Zeitschrift 

Der Seminarkurs
 

Ein Weg zur Methodenkompetenz

Methodentraining als Vorbereitung
Ein Erfahrungsbericht: Neue Armut
Die Präsentation und ihre Bewertung

Heft 3/2002 , Hrsg.: LpB

 



 

Inhaltsverzeichnis

BAUSTEIN C

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Die Präsentation und ihre Bewertung

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Der Anfang prägt, das Ende haftet
Wilfried Possin

Eine Präsentation ist wesentlich mehr als die Aneinanderreihung von Daten und Fakten. Aus diesem Grund ist es wichtig, Inhalte und Aufbau einer Präsentation so zu gestalten, dass sie zu einem Ganzen verschmelzen. Es muss gleichsam ein Spannungsbogen aufgebaut und der rote Faden durch die Präsentation hindurch sichtbar werden. Nur so lassen sich die gesetzten Ziele, seien sie inhaltlicher Art (informieren, erläutern, überzeugen) oder persönlicher Art (glaubwürdig, kompetent, innovativ, humorvoll sein) verwirklichen. Wie jeder Schulaufsatz baut sich dabei auch eine Präsentation aus drei wichtigen Komponenten auf: Der Einleitung, dem Hauptteil und dem Schluss.

Die Einleitung

Gerade der Einleitung und dem Schluss kommt bei einer erfolgreichen Präsentation eine besonders wichtige Bedeutung zu, wie schon das eingangs genannte Zitat von Wilfried Possin verdeutlicht. Die Einleitung dient dazu, zunächst einmal den Kontakt zum Publikum aufzubauen und seine Sympathie zu gewinnen. Nur so ist eine erfolgreiche Kommunikation auf der Beziehungsebene - neben der Sachebene ein entscheidender Faktor jeder Präsentation - möglich. Durch einen gelungenen Einstieg sollen Aufmerksamkeit und Interesse der Zuhörer für das Thema geweckt und eine positive Beziehung zwischen Präsentation und Publikum hergestellt werden. Für den Einstieg eignen sich: eine Karikatur, ein Zitat, ein aktuelles Ereignis, eine ungewöhnliche Statistik oder eine humorvolle Pointe. Die Einleitung dient zudem als Orientierung für den weiteren Verlauf der Präsentation.

Folgende Komponenten sind wichtige Bestandteile einer Einleitung (C 8):

• Begrüßung
• Eigene Vorstellung
• Einstieg in das Thema
• Nennen des Themas
• Bezug zu den Zuhörern
• Gliederung
• Ablaufplan und Modalitäten.

Der Hauptteil

Nach einem gelungenen Einstieg geht es im Hauptteil darum, die verschiedenen Fakten, Daten und Argumente überzeugend zu vermitteln. Hier gilt: Sinnvolle Ordnung ist der halbe Erfolg. Wie diese geordnete Abfolge einzelner Informationsblöcke aussieht, hängt sehr stark von der Zielsetzung, dem Thema, den Inhalten und den Zuhörern ab und kann sehr vielfältig gestaltet werden. Mögliche Aufbauvarianten im Rahmen des Hauptteils sind:

• Ist-Soll-Vergleich mit Lösungsansatz
• Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
• These - Antithese - Synthese
• Problem - bisherige Lösung - neuer Ansatz
• Behauptung - Argumente - Folge oder Lösung
• Problem - Kerninformationen - Folge oder Lösung

Bei der Abfolge der einzelnen Informationen und Argumente innerhalb des Hauptteils kommt es besonders darauf an, eine gewisse Dramaturgie zu entwickeln und einen Spannungsbogen aufzubauen, der das Interesse und die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer wach hält. Dabei kann man entweder mit dem schwächsten Argument oder uninteressantesten Sachverhalt beginnen und mit dem stärksten oder interessantesten enden (steigende Reihe) oder umgekehrt vorgehen (fallende Reihe). Eine dritte Variante ist die sogenannte dramatisierende Reihe. Sie beginnt unmittelbar nach der Einleitung zunächst mit dem zweitstärksten Aspekt des Hauptteils, an den sich weitere schwächere Informationen und Argumente in steigender Reihe anschließen. Der wichtigste Aspekt bildet - sozusagen als Paukenschlag - den Schluss des Hauptteils.

Gerade im Hauptteil ist es wichtig, den roten Faden, der sich durch die gesamte Präsentation zieht, immer wieder aufzunehmen und dem Publikum vor Augen zu halten. Man kann zum Beispiel nach jedem Unterpunkt den Bezug zum Leitthema wieder verdeutlichen und damit eine bewusste Überleitung von einem zum nächsten Punkt schaffen. Trotz der Notwendigkeit der Darstellung aller wichtigen Sachverhalte im Hauptteil gilt jedoch gerade bei sehr umfangreichen Themen ein Zitat von Voltaire: "Das Geheimnis zu langweilen ist, alles zu sagen" (Zitate nach Amann, Kegel, Rausch, Siegmund 2001, S. 12).

Der Schluss

Was für die Einleitung gilt, gilt auch für den Schluss. Die Chance besteht darin, einen bleibenden Eindruck beim Publikum zu hinterlassen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, den Zuhörern das bevorstehende Ende der Präsentation anzukündigen. Dies erhöht die Aufmerksamkeit der Zuhörer wieder und verstärkt dadurch die Aufnahmefähigkeit. Man wird im Schlussteil noch einmal jene wichtigen Kerngedanken zusammenfassen, die das Publikum unbedingt mit nach Hause nehmen sollte. Ein Appell zu konkretem Handeln oder ein Ausblick auf die weitere Entwicklung sind weitere Komponenten eines gelungenen Schlussteils. Durch einen Bezug zur Einleitung der Präsentation lässt sich der rote Faden erneut gekonnt aufnehmen und zum eigentlichen Ende der Präsentation überleiten, das zum Beispiel durch ein passendes Zitat gesetzt werden kann (C 9).

Der Medieneinsatz

Medien sind ein unabdingbares Mittel, Inhalte zu veranschaulichen und dem Publikum dadurch besser zugänglich zu machen. Diesem Ziel dienen einzelne Medien in unterschiedlichem Maße. Es gilt der Grundsatz: Je mehr Sinnesorgane durch ein Medium angesprochen werden, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die dargebotenen Inhalte vom Publikum aufgenommen und langfristig behalten werden (C 2). So liegt der Behaltensquotient bei Informationen, die allein über den Hörsinn aufgenommen werden bei nur 20 Prozent, allein über den Sehsinn bei 30 Prozent. Wird neben dem Hör- zusätzlich der Sehsinn angesprochen, so erhöht sich die Quote schon auf die Hälfte. Treten weitere Sinnesorgane und aktive handlungsorientierte Komponenten hinzu - etwa das selbstständige Ausprobieren einer Maschine oder Versuchsanordnung - so können bis zu 90 Prozent der Informationen behalten werden.

Auf dieser Grundlage lassen sich Medien in vier Kategorien einteilen (C 3), welche die unterschiedlichen Sinnesorgane ansprechen. Bei der Medienwahl kommt darüber hinaus aber auch einer Reihe anderer Faktoren eine wichtige Bedeutung zu: die Erwartungen der Zielgruppe, die eigene Zielsetzung, die räumlichen Gegebenheiten, die Vorbereitungszeit, das Budget sowie der Präsentationstyp.

Gerade bei dem zuletzt genannten Punkt ist die persönliche Präferenz im Umgang mit dem entsprechenden Medium wichtig, denn nichts ist schlimmer als ein Medieneinsatz, der an der mangelnden Medienkompetenz des Präsentators scheitert. Es gilt, immer nur solche Medien einzusetzen, mit denen man auch selbst vertraut ist oder sich eingehend vertraut gemacht hat. Die "Zehn Gebote" des Medieneinsatzes fassen die wichtigsten Regeln zusammen (C 10).

Wie Visualisierung gelingt

Menschen verarbeiten Informationen auf unterschiedliche Art und Weise. Der überwiegende Teil gehört zum so genannten "visuellen Typ", der Inhalte in erster Linie in Form von Bildern verarbeitet und behält. "Sprachliche Typen" speichern Informationen bevorzugt in Form von Wörtern, Sätzen oder in einer anderen sprachlich kodierten Form. Menschen, die sich Inhalte vor allem in Form von Handlungsabläufen merken können, zählen zum "handlungsorientierten Typ". Einer guten Visualisierung kommt deshalb eine entscheidende Bedeutung für eine erfolgreiche Präsentation zu.

Visualisieren heißt, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Auf diesen Grundsatz lässt sich die bildhafte Darstellung von Inhalten zusammenfassen. Wie aber kommt man von der Information zur Visualisierung? Die folgenden fünf Schritte können dabei sehr hilfreich sein. Wichtigste Voraussetzung ist eine sinnvolle Strukturierung und Gliederung der Präsentation. Auf dieser Grundlage kann man in einem zweiten Schritt Informationsblöcke bilden, die einer Sprechzeit von zwei bis fünf Minuten entsprechen. Anschließend können die Inhalte der jeweiligen Informationsblöcke in Schlagworten zusammengefasst werden (sogenannte  "Bulletcharts"). In einem weiteren Schritt muss die wesentliche Kernaussage des jeweiligen Informationsblocks herausgefiltert werden. Im letzten und fünften Schritt gilt es, diese Aussage durch eine Grafik, ein Diagramm oder ein Bild visuell zu verstärken

.Der geschickten Auswahl der visuellen Hilfsmittel kommt eine zentrale Bedeutung für eine erfolgreiche Präsentation zu: Durch Bilder und Grafiken wird die rechte Gehirnhälfte besonders stark angesprochen, in der visuelle Informationen, Emotionen und ganzheitliches Denken verankert sind. Die linke Gehirnhälfte ist indes für das analytische, sprachliche Denken verantwortlich (C 4). Durch eine Kombination von Sprache im Vortrag und entsprechenden bildhaften Informationen lassen sich demnach beide Gehirnhälften gleichermaßen ansprechen. Damit können die Aufnahme, Verarbeitung und Abspeicherung der Informationen nachhaltig verbessert werden - ein Trick, den sich auch Gedächtniskünstler zu Nutze machen. Die Auswahl der geeigneten Grafik für den richtigen Zweck ist aber eine Wissenschaft für sich, denn nicht mit jeder Darstellung erreicht man beim Publikum den gewünschten Erfolg.

Die Bewertung von Präsentationen

Was für Themen wie Medieneinsatz, Visualisierung und Rhetorik im Rahmen von Präsentationen gilt, gilt ebenso für deren Bewertung. Es stellt ein ungewohntes Terrain für Lehrer und Schüler dar, denn beide Akteure betreten dabei Neuland. Es müssen nicht nur neue Bewertungskriterien entwickelt und angewandt werden, die im traditionellen Unterricht bisher kaum vorkamen, wie etwa die Beurteilung der Kommunikations-, Sprach- und Sozialkompetenz. Darüber hinaus gilt es, neue Wege des Feedbacks zwischen Lehrern und Schülern zu finden, die den geforderten Kriterien eines handlungsorientierten, offenen Unterrichts gerade im Seminarkurs Rechnung tragen.

Entwicklung von Bewertungskriterien

Wie lässt sich ein solcher Kriterienkatalog - am besten im Dialog zwischen Lehrer und Schülern - entwickeln? Als Grundsatz hierfür sollte dienen: Es kann nur das beurteilt werden, was ausdrücklich angesprochen und entsprechend eingeübt worden ist. Dabei ist das Augenmerk nicht nur auf die im schulischen Kontext oft im Mittelpunkt stehenden inhaltlichen Aspekte zu richten. Vielmehr müssen neben der Fachkompetenz vor allem auch die anderen drei Kompetenzfelder (Methoden-, Sozial- und Personalkompetenz) Gegenstand der Bewertungskriterien sein (C 1). Als Anhaltspunkt für mögliche Kriterien zur Beurteilung von Präsentationsleistungen können hierbei die verschiedenen Beobachtungsfelder im Rahmen der Seminarkursarbeit dienen.

In der Praxis hat es sich bewährt, zur Erarbeitung eines solchen Kriterienkatalogs auf einer Metaplanwand Kärtchen mit verschiedenen denkbaren Bewertungskriterien anzubringen. Auf diesen Kärtchen können beispielsweise folgende Aspekte einer erfolgreichen Präsentation stehen:

Mögliche Bewertungskriterien

• Sinnvolle Strukturierung der Inhalte
• Medien unterstützen den verbalen Vortrag
• Ausdrucksweise gut verständlich
• Gut lesbare und ansprechende Schaubilder
• Offene und sichere Körperhaltung
• Freier Vortrag, nicht nur vom Blatt abgelesen
• Blickkontakt zum Publikum

Die Schüler haben nun die Aufgabe, die aus ihrer Sicht wichtigsten drei Kriterien einer gelungenen Präsentation mit einem Punkt zu versehen. Darüber hinaus dürfen sie auf leeren Kärtchen weitere Bewertungskriterien festhalten und an die Metaplanwand pinnen. Ziel sollte es sein, zwischen allen Beteiligten einen Konsens über den Kriterienkatalog zu erreichen und diesen in Form einer Checkliste festzuhalten. Diese Checkliste wird bei allen Präsentationen als Grundlage für die Bewertung angewandt. Dabei sollen sich auch die Schüler untereinander mit Hilfe dieser Beobachtungsbögen bei der Bewertung von Präsentationen üben (C 6). Wie auch immer die Kriterien zur Leistungsbeurteilung auf diesen Bewertungschecklisten definiert werden, eines ist oberstes Gebot: deren Transparenz.

Auf richtiges Feedback kommt es an

Beobachtet, bewertet und beurteilt zu werden ist zumeist mit Gefühlen der Verunsicherung verbunden, mit der Angst, sich zu blamieren, zu versagen oder bloßgestellt zu werden. Dies gilt besonders für die Arbeit im Seminarkurs, bei der Kriterien auf dem Prüfstand stehen, die zum Teil sehr in die Persönlichkeitsmerkmale eingreifen wie Körpersprache und Rhetorik. Aus diesem Grund setzen sich Schüler einem solchen Feedback oft nur ungern aus. Deshalb sollte eine solche kritische Rückmeldung immer nur als ein Angebot verstanden werden; sie muss entsprechend formuliert werden und auf Stärken und Schwächen der Präsentation hinweisen, ohne abwertend zu sein. Es hat sich bewährt, die Präsentationen (zumindest in Übungsphasen) zur Dokumentation und Demonstration gerade auch für die Schüler selbst mit Video aufzunehmen und anschließend zu besprechen. Ein an sich selbst beobachteter Fehler prägt sich nachhaltiger ein als die mündliche Kritik des Lehrers und der Mitschüler.

Um eine lehrreiche und möglichst angstfreie Besprechung und Bewertung einer Präsentation zu gewährleisten, gilt es deshalb einige Grundregeln des Feedbacks einzuhalten.

Feedback geben und annehmen

Feedback geben

• Feedback nur geben, wenn es gewünscht wird
• Mit positiven Eindrücken beginnen
• Möglichst konkrete Aussagen machen, keine Pauschalbeurteilungen
• Ich-Botschaften formulieren
• Ehrlich und respektvoll argumentieren
• Kritik nur konstruktiv äußern

  Feedback annehmen

• Aktiv zuhören, den Gesprächspartner nicht
  unterbrechen
• Offen sein für Kritik, ohne sich zu verteidigen
• Wenn nötig, bei konkreten Kritikpunkten nachfragen
• Feedback nicht als Gefahr, sondern als Chance zur Verbesserung sehen

Trotz möglicher Schwierigkeiten bei der Bewertung von Präsentationen, für Lehrer wie für Schüler - die Bewertung ist ein wesentlicher Aspekt der Seminarkursarbeit. Ohne kritische Rückmeldungen ist ein Lernprozess und eine Verbesserung der Präsentation letztlich nicht möglich. Auch für die Bewertung von Präsentationen gilt das Sprichwort: Übung macht den Meister. Dabei ist es sehr sinnvoll, die Schüler selbst aktiv in die Bewertung von Präsentationen einzubeziehen. Dies fördert nicht nur ihre Fähigkeit zur Selbst- und Fremdkritik, sondern schult auch ihr Augenmerk für die Aspekte einer gelungenen Präsentation

Von der Bewertung zur Benotung

Trotz des meist positiven Lern- und Arbeitsklimas im Seminarkurs kommt man als Lehrer um die Benotung von Präsentationsleistungen nicht herum. Dabei sollte man zunächst nur mit der Bewertung einer relativ geringen Zahl von Präsentationskriterien beginnen (etwa fünf Kriterien) und nur eine grobe Einteilung in Leistungsstufen - etwa "sehr gut", "durchschnittlich" und "weniger gut" - vornehmen. Auf dieser Grundlage lassen sich im Laufe der Seminarkursarbeit bis zur Endpräsentation mit einem zunehmend geschärften Blick für die verschiedenen Aspekte einer Präsentation der Kriterienkatalog ausbauen und die Abstufung der einzelnen Präsentationsleistungen weiter differenzieren.

Zur Benotung von Präsentationen ist es sinnvoll die Bewertungsbögen (C 6) zu verwenden, die zuvor mit den Schülern entwickelt, zumindest aber eingehend besprochen wurden. Nur so ist eine hinreichende Transparenz der Notengebung gewährleistet. Dies erleichtert auch die anschließende Besprechung der Präsentationsleistung sowie die Begründung der Benotung, weil die Bewertung so nachvollziehbar wird und damit in der Regel eine größere Akzeptanz erreicht.

Weinheim, Stadt mit Zukunft?! Die Agenda 21
Ein Beispiel aus der Seminarkursarbeit

Die dargestellten Erläuterungen zu den Kennzeichen einer gelungenen Präsentation und deren Bewertung basieren im Wesentlichen auf den Erfahrungen der Seminarkursarbeit an der Johann-Philipp-Reis-Schule in Weinheim, die in dieser Hinsicht eine Modellschule im kaufmännischen Schulwesen des Oberschulamts Karlsruhe war. Dort werden bereits seit fünf Jahren regelmäßig bis zu fünf parallele Seminarkurse angeboten. Der Autor hat folgende drei Kurse im Team mit jeweils einem anderen Kollegen zusammen geleitet, denen er auch an dieser Stelle für die gute Zusammenarbeit dankt:

• Schuljahr 1998/1999: Rund um die Börse (mit Kreszentia Amann, Dietmar
  Kegel)
• Schuljahr 1999/2000: Unsere Zukunft in Europa (mit Oliver Becke)
• Schuljahr 2000/2001: Weinheim - Stadt mit Zukunft?! Die Agenda 21 (mit
  Patrick Elling)

Der Seminarkurs "Weinheim, Stadt mit Zukunft?! Die Agenda 21" war im Schuljahr 2000/2001 einer von fünf Seminarkursen an der Johann-Philipp-Reis-Schule, an denen rund 70 der insgesamt etwa 90 Schüler der Jahrgangsstufe 12 teilnahmen. Das Rahmenthema des Kurses hatte sich aufgrund der aktuellen Diskussionen um die Attraktivität des Standorts Weinheim für Einzelhandel und Industrie ergeben. Dabei kommt dem lokalen Agenda-21-Prozess, der sich auf kommunalpolitischer Ebene in verschiedenen Ausschüssen mit ökonomischen, ökologischen und sozialen Fragestellungen beschäftigt, eine große Bedeutung zu. Aus diesem Grund wurden in die erste Seminarkurssitzung zwei Mitarbeiterinnen des lokalen Agendabüros eingeladen, um in das Thema "Agenda 21" einzuführen und einen Überblick über aktuelle Entwicklungstendenzen in Weinheim zu geben (C 5).

Methoden im Seminarkurs

Neben dieser ersten thematischen Impulsphase lag der Schwerpunkt der Seminarkursarbeit vor allem auf methodischen Aspekten. Dazu zählten Aufgaben wie Recherchieren im Internet, Visualisierung von Informationen, Medieneinsatz und Rhetorik (C 5, C7). Die einzelnen Sitzungen begannen jeweils mit einem etwa halbstündigen Impulsreferat der beiden Seminarkursleiter zum entsprechenden Thema. Daran schloss sich eine Übungsphase an, in der die Schüler die erläuterten Inhalte an praktischen Beispielen umsetzen und üben mussten. Den Abschluss bildeten regelmäßige Präsentationsübungen zum jeweiligen Themenschwerpunkt, die anschließend, auch mit Hilfe von Videoaufzeichnungen, besprochen wurden. Gerade die Aufzeichnungen von Präsentationen per Video stellt ein wichtiges Instrument für die Bewertung und Reflexion persönlicher Verhaltensmuster dar. Auf diese Art und Weise lassen sich verschiedene Aspekte von Präsentationen genauer analysieren und nicht zuletzt den agierenden Schülern selbst unmittelbar vor Augen führen.

Einige Beispiele der Methodenarbeit im Seminarkurs wurden durch die Schüler selbst vorbereitet und präsentiert. Hierzu zählen insbesondere die Einführungen in Powerpoint und Excel. Dies erhöhte sowohl die Motivation der präsentierenden Schüler als auch die des gesamten Seminarkurses. Die Schüler zeigten nicht nur ein profundes Fachwissen im Umgang mit den entsprechenden Programmen, sondern auch ein großes Maß an Eigeninitiative und Kreativität bei der medialen Erläuterung der entsprechenden Inhalte sowie der Ausarbeitung von Übungsphasen.

Ein Teil der methodischen und inhaltlichen Aspekte des Seminarkurses wurde in außerschulischen Lernorten erarbeitet. So wurde die Universitätsbibliothek Mannheim besucht, an der die Schüler eine Einführung in das Recherchieren von Literatur über das Internet erhielten. Einen besonderen Höhepunkt bildet jedes Schuljahr ein eintägiger Workshop bei der Werbeagentur WOB AG in Viernheim. Dort lernen die Schüler der Seminarkurse in Form von Sketchen und szenischen Improvisationen den spielerischen Umgang mit verschiedenen Aspekten von Präsentationen (C 5).

Arbeit an den Inhalten

Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Lokalen Agenda 21 und zur Themenfindung für die einzelnen Kursarbeiten besuchte der Kurs für jeweils einen Nachmittag die Unternehmensgruppe Freudenberg als wichtigsten Arbeitgeber der Region und den Oberbürgermeister der Stadt Weinheim, Uwe Kleefoot. Dort wurden verschiedene aktuelle Aspekte des Wirtschaftsstandorts Weinheim besprochen - teils in einer offenen Diskussionsrunde, teils in Form von Referaten, bei denen die Schüler auch die Standards solcher Präsentationen in Bezug auf Medieneinsatz und Visualisierung vor Augen geführt bekamen. Dabei konnten die Schüler auch persönliche Kontakte mit den jeweiligen Referenten für die Erörterung eigener Interessenschwerpunkte und die spätere Bearbeitung ihrer Seminarkursthemen knüpfen. Ein Besuch der EXPO in Hannover zusammen mit den anderen Seminarkursen bildete eine weitere Grundlage für die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Agenda 21 (C 5).

Auf dieser Basis ergaben sich in einem Prozess der mehrfachen Rückkopplung zwischen Schülern, Lehrern sowie verschiedenen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Stellen folgende Projekte.

Themen der Seminarkursarbeiten
  • Der Handel in Weinheim: Top oder Flop? (Anna Huljak, Rebecca Lutz)
  • Das öffentliche Verkehrswesen von Weinheim - eine Einbahnstraße? (Christina Hildenbrand, Sabrina Schreiner)
  • Ökonomische und soziale Struktur der Weinheimer West- und Südstadt (Markus Dörsam, Alex Eder, Sebastian Michel)
  • Freizeitangebote für Schüler von 14 bis 18 Jahren in der Kernstadt Weinheim (Sonja Amann, Tanja Schumacher)
  • Standortfaktoren für zukunftsfähige Unternehmen in Weinheim und im Rhein-Neckar-Raum (Maximilian Annacker, Max Jöst)

Den Abschluss der Arbeit im Seminarkurs bildete - nach der Abgabe der schriftlichen Dokumentationen - die obligatorische Präsentation und das Kolloquium. Zu den geplanten öffentlichen Präsentationen der Schülerarbeiten vor führenden Vertretern der Firma Freudenberg KG sowie der Stadt Weinheim kam es wegen des mangelnden Interesses seitens der Schüler nicht mehr. In einigen Seminarkursen der Vorjahre hatte sich gerade das als besonderer, zusätzlicher Motivationsanreiz gezeigt. Zudem eröffnete dies auch dem einen oder anderen Jugendlichen Perspektiven für eine anschließende Ausbildung und brachte dem Förderverein der Schule Spendengelder von Seiten der Privatwirtschaft ein.

Ein Fazit

Die Seminarkursarbeit bietet weit reichende Möglichkeiten, um über den Tellerrand des üblichen Unterrichts hinaus zu schauen. Dies gilt für die Schüler gleichermaßen wie für die Lehrer, für die inhaltlichen Aspekte ebenso wie für die methodischen. Kaum ein Unterrichtsfach eröffnet ein solch breites Spektrum an unterschiedlichen Betätigungsfeldern und Themenschwerpunkten. Dies gilt gerade und besonders für den Bereich der Präsentationen. Hier werden Aspekte bearbeitet und eingeübt, welche die Schüler nicht nur unmittelbar im schulischen Kontext anwenden können, sondern auch in ihrem späteren beruflichen und privaten Umfeld. Mit neuen Aufgaben sind aber auch immer neue Herausforderungen verbunden. Diese beziehen sich in Zusammenhang mit Präsentationen sowohl auf die zu bearbeitenden Themenfelder wie den Medieneinsatz, die Visualisierung und Rhetorik als auch auf deren Bewertung. Wie auch immer die eigenen Schwerpunkte im Rahmen der Seminarkursarbeit definiert werden, es sind in jedem Falle Aufgaben, die sich anzugehen lohnt, und die den Schulalltag von Schülern und Lehrern bereichern.

Bei den diesem Baustein angeschlossenen Texten und Materialien werden einerseits einige Powerpointfolien (C 7 bis C 10) wiedergegeben, die im Rahmen der Seminarkurse zum Thema "Das A und O einer gelungenen Präsentation" eingesetzt wurden. Andererseits werden Beispiele aus Dokumentationen von Schülerinnen und Schülern vorgestellt (C 11 bis C 20).

Weitere Visualisierungsbeispiele aus den Präsentationen der Schüler werden in der Online-Version von POLITIK & UNTERRICHT auf der Seite der Landeszentrale für politische Bildung eingestellt:

http://www.politikundunterricht.de

Literaturhinweise

Amann, K., Kegel, D., Rausch, B., Siegmund, A.: Erfolgreich präsentieren. Ein Praxistraining mit Beispielen und Tipps. Neusäß: Kieser 2001 (mit CD-Rom)

Gelb, Michael, J.: Sich selbst präsentieren. Mit Mind-Mapping und Alexander-Technik. Offenbach a.M.: Gabal, 2. Aufl. 1997

Gora, Stephan: Rhetorik. Eine Hinführung zum freien Sprechen. Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig: Klett 1998

Hartmann, Martin, Funf, Rüdiger, Nietmann, Horst: Präsentieren, Präsentationen, zielgerichtet und adressatenorientiert. Weinheim, Basel: Beltz 1998

Pabst-Weinschenk, Marita: Reden im Studium. Ein Trainingsprogramm. Berlin: Cornelsen, 2. Aufl. 1999

Seifert, Josef, W.: Visualisieren, Präsentieren, Moderieren. Offenbach a.M.: Gabal, 13. Aufl. 1999

 


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