
Wie sage ich, was ich meine ?
B13 - B15 Beispiele für Schülerreden
B13 Wahlrede eines Schülers
Wahl des Vertrauenslehrers: Ein Schüler der Unterstufe setzt sich für eine bestimmte Lehrerin ein.
"Ich soll für meine Klasse, die Quarta c sagen, daß wir für Frau Krüger als Vertrauenslehrerin sind. Sie ist unsere Klassenlehrerin, und wir haben mit ihr nur gute Erfahrungen gemacht. Ich kann euch ein Beispiel nennen. Auf einer Klassenfahrt haben zwei Jungen von uns, der eine war ich, Ärger bekommen, weil wir aus einem Vorgarten, der günstig lag, Äpfel geklaut haben. Der Besitzer kam aus dem Haus gerannt, hielt uns fest und wollte unbedingt die Polizei holen. Da hat Frau Krüger zehn Minuten auf den wütenden Kerl eingeredet, hat die Äpfel aus ihrer Tasche bezahlt und hat ihn schließlich beruhigt. Dann hat sie uns angemosert, aber wir konnten weiterfahren. Die Äpfel konnten wir auch mitnehmen, allerdings hat Frau Krüger sie den anderen gegeben. Jedenfalls waren wir heilfroh, und ohne Frau Krüger wäre das nicht gutgegangen. Und das ist kein Einzelfall. Wir können uns immer an sie wenden, sie verliert nie die Geduld.
Sie wäre bestimmt eine tolle Vertrauenslehrerin, und meine Klasse ist dafür, daß wir sie wählen und nicht die anderen Kandidaten."
Kurs Rhetorik. Kiel: Eckert Verlag, z. Aufl. 1995, S. 79
B 14 Plädoyer einer Schülerin
Eine Schülerin fordert die Einrichtung einer FußballAG für Mädchen
"Hier wird immer geklagt, daß es keine Aktivitäten in der Schülerschaft gibt. Auf der letzten Sitzung habe ich vorgeschlagen, daß die Mädchen eine freiwillige Fußball-AG bilden sollten. Da gab es nur Gelächter, und die Jungs machten dumme Witze. Sie haben wohl Angst, daß sie ein Privileg verlieren!
Ich möchte heute den Vorschlag wiederholen, und ich habe auch ein bißchen vorgearbeitet. Hier ist eine Liste - sie enthält jetzt schon zwölf Namen von Schülerinnen, die mitmachen würden. Und als ich Herrn Arnold, unseren Sportlehrer, fragte, ob er uns betreuen würde, war er sofort dazu bereit.
Was spricht denn dagegen, daß Mädchen, wenn sie Lust dazu haben, Fußball spielen? Sollen wir denn nur Gymnastik oder Jazztanz machen? Heutzutage gibt es Frauen, die Marathon laufen, Handball in der Bundesliga spielen und deutsche Meisterschaften im Fußball austragen. Es gibt keine Sportarten, die typisch weiblich oder männlich sind, aber es gibt Vorurteile und alte Zöpfe! Verletzen würden wir uns nicht so oft wie die Jungen, die oft nicht Fußball spielen, sondern bolzen. Eine Mannschaft kriegen wir sowieso zusammen, und außerdem gäbe es dann an unserer Schule eine Aktivität mehr.
Ich beantrage, daß eine solche Gruppe eingerichtet wird, und zwar mit ausdrücklicher Unterstützung der SV Sie soll sich dazu bekennen und sie soll sich dafür einsetzen, daß wir den Sportplatz oder die Halle dafür bekommen. Alle Mädchen, die Lust dazu haben, sollen sich an mich wenden. Dann kann die Sache angepfiffen werden und steht nicht mehr, wie bisher, im Abseits!"
Kurs Rhetorik. Kiel: Eckert Verlag, z. Aufl. 1995, S. 78 f.
B 15 Bewerbung als Schulsprecher
"Liebe Mitschüler! Ich bewerbe mich um das Amt des Schulsprechers. Da ihr die Entscheidung habt, ist es euer gutes Recht, zu erfahren, wer ich bin und was ich vorhabe.
Ich heiße Jörg Schneidereit, bin achtzehn Jahre alt, zur Zeit im z. Semester der Studienstufe, so daß ich Zeit genug habe, das Amt des Schulsprechers auszuüben.
Ich habe mich beworben, weil ich glaube, daß die SV mehr machen könnte, als in den letzten Jahren geschehen ist. Sicher ist es gut, Schulfeste zu organisieren, sicher ist es vernünftig, einen Weihnachtsbazar zugunsten der Dritten Welt zu veranstalten, aber ich finde, wir müßten mehr tun, um auch unsere Interessen, die wir im Schulalltag haben, auszudrücken und durchzusetzen. Wenn wir guten Grund haben, mit bestimmten Unterrichtspraxen unzufrieden zu sein, dann muß das ins Direktorzimmer. Ich würde mich nicht scheuen, dreimal die Woche zum Chef zu rennen. Wenn einem von uns nachweisbar Unrecht geschieht, muß das in einer Klassenkonferenz behandelt werden. Dafür würde ich mich stark machen. Und so gibt es viele Sachen, die wir zu lange geduldig wie die Schafe hingenommen haben.
Ich nenne mal ein Beispiel. Vor einem Zeugnistermin häufen sich in allen Klassen die schriftlichen Arbeiten, während Monate vorher Leerlauf herrschte. Plötzlich muß man in einer Woche zwei bis drei Arbeiten schreiben, nur weil die Lehrer ihre Klausuren nicht richtig terminiert haben. Gegen solche Streßsituationen müssen wir uns wehren, und ich würde das tun.
Wir sollten auch versuchen, wieder politische Schülergruppen zu bilden, die diskutieren, Politiker einladen und selbst Veranstaltungen machen, auch wenn es der Schulleitung nicht in den Kram paßt. Es geht doch nicht, daß man gute Zensuren erhält, weil man in Gemeinschaftskunde politisches Interesse zeigt, aber von denselben Lehrern zurückgepfiffen wird, wenn man am Nachmittag aus demselben Interesse zu einer politischen Debatte über das neue Demonstrationsrecht einlädt.
Um all diese Dinge würde ich mich kümmern. Ich habe Lust dazu, und ich kann es mir auch zeitlich leisten. Aber funktionieren kann das alles nur, wenn die Schülerschaft insgesamt mitzieht. Bisher war sie eher gleichgültig; jeder sah nur zu, daß er klarkam. Ich würde mich bemühen, etwas mehr Aktivität und Schwung in unseren Haufen zu bringen, vorausgesetzt, daß ich gewählt werde. Dankeschön!"
Kurs Rhetorik. Kiel: Eckert Verlag, z. Aufl. 1995, S. 79 f.