Zeitschrift 

Globalisierung

Aspekte einer Welt ohne Grenzen

Globalisierung: 
Aspekte und Dimensionen 

Kulturelle Globalisierung 

Weltweites Regieren: 
Institutionen und Akteure

Die Globalisierung der Wirtschaft

Globalisierung in der Kritik: 
Konzepte und Perspektiven 

 

Heft 4/2003 
Hrsg.: LpB

 

Inhaltsverzeichnis

B 1 bis B 2  Problemaufriss


 

B 1

Die Globalisierung wird unter anderem deshalb angegriffen, weil sie scheinbar traditionelle Werte zersetzt. Diese Konflikte sind vorhanden und bis zu einem gewissen Grad unvermeidlich. Wirtschaftswachstum, auch wenn es sich der Globalisierung verdankt, fördert die Verstädterung, die traditionsgebundene ländliche Gemeinschaften zerstört. Leider haben diejenigen, die den Rahmen der Globalisierung spannen, zwar deren positive Effekte gelobt, aber allzu oft deren Schattenseite, die Bedrohung der kulturellen Identität und kultureller Werte, nicht gebührend berücksichtigt. Dies ist verwunderlich, wenn man bedenkt, wie präsent diese Probleme in den Industrieländern selbst sind: Europa verteidigt seine Agrarpolitik nicht nur, um Sonderinteressen zu dienen, sondern auch, um ländliche Traditionen zu bewahren. Die Bewohner amerikanischer Kleinstädte beklagen sich, große nationale Einzelhandelsketten und Einkaufszentren hätten ihre Tante-Emma-Läden und das traditionelle Gefüge ihres Gemeindelebens zerstört. ...

Joseph Stiglitz: Die Schatten der Globalisierung. Berlin (Siedler) 2002, S. 283.

 

B 2

Nicht Mosaik, sondern Fluss

In der Diskussion über kulturelle Globalisierung gibt es eine sehr populäre Auffassung, nach der eine sich immer stärker ausbreitende US-amerikanische bzw. westliche Kultur die Kulturen in den anderen Ländern, Regionen und Kontinenten verdränge und alles zum großen Einheitsbrei, der »McDonaldisierung«, einer »Cocacolization« oder »McWorld« zusammenschmelzen würde. 

Die Vorstellungen von der Zerstörung einer Kultur durch eine andere basieren auf einem Verständnis, nach dem Kulturen weit gehend in sich abgeschlossene Gebilde sind, gebunden an Orte und eine Gruppe von Menschen, eine Gemeinschaft oder Gesellschaft, eine Region oder Nation. Aber solche ... Kulturen ohne prägende Einflüsse von außen sind eine Fiktion, da Kulturen nie in »Reinform« existieren und immer aus der Begegnung und dem Aus- tausch mit anderen Kulturen, dem gegenseitigen Aufnehmen und Abgrenzen entstehen. Kulturen sind Produkt von Beziehungen und Durchquerungen und entwickeln sich erst im Kontakt mit dem Fremden und Anderen. 

Bernd Wagner: Kulturelle Globalisierung. Von Goethes »Weltliteratur « zu den weltweiten Teletubbies. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 12/2002, S. 11.


 


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