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Zeitschrift Globalisierung Aspekte einer Welt ohne Grenzen Globalisierung:
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Die Globalisierung der Wirtschaft Globalisierung in der Kritik:
Heft 4/2003
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E 9 bis E 11 Handlungsmöglichkeiten
Fairer Sport - faire Bälle!
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten ... Aber so einfach ist es leider nicht in der Welt der Fußbälle. Es klingt fast unglaublich: Pakistan liefert 80 Prozent aller für den Weltmarkt bestimmten Fußbälle. Und die meisten von ihnen werden in der pakistanischen Stadt Sialkot von etwa 25.000 Menschen hergestellt - oft unter erbärmlichen Arbeitsbedingungen und durch Kinderarbeit. Es braucht ungefähr 690 Nadelstiche von Hand, um die 32 fünf- bzw. sechseckigen Waben aus Kunstleder zu dem widerstandsfähigen runden Ball zusammenzunähen. Vom Handel mit dem Billiglohnland Pakistan profitieren vor allem die Industrienationen. Die Bezahlung vor Ort in Pakistan ist miserabel: Ein Näher ist in der Lage, bei einer Arbeitszeit von neun bis zehn Stunden täglich drei bis fünf Bälle zu fertigen. Pro Ball verdient er etwas mehr als 30 Cent. Das mit dieser Arbeitsleistung erzielte Einkommen reicht nicht aus, um eine Familie ernähren zu können. Es ist deshalb kein Wunder, dass in der pakistanischen Fußballproduktion mehr als 50 Prozent der Beschäftigten Frauen sind. Nach Schätzungen internationaler Organisationen sind außerdem etwa 7.000 Kinder an der Produktion der Bälle beteiligt. Der Verein "Fair Trade" und die gepa (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt) haben 1997 das Projekt "fair gehandelte Fußbälle aus Pakistan" ins Leben gerufen. Die Bestandteile sind: Höhere Löhne für Näherinnen und Näher, Schaffung von Arbeit im Dorf, Sicherung sozialer Leistungen (Gesundheits- und Rentenversicherung), keine Kinderarbeit. Unter Einhaltung und Überwachung der strengen Bestimmungen werden in Sialkot in kleinen Nähzentren Fußbälle genäht, die über kleinere pakistanische Exporteure in die Welt versandt werden. Für jeden fair gehandelten Ball wird im Zielland dann ein Fair-Trade-Preisaufschlag bezahlt, der sich in vier Bestandteile gliedert:
Inzwischen kennen sie viele - die fair gehandelten Bälle aus Sialkot. Seit Beginn des Projekts wurden mehrere Hunderttausend der Bälle in Europa verkauft. Sie sind leicht am grünen gepa-Logo zu erkennen und sind z.B. in vielen Dritte-Welt-Läden erhältlich. Und sie sind nicht teurer als normale Fußbälle. Schon ab 20 Euro ist ein fair gehandelter Trainingsball zu bekommen. Quelle: http://www.friedenspaedagogik.de/themen/fussball/wm_09.htm und http://www.fairtrade.de
Völlig unnötig - wie wir finden! Ein Bericht aus der Bonifatiusschule Batenhorst im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück: Im Winter 2001 besuchte eine Mitarbeiterin des Vereins "urgewald" aus Sassenberg die Bonifatiusschule. Sie kam mit einem besonderen Anliegen in unsere Schule: Sie stellte uns die Initiative 2000plus vor, die sich zum Ziel gesetzt hat, 500 Schulklassen zu finden, die sich für die Benutzung von Recyclingheften in der Schule stark machen. Auslöser der auch vom Umweltministerium Nordrhein-Westfalen unterstützten Initiative ist die Tatsache, dass Altpapierhefte zunehmend zugunsten strahlend weißer Billigprodukte aus den Regalen des Handels verschwinden. Nur noch 5 bis 10 Prozent aller Schulhefte werden aus Altpapier hergestellt. Für die Billighefte werden an vielen Orten der Welt rücksichtslos Bäume gefällt. Viele Hersteller gaukeln mit Mogelzeichen Umweltverträglichkeit ihrer Produkte vor. So enthält "tropenholzfreies" Papier zum Beispiel Zellstoff, der in den Urwäldern Kanadas aus jahrhundertealten Bäumen gewonnen wird. Dort wird die Natur und die Lebensgrundlage vieler Indianer unwiederbringlich zerstört. Dabei ist es so einfach, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Einfach beim Einkauf darauf achten, dass die Hefte ein Zeichen aufweisen, das für 100 Prozent Altpapiergehalt bürgt. So soll es an unserer Schule weitergehen: Die Schülerinnen und Schüler werden eine Befragung des Handels durchführen, ob dieser uns Altpapierhefte zu fairen Preisen anbieten kann. Andernfalls wird die Schule per Sammelbestellung umweltfreundliche Hefte kaufen und den Kindern - auf freiwilliger Basis - zum Kauf anbieten. Außerdem werden wir versuchen, auch andere Schulen von ähnlichen Aktionen zu überzeugen, damit nicht länger Bäume für Schulhefte gefällt werden müssen. Nach: http://www.die-bonifatiusschule.de (Unterrichtsprojekte).
Die global faire Kommune Die Agenda 21 ist das bislang umfangreichste und wichtigste weltweite Aktionsprogramm der Schicksalsgemeinschaft "Erde". Es wurde 1992 als Programm für das 21. Jahrhundert auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro, dem so genannten "Erdgipfel", von 178 Staaten unterzeichnet. Die Agenda beschreibt Wege, wie Zukunftsfähigkeit und Nachhaltige Entwicklung unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Ziele in den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens umgesetzt werden könnten. Den Kommunen ist dabei eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung dieses Aktionsprogramms zugedacht. Inzwischen sind mehr als 300 der 1.111 baden-württembergischen Gemeinden dem Auftrag von Rio de Janeiro gefolgt und haben durch Gemeinderatsbeschluss ihren Willen bekräftigt, gemeinsam mit der Bevölkerung eine Lokale Agenda zu erarbeiten. Im Folgenden werden einige Beispiele aus den zahlreichen Initiativen dargestellt: 1. Die Gemeinde Kernen im Remstal unterhält eine Städtepartnerschaft mit Masvingo im Süden Simbabwes. Die Partnerschaft ist kein Verwaltungsakt, sondern eine von einem Verein getragene Initiative, die aus Gemeindemitteln finanziert wird. So konnte in Masvingo z.B. ein Stadtteil-Gesundheitszentrum sowie eine Vorschule gebaut werden. Insgesamt haben die Gemeinde und die BürgerInnen in den letzten zehn Jahren rund 125.000 Euro für gemeinsame Projekte in Masvingo bereitgestellt. 2. In Baden-Württemberg gibt es etwa 60 Schulpartnerschaften mit Schulen in Entwicklungsländern. Die am häufigsten praktizierte Form der Partnerschaft ist die finanzielle bzw. materielle Unterstützung. Im Rahmen des Schulnetzwerkes sind die Anfragen aus Afrika jedoch weitaus zahlreicher und für manch eine afrikanische Schule, die gerne Kontakt zu einer deutschen Schule hätte, konnte bislang keine Partnerin gefunden werden. 3. Friedrichshafen hat seit dem Jahr 2000 einen eigenen Stadtkaffee: den "Café Friederico". Mit Einführung des nach ökologischen Kriterien angebauten und fair gehandelten Kaffees hat sich der Umsatz für Kaffee im Weltladen um den Faktor 4 multipliziert. Auch in Freiburg gibt es einen "Café Freinica", in Waiblingen einen "Café Libertad" und im Ostalbkreis einen fair gehandelten Kaffee für den Landkreis: "OK - der Ostalbkaffee". Die Gemeinde Rottenburg am Neckar hat beispielsweise einen Marktführer veröffentlicht, der über Einkaufsmöglichkeiten für fair gehandelte Produkte in der Stadt informiert. 4. Die Gemeinde Schramberg im Schwarzwald hat im Jahr 2000 einen "Kindergipfel" veranstaltet, auf dem 550 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren und ca. 200 Erwachsene, meist EntscheidungsträgerInnen aus Gemeinderat, Verwaltung, Schulen und Vereinen, Zukunftsprojekte diskutierten und entwarfen. Eltern waren nicht eingeladen, denn der Gipfel sollte schließlich eine kinderpolitische Angelegenheit und keine Theateraufführung sein! Am Ende des eintägigen Gipfels hatten alle Beteiligten konkrete Projekte entwickelt. Jedes der insgesamt 18 Projekte wurde in einem Zukunftsvertrag verbindlich und förmlich von Kindern und erwachsenen PartnerInnen unterzeichnet. Nach: Leitfaden zur global fairen Kommune in Baden-Württemberg. Anregungen und Empfehlungen anhand von Beispielen guter Praxis, hrsg. v. Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und dem Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg, 2002 (Projektbearbeitung und Bezugsadresse: info@kate-stuttgart.org).
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