Zeitschrift

Berufsorientierung


BOGY: Berufs- und Studienwahl


Heft 1/2000 , Hrsg.: LpB


Inhaltsverzeichnis



"Abiturienten und Abiturientinnen haben im Vergleich zu Haupt- und Realschülern seltener klare berufliche Vorstellungen. Dies gilt nicht nur für junge Männer, die in der Regel nach dem Abitur ihren Wehr- oder Zivildienst ableisten, sondern auch für Abiturientinnen".1 Die größere Distanz von Gymnasiasten gegenüber der Studien- und Berufswahl korrespondiert deutlich mit ihren Prioritäten im Hinblick auf ihre Lebensziele (Schaubild 6). Die Bedeutung des Berufs rangiert für sie erst an dritter Stelle - nach Freunden/Bekannten und Partnerschaft. Gefragt nach dem Motiv, einen bestimmten Beruf zu erlernen oder ein Studium zu beginnen, steht die Attraktivität der zukünftigen Tätigkeit klar im Vordergrund. Wie lassen sich diese Befunde erklären?

Positive Erwartungen

Die Sozialisation in materiell und sozial besser gestellten Elternhäusern (aus ihnen kommen die meis-ten Gymnasiasten) lässt Oberstufenschüler offensichtlich recht optimistisch in ihre berufliche Zukunft schauen. Es herrscht die subjektive Annahme, einen Beruf gemäß den eigenen Interessen auswählen und in ihm später auch tatsächlich tätig sein zu können. Vor diesem Hintergrund wird der materiell existenzsichernde Aspekt der Berufstätigkeit - anders als z.B. bei den meisten Hauptschülern - als Selbstverständlichkeit empfunden und tritt in den Hintergrund. Eine solche eher optimistische Berufsperspektive lässt es auch zu, dass private Lebensbereiche wie Freundschaft und Partnerschaft wichtiger als der Beruf empfunden werden.

Diesen persönlichen Einschätzungen stehen allerdings deutliche Defizite bei der konkreten Berufswahlvorbereitung gegenüber. Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II beklagt nach erfolgter Berufsberatung durch das Arbeitsamt: "Ich weiß nicht, was ich mit den vielen Informationen anfangen soll" und "Die Berufswahl ist schwieriger als gedacht".

Zum einen liegen diese Probleme sicher in der Natur der Sache: Tätigkeiten mit einem Abitur oder Hochschulabschluss als Voraussetzung sind häufig abstrakter und komplexer als andere, was eine Orientierung an konkreten Vorbildern erschwert. Zum anderen haben solche Schwierigkeiten aber ihre Ursache vermutlich auch darin, dass die Hilfe zur BerufsOrientierung am GYmnasium (BOGY), welche die Beratung durch das Arbeitsamt vorbereiten und ergänzen soll, im Vergleich zu Haupt- und Realschulen konzeptionell noch in den Anfängen steckt. Seit etwa 1995 wird an den meisten Gymnasien Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit eröffnet, in Klasse 10 oder 11 eine einwöchige Berufserkundung in Betrieben, Verwaltung, Praxen und Kanzleien zu absolvieren, wobei die gewählten Berufe eine gymnasiale Bildung voraussetzen sollen.

"Ziel der einwöchigen Berufserkundung ist es vor allem, den Schülerinnen und Schülern einen unmittelbaren und möglichst umfassenden Einblick in die Merkmale eines bestimmten Berufs oder eines Berufsfeldes und die zugehörigen Anforderungen und Ausbildungsgänge zu geben".2

Flankiert wird diese Praxiswoche an etlichen Schulen von Informationsveranstaltungen für Eltern und Schüler. Der folgende Katalog des Kultusministeriums (Schaubild 7) ist eine Anregung, in welcher Form diese Informationsvermittlung und Erkundungen vor Ort aufeinander abgestimmt werden können.

Die Möglichkeiten, sich zu informieren sind zwar zahlreich, jedoch werden sie nicht immer als hilfreich empfunden, weil eine Überflutung mit Informationen auch Verunsicherung statt Orientierung bewirken kann. Deshalb ist es dringend geboten, den Schülerinnen und Schülern Kategorien zu vermitteln, die es ihnen ermöglichen, persönliche Prioritäten zu erkennen und fruchtbar für ihren beruflichen Entscheidungsprozess zu nutzen.

Dem vorhandenen - und jeder mit BOGY befassten Lehrkraft und den Schülern leicht zugänglichen - Informationsmaterial ist schwerlich etwas hinzuzufügen. Was jedoch fehlt, ist eine Konzeption, die den Umgang mit dieser Informationsfülle und ihre sinnvolle Nutzung gezielt trainiert. Ein solches Konzept soll hier vorgestellt werden.

Berufswahlentscheidungen erfolgen in der Regel nicht punktuell und spontan, sondern sie sind Ergebnis eines längeren Prozesses, dessen Ausgangspunkt die intensive Beschäftigung mit der eigenen Person sein muss. Die Frage "Wer bin ich überhaupt" hat unterschiedlichste Aspekte, z.B.:

- Was habe ich bisher erreicht?
- Welche Stärken, welche Schwächen habe ich?
- Welche besonderen Fähigkeiten habe ich?
- Wo liegen meine Interessen?
- Was macht mir Spaß?
- Welche Werte sind mir wichtig?
- Wie stelle ich mir meine Zukunft vor?

Ausgehend von solchen Fragen kann ein sinnvolles Bewertungsraster für unterschiedliche berufliche Alternativen entwickelt werden.

Schlüsselqualifikation "Präsentationsfähigkeit"

Viele Firmen und Behörden wählen ihre zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem mindestens eintägigen Assessmentcenter aus. Doch auch wenn dies nicht der Fall ist und es sich nur um ein "einfaches" Bewerbungsverfahren handelt, ist die gelungene Selbstpräsentation ein wichtiger Faktor für den Erfolg. Dabei gilt es, spontan oder nach Vorbereitung einen kurzen oder längeren Redebeitrag zu leisten. Das erfordert eine größere Strukturierungsleistung als das Gespräch. Neben Formulierungsgeschick sind hier Kompetenzen wie situationsangemessenes, adressatenbezogenes Sprechen, Strukturierungsfähigkeit, Stressresistenz, Selbstsicherheit, Einfallsreichtum, eventuell auch der gekonnte Einsatz unterstützender Medien gefragt.

In der Schule nimmt die gezielte Ausbildung solcher Fähigkeiten häufig eine untergeordnete Rolle ein. Das hat zur Folge, dass Schülerinnen und Schüler sich schwer tun und damit Chancen vergeben, wenn sie in Bewerbungssituationen erstmals mit solchen Anforderungen konfrontiert werden. Dem nicht selten vorgebrachten Einwand, dass es nicht Aufgabe der Schule sei, für die Belange der Wirtschaft bzw. des Arbeitsmarktes generell auszubilden, muss entgegen gehalten werden:

  1. Wir tun unseren Schülerinnen und Schülern keinen Gefallen, wenn wir ihnen die Vorbereitung auf wichtige Lebenssituationen vorenthalten.
  2. Die Ausbildung der Redefähigkeit fördert die Fähigkeit, sich selbst und die eigenen Anliegen differenziert, angemessen und wirksam zu vertreten.
  3. Je mehr Menschen über diese Kompetenz verfügen, desto weniger können andere verbal Macht über sie ausüben.

Insofern fördert die Vermittlung der Redefähigkeit - wie jedes Kommunikationstraining - auch demokratische Tugenden, vor allem aber trägt es den methodischen Anforderungen in Studium und Beruf Rechnung

Organisatorische Erfahrungen

Beim dritten Durchlauf der einwöchigen Berufserkundung in Klasse 11 am Raichberg-Gymnasium Ebersbach/Fils hatten - wie in den Jahren zuvor - trotz Freiwilligkeit wieder alle Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Das wäre eigentlich Anlass gewesen, sich zufrieden zurückzulehnen und weiterzumachen wie bisher. Allerdings waren bei genauerem Hinsehen kritische Aspekte festzustellen:

  • Die bereits von den vorhergehenden Jahrgängen in ihren BOGY-Berichten hinterlassenen Adressen von bereitwilligen Erkundungsplatz-Anbietern wurden immer häufiger genutzt.
  • Die von Bekannten und Verwandten vermittelten BOGY-Plätze nahmen zu.
  • Die Bandbreite der erkundeten Berufe wurde hingegen immer geringer.

Gespräche mit Schülerinnen und Schülern bestätigten eine Tendenz zur Bequemlichkeit und brachten große Unsicherheiten bezüglich der eigenen Berufspläne und der Wahl des richtigen BOGY-Platzes zum Vorschein. Die Notwendigkeit, sich "jetzt schon" mit der Berufswelt auseinander zu setzen, war nicht klar. Ein Ergebnis, das mit den Befunden des IAB übereinstimmt. (IAB: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg).

Das war Anlass, unser BOGY-Konzept einer grundsätzlichen Revision zu unterziehen. Beibehalten wurde die Durchführung der Berufserkundungswoche in Klasse 11, da wir den Eindruck hatten, dass sich Schülerinnen und Schüler dann besser in ihre zukünftige Berufsrolle hineinversetzen können. Außerdem steigt mit zunehmendem Alter der Aktionsradius und damit die Möglichkeit, auch in benachbarten Städten eine Praktikumsstelle zu finden. Zudem sollte die Vorlaufzeit bis zur tatsächlichen Berufs- und Studienwahl nicht zu lang sein.

Im Bildungsplan des Gymnasiums ist in Klasse 11 der freie, eventuell durch Visualisierung unterstützte Vortrag Unterrichtsgegenstand des Faches Deutsch. Anknüpfungspunkte bietet außerdem das Fach Gemeinschaftskunde mit zwei Unterrichtseinheiten. In unserem Fall wurde zusätzlich das Fach Englisch mit einbezogen. Die Umsetzung der Trainingsbausteine erfolgte im Fachunterricht. Denkbar wären auch vier zeitlich leicht versetzte Projekttage.

Da das Projekt zuallererst unter dem Aspekt der Verhaltenswirksamkeit angelegt ist, wurde bei der Konzeption Wert auf Einhaltung eines bestimmten Grundmusters gelegt. Ausgangspunkt sind dabei die Erkenntnisse und Erfahrungen des Individuums. Sie werden in die Gruppe eingebracht, dort verarbeitet und anschließend mit Informationen von außen konfrontiert. Die Außenimpulse können in das bereits vorhandene persönliche Raster integriert werden. Danach beginnt der Prozess jeweils von Neuem. Es geht zum einen um ein gezieltes Methodentraining zur Selbstpräsentation und zum anderen um eine bewusste Selbstwahrnehmung. Ersteres ist ein wesentlicher Baustein für die Entwicklung studien- und berufsrelevanter Kompetenzen, Letzteres ein entscheidender Schritt zur Entwicklung und Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit.

Unterrichtspraktische Hinweise

Die Einstiegssequenz hat die Funktion, die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler zu einer systematischen Auseinandersetzung mit der eigenen Berufswahl zu wecken. Nach einem einführenden Lehrervortrag setzen sich die Teilnehmer in Kleingruppen zusammen, um sich mit der Frage, wie sie sich bisher mit ihrer Berufswahl beschäftigt haben, auseinander zu setzen. Hierzu wurde die Methode des Brainwriting (=spontanen Aufschreibens) gewählt. Die Gruppenzusammensetzung erfolgte nach dem Zufallsprinzip und nicht nach Sympathie. Möglichkeiten zur Herstellung von Zufallsgruppen sind einfaches Auszählen, entsprechend präparierte Kartenspiele, deren Karten verdeckt gezogen werden, verschiedenfarbige Kärtchen mit einer Zahl auf der Rückseite, sodass die Gruppe sich auf Grund gleicher Farbwahl oder nach gleicher Zahl bildet.

Dem schloss sich ein Brainstorming (=spontanes Äußern von Gedanken) im Plenum an (Welche Aspekte beeinflussen deiner Meinung nach die Berufswahl?), das in einem neuen Gruppenauftrag (Erstellen von Tipps zur Berufsfindung) und anschließender Präsentation der Ergebnisse mündete (C 1). Die Bearbeitung von zwei gegensätzlichen Konzepten zur Entscheidungsfindung (C 2) schloss die Sequenz.

Der zweite Schritt verfolgte die Intention, die bereits vorhandenen Berufsvorstellungen zu aktivieren. Zur gegenseitigen Vorstellung dieser Wünsche und der damit verknüpften positiven Erwartungen wurde das "Kugellager" (C 5) gewählt, da diese Methode auf einfache Weise mehrere Partnergespräche zu demselben Thema in Gang bringt, wechselnde Perspektiven auf dieses Thema ermöglicht und hilft, Redehemmnisse zu überwinden. Die Ansprüche an Strukturierung, Sprachpräzision und angemessene Körpersprache sind dabei noch relativ gering.

Der nächste Schritt wurde durch einen folienunterstützten Lehrervortrag eingeleitet (C 3), der neun Regeln für die freie Rede so präsentierte, dass im Vortragen die Regeln angewendet wurden. Damit waren die Prinzipien eingeführt, die bei einem Vortrag vor einer größeren Gruppe und bei zunehmender Komplexität des Inhalts befolgt werden müssen. Zugleich sollten die Schülerinnen und Schüler sich selbst besser kennenlernen und sich ihrer persönlichen Stärken und Schwächen bewusst werden. Dazu schrieben sie diese vermuteten Stärken und Schwächen auf Kärtchen. Hierbei erwies sich ein vorgegebener Fragenkatalog (C 4) als hilfreich. Im Tandem fertigten die Schülerinnen und Schüler aus Packpapier einen Körperumriss ihrer Person und gruppierten die Kärtchen darauf (C 7). Durch diese Visualisierung wurde eine Auseinandersetzung mit der eigenen Selbsteinschätzung ermöglicht, zumal jeder sich anschließend in einem kurzen Vortrag einer größeren Gruppe präsentierte. Diese Selbsteinschätzung wurde anschließend durch die Fremdeinschätzung der Mitschülerinnen und -schüler (Mehrpunktabfrage) bestätigt oder relativiert.

Die nachfolgenden Tests (C 8 als Beispiel) hatten die Funktion, die eigene Wahrnehmung durch objektivierende und ergänzende Kriterien zu überprüfen und gegebenenfalls zu modifizieren. Bearbeitet wurden fünf weitere Tests.

Auswertung des Tests (C 8)

Dieser Test zielt darauf ab, unabhängig von Berufsfeldern herauszufinden, ob Sie eher orientiert sind in Richtung ...

- etwas konkret zu "machen", mit hohem Praxisbezug, ggf. auch als "Einzelkämpfer" oder
- Menschen, Kommunikation und Teamarbeit in den Vordergrund stellen oder
- sich eher dem Abstrakten, Theoretisch-Wissenschaftlichen zuzuwenden.

Dadurch wird eine wichtige Komponente beruflicher Ausrichtung deutlich, die für alle Interessengebiete gleich relevant ist.

Wie oft haben Sie sich für a entscheiden können, wie häufig für b und c? Schauen Sie bitte genau hin, denn die Abfolge der präsentierten Tätigkeiten ist nicht immer a, b, c.

Interpretation zu C 8

zu a) konkret etwas "machen", hoher Praxisbezug

0-4 Ankreuzungen
Das einfache "Machen" steht für Sie nicht im Vordergrund. Andere Werte sind Ihnen wichtiger.

5-9
Etwas konkret zu tun, zu machen, zu bewegen ist Ihnen nicht gleichgültig. Je näher Ihr Ergebnis an die 10 herankommt, desto klarer zeichnet sich dieser Wunsch ab.

10-15
Sie wollen wirklich etwas bewirken, und das aus eigener Kraft, möglichst konkret und ergebnisorientiert. Vom Typ her sind Sie ein "Macher" / eine "Macherin" im praktischen Bereich. Im Vertrauen auf Ihr individuelles Potential wird Ihnen vieles gelingen. Ab 13 Punkte: Vernachlässigen Sie nicht die zwischenmenschlichen, kommunikativen Aspekte der Arbeit!

zu b) Menschen, Kommunikation und Teamarbeit

0-4
In Ihrem beruflichen Tun und Lassen sind Sie - bewusst - nahezu unabhängig von anderen Personen. Maximale Autonomie lautet Ihre Devise, die Sie aber eher zum Einzelkämpfer macht.

5-9
Der Umgang mit anderen ist Ihnen im Arbeitsleben wichtig. Gemeinsam mit Kollegen, aber auch im Kontakt zu Kunden, Klienten oder Ratsuchenden liegt ein wesentlicher Teil Ihres persönlichen beruflichen Wohlbefindens, insbesondere je näher Ihr Ergebnis an die 10 herankommt.

10-15 
Sie sind ein "Team-Spezialist" und brauchen Menschen in Ihrer beruflichen Umgebung wie der Fisch das Wasser. Spitzenleistungen sind heutzutage eher von einem Team zu erwarten und Sie sind ein ganz wesentlicher Teil dieses Erfolgsteams. Ab 13 Punkten: Aufgepasst, dass Sie sich nicht zu sehr von anderen abhängig machen.

zu c) Abstraktion, Theorie und Wissenschaft

0-4
Jede Theorie erscheint Ihnen grau und zutiefst suspekt. Abstraktes empfinden Sie als nebulös und wenig erfreulich.

5-9
Abstraktem Denken und wissenschaftlichen Überlegungen stehen Sie positiv aufgeschlossen gegenüber (umso deutlicher, je näher an die 10 Punkte). Eine Orientierung in dieser Richtung in Ausbildung, Studium und Beruf erscheint durchaus überlegenswert und wird Ihnen Zufriedenheit vermitteln.

10-15
Der "Elfenbeinturm" der Wissenschaft zieht Sie magisch an. Hier fühlen Sie sich wohl, quasi zuhause. Ihr analytisches Denkvermögen und Ihre Abstraktionsfähigkeit ist brillant entwickelt. Ab 13 Punkte: Achten Sie darauf, dass auch für Wissenschaftler heute Kommunikationsfähigkeit wichtig ist.

Jürgen Hesse, Hans Chr. Schrader: Orientierungstests für Schulabgänger, Frankfurt/M.: Eichborn 1999, S. 99-106.

Zur Vorbereitung auf höhere Ansprüche wurde ein Gruppenpuzzle zu Methoden der Erstellung und Präsentation eines freien, folienunterstützten Vortrags durchgeführt (C 9).

Damit war die Basis für einen sieben- bis zehnminütigen Vortrag mit dem Thema "Mein Leben im Jahr 2015" (C 10, C 11) geschaffen. Im vierten Lebensjahrzehnt hat man in unserer Gesellschaft im Allgemeinen die Ausbildung beendet, berufliche Erfahrungen gesammelt und vielfach eine Familie gegründet. Durch die Vorwegnahme dieses Lebensabschnitts in ihrer Phantasie wurden die Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisiert, dass die Berufsentscheidung die gesamte Lebensplanung beeinflusst, aber auch private Entscheidungen erhebliche berufliche Auswirkungen haben können. (Nebenbei sei angemerkt, dass die Mädchen auf die überwiegend sehr traditionellen Rollenvorstellungen der Jungen erstaunt bis empört reagierten. Allerdings konnten sie selbst keine schlüssigen Konzepte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf dagegensetzen, obwohl alle sich für ihre Zukunft beides wünschten.)

Die Präsentation wurde nach einem einheitlichen Raster (C 12) von allen schriftlich bewertet und den Vortragenden als Feed-back zurückgegeben.

Eine überzeugende Präsentation der Besuchsergebnisse im Berufsinformationszentrum des Arbeitsamtes (BIZ) erforderte einen Input zu Möglichkeiten der Visualisierung (C 13). Dieses Material wurde als Anregung zur Gestaltung des Abschlussreferates (C 14) verwendet. Darin sollte jede Schülerin und jeder Schüler einen für sie möglicherweise infrage kommenden Beruf ausführlich vorstellen und die Vor- und Nachteile einer persönlichen Entscheidung für diesen Beruf erörtern.

Die Rückmeldungen zur Präsentation erfolgten wiederum durch die Bewertungsbögen, wobei diesmal die Visualisierung mit einbezogen wurde.

Um eine möglichst realitätsnahe Bewerbung zu simulieren, wurden nun Bewerbungsgespräche durchgeführt, in denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fiktiv um einen Beruf ihrer Neigung bemühten (C 15). Dazu gehörte auch eine situationsgerechte Bekleidung (C 16, C 17). Die Gespräche wurden mit der Videokamera aufgezeichnet, sodass eine anschauliche Rückmeldung möglich war.

Fazit und Ausblick

Als Fazit ist festzustellen, dass alle Schülerinnen und Schüler ein deutlich sichereres Auftreten zeigten, weil sie sich ihrer diesbezüglichen Fähigkeiten und Stärken bewusst waren. Teilweise gelang es ihnen sogar, ihre vorher als Schwächen bezeichneten Eigenschaften so umzuformulieren, dass sie eher positiv bewertet werden konnten. Die im Projekt vermittelten Kenntnisse und Verhaltensweisen waren nutzbringend bei der Bewerbung um einen Platz für die einwöchige Berufserkundung.

Schlusspunkt des Projekts war ein Brief, den alle zur Festigung der erworbenen Erkenntnisse an sich selbst geschrieben haben. Dieser "Brief an mich selbst" hatte die Funktion, den Transfer in den Alltag zu erleichtern, indem sich jeder eine Erinnerungshilfe für den individuellen Berufsfindungsprozess geschaffen hat. Diese Briefe wurden eingesammelt und werden am Ende des Schuljahrs den Absendern wieder "zurückgeschickt". Damit verbindet sich die Hoffnung, dass das Gelernte nicht im Schulalltag verloren geht, sondern eine kontinuierliche produktive Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensplanung initiiert wurde.

Diese Hoffnung scheint umso begründeter, als fächerverbindend dazu im Englischunterricht ein Vergleich des deutschen und des englischen Konzepts zur Berufsorientierung durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt steht dabei ein dreiwöchiges E-Mail-Projekt (C 18) unter der Leitung der Englisch-Lehrerin und ihres englischen Kollegen, bei dem sich die deutschen Schülerinnen und Schüler mit ihren englischen Partnern von der Meden Comprehensive School in Warsop/Mansfield über ihre unterschiedlichen Wege zur Berufsfindung austauschten. Es ist geplant, dieses Internet-Projekt in Zukunft auf die Partnerschulen in Frankreich und Polen auszuweiten.

Eine Bemerkung zum Abschluss: Wenn bei dem hier dokumentierten Projekt besonderer Wert auf die Präsentationstechniken gelegt wurde, so darf daraus nicht geschlossen werden, die Inhalte seien zweitrangig. Präsentation ohne Inhalte bleibt hohl, aber Inhalte ohne entsprechende Präsentation können nicht wirken.


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