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Texte und Materialien

C 1 - C 12 Das Fernsehen

C 9 - C 11
Wo liegen die Grenzen?

 



 

Inhaltsverzeichnis

 

C 9

Berichterstattung über Gewalt und Katastrophen

Grundregeln von Dieter Stolte / Eine Auswahl

  1. Die allgemeinen Gesetze und verbindlichen Programmrichtlinien sind einzuhalten.
  2. Eine Behinderung der Arbeit der Strafverfolgungsbehörden ist zu vermeiden.
  3. Eine Instrumentalisierung der Medien durch Schwerverbrecher ist unstatthaft.
  4. Journalisten dürfen keinen Einfluss auf den Fortgang der Ereignisse nehmen, sollten sich vielmehr auf ihre Berichterstatterpflicht berufen.
  5. Die Berichterstattungspflicht tritt zurück bei akuter Gefahr von Menschenleben sowie Verletzungen der Würde der Person.
  6. Zugleich ist in Krisensituationen die größtmögliche Zurückhaltung geboten. Im Zweifelsfalle sollte für die Selbstbeschränkung im Interesse der Opfer entschieden werden.
  7. Da im Falle solcher Berichterstattungen eine differenzierte Aufarbeitung und Präsentation sowie eine einfühlsame Kommentierung unbedingt erforderlich sind, muss auf die Verringerung des Zeitdrucks geachtet werden. Eine Live-Berichterstattung sollte es nicht geben, auch damit der Zuschauer mehr Abstand zum Gezeigten gewinnt.
  8. Ausschlaggebendes Kriterium sollte die gesellschaftliche Bedeutung einer Nachricht (ihr Informationswert) und nicht lediglich oder primär ihr Neuigkeitswert (ihr Unterhaltungswert) sein.
  9. ...        10. ...

Dieter Stolte: Geiselnahme und Fernsehen. Zehn Grundregeln für die Berichterstattung über Gewalt und Katastrophen. In: Die politische Meinung, Jg. 34, Mai-Juni 1989, S. 27 

 

C 10

Reality-TV der Zukunft?

München 16.3.2004: Nur die Stärksten kommen durch! Wer überlebt, bekommt zehn Milliarden Euro! Für den Rest gibt es einen Mahagoni-Sarg und ein Luxusbegräbnis! Survival-TV, die neue Show des Privatsenders RAP-ZAP10 wird "todsicher" ein Hit. Bei dieser Show müssen zehn Menschen versuchen, ein Krisengebiet auf dem Balkan lebend zu durchqueren. "Minen, Söldner, Brandbomben. Bei uns ist alles echt, sogar der Tod!" - so Geschäftsführerin Barbara Mär von RAP-ZAP10. Mit Survival-TV stoße RAP-ZAP10 in eine neue Dimension des Reality-TV vor. Jetzt werde das wahre Leben gezeigt und nicht die künstliche Container-Imitation.

Gefilmt werde das Ganze aus dem Weltall. Mär wörtlich: "Die Satellitenkamera ,The Eye' filmt alles, was größer als 76 cm ist. Die Kandidaten kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Es gibt Ärzte, Straßenfeger und Ingenieurinnen. Diese Menschen suchen die ultimative Herausforderung, das letzte echte Abenteuer." Im Auswahlverfahren seien alle Kandidaten psychologisch durchgecheckt worden. Alle Kandidaten hätten vor der Sendung ein zehnwöchiges Überlebenstraining in Afrika absolviert. "Wer selbstmordgefährdet war, wurde wieder nach Hause geschickt", versichert Barbara Mär. Ethische Bedenken weist der Sender scharf zurück. Es ginge nicht um möglichst viele Tote: "Wir wären glücklich, wenn wir am Ende der Sendung zehn mal zehn Milliarden Euro zahlen könnten", sagt Barbara Mär. Kirchen, Gewerkschaften und Parteien rufen unterdessen zum massiven Protest gegen die Sendung auf. Durch Sitzblockaden soll der Abflug der Kandidaten in das Krisengebiet verhindert werden. Dessen ungeachtet hat RAP-ZAP10 schon einen ersten Sendetermin angekündigt.
Inga Squarr

 

C 11

Die Gier nach Sensationen

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Zeichnung: Gerhard Mester

 


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