine kleine Kinderzahl sein sollen. In Peru und Indonesien werden staatlicherseits angeordnete und durchgeführte Zwangssterilisationen, die in Indien in den siebziger Jahren bereits zu Aufruhr führten und überwunden zu sein schienen, wieder zum Bestand teil nationaler Bevölkerungspolitik gemacht. Solche tief in die individuellen Rechte der Menschen ein greifenden Methoden sind für unser Menschenverständnis nicht akzeptabel.

Welternährungskonferenz in Rom (1996)

Im Mittelpunkt der Welternährungskonferenz, die im November 1996 in Rom abgehalten wurde, stand angesichts der Tatsache, daß weltweit über 800 Millionen Menschen hungern, die Frage nach der künftigen Ernährungssicherung der Menschheit im allgemeinen und der der Entwicklungsländer im besonderen. Trotz der Erfolge der agrartechnischen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und einer Steigerung der Agrarerträge allein in den Entwicklungsländern seit der letzten Welternährungskonferenz (1974) um 80 Prozent kann die Welternährung nach wie vor nicht als gesichert an gesehen werden. Mißernten, Bodenverluste, Ernteverluste, Armut, Kriege, soziale Ausgrenzung und Verteilungsprobleme sind dabei nur einige der auf tretenden Hindernisse bei dem Bemühen, Fehl- und Mangelernährung auf der Erde zu beseitigen. Zur Lösung dieser Problematik wurde in Rom neben der "Erklärung von Rom" von 186 Staaten der "Aktionsplan des Welternährungsgipfels" verabschiedet, deren zentrale Forderung das Menschenrecht auf Nahrung ist.

Abbildung:

Die zukünftige Generation der Nahrungsmittel heißt Novel Food. Die "neuartigen Lebensmittel" entstehen in den High Tech-Labors von Biotechnologie-Firmen.

Die Schwierigkeiten einer erfolgreichen Hungerbekämpfung einbeziehend, formulierten die teilhabenden Staaten die Halbierung der Anzahl hungernder Menschen bis zum Jahr 2015 als Zielsetzung. Im Gegensatz zu den globalen Ansätzen bei der überwiegenden Zahl der Weltprobleme, wie Klimaveränderung, Weltbevölkerung, soziale Sicherung, setzen die Signatarstaaten von Rom auf den Primat der nationalen Politik bei der Bekämpfung von Hunger und Unterernährung. Als Schlüssel zur Lösung der globalen Ernährungsproblematik wurde die Forcierung der Agrarforschung identifiziert.
Die seit den beiden Weltkonferenzen erkennbaren Entwicklungen zeigen, daß die statistische Kinder zahl pro Frau bereits auf 2,9 abgesunken ist und daß das Weltbevölkerungswachstum eine Verlangsamung von 1,43 Prozent pro Jahr auf 1,33 Prozent pro Jahr verzeichnet. Ferner konnte die Mütter- und Säuglingssterblichkeit reduziert, der Bildungsstand und die medizinische Versorgung verbessert wer den. Demgegenüber konnten weder Armut noch Hunger aus der Welt verbannt werden und auch die Umsetzung des Konzepts der Nachhaltigkeit steckt noch in den Anfängen. Die umfassende und integrative Lösung der Problematik Weltbevölkerung und Welternährung steht - trotz aller bisher erreichten regionalen und sektoralen Teilerfolge und hoffnungsvollen Ansätze - weiterhin aus.

Didaktisch-methodische Überlegungen

Die Materialien sollen ausgehend von den Beschlüssen der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo sowie der Welternährungskonferenz in Rom die unterschiedlichen Lösungsansätze zur Bewältigung der Herausforderung Weltbevölkerung und Welternährung für die Schüler nachvollziehbar machen, die bisherigen Erfolge und Mißerfolge nachzeichnen sowie den aktuellen Stand der Dinge dokumentieren.
Als umfassende Aufgabenstellung bietet sich ein Planspiel an, das entweder als Nachstellung einer der beiden Konferenzen oder besser noch einer Folgekonferenz zur Problematik Weltbevölkerung und Welternährung angegeben werden kann. In einer ersten Stunde - ergänzt um eine entsprechende Hausaufgabe - sollten kleine Arbeitsgruppen gebildet werden, die jeweils unter Zuhilfenahme der hier abgedruckten Materialien einen Aspekt der später abzuhaltenden Konferenz für sich so erarbeiten, daß sie als Experten in der Konferenz fungieren und die entsprechenden Informationen dem Plenum zur Verfügung stellen können. Es sollte Arbeitsgruppen zu folgenden im Kairoer Aktionsplan genannten Ansätzen geben: Entwicklung des Weltbevölkerungswachstums und einzelner Weltregionen, Armut, Hunger, Situation der Frauen, Bildung, Gesundheit. Für die Konferenz sollte eine Doppel stunde zur Verfügung stehen. Die Sitzungsleitung übernimmt im Idealfall eine Schülerin/ein Schüler, die/der sich auf die Komplexität des Themas vorbereitet hat und in der Lage ist, eine Diskussion zu leiten. Im Zweifelsfall sollte der Lehrer diese Rolle übernehmen, das Problem benennen und die Experten in einer ersten Runde auffordern, ihre Analysen der jeweiligen Einzelprobleme darzulegen. Es ist sinnvoll, daß die Kleingruppen kurze schriftliche Zusammenfassungen der wichtigsten Daten ihrer jeweiligen Themen verfassen und an die anderen Schüler der Klasse ausgeben. Nach Klärung der Sachlage und der gemeinsamen Erarbeitung der be sonders gravierenden Problemlagen, Fehlentwicklungen und Defizite sollte sich eine problemorientierte Diskussion anschließen, in die immer wieder das Spezialwissen der einzelnen Experten einfließt und an deren Ende im Idealfall die Verabschiedung eines neuen Aktionsplanes zur Bewältigung des Weltbevölkerungs- und -ernährungsproblems steht. Eine Nachbearbeitung dieser Stunde kann so aus sehen, daß aktuelle Pressemeldungen über die reale Fortentwicklung aufgegriffen und im Unterricht diskutiert werden. Denkbar ist auch die Umsetzung der nachgestellten Konferenz als öffentliche Veranstaltung für andere Klassen.

Neben dieser umfassenden Umsetzung können natürlich auch einzelne Problemaspekte herausgegriffen und im Unterricht thematisiert werden. Um beispielsweise die Interdependenz von Armut auf der einen und Bevölkerungswachstum auf der an deren Seite für Schüler nachvollziehbar zu machen, können diese aufgefordert werden, die Graphik D 1 auszuwerten und mit Daten zum Bevölkerungswachstum aus A 3 oder A 9 zu vergleichen. Die Beobachtungsergebnisse der Schüler können die Grundlage eines Unterrichtsgesprächs über den Zusammenhang Armut/Wohlstand und Kinderreichtum in der Bundesrepublik Deutschland bilden, wobei die Karikatur A 22 als abschließende Zusammenfassung zum Einsatz kommen kann.

Welche Wege der Problemlösung verschiedene politische und gesellschaftliche Organisationen oder nationalstaatliche Regierungen gehen, um die künftige Entwicklung der Weltbevölkerung in Dimensionen zu halten, die dem Einzelnen wie auch einzelnen Gesellschaften ein existentiell gesichertes und menschenwürdiges Leben ermöglichen, sollte den Schülern zumindest anhand einzelner Beispiele vermittelt werden. Hierzu zählen die Positionen der christlichen Kirche ebenso wie die des Islam, die Chinesische Ein-Kind-Politik ebenso wie die bevölkerungspolitischen Leitlinien von Staaten mit stagnierender oder gar abnehmender Bevölkerungszahl. In keinem Fall darf die Besprechung der Thematik Weltbevölkerungswachstum inklusive der damit ein hergehenden Folgen mit der Darlegung der Problematik enden. Die Reflexion der in Diskussion befindlichen und der real umgesetzten Lösungswege sowie die dabei auftretenden Schwierigkeiten muß sich anschließen. Bei den Schülern soll nicht der Eindruck eines apokalyptischen Szenarios ihrer eigenen Zukunft entstehen, sondern das Ziel soll sein, eine Reflexion des eigenen Verhaltens zu erreichen. Die Schülerinnen und Schüler sollen verstehen, daß zur Bewältigung des Weltproblems Bevölkerung und Ernährung nicht isoliert betriebene geburtenbegrenzende Maßnahmen zum Ziel führen, sondern nur ein integrativer Entwicklungsansatz, der Armutsbekämpfung, Bildungsförderung, Frauenförderung und ökologisch verträgliches Wirtschaften gleicher maßen berücksichtigt.


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