
Wie sage ich, was ich meine ?
B 1 - B 3 Reden vor Publikum
B1 Redesituationen
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| Arbeitskampf in Dänemark 1899 Gemälde: Erik Henningsen, Bild: AKG |
Auf einem Platz in Italien (um 1950) Bild: AKG |
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| Rednerin beim Vortrag, Bild: Comstock | ||
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| Ein Dozent in der Erwachsenenbildung Bild: Comsock |
Speaker`s Corner im Londoner Hyde Park 1958, Bild: AKG |
B 2 Rede auf einem Jugendforum
Hallo Leute!
Alle Welt, vom Politiker bis zum Priester, buhlt um die Gunst der jungen Generation. Sie versuchen mit allen möglichen Tricks, uns für ihre Interessen und Ziele einzuspannen.
Schon immer war es die Jugend, die mißbraucht wurde. Mit verlogenen Idealen will man unser Vertrauen gewinnen, um uns dann den Verstand zu klauen. Wo wir versuchen, unser eigenes Leben zu leben, hetzt man die Polizei auf uns. Gummiknüppel statt Argumenten. Wer einen eigenen Kopf hat, dem wird er demoliert. Und wenn die Alten untereinander keinen Frieden halten können, lassen sie uns in Kriegen verkrüppeln und krepieren.
Aber was geht uns die Welt der alten Generation an? Uns gehört die Zukunft, wir müssen sie gestalten, wie wir es wollen und für richtig halten. Solange uns die Möglichkeit hierzu systematisch verwehrt wird, verweigern wir uns. Aber warum sollten wir das tun und anderen die Bühne überlassen? Anpasser, die wegen ihrer Karriere kuschen, verdienen unsere Verachtung, weil sie die Bürokratie der Büttel fördern, aber wirkliche Gerechtigkeit und wirkliche Freiheit verhindern.
Unser Forum hat nur dann einen Sinn, wenn wir neue Formen für eine bessere Gesellschaft finden, in der auch die Jugend ihre Chance hat. Packen wir's an!
B 3 Erwiderungsrede eines Älteren
"Meine Damen und Herren" ist mir als Anrede zu steif, "meine Freunde" zu anbiedernd.
Vielleicht ist "aktive und passive Anwesende" situationsgerecht.
Wir haben einen Überhang an politischen, sozialen, religiösen und rassistischen Konflikten. Ein neuer Generationskonflikt muß daneben nicht auch noch sein.
Jeder Mensch fängt jung an. Wenn er Glück oder Pech hat - das ist Ansichtssache - wird er alt mit allen Konsequenzen. Spinner, Fanatiker, Schreihälse und Verführer gibt es in allen Altersstufen. Gerissene, Heuchler, Abstauber, Brutalisten und andere "Unsympathen" sind nicht typisch für ein bestimmtes Lebensalter. Jede Generation hat ihre Büttelnaturen, die früher oder später Leute quälen und den Frieden im Großen wie im Kleinen stören. In Kriegen leiden und sterben Menschen vom Säuglings- bis zum Greisenalter. Ähnliches gilt auch für Reiche und Arme. In allen Ländern gibt es junge Reiche und alte Arme und umgekehrt.
Alle Altersstufen sind miteinander verzahnt und aufeinander angewiesen. Deshalb sollten die Alten den Jungen und die Jungen den Alten kein Leid zufügen. Keiner darf Menschen verachten, verfolgen und vernichten. Wir müssen gemeinsam für eine bessere und gerechtere Welt sorgen.
Marode Mechanismen und ramponierte Rituale, das Geschwafel verklemmter und verbohrter Typen, alles, was Menschen verführt und verdummt, wollen wir gemeinsam beklagen und mit vereinten Kräften beseitigen.
Aber auch in pluralistischen, multikulturellen Gesellschaften haben Werte wie Toleranz, Leistung, Ethik und auch Traditionen ihren Platz. Sie sollen keiner Macht dienen, sie sollen die Menschlichkeit fördern. Bloße Provokation löst keine Probleme. Laßt uns mit Vernunft und Verständnis Gegensätze überwinden.
B 2 und B 3 aus: DUDEN. Reden gut und richtig halten! Ratgeber für wirkungsvolles und modernes Reden. Herausgegeben und bearbeitet von der Dudenredaktion in Zusammenarbeit mit Siegfried A. Huth und Frank Hantje. Mannheim: Dudenverlag 1994, S. 403 f.