Vorwort des Herausgebers


Lernen kann man nicht nur aus Schulbüchern und nicht nur im Klassenzimmer. Diese Erkenntnis ist für erfahrene Lehrerinnen und Lehrer nicht neu. Dennoch bedarf es immer wieder erneuter Anstöße, damit auch pädagogische Grunderfahrungen nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb hat sich die Redaktion von "Politik und Unterricht" vorgenommen, in diesem Heft außer schulische Lernorte an geeigneten Beispielen vorzustellen. Bestimmte Merkmale kennzeichnen das außerschulische Lernen. Gleichgültig, ob man von Lerngängen, Erkundungen, Exkursionen oder Studienfahrten spricht, gemeinsam ist all diesen Unternehmungen, daß sie die Begegnung mit der Realität außerhalb der gewohnten Lernumgebung suchen, individuelles Forschen anstreben und nicht nur dem Ergebnis, sondern auch dem Lernprozeß selbst große Bedeutung beimessen. Die besonderen Chancen, die mit außerschulischem Lernen verbunden sind, werden in den drei hier veröffentlichten Projekten in unterschiedlicher Weise und anschaulich demonstriert.

Mit dem Freizeitverhalten von Jugendlichen beschäftigt sich der erste Baustein. Die Arbeitsgruppe beginnt mit Befragungen Gleichaltriger, erkundet danach Einrichtungen und Angebote vor Ort, um abschließend die kommunalpolitische Dimension des Themas kennenzulernen. Beim zweiten Unterrichtsvorhaben steht das soziale Lernen im Mittelpunkt. Die Jugendlichen suchen die Begegnungen mit Randgruppen der Gesellschaft und erfahren dabei Wichtiges über die sozialen Institutionen der Stadt. Vorbildlich und zur Nachahmung anregend sind hier die Arten, wie die Projektergebnisse präsentiert werden - mit einer Ausstellung und in einem Theaterstück. Das dritte Beispiel, bei dem verschiedene Aspekte der Ernährung behandelt werden, zeigt deutlich, wie verschiedene Fächer, hier Gemeinschaftskunde und Biologie, sinnvoll zusammenwirken können, um den Lernerfolg zu gewährleisten.

Die nicht alltäglichen Unterrichtsvorschläge wirken sich auch auf die Darstellungsform in dieser Ausgabe aus. Wenn Sie die "Texte und Materialien" im zweiten Teil des Heftes aufschlagen, werden Sie feststellen, daß es sich nicht um Unterrichtsstoffe handelt, die Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern in gewohnter Weise besprechen, interpretieren oder diskutieren können. Vielmehr sind die Projektverläufe dokumentiert; und es sind Varianten für das methodische Vorgehen enthalten.

Die Beispiele, die in diesem Heft vorgestellt werden, sind zwar an einer Hauptschule, einer Realschule und an einem Gymnasium durchgeführt worden, doch sie sind von der Konzeption her nicht an eine bestimmte Schulart gebunden. Herausgeber und Redaktion hegen deshalb die Hoffnung, daß die Anregungen ein die Fachgrenzen und die Schularten übergreifendes Interesse finden werden.

Siegfried Schiele

Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg