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Grundregeln von Dieter Stolte / Eine Auswahl
Dieter Stolte: Geiselnahme und Fernsehen. Zehn Grundregeln für die Berichterstattung über Gewalt und Katastrophen. In: Die politische Meinung, Jg. 34, Mai-Juni 1989, S. 27
München 16.3.2004: Nur die Stärksten kommen durch! Wer überlebt, bekommt zehn Milliarden Euro! Für den Rest gibt es einen Mahagoni-Sarg und ein Luxusbegräbnis! Survival-TV, die neue Show des Privatsenders RAP-ZAP10 wird "todsicher" ein Hit. Bei dieser Show müssen zehn Menschen versuchen, ein Krisengebiet auf dem Balkan lebend zu durchqueren. "Minen, Söldner, Brandbomben. Bei uns ist alles echt, sogar der Tod!" - so Geschäftsführerin Barbara Mär von RAP-ZAP10. Mit Survival-TV stoße RAP-ZAP10 in eine neue Dimension des Reality-TV vor. Jetzt werde das wahre Leben gezeigt und nicht die künstliche Container-Imitation. Gefilmt werde das Ganze aus dem Weltall. Mär wörtlich:
"Die Satellitenkamera ,The Eye' filmt alles, was größer
als 76 cm ist. Die Kandidaten kommen aus allen Gesellschaftsschichten.
Es gibt Ärzte, Straßenfeger und Ingenieurinnen. Diese
Menschen suchen die ultimative Herausforderung, das letzte echte
Abenteuer." Im Auswahlverfahren seien alle Kandidaten psychologisch
durchgecheckt worden. Alle Kandidaten hätten vor der Sendung
ein zehnwöchiges Überlebenstraining in Afrika absolviert.
"Wer selbstmordgefährdet war, wurde wieder nach Hause geschickt",
versichert Barbara Mär. Ethische Bedenken weist der Sender
scharf zurück. Es ginge nicht um möglichst viele Tote:
"Wir wären glücklich, wenn wir am Ende der Sendung
zehn mal zehn Milliarden Euro zahlen könnten", sagt
Barbara Mär. Kirchen, Gewerkschaften und Parteien rufen
unterdessen zum massiven Protest gegen die Sendung auf. Durch
Sitzblockaden soll der Abflug der Kandidaten in das Krisengebiet
verhindert werden. Dessen ungeachtet hat RAP-ZAP10 schon einen
ersten Sendetermin angekündigt.
Zeichnung: Gerhard Mester
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