Zeitschrift 

Medien

 

BAUSTEIN A

Massenmedien 

Unterrichtspraktische Hinweise



 

Inhaltsverzeichnis

 

Ein Kommunikationsspiel (A 1 bis A 3)

Bilder nehmen wir tagtäglich wahr: in den Medien, im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz. Im Gedächtnis bleiben jedoch meistens nur flüchtige Eindrücke. Es ist nicht einfach, ein betrachtetes Bild wahrzunehmen und dann nach der Erinnerung dessen Inhalt zu beschreiben. Eine gute Beobachtungsgabe oder konzentriertes Zuhören und ein gutes Gedächtnis sind dazu erforderlich. Die folgenden Übungen zur Informationsübermittlung bei Bildern zeigen das. (Vgl. Tabelle 4).

Eindimensionale Kommunikation. Ziel ist es, den Unterschied zwischen ein- und zweidimensionaler Kommunikation bei der Informationsvermittlung aufzuzeigen. Zudem sollen die Schülerinnen und Schüler selbst erfahren, wie schwierig es ist, Bilder in Sprache zu fassen. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", sagt das Sprichwort. Die meisten Medien, abgesehen vom guten alten Telefon, vermitteln Informationen in eine Richtung: das Fernsehen, die Printmedien, das Radio und auch das Internet. Informationen in Wort und Bild werden vom Sender an die Hörer oder die Zuschauer geschickt. Diese empfangen die Informationen, können aber in der Regel keine Nachfragen stellen. Auch der Sprecher weiß nicht, wie viele seiner Informationen beim Hörer oder der Zuschauerin ankommen und verstanden werden. Beide Seiten können auf Reaktionen des anderen nicht reagieren. Diese so genannte eindimensionale Kommunikation bewirkt in der Regel einen Informationsverlust und kann nicht selten zu Missverständnissen führen.

Zweidimensionale Kommunikation. Auch abgesehen vom Telefon gibt es Medien, die zweidimensional sind. Bei bestimmten Funktionen des Internets können Redaktion und Nutzer in einen Dialog miteinander treten: beispielsweise bei bestimmten Chat-Rooms oder Diskussionsforen. Beide Seiten können Nachfragen stellen oder sehen die Reaktionen des anderen und können darauf antworten.

Grafik 1

Glaubwürdigkeit der Medien

img2.gif

Quelle: forsa-Institut/Heidelberger 1998. Basis: Bevölkerung ab 14 Jahren; Grafik: BDZV

Die Übung. Die Klasse wird in Gruppen aufgeteilt, möglichst in Zweiergruppen. Innerhalb der Gruppen wird festgelegt, welche Person zuerst den Part der Bildbeschreibung und wer das Malen übernimmt. Die Mal-Gruppe geht vor die Tür. In der Klasse zeigt der Lehrende am besten mit einer Folie das Bild A 2 (die farbige Version). Die Schülerinnen und Schüler haben die Aufgabe, sich das Bild genau zu betrachten und einzuprägen. Nachher dürfen sie ihrem Partner nicht verraten, wie die Machart des Bildes ist, also ob es ein Gemälde von einem bestimmten Maler ist, eine Fotografie oder eine Collage. Alles andere, Farben, Formen, Aufbau und dergleichen dürfen, ja sollen sie ihrem Partner beschreiben, der später malen soll. Nach zwei bis drei Minuten der Betrachtung wird die Mal-Gruppe hereingerufen. Während der Beschreibung ist das Bild nicht mehr zu sehen, weder für die Beschreibenden noch für die Malenden. Dann malen diejenigen, die das Bild nur von der Beschreibung kennen.

In der ersten Variante findet die Kommunikation zweidimensional statt, das heißt, beide Seiten dürfen das entstehende Gemälde betrachten und miteinander reden. Die fertigen Gemälde werden eingesammelt. Nun werden die Rollen getauscht: Wer gemalt hat, beschreibt jetzt und umgekehrt. Während die andere Hälfte jetzt das Klassenzimmer verlässt, wird im Raum aber das Bild A 1 (die Schwarz-Weiß-Version) gezeigt. Die übrigen Spielregeln bleiben gleich, außer dass es keine Farben, sondern nur Hell und Dunkel zu beschreiben gibt. Die Partner sitzen mit dem Rücken zueinander, da sie weder das entstehende Bild sehen dürfen, noch auf Fragen ihres Partners reagieren dürfen (eindimensionale Kommunikation). Danach sammelt der Lehrer die entstandenen Bilder ein und stellt alle gemalten Bilder zusammen mit den beiden Originalen vor. Die Bilder werden nach erster und zweiter Runde sortiert. Im Anschluss daran werden die Unterschiede der Aufgaben und der Lösungen herausgearbeitet. Auch über die Erfahrungen während der Übung kann gesprochen werden. Wer die Übung nur auf die ein- und zweidimensionale Kommunikation beschränken will (ohne die Differenzierung in farbig oder schwarzweiß), kann auch nur die Vorlage A 3 verwenden.

Tabelle 4

Übersicht über die Übungsanleitungen

Kommunikation

Tipps für die "erfolgreiche" Beschreibung

Zweidimensionale

  • Beide Personen dürfen miteinander sprechen.
  • Das entstehende Bild darf von beiden betrachtet werden.
  • Beide Personen dürfen Fragen stellen und Erklärungen abgeben.
  • Einen Überblick geben, z. B. aus welchen oder wie vielen Teilen sich das Bild zusammensetzt.
  • Das Bild langsam beschreiben.
  • Regieanweisungen zum Vorgehen beim Malen geben.
  • Beim gemeinsamen Betrachten Korrekturen für einzelne Szenen vorschlagen.

Eindimensionale Kommunikation

  • Der/die Beschreibende sitzt mit dem Rücken zum Zuhörer. Der Zuhörer muss schweigen.
  • Das entstehende Bild darf von der beschreibenden Person nicht betrachtet werden.
  • Wer das Bild beschreibt, darf nicht auf Fragen der malenden Person antworten.
  • Einen Überblick geben, z. B. aus welchen oder wie vielen Teilen sich das Bild zusammensetzt.
  • Das Bild in einer bestimmten Reihenfolge beschreiben (von rechts nach links oder von unten nach oben).
  • Am Ende nochmals eine kurze Zusammenfassung geben, so dass eventuell noch Korrekturen beim Malen möglich sind.

Massenmedien (A 4 bis A 7)

Die Massenmedien sind aus unserer Informationsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Sie liefern uns Nachrichten aus aller Welt, Börsenkurse, Hintergrundberichte, Kommentare, Geschichten und Unterhaltung. Es will jedoch gelernt sein, damit richtig umzugehen. Dazu ist es wichtig, einiges über die Merkmale (A 5) und möglichen Gefahren (A 6) von Massenmedien zu wissen. Als Grundlage für eine Diskussion über Chancen und Gefahren von Massenmedien kann sich die Klasse mit Hilfe von Pro- und Kontra-Argumenten (A 7) mit dem Thema auseinander setzen und es weiter vertiefen.

Wettbewerb um die beste Schlagzeile (A 8 bis A 13)

Um Medienkompetenz zu erlangen, ist es wichtig, selbst praktische Erfahrungen im journalistischen Handwerk zu machen. Auch wer sich nicht gleich traut, selbst Beiträge für die Medien zu verfassen und anzubieten, kann spielerisch üben, eine eigene Zeitungsseite zu entwerfen. Die Meldungen, welche die verschiedenen Nachrichtenagenturen im Laufe eines Tages anbieten, lassen sich leicht im Internet abrufen. Einen Teil der Auswahl, die sonst erst die Redaktionen treffen müssen, nimmt hier schon die Online-Redaktion ab (Beispiel: A 9).

Mögliche Aufgaben dazu

  1. Ordnet die Meldungen nach Wichtigkeit und überlegt, welche Meldung euer Aufmacher für die Zeitung am nächsten Tag ist.
  2. Neben dem Aufmacher wollt ihr noch zwei weitere größere Artikel auf die erste Seite platzieren. Für welche Meldungen entscheidet ihr euch?
  3. Vergleicht eure Themenauswahl und -platzierung mit denen der "Profis" (Beispiele Radio A 10, Fernsehen A 11 und A 12, Tageszeitungen A 13).
  4. Überprüft anhand von A 9 bis A 12, welche Nachrichtensendung (Pro7, SWR3, Tagesschau) die meisten Übereinstimmungen mit den Meldungen auf den ersten Seiten der Zeitungen (A 13) hat.
  5. Erläutert die unterschiedliche Themenplatzierung in den Nachrichtensendungen im Lauf des Tages.
  6. Wenn ihr mit aktuellen Tagesmeldungen aus dem Internet arbeitet, könnt ihr eure persönliche Gewichtung mit der Tageszeitung des folgenden Tages vergleichen.

Regeln für einen fairen Journalismus (A 14 bis A 17)

Auch Journalisten orientieren sich in ihrem Berufsleben an Richtlinien und Werten. Diese zu beachten, gehört zu ihrem Berufsethos. Anhand der Regeln und Auszüge aus dem Pressekodex des Deutschen Presserates (A 14, A 15) wird deutlich, welche Standards für einen professionellen und seriösen Journalismus gelten und welche Aufgabe der Deutsche Presserat als Organ der Selbstkontrolle hat. Mit konkreten Beispielen von Rügen des Deutschen Presserates (A 16) kann die Funktion des Deutschen Presserates für die Medien verdeutlicht werden. Häufig wird vom Presserat die Sorgfaltspflicht von Journalisten angemahnt, die im Landesmediengesetz von Baden-Württemberg (A 18) ausführlich dargestellt ist. Eine wichtige Voraussetzung für einen seriösen Journalismus ist die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Journalistinnen und Journalisten, wie sie auch in einem Redaktionsstatut (A 17) festgelegt sein kann.

Gesetzliche Grundlagen und Quiz (A 18 bis A 20, A 21)

Aufgabe des Journalisten ist es, mit den verschiedenen Mitteln des jeweiligen Mediums die Öffentlichkeit zu unterrichten.

Im Unterschied zu Diktaturen gibt es in demokratischen Staaten eine gesetzlich garantierte Presse- und Meinungsfreiheit. Diese ist in der Bundesrepublik Deutschland im Artikel 5 des Grundgesetzes (A 19) festgehalten. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist wichtig für eine unabhängige Presse sowie für die freie Meinungsbildung (A 20) von Bürgerinnen und Bürgern. Wichtige Grundsätze für die Arbeit der Journalisten und für die Stellung der Medien in unserer Gesellschaft sind auch in den Landesmediengesetzen, zum Beispiel in dem für Baden-Württemberg (A 18) festgehalten. Neben der legislativen, exekutiven und judikativen Gewalt werden die Medien oft auch als Vierte Gewalt im Staat bezeichnet. Überall in der Welt haben die Medien als Kontrollorgan und Informationsquelle eine wichtige Funktion inne. Besonders in Ausnahmezuständen werden diese Aufgaben von Presse und Rundfunkanstalten deutlich. Nicht selten werden im Kriegsfall oder bei einem Staatsstreich zuerst die Medien besetzt. Mit einem Quiz (A 21) können in spielerischer Form die wichtigsten Begriffe wiederholt und vertieft werden.
Die Lösung des Quiz lautet: 1B, 2D, 3G, 4H, 5F, 6E, 7A, 8C.

Grenzen der Pressefreiheit (A 22 bis A 24)

Dieser Freiheit sind jedoch auch in Demokratien Grenzen gesetzt. Beispiele von Grenzüberschreitungen und Überlegungen dazu werden hier dokumentiert. Auch die Privatsphäre von bekannten Persönlichkeiten ist grundsätzlich geschützt, während Medien manchmal geneigt sind, aus kommerziellen Gründen diese Schranken zu überschreiten (A 22, A 23). Als Übung zum Schutz der Privatsphäre von bekannten Persönlichkeiten (A 24) kann folgende Frage gestellt werden: Auf dem Weg durch Karlsruhe findet ihr einen Umschlag mit Fotos von Michael Jackson und seinem Baby. Würdet ihr die Fotos an eine Zeitung verkaufen oder was würdet ihr tun?

Medienkompetenz (A 25)

Zum Abschluss können die Schülerinnen und Schüler erörtern, welche Fähigkeiten gefordert sind, wenn man Medienkompetenz erwerben will. Die Jugendlichen können dazu ihre eigenen Definitionen zu Medienkompetenz austauschen. Es ist wichtig, dass sie die verschiedenen Bereiche - Umgang mit Informationen, technische Nutzung, Umgangsweise und Mediensprache - kennen lernen und diese zu unterscheiden wissen. Mit Hilfe der Grafik A 25 können sie selbst prüfen, worin sie bereits gut sind und was sie noch lernen oder üben müssen. Zur Vertiefung kann an die Bildbeschreibung am Anfang des Bausteins erinnert werden, um die Schwierigkeiten der Übermittlung von Informationen anschaulich werden zu lassen. 

 


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