Wie sage ich, was ich meine ?
B10 - B12 Argumentationstechniken


B 10 Was ist ein Argument?

Argumente sind mündliche oder schriftliche Aussagen, die eine Behauptung (These) begründen oder beweisen. Wenn ich über jemanden etwas sage (Z. B. "Der Politiker Peter Meier versteht zu wenig von seinem Sachgebiet"), so sollte ich für diese Behauptung einen Rechtfertigungsgrund oder Beweise anführen (z. B. "Zu dem Thema xy hat er folgendes geäußert" oder "Bei der Abstimmung über den Bau einer Umgehungsstraße hat er für die eine oder andere Sache gestimmt, obwohl ...").

Schon die antike Rhetorik (Lehre von der wirkungsvollen Gestaltung der Rede) unterschied verschiedene Typen von Argumenten:

· auf Erfahrung basierendes Argument (Argumentum a posteriori);

· Argument, das sich aus rein logischen Überlegungen ergibt (Argumentum a priori);

· Argument, das nicht auf die Sache, sondern auf den Menschen abzielt (Argumentum ad hominem, ad personam);

· Argument, das sich auf "glanzvolle Namen", auf sogenannte Autoritäten beruft;

· Argument, das auf die Gefühle (oft Vorurteile) der breiten Masse abzielt.

 

B11 Mögliche Fünfsatzkombinationen

 

1. entspricht der gängigen Rede- und Aufsatzgliederung in Einleitung, Hauptteil, Schluß.

Dabei ist zu beachten, daß die drei Denkschritte im Mittelteil gleichgewichtig nebengeordnet sind.

Beim Planen ist der fünfte Satz zuerst zu fassen, beim Sprechen ist er natürlich der letzte.

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2. die "Kette" bringt im Unterschied dazu eine streng chronologische oder logische Abhängigkeit der Glieder. Z. B.:

1. Ich meine, der Vorschlag x ist gefährlich model3.gif (315 Byte)

2. wir müssen überlegen, ob nicht ...

3. mir scheint der bessere Weg, wenn ...

4. dann nämlich können wir ...

5. wir haben zu entscheiden, ob ...

 

3. baut dialektisch auf, z. B.:

1. dem Referenten möchte ich danken für eine Menge neuer Einsichten ... model4.gif (418 Byte)

2. unter anderem hat er gesagt ...

3. dagegen ist aber auch zu halten, daß ...

4. vergleicht man beide Ansichten, dann, ...

5. aus diesem Grunde schlage ich vor ..

 

 

4. geht vom Allgemeinen zum Besonderen, z. B

1. gemeinhin sieht man die Sache so ...model5.gif (376 Byte)

2. aus unserer Erfahrung aber ...

3. denn erstens ...

4. außerdem zweitens ...

5. folglich ...

 

5. vergleicht zwei Positionen, z. B

1. die A-Partei hat folgenden Standpunkt ... model6.gif (410 Byte)

2. sie begründet ihn mit ...

3. die B-Partei vertritt den entgegengesetzten Standpunkt ...

4. sie begründet ihn mit ...

5. ich kann mich für keinen von beiden entschließen, sondern ...

 

6. versucht einen Kompromiß, z, B.:

1. A behauptete ...model7.gif (403 Byte)

2. B widersprach mit dem Hinweis auf ...

3. mir scheint, die beiden treffen sich in einem Punkt

4. hier liegt vielleicht die Lösung, denn ...

5. wir sollten in dieser Richtung weiterdenken

 

7. klammert eine (z. B. die allgemeine) Ansicht aus, z. B.:

1. wir reden schon eine Weile über ...model8.gif (400 Byte)

2. bislang drehte sich alles um ...

3. dabei wurde übersehen, daß ...

4. gerade dies scheint mir aber besonders wichtig, weil ...

5. ich stelle den Antrag ..

 

Diese sieben Schemata sind die Baupläne der Fünfsätze, die sämtliche vorher aufgestellten Forderungen erfüllen.

H. Geißner. "Der Fünfsatz", Zeitschrift "Wirkendes Wort", Heft 4/1968, S. 271 f.; zit. nach: Politik und Unterricht 2/1979

 

B 12 Rhetorische Taktiken

Militärs, Manager, Politiker, Funktionäre, Sportler, Pädagogen und Trainer wenden Taktiken an. Sie alle haben gelernt, worauf es dabei ankommt. Mit der richtigen Taktik kann man führen und verführen, in Fallen locken und Fallen entgehen. Durch wirksames Vorgehen kann man Vorteile erzielen und Nachteile vermeiden.

Verbale Taktiken sind so etwas wie >rhetorische Judogriffe~; auch sie sind lehr- und lernbar. Bei ihrer Anwendung sollten die Grenzen der Fairneß respektiert und Übertreibungen vermieden werden.

 

12 Beispiele für rhetorische Taktiken:

Umarmungstaktik Ganz besonderen Dank verdient Frau Frey für ihre Bemühungen um die Förderung der Partnerschaft mit der Stadt ...

Autoritätentaktik Wenn Sie es mir nicht glauben, dann lesen Sie einmal, was der international bekannte Wirtschaftsexperte Prof. Dr. Prosper in seinem neuesten Buch hierzu schreibt.

Nimbustaktik In meinem Gespräch mit dem Wirtschaftsminister habe ich deutlich gesagt, wie hier zu verfahren sei. Er war beeindruckt und versprach Abhilfe.

Blamiertaktik Mit Ihrem Auftreten haben Sie Ihrer Sache einen denkbar schlechten Dienst erwiesen. Sie werden viel Ärger mit Ihren Freunden bekommen.

Detailtaktik Sie haben wunderbare Ideen. Haben Sie auch einen wunderbaren Einfall, wie man diese finanzieren soll?

Unterlauftaktik Sie wollen Einsparungen? Könnte man vielleicht bei Ihrer Position damit beginnen?

Nageltaktik Ihr Vorschlag ist gut, dann machen Sie es doch am besten gleich selbst.

Bumerangtaktik Gerade weil wir knapp bei Kasse sind und in der Klemme sitzen, ist diese Anschaffung erforderlich, wenn wir wieder konkurrenzfähig werden wollen.

Wortspieltaktik Das ist ein Unterschied wie Lichtblau und Blaulicht.

Umwertungstaktik Sie werfen mir Ehrgeiz vor! Vielen Dank für das Kompliment. Ich bin ehrgeizig und will es bleiben. Dieser Ehrgeiz hat unserem Verein nie geschadet, aber oft genutzt.

Abwertungstaktik Aus Profilierungssucht dramatisieren Sie Peanuts! Da haben wir doch ganz andere Probleme.

Aufwertungstaktik Sie bagatellisieren Übergriffe, die uns alle betroffen machen und belasten. Ich nehme an, Sie haben Ihre Äußerungen nicht richtig bedacht.

Eine gute Übung ist es, sich für jede dieser Taktiken eigene Beispiele zu suchen. Die Anwendung ist sehr ausbaufähig.

DUDEN. Reden gut und richtig halten! Ratgeber für wirkungsvolles und modernes Reden. Herausgegeben und bearbeitet von der Dudenredaktion in Zusammenarbeit mit Siegfried A. Huth und Frank Hantje. Mannheim: Dudenverlag 1994, S. 119