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Zeitschrift Wirtschaft im Wandel Wachstum und Konjunktur in der Bundesrepublik Deutschland Geleitwort des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport
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Wirtschaft wandelt sich. Und mit ihr die Gesellschaft. Von den Jäger-und-Sammler-Kulturen der Steinzeit bis zur globalisierten Wirtschaft der Gegenwart war ein weiter Weg. Arbeitsteilung und Spezialisierung nahmen stetig zu. Märkte änderten sich, aus der Selbstversorgung entstand die Produktion für die nahen Märkte der unmittelbaren Umgebung, schließlich für ferner gelegene Märkte. Heute ist die Welt der Markt. Wir befinden uns mitten in einem umfassenden wirtschaftlichen Wandel, wie es ihn wohl nur zur Zeit der Industrialisierung gab. Ein Blick in das 19. Jahrhundert, ein Zeitalter des technischen Fortschritts, zeigt, dass Veränderung auch irritiert. „Das überhandnehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich, es wälzt sich heran, wie ein Gewitter", lässt Goethe eine seiner Figuren klagen und gibt damit einer damals weit verbreiteten Stimmung Ausdruck. Die Welt begann sich immer schneller zu drehen, die Zeit begann zu eilen: Ein Schreck für viele, die diese Entwicklung nicht verstanden, die nicht mithalten konnten mit der neuen Geschwindigkeit, denen schwindlig wurde, weil sich ihr Leben so schnell veränderte. Die verzweifelt versuchten, sich dem Fortschritt in den Weg zu stellen, das Alte zu bewahren, weil ihre Existenz gefährdet war. Die in den Fabriken Maschinen zerstörten, um ihr Handwerk zu retten. Aber die Maschinenstürmer blieben erfolglos. Der Fortschritt ging über sie hinweg. Geschwindigkeit wurde zur prägenden Erfahrung, im Positiven wie im Negativen. Für die einen war es ein fröhliches Karussell, für die anderen ein bedrohlicher Strudel. So war man 1835 der Ansicht, schon der Anblick einer Lokomotive, die in voller Schnelligkeit dahinrast, genüge, eine schreckliche Krankheit zu erzeugen, geistige Unruhe, das sogenannte Delirium furiosum. Ganz im Gegensatz dazu beschreibt hundert Jahre später ein Journalist bei der Eröffnung des ersten Stücks Autobahn zwischen Köln und Bonn euphorisch seinen Geschwindigkeitsrausch: „Fast reißt uns der Wind die Krawatte weg, die Haare jagt der Luftzug durcheinander, bei 110 Stundenkilometern nutzt auch die beste Pomade nichts. Gas, Gas, .... wir sausen, wir jagen im Tempo unserer Zeit." Wir lächeln, über die eine Aussage wie über die andere. Weil uns beides langsam erscheint im Vergleich zu heutigen Geschwindigkeiten. Was ist das Tempo unserer heutigen Zeit? Geschwindigkeit ist auch Merkmal der derzeitigen wirtschaftlichen Veränderungen, die Thema des vorliegenden Heftes der Landeszentrale für politische Bildung sind. Neben aktuellen Entwicklungen und Daten zur gegenwärtigen Wirtschaftslage Deutschlands werden zwei Bereiche des wirtschaftlichen Wandels dargestellt, die Rolle der Europäischen Zentralbank und die New Economy. An beiden Beispielen können der Wandel und seine Auswirkungen untersucht werden, so dass die Schülerinnen und Schüler aktuelle Neuerungen verstehen und vertiefte Einblicke in das komplexe Wirtschaftsgeschehen der europäischen und der Weltwirtschaft gewinnen. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport begrüßt dieses Heft, in dem die Landeszentrale für politische Bildung wieder große Aktualität beweist, sehr, auch im Zusammenhang mit dem eigenen Bestreben, wirtschaftliche Themen stärker in die Schulen zu bringen. Johanna Seebacher
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