Zeitschrift

Wirtschaft im Wandel

Der Euro ist da – Zur Stellung der Europäischen Zentralbank

C 28 bis C 30

Ursachen und Auswirkungen der Euro-Schwäche 



 

Inhaltsverzeichnis

 
C 28 Wie Ökonomen die Schwäche des Euro erklären

Jörg Clostermann und Bernd Schnatz legen in einem Diskussionspapier der Deutschen Bundesbank mit wenig idealisierten Annahmen dar, dass die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar von vier Faktoren abhängt: den realen Zinssatzunterschieden, den realen Rohölpreisen, dem relativen Preisverhältnis von gehandelten zu nicht gehandelten Gütern sowie dem Vergleich der Anteile der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt. Auf Basis realer Daten der am Euro beteiligten Währungen lässt sich ein künstlicher Euro-Dollar-Wechselkurs für vergangene Jahre errechnen. Was die Zukunft angeht, liefert das Modell allerdings Wechselkurse, die zwischen Parität und 1,26 Dollar je Euro liegen. Deshalb wird die Suche nach Erklärungen weitergehen...

Derzeit wird der Dollar stark nachgefragt. Das liegt zum einen an der niedrigen Sparquote in den Vereinigten Staaten, zum anderen an den hohen Rohölpreisen, die in Dollar notiert werden. Parallel dazu leidet die Nachfrage nach Euro. Gründe dafür sind Angst und Unsicherheit, die das Münchner Ifo-Institut auf den Unterschied zwischen tatsächlichen und gewünschten Beständen an Bargeld zurückführt.

Schwarzgeldbesitzer fürchten aufgrund der Geldwäschegesetze, beim Umtausch in Euro die Herkunft ihres Geldes erklären zu müssen. Deshalb tauschen sie zunächst in Dollar, die vom nächsten Jahr an ohne Erklärung in Euro gewechselt werden können. Unsicherheit darf auch bei vielen Besitzern von D-Mark-Bargeld in Osteuropa angenommen werden, weil sie die Konditionen des Euro-Umtausches nicht kennen...

Der amerikanische Wissenschaftler Robert Mundell verweist in diesem Zusammenhang auf die fehlende politische Union. Für ihn ist die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung nicht nur Aufgabe der europäischen Zentralbank, vielmehr brauche sie eine breite politische Unterstützung.

Letzten Endes aber dürfte die These von Paul Krugman vom Massachusetts Institute of Technology die Diskussion um die kurzfristige Euro-Schwäche am besten charakterisieren. Er bezeichnet sie als „Triumph eines Symbols über die Substanz" und verweist auf die willkürliche Wahl des Einführungskurses – denn bei einem tieferen Einführungskurs des Euro wäre auch die Diskussion weit weniger aufgeregt verlaufen.

Sascha Spoun, in: Die Zeit Nr. 22 vom 23.5.2001

 

C 29 Der Euro ist unterbewertet

Von Helmut Schmidt, Altbundeskanzler und Herausgeber der „Zeit"

Die derzeitige Unterbewertung des Euro im Wechselkurs gegenüber dem Dollar ... ist zum Teil in dem ungewöhnlich umfangreichen Kapitalimport aus aller Welt in die USA begründet, es handelt sich also um eine Überbewertung des Dollar. Zum anderen Teil beruht aber der relativ zu niedrige Dollar-Wechselkurs des Euro auf politisch-psychologischen Faktoren, denn der Euro ist bisher ganz unzureichend nach außen repräsentiert. Wenn die zwölf Euro-Teilnehmerstaaten ihre Anteile am Weltwährungsfonds, an der Weltbank, an der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bündeln würden, würde sich die Situation schnell zugunsten des Euro verändern. Dem Euro fehlt bisher ein gemeinsamer Finanz-Außenminister, der zum Beispiel im Konzert der G-7 Finanzminister aufzutreten hätte. Stattdessen gibt es innerhalb der EU und zwischen den beteiligten Regierungen Kompetenzgerangel, die Kompetenzabgrenzungen zwischen Ministerrat, Kommission und der Euro-Gruppe sind unklar.

Hier muss der Europäische Rat handeln. Es wäre bereits ein zwar sehr kleiner, aber überaus bedeutsamer Schritt, wenn nur die Finanzminister in Paris und Berlin ihre Voten in den Gremien der globalen Institution immer gemeinsam abgeben würden.

Helmut Schmidt: Lasst den Worten endlich Taten folgen; in: Die Zeit Nr. 23 vom 7.6.2001

 

C 30 Entwicklung der Wechselkurse 2001


F.A.Z.-Grafik Brocker, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.6.2001

 


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