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Zeitschrift Wirtschaft im Wandel BAUSTEIN BNew Economy – Neue Ökonomie
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In den USA etablierte sich seit Mitte der neunziger Jahre das Schlagwort von der New Economy, die im Gegensatz zur Old Economy Modernität und Aufbruch in die Wissens- und Informationsgesellschaft des neuen Jahrtausends signalisierte. Inzwischen wird der Begriff inflationär gebraucht für alles, was in irgendeiner Form mit dem Hochtechnologiesektor, mit Internet und Computernetzen zu tun hat. Der durch den von einem enormen informations- und telekommunikationstechnischen Fortschritt beschleunigte Anstieg der Arbeitsproduktivität bewirkte in den USA einen über ein Jahrzehnt anhaltenden Aufschwung, der bei dynamischem Wachstum des Produktionspotentials Arbeitsplätze schuf – ohne nennenswerten Inflationsdruck. Optimistische Ökonomen proklamierten bereits das Ende der Konjunkturzyklen und den Beginn eines neuen Wirtschaftszeitalters. Für die These vom Ende der Zyklen wurden folgende Argumente genannt: „Die Globalisierung der Produkte, die radikalen Änderungen der Finanzmärkte, eine strenge Stabilitätspolitik der Zentralbank, eine neue kluge Beschäftigungspolitik, internationale Märkte mit ungeahnten Wachstumspotenzialen und die Universalisierung der Informationstechnik führen dazu, dass Transaktionskosten verringert und Angebot und Nachfrage passgenau aufeinander abgestimmt werden... Zuträglich ist auch der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft, gelten doch Dienstleistungen als deutlich geringer zyklisch anfällig im Vergleich zum verarbeitenden Gewerbe. Dass die Tarifverhandlungsmacht der Gewerkschaften in Amerika unterdessen fast zu vernachlässigen ist, trägt ebenfalls dazu bei, dass auch am Arbeitsmarkt ein natürliches Gleichgewicht herrscht und die Sorge eines inflationsfördernden Lohndrucks unbegründet ist." (Rainer Hank: Am Ende der Zyklen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. August 1997, S. 1)Im Vergleich zu den siebziger und achtziger Jahren, wo die Produktivität durchschnittlich nur um 1,4 Prozent stieg, konnten die USA von 1995 bis 2000 ein Wachstum der Arbeitsproduktivität um 3 Prozent verzeichnen. Damit hatten die USA einen deutlichen Vorsprung vor Europa. Hier setzte die Entwicklung erst ausgangs der neunziger Jahre ein, wobei Deutschland etwas hinterherhinkte. Der Traum von der stetigen Prosperität ist inzwischen ausgeträumt. Der Absturz der Technologieaktien an den internationalen Börsen und der im Herbst 2000 einsetzende und sich im ersten Halbjahr 2001 verschärfende Abschwung der US-Konjunktur hat viele Illusionen platzen lassen und die altbekannten ökonomischen Theorien wieder zu Ehren kommen lassen. Man sollte sich jedoch nicht täuschen: Auch wenn sich manche ökonomischen Heilsversprechungen der New Economy nicht erfüllt haben, so spricht doch vieles dafür, dass mit der Informationstechnologie eine Basisinnovation von epochaler Bedeutung Einzug gehalten hat. Als neue Querschnittstechnologie, die Produktionsprozesse in allen Wirtschaftsbereichen effizienter gestalten kann, dürfte die Wirkung der Informationstechnologie so einschneidend sein wie die Entwicklung der Dampfmaschine und der Elektrizität. Wir stünden dann am Beginn eines neuen so genannten Kondratjeff-Zyklus (vgl. Baustein A). Ganz gleich ob man der Theorie der „langen Wellen" der Weltkonjunktur folgt oder nicht, es lässt sich nicht leugnen, dass sich die Wirtschaft in Europa und weltweit in einem tief greifenden Umbruch befindet, der auch mit dem Begriff „Globalisierung" umschrieben wird. Globalisierung erscheint als eine „Kombination von Freihandel und moderner Informationstechnologie" (Joachim Starbatty). Das Internet erlaubt es, unvorstellbare Datenmengen in Bruchteilen von Sekunden um den Globus zu schicken, Informationen über Preis-, Zins- und Qualitätsdifferenzen weltweit verfügbar zu machen und zu nutzen. Vor allem für die Finanzmärkte wird dieses Medium immer wichtiger; nationale Zugriffe auf die Märkte werden immer schwieriger. Auch Phänomene, die mit Begriffen wie Kapitalisierung, Ökonomisierung und Akzeleration umschrieben werden, verdienen nähere Betrachtung. Für manche Jungunternehmer ist die New Economy keine neue Branche, sondern ein Lebensgefühl, eine neue Lebensform oder auch eine neue Unternehmerphilosophie, die auf neue Kooperationsformen, Risikobereitschaft, technische Innovation und flache Hierarchien bis zur Verwischung von Grenzen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerrollen setzt. Damit ist auch eine neue Definition von Arbeit verbunden: „Industrieproduktion erfordert den Transport des Produktionsfaktors Mensch zu den Produktionsstätten, Computernetze hingegen bringen den Produktionsfaktor Information zu den Menschen. Bei vielen Formen von Informationsarbeit wird der Zwang zum kasernierten Arbeiten aufgehoben. Arbeit bezeichnet dann wieder das, was man tut, nicht wohin man geht ... (oder) was man hat. Das Denken in der traditionellen Kategorie Arbeitsplatz wird aufgegeben werden müssen..." (Ulrich Klotz: Neue Unternehmensmodelle führen zu einer anderen Definition von Arbeit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Mai 2000, S. 33). Unbestreitbar ist auch, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie für den Arbeitsmarkt immer wichtiger wird. Gegenwärtig sind rund eine Million Menschen (2,7 % der Beschäftigten) in diesem Sektor tätig. Doch der Bedarf steigt rapide und kann trotz Greencard-Regelung nicht gedeckt werden. Unterrichtspraktische Hinweise Die angebotenen Materialien (Texte, Diagramme und Schaubilder) sollen lediglich einige Facetten in diesem sich ständig ändernden Mosaik in das Blickfeld der Schüler rücken. PC, Handy, Internet und Kabelfernsehen gehören überdies schon völlig selbstverständlich zur Alltagswelt der jungen Leute. Deren Bedeutung für die moderne Wirtschafts- und Arbeitswelt deutlich zu machen, elementare Zusammenhänge aufzuzeigen und zu einem kritischen Umgang mit den neuen Technologien anzuregen ist Ziel des Bausteins. Technischer Fortschritt (B 1 bis B 3) Die Frage nach neuen Formen des Wirtschaftens und der Produktion kann an den Anfang des Bausteins gestellt werden. Was ist technischer Fortschritt? Wodurch wird er ausgelöst? Welche Folgen sind jeweils damit verbunden? Die Karikatur B 1 kann ebenso wie die Fotomontage B 2 als stiller Impuls wirken. Bei B 1 kann man natürlich auch danach fragen, wer die „Metaller" und die „Faustkeilindustrie" des Jahres 2001 sind; welche Berufe und Branchen von PC und Internet verdrängt oder stark verändert werden. Die „Synthese" genannte Fotomontage B 2 von überdimensionalem Mikrochip und ausgetrocknetem Talgrund (Silicon-Valley) könnte die Phantasie anregen, über die Wirkungen der Mikroelektronik nachzudenken und Leitfragen für den weiteren Unterrichtsgang zu formulieren. Um Begriff und Herleitung des Begriffs New Economy aus der US-Wirtschaft der neunziger Jahre geht es in B 3. Dabei sollen die Kriterien untersucht werden, die für die Begriffsbildung maßgebend waren. Es ist sicher hilfreich, sich auf einen Arbeitsbegriff New Economy zu einigen und im Übrigen von „Neuer Ökonomie" zu sprechen, – was sich auch weniger bombastisch anhört. Informations- und Kommunikationstechnologie (B 4 bis B 9) Wirkung und Bedeutung der Kommunikations- und Informationstechnologie
werden in den Materialien B 4 bis B 9 aufgegriffen. Der Text
von Stephan Lorz (B 4) beschreibt mit dem Stichwort „Virtualisierung"
die umwälzende Wirkung der Informationstechnik. Die von
ihm aufgezeigten Phänomene sind für das Verständnis
der Globalisierung wichtig – auch wenn der Text sehr anspruchsvoll
ist. B 5 bis B 9 zeigen, dass die Bedeutung des IT-Bereichs
als Wirtschaftsfaktor zunimmt und dass Deutschland im internationalen
Vergleich zurückliegt. Gemessen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen
machen die IT-Spezialisten (B 6) noch einen kleinen Prozentsatz
aus, doch kann hier von einem stark wachsenden Bedarf ausgegangen
werden. Auch die Zahl der Deutschen, die online im Internet
einkaufen, ist noch sehr gering. Akzeleration und Kapitalisierung (B 10 bis B 12) Mit Akzeleration und Kapitalisierung (B 10, B 12) werden zwei weitere Erscheinungsformen der Neuen Ökonomie vorgestellt, mit denen wir alle nahezu täglich konfrontiert sind. Während es sich bei der Akzeleration um ein allgemeines zivilisatorisches Phänomen handelt, das auch bereits eine Gegenbewegung (Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit) hervorgerufen hat, ist die globale Kapitalisierung eine Folgewirkung des Internets, das zu den am heftigsten kritisierten negativen Auswirkungen zählt. Die Ursachen und Folgen globaler Finanzspekulationen können hier kritisch erörtert werden. B 11 zeigt die seit Ende der achtziger Jahre in Deutschland auseinander klaffende Schere von Börsenumsätzen und Umsätzen im verarbeitenden Gewerbe. Selbstverständnis und Eigenarten der New Economy (B 13 bis B 15) Sprache, Selbstverständnis und Eigenart der in der New Economy Beschäftigten können anhand dieser Materialien behandelt werden. Ausgangspunkt für diesen Unterrichtsschritt kann die Werbung des Versicherungskonzerns Gerling sein, über dessen graphische Darstellung des Unterschieds von „Old" und „New" Economy sich trefflich streiten lässt (B 13). Zum Beispiel: Welche Assoziationen weckt der Vergleich? Auf welches Selbstverständnis lässt die Grafik schließen? Trifft dies auch die Realität? Spontaneität, Kreativität und betonte Jugendlichkeit galten und gelten als hervorstechendes Merkmal der NE-Generation. B 14 dokumentiert das in der Branche übliche Denglish und das für den Laien völlig unverständliche Fachchinesisch. Mithilfe von B 15 kann der Typ des so genannten Yettie charakterisiert werden: Sind Ihnen Yetties sympathisch? Welche Qualifikationen muss ein solcher Mensch haben? Welcher Preis ist für den beruflichen Erfolg zu bezahlen? Welche Gefahren sehen Sie in dieser Entwicklung? Ein neuer Arbeitsmarkt (B 16 bis B 18) Den rapide wachsenden Bedarf an IT-Fachkräften erschließen B 16 bis B 18. Ob und in welcher Weise die Green-Card-Problematik erörtert werden kann, hängt sicher auch vom Zeitansatz ab. Wichtig ist jedoch die Tatsache, dass jede ausländische IT-Fachkraft mehr als zwei Arbeitsplätze für Inländer schafft. Die Diskussion muss auch in den Kontext der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit gestellt werden. Aufstieg und Fall der Neuen Ökonomie (B 19 bis B 22) Die Grafiken und Texte zeigen die Auswirkungen der Baisse an den Börsen auf den besonders wichtigen Telekommunikationsmarkt. Das Bild ist durchaus nicht einheitlich: Der Mobilfunkmarkt (B 20) zeigt weiter einen Aufwärtstrend, während die Aktien der Deutschen Telekom eine rasante Talfahrt hinter sich haben. B 21 erörtert Chancen und Risiken der UMTS-Technologie und stellt dazu vier Szenarien vor. In B 22 äußert sich der SAP-Mitbegründer Plattner über Aufstieg und Fall der New Economy. Ökonomisierung (B 23 bis B 26) Im Anschluss an die Frage nach dem typischen IT-Fachmann
und dessen typischem Berufsumfeld kann man danach fragen, ob
diese Entwicklung (zwangsläufig?) weitere, vielleicht sogar
alle Lebensbereiche erfasst. Unter dem Schlagwort Ökonomisierung
(B 23 bis B 26) wird eine weitere Begleiterscheinung, möglicherweise
ein Wesensmerkmal der neuen Art des Wirtschaftens aufgegriffen,
das ein erhebliches Gefahrenpotenzial für unser Menschenbild,
aber auch für Staat und Gesellschaft birgt. Zukunftsperspektiven (B 27 bis B 29) Am Schluss kann wieder die Eingangsfrage nach der Zukunft des Fortschritts aufgegriffen werden. Inwieweit der Sachverständigenrat die Neue Ökonomie als Hoffnungsträger sieht, welche Chancen und Risiken für die Zukunft der deutschen Wirtschaft sich eröffnen, kann anhand des Textes B 27 erarbeitet werden. Das Battelle-Institut hat zehn Leittechnologien bis 2020 entwickelt (B 28). Eine kritische Auseinandersetzung mit dem stellenweise futuristisch anmutenden Szenario kann den Baustein abschließen. Das Blickfeld soll auch andere Zukunftstechnologien erfassen. Die Janusköpfigkeit des Fortschritts, die enge Gratwanderung zwischen Zukunftshoffnung und Zukunftsangst, zwischen Optimismus und Skepsis kann jedenfalls anhand von B 28 und der Karikatur B 29 klar werden.
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