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Globalisierung

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Heft 4/2003 
Hrsg.: LpB

 

Inhaltsverzeichnis

D 19 bis D 25   Armut und Migration


 

D 19

Die Chancen der Globalisierung besser nutzen

Die Chancen, die die Globalisierung für die Verringerung der Armut in der Welt bietet, sind bisher nicht ausreichend genutzt worden. An vielen Entwicklungsländern sei die Integration der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren vorbeigegangen, stellt die Weltbank ... in einem Bericht fest. Die Weltbank ruft darum die internationale Gemeinschaft auf, jene Länder stärker als bisher in die Globalisierung einzubeziehen:

"Die Gründe sind vielschichtig. Sie reichen von schlechter Politik in den Ländern selbst zu Handelsbeschränkungen in den Industrienationen, die den Entwicklungsländern den Zugang zu diesen Märkten versperren", sagte ... der Chefvolkswirt der Weltbank ... Einige Sorgen und Ängste in Bezug auf Globalisierung seien zwar berechtigt, es wäre aber verfehlt, diese Entwicklung aufhalten oder gar umkehren zu wollen. "Dieser Weg würde viele Millionen Menschen noch tiefer in die Armut führen", warnte er. Dem Bericht zufolge ist es einigen Entwicklungs- und Transformationsländern in den vergangenen 20 Jahren durchaus gelungen, sich mit ihren Produkten des verarbeitenden Gewerbes Zugang zu den westlichen Märkten zu verschaffen. China, Indien, Ungarn und Mexiko hätten durch eine vernünftige Politik die Voraussetzungen hierfür geschaffen und ihre jährlichen Wachstumsraten ... erhöht. Die Löhne seien ebenso gestiegen wie die durchschnittliche Lebenserwartung und das Bildungsniveau, stellt die Weltbank fest. "In vielen anderen Ländern, vor allem in Afrika südlich der Sahara und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, ist die Zahl der Menschen, die in Armut leben, in den neunziger Jahren gestiegen."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Dezember 2001 (Claus Tigges).

 

D 20

Marktbarrieren schädigen arme Länder

Das Welthandelssystem benachteiligt die Entwicklungsländer. Die Handelsbarrieren der reichen Länder kosten die armen Staaten 100 Milliarden Dollar im Jahr - das ist doppelt so viel wie sie an Entwicklungshilfe erhalten. Das ist die Kernaussage einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam International. Der fehlende Marktzugang sei ein Beispiel für die Doppelmoral der Regierungen im Norden. Während reiche Länder ihre Märkte geschlossen hielten, seien arme Länder vom IWF und der Weltbank gedrängt worden, ihre Märkte überstürzt zu öffnen, oft zu ihrem Nachteil. Viele Regeln der Welthandelsorganisation, beispielsweise zum geistigen Eigentum oder zu Investitionen und Dienstleistungen, schützten die Interessen reicher Länder und transnationaler Unternehmen ... .

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul unterstützte die Aussagen der Studie. Ohne Zugang zu den Märkten in den Industrieländern könnten die Entwicklungsländer die Armut nicht nachhaltig bekämpfen. Daher seien auch die Interessen und Bedürfnisse der Entwicklungsländer ins Zentrum der laufenden Welthandelsrunde gestellt worden. "Nun müssen wir Industrieländer ... eine weitere Öffnung unserer Märkte zulassen", forderte die SPD-Politikerin. Auch müssten Exportsubventionen für Agrarprodukte ... so schnell wie möglich abgebaut werden. Zwei Zahlen verdeutlichen das Missverhältnis im internationalen Handelssystem: Auf der ganzen Welt würden rund 53 Milliarden Dollar für die Entwicklungszusammenarbeit im Jahr bereitgestellt, gleichzeitig wendeten die Industriestaaten 360 Milliarden Dollar für den Schutz ihrer Agrarmärkte auf. ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. April 2002 (Manfred Schäfers).

 

D 21

Globale Migration

Aus: Le Monde diplomatique (Hrsg.): Atlas der Globalisierung. Berlin (taz-Verlag) 2003, S. 54

 

D 22

 

Grafik: Die Zeit

 

D 23

Die globale Jeans

Massenartikel Jeans. Einst für viele ein Luxusgut, ist das blaue Baumwollgewebe mittlerweile in den Goldbergwerken Südafrikas ebenso zu sehen wie auf den Laufstegen in Rom oder Paris. Trotz der Beliebtheit der Jeans ist der Preis der Baumwolle in den vergangenen Jahren ins Bodenlose gefallen. Die Leidtragenden sind die Baumwollbauern, die im globalen Wettbewerb um die günstigsten Preise nicht mithalten können.

Beispiel Tansania: Bis vor wenigen Jahren konnten die Bauern dort vom Anbau der Baumwolle leben. Die Farmen waren weit gehend in staatlicher Hand. Arbeit und Lohn waren von der Regierung garantiert. Dann kamen unter dem Druck des IWF die Privatisierung der Staatsbetriebe sowie die Öffnung der Märkte. Und die Baumwollfarmer sahen sich plötzlich einer globalen Konkurrenz ausgesetzt, der sie bis heute nicht gewachsen sind.

Während etwa in den USA die Baumwollernte hochtechnisiert ist, müssen viele Bauern in Tansania wie in der Kolonialzeit die Baumwolle mit der Hand ernten. Da sie sich für die nach Marktpreisen erzielten Erlöse aber nicht nur keine Erntemaschinen, sondern auch kaum Spritzmittel leisten können, ist die Qualität der Baumwolle kaum noch konkurrenzfähig. Die aufgezwungene Öffnung des Landes für Billigimporte führte außerdem zum Niedergang der einstmals viel versprechenden Textilindustrie.

Bilder wie dieses - aufgenommen 1979 in einer Weberei - gehören fast der Vergangenheit an. Heute finden nur noch 20 Prozent der Produktion im eigenen Land statt.

Hinzu kommt der florierende Handel mit Altkleidern aus den Spenden der reichen Länder, die für viele Bewohner Tansanias attraktiver sind als die einheimischen Waren. Die Folge: Statt Wohlstand brachte die "freie Marktwirtschaft" für die meisten Menschen in Tansania eine Verschlechterung ihrer Situation. Das Pro-Kopf-Einkommen der 34 Millionen Tansanier lag in den 1970er-Jahren bei 309 US-Dollar, heute beträgt es nur noch 270 Dollar.

Während die Baumwollfarmer und die Textilbetriebe in Tansania zu den Verlierern der Globalisierung wurden, profitierten die Jeansfabriken der reichen Länder von der Öffnung der Märkte. Sie verlagerten die Fertigung ihrer Jeans an Standorte in Billiglohnländern. Das Bild zeigt Näherinnen in einer Jeans-Fabrik im russischen St. Petersburg, die mit ca. 150 Euro im Monat nur etwa ein Zehntel dessen verdienen, was eine deutsche Näherin bekommt. Das eingesparte Geld fließt in die Werbung, die mittlerweile den wertmäßig größten Anteil der Entstehungskosten einer Jeans ausmacht.

Fotos und Text nach dem Film "Cottonmoney", © Filmkraft Filmproduktion, München ( www.filmkraft.net ).

 

D 24

Die Kluft zwischen reichen und armen Ländern

Die Kluft zwischen den reichsten und den ärmsten Ländern der Welt ist tief. Ein Luxemburger hat beispielsweise an nur einem Tag ein höheres Einkommen als ein Äthiopier im ganzen Jahr. Insgesamt zählt die Weltbank 31 Länder, deren Einwohner mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen. Während die wohlhabenden Staaten über ein umfassendes Bildungs- und Sozialsystem, eine aufwändige Gesundheitsversorgung und eine gut funktionierende Infrastruktur verfügen, müssen die Menschen in den ärmsten Ländern auf fast all dies verzichten. Oft steht nur das Allernotwendigste zur Verfügung, und auch das meistens nicht für alle.

© Globus Infografik GmbH

 

D 25

 

©Globus Infografik GmbH

 


 


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