Zeitschrift

Weltbevölkerung und Welternährung



BAUSTEIN A:  Bevölkerungsentwicklung
A 11 - A 15
Prognosen


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INHALT


A 11 Bald sechs Milliarden Menschen

Ilon Pierre Simonitsch

Bis Mitte nächsten Jahres wird die Weltbevölkerung auf sechs Milliarden Menschen zunehmen. Derzeit werden 5,9 Milliarden gezählt, doch wächst die Menschheit täglich um eine Viertelmillion. Dies ist die Botschaft des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) zum Weltbevölkerungstag am heutigen Samstag.

Vor genau elf Jahren, am 11. Juli 1987, hatte die Zahl der Menschen nach den Berechnungen des UNFPA die Fünf-Milliarden-Marke erreicht. Die UN begehen dieses Datum seither alljährlich als den Weltbevölkerungstag. Er soll auf die Verantwortung hinweisen, vor die das demographische Wachstum die Staatengemeinschaft stellt. Im Laufe von nur 39 Jahren hat sich die Menschheit verdoppelt.

Der "Tag der sechs Milliarden" soll am 16. Juni 1999 begangen werden. "Das ist zwar nicht der genaue Tag, an dem die Weltbevölkerung sechs Milliarden erreichen wird; er wurde als Datum ausgewählt, um dieses Ereignis zu markieren", erläuterte UNFPAAbteilungsleiter Joseph Chamie. Die Exekutivdirektorin des Bevölkerungsfonds, Nafis Sadik, sieht "einen Grund zum Feiern: In keinem Zeitalter war das Bevölkerungswachstum so hoch, während gleichzeitig die Gesundheits- und Ernährungsstandards der meisten Menschen gestiegen sind".

Es hatte vom Entstehen unserer Gattung bis zum Jahre 1800 gedauert, bis die Menschheit eine Milliarde wurde. Für die zweite Milliarde brauchte es weitere 130 Jahre, für die dritte nur mehr als 30 und für die vierte 14 Jahre. Heute sind eine Milliarde Menschen zwischen 15 und 24 Jahre alt. Von ihren Entscheidungen wird die Bevölkerungskurve im nächsten Jahrhundert abhängen. "Wenn die Frauen wählen können, werden sie weniger Kinder gebären als ihre Mütter", meint der UNFPA. "Die Familien werden kleiner werden, und das Bevölkerungswachstum wird sich verlangsamen."

Die Entscheidungen der jungen Generation hängen von der wirtschaftlichen Lage, der Bildung und den Wahlmöglichkeiten ab, stellt der UNFPA fest. Aus dem Fonds werden sexuelle Aufklärung und der Zugang zu Verhütungsmitteln vor allem in Entwicklungsländern gefördert.

Frankfurter Rundschau vom 17.7.1998


A 12 Noch mehr Menschen ?

In welchen Ländern wird heute eine Politik zur Förderung des Bevölkerungswachstums betrieben?

In Ungarn nimmt das Thema einen großen Platz ein. Auch in Tschechien, in Rußland - generell in den Staaten des ehemaligen Ostblocks. Hier gibt es wie in Frankreich die Gleichsetzung von Nation und Bevölkerung. Das gehört zum Erbe des Kommunismus, der das demographische Wachstum gezielt förderte...

Sind Sie als Demograph nicht gelegentlich der Meinung, daß es schon genügend Menschen gibt auf dieser Erde?

Meine Antwort mag erstaunen: nein. Ich habe mich intensiv mit allen Aspekten befaßt, von der Ozonschicht bis zum Problem der Ernährung. Diese Frage hat mehr mit Politik als mit Wissenschaft zu tun.

Könnten Sie bitte Zahlen nennen?

Wenn man sich mit einer Sojasuppe und etwas Haferbrei begnügt, können problemlos fünfzig Milliarden Menschen ernährt werden. Muß es zum Frühstück Kaviar und am Nachmittag Hummer sein, dürfen maximal fünfhundert Millionen leben. Würden Sie gern in einer Welt mit fünfzig Milliarden Bewohner leben?

Ja. Ich bin nicht gern auf dem Land, ich liebe Paris. Ich war kürzlich in der ägyptischen Wüste - beeindruckend. Aber nach drei Tagen langweilte ich mich. Kairo hingegen hat mir gefallen. In meinem Alltag mache ich die Erfahrung einer großen Bevölkerungsdichte jeden Tag. In Paris wohnen zwanzigtausend Einwohner auf einem Quadratkilometer. Ich habe nicht den Eindruck, daß die Stadt überbevölkert ist.

Frankfurter Allgemeine Magazin, Heft 872 vom 15.11.1996, S. 95 (Gespräch von Jürg Altwegg mit Herve Le Bras)


A 13  Langzeitprognosen der UN

Die Zahl der Menschen auf der Erde wächst - oder sie sinkt

UN-Bevölkerungsprognose für das Jahr 2150 schwankt zwischen 27 und 3,6 Milliarden / "Dramatischer" Zuwachs der Alten

Ilon Pierre Simonitsch (Genf)

Die Weltbevölkerung könnte bis zum Jahre 2150 sowohl auf 27 Milliarden anwachsen wie auf 3,6 Milliarden sinken. Alles hängt davon ab, welches Szenario den Berechnungen zugrundeliegt. Mit diesem freimütigen Eingeständnis der Schwierigkeit, Langzeitprognosen zu erstellen, überrascht die jüngste Studie der UN-Bevölkerungsabteilung in New York. Die höchsten Schätzungen gehen von der Annahme aus, daß die derzeitige Geburtenrate konstant bleibt. Würde hingegen der Nachwuchs durch Familienplanung auf durchschnittlich ein Kind oder zwei Kinder pro Ehepaar begrenzt, so hätte dies längerfristig sogar einen Rückgang der Weltbevölkerung zur Folge. Die Studie weist aber darauf hin, daß auch die steigende Lebenserwartung in Rechnung gestellt werden muß. Wenn künftig jedes Paar im Schnitt zwei Kinder auf die Welt setzen würde, stiege die Weltbevölkerung unter Berücksichtigung der Altersstruktur bis zum Jahre 2150 von derzeit 5,9 auf 9,5 Milliarden Menschen.

Nach Darstellung des Direktors der UN-Bevölkerungsabteilung, Joseph Chamie, dürfte die Zahl der Menschen aber schon Mitte des nächsten Jahrhunderts 9,4 Milliarden erreichen. In 200 Jahren werde sich die Zahl wahrscheinlich auf etwa elf Milliarden stabilisieren. Das wären 700 Millionen Menschen weniger als vor fünf Jahren vorhergesagt. In den heutigen Industriestaaten würde im Jahre 2150 nur mehr ein Zehntel der Menschheit leben. Heute ist ihr Anteil an der Weltbevölkerung fast doppelt so groß. Einschneidender als ein mehr oder minder hohes Bevölkerungswachstum scheint den Demographen die erwartete Überalterung, die von der UN-Studie als "dramatisch" bezeichnet wird. Heute ist im Weltdurchschnitt jeder zehnte Mensch älter als 60. Im Jahre 2150 wird voraussichtlich ein Drittel der Menschheit das 60. Lebensjahr überschritten haben.

Eine der Ungewißheiten bei den Projektionen ist, ob China das vom Staat verordnete System des Einzelkindes aufrecht hält. Schon ein statistisches "halbes Kind" mehr oder weniger pro Familie führt über Generationen gerechnet zu enorm unterschiedlichen Voraussagen der Bevölkerungsentwicklung. Schwer abzuschätzen sind auch die demographischen Auswirkungen der Abtreibung weiblicher Föten, die in China, Indien und anderen asiatischen Ländern praktiziert wird.

Frankfurter Rundschau vom 7.2.1998


A 14 Kinderwunsch flaut ab

Etwa jede dritte Schwangerschaft ist nach Berechnung der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung ungewollt. Die Weltbevölkerung würde entscheidend langsamer wachsen, wenn junge Menschen die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen könnten, sagte Geschäftsführer Hans Fleisch gestern in Hannover. Weltweit gehe der Kinderwunsch zurück, die Chancen für ein langsameres Wachstum der Weltbevölkerung seien "besser denn je". Mitte nächsten Jahres werde die Weltbevölkerung die Sechs-Milliarden-Marke überschreiten, Die Zahl der Menschen unter 20 Jahren, der jetzigen und künftigen Eltern, liege bei zwei Milliarden. Sie hätten in vielen Ländern aber keine Informationen über Familienplanung.

Badisches Tagblatt, 10.7.1998 (epd, dpa)


A 15 Rangverschiebungen in hundert Jahren

  1950 1994 2050
Rang Land Bevölk. Land Bevölk. Land Bevölk.
1. China 555 China 1209 Indien 1640
2. Indien 358 Indien 919 China 1606
3. USA 152 USA 261 Pakistan 381
4. Russ. Föderation 103 Indonesien 195 USA 349
5. Japan 84 Brasilien 159 Nigeria 339
6. Indonesien 80 Russ. Föd. 147 Indones. 319
7. BRD 68 Pakistan 137 Brasilien 264
8. Brasilien 53 Japan 125 Banglad. 239
9. Grißbritannien 51 Banglad. 118 Äthiopien 194
10. Italien 47 Nigeria 108 Zaire 164
11. Frankreich 42 Mexico 92 Iran 163
12. Bangladesch 42 BRD 81 Mexico 161
13. Pakistan 40 Vietnam 73 Vietnam 144
14. Ukraine 37 Philippinen 66 Philipp. 130
15. Nigeria 33 Iran 66 Russ. Föd. 130
16. Vietnam 30 Ägypten 62 Ägypten 117
17. Mexiko 28 Türkei 61 Japan 110
18. Spanien 28 Großbrit. 58 Türkei 106
19. Polen 25 Thailand 58 Myanmar 95
20. Ägypten 22 Frankreich 58 Tanzania 91
21. Philippinen 21 Italien 57 Kenia 90
22. Türkei 21 Äthiopien 53 Südafrika 90
23. Korea 20 Ukraine 51 Sudan 85
24. Thailand 20 Myanmar 46 Thailand 82
25. Äthiopien 18 Korea 45 Uganda 70
26. Myanmar 18 Zaire 43 BRD 65
27. Argentinien 17 Südafrika 41 Großbrit. 62
28. Iran 17 Spanien 40 Elfenbeink. 61
29. Rumänien 16 Polen 38 Saudi Arab. 61
30. Kanada 14 Kolumbien 35 Frankreich 60
31. Südafrika 14 Argentinien 34 Afghanist. 60

Quelle: United Nations, World Population Prospects (The 1994 Review), New York 1995, S. 104. Aus: Josef Schmid: Weltbevölkerungswachstum: Die Bürde des 21. Jahrhunderts. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 24-25/1996, S.18


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