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Zeitschrift Medien Massenmedien Geleitwort des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport |
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Ein Experiment: Man nehme eine möglichst große und schwere Videokamera und ein Mikrofon, spaziere durch einen Ort, filme dies und das und spreche mit ernstem Blick in die Kamera: Die Aufmerksamkeit der Umstehenden wird einem gewiss sein. Nicht wenige werden zu einem spontanen Interview bereit sein, ohne zu fragen, wer da eigentlich zu welchem Zweck filmt, wofür ihr Bild und ihre Aussage verwendet werden. Und noch etwas lässt sich immer wieder beobachten, wie nämlich Passanten, befragt beispielsweise zu einer Katastrophe, lächelnd ihr Entsetzen formulieren, weil der Stolz über ihre Präsenz im Fernsehen und über ihre eigene Wichtigkeit ihr Entsetzen überwiegt. Wir haben gelernt: Wo eine Kamera ist, da spielt sich das wirkliche Leben ab; was nicht gefilmt und gesendet wird, hat nicht stattgefunden; Fernsehberichte sind Realität. Aber Fernsehberichte zeigen immer nur ein ganz bestimmtes Bild der Realität, einen Ausschnitt, eine bestimmte Perspektive. Das gilt auch für andere Medien. Die Nachrichtenwelt besteht aus dem, was die Medien als Nachricht auswählen, heißt es im vorliegenden Heft. Das zu erkennen und zu verstehen, wie Medien gemacht sind, wie sie funktionieren und wie sie wirken, bedeutet Medienkompetenz zu entwickeln. Medienkompetenz ist auch deshalb so wichtig, weil die Menge an Informationen rasant zugenommen hat. Von Medienexplosion und Informationsflut ist immer wieder die Rede. Das Problem sind nicht zu wenige, sondern zu viele Informationen. "Overnewsed, but underinformed", mit Nachrichten übersättigt, aber schlecht informiert - so bezeichnet der Salzburger Medienwissenschaftler Stefan Weber die Fernsehzuschauer. Umso notwendiger ist es, aus der Fülle der Informationen auszuwählen, sozusagen eine mediale Diät zu halten. Das gilt besonders für das neue Medium Internet, das es jedem ermöglicht, Informationen ins Netz zu stellen. Oft filtert kein Verlag, keine Redaktion. Umso mehr müssen Auswahlkriterien aufgestellt, Quellen geprüft, Fakten bewertet und Meinungen erkannt werden. Nur so kann aus einem schlecht informierten ein gut informierter Zuschauer werden. Eine Medien- und Informationsgesellschaft braucht kompetente Mediennutzer. Deshalb begrüßt es das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport sehr, dass die Landeszentrale für politische Bildung sich dieses Themas angenommen und Unterrichtsmaterialien entwickelt hat, die hervorragend umzusetzen sind. Das vorliegende Heft der Landeszentrale für politische Bildung erfreut durch sehr anregende und abwechslungsreiche unterrichtspraktische Hinweise. Zahlreiche Vorschläge ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, selbst aktiv zu werden. Umfrage, selbstständige Analyse, Planspiel und Diskussion lassen die Beschäftigung mit dem Thema Medien kurzweilig werden. So bleibt zu wünschen, dass das Heft vielfach genutzt wird und die Schülerinnen und Schüler im Land mit wachem Blick auf die Bildschirme schauen. Johanna Seebacher
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