Geleitwort des Ministeriums
für Kultus, Jugend und Sport


Ist es kühn, im Rausch der virtuellen Welten statt des Computerfensters die Schultür zu öffnen? Lautet derzeit die Parole im selbstverständlich gewordenen Kauderwelsch doch "Schule goes internet". Die Antwort muß auch für die Zukunft lauten: nein. Denn seit den Tagen der Reformpädagogik haben sich Lehrerinnen und Lehrer Brücken zu bauen bemüht, um die pädagogische Inselwelt "Schule" mit dem Festland "Beruf, Politik, Freizeit", also mit außer schulischen Lernorten zu verbinden. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hat das Streben, Schule und Außenwelt einander anzunähern, stets unterstützt und u. a. mit den Programmen EBA, OiB, BOBS, BOGY sowie "Schule und Sportverein" neue Wege beschritten. Daneben existieren an allen Schulen Arbeitsgemeinschaften, die mancherlei Verbindungen nach draußen knüpfen und dabei entdeckendes und handlungsorientiertes Lernen in den Vordergrund stellen.

Drei von ihnen stellen in diesem Heft ihre Projekte exemplarisch vor und zei gen, wie richtig es ist, nicht nur eng geführt und abgeschirmt zu arbeiten, sondern selbständig zu planen und vor Ort forschend mit allen fünf Sinnen "bei der Sache" zu sein. Mit diesen Projektideen soll das rein fachbezogene Lernen aufgelockert und Methoden- und Sozialkompetenz an Orten außer halb der Schule erworben werden. Es sind Beispiele, wie die Schule aus ihren Mauern aufbricht und kreativ wird. Diesen Weg verstärkt zu gehen und Kontaktfähigkeit wie Teamfähigkeit zu fördern, muß unser pädagogischer Impetus sein, weil wir nicht wollen dürfen, daß unsere Schülerinnen und Schüler eines Tages bloße Partner von Lernmaschinen und Benutzer von Wissenstankstellen werden. Selbstverständlich sollen alle Informationsquellen angezapft werden können; es muß aber ein pädagogisch vernünftiges Gleich gewicht zwischen virtuellem Griff in die Welt und sinnlich erlebbarem Nahraum erhalten bleiben. Beides, Abstraktes und Konkretes, muß in unserem Bildungsbemühen seinen Platz haben.

Die Landeszentrale für politische Bildung will mit diesem Heft helfen, Brücken von der Schule in die Arbeits- und Lebensweit zu schlagen, und das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hofft, daß sie genutzt werden, auch damit die Schule nicht als Fremdkörper in der Gesellschaft empfunden wird.

Rudolf Pfeil
Gymnasialprofessor
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg