Vorwort des Herausgebers


Wir verständigen uns durch Sprache. Das gilt nicht nur für die alltägliche Kommunikation zwischen den Menschen, auch politisches Handeln geschieht im Medium der Sprache. Deshalb hat Sprache einen großen Stellenwert für die Politik und die politische Bildung; für eine lebendige Demokratie ist sie geradezu lebenswichtig. Es ist deshalb sinnvoll, dass sich ,,Politik und Unterricht" nach fast zwanzig Jahren wieder mit diesem grundlegenden Thema befasst.

Im ersten Teil des Heftes geht es darum, die elementare Bedeutung von Kommunikation für unser alltägliches Zusammenleben zu erkennen. Die anschaulichen Materialien zeigen, wie wir uns gegenseitig wahrnehmen, verstehen oder missverstehen, aber auch, wie wir uns - verbal oder nonverbal - ausdrücken können.

Für das freie Sprechen gilt der Grundsatz: Reden lernt man nur durch Reden. Schülerinnen und Schüler sollen ermutigt werden, selbst aktiv zu sein, eigene Reden zu verfassen und sie vor der Klasse oder einer Gruppe vorzutragen. Hilfestellungen für das Sprechen vor Publikum, mögliche Argumentationstechniken und Beispiele für Schülerreden finden sich in den Materialien des zweiten Bausteins.

Im dritten Abschnitt werden politische Reden im engeren Sinne vorgestellt. Die Unterrichtsvorschläge enthalten Methoden zur Analyse und Interpretation. Gerade in einem Wahljahr bietet es sich an, diese Verfahren auch für die Beobachtung des Wahlkampfs anzuwenden. Freilich muss man sich davor hüten, bei der Kritik der Politikersprache zu leichtfertig vorzugehen. Es liegt im Wesen der Sprache selbst begründet, dass ihre Begriffe interpretationsbedürftig sind. Insofern ist es legitim, wenn in der Politik nicht nur um Inhalte, sondern auch um Worte gestritten wird.

Es ist offensichtlich, dass sich beim Thema dieses Heftes eine Zusammenarbeit der Fächer Deutsch und Gemeinschaftskunde anbietet. Auch wenn für fächerverbindende Projekte manche Hindernisse denkbar sind - die Landeszentrale für politische Bildung, die Redaktion und der Autor würden sich freuen, wenn die Kooperation zumindest versucht würde.


Siegfried Schiele
Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg