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Zeitschrift Wirtschaft im Wandel BAUSTEIN AWachstum und Konjunktur in der Bundesrepublik Deutschland
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Der konjunkturelle Abschwung des Jahres 2001 hat auch Deutschland erreicht. Bei weiter hohen Arbeitslosenzahlen stieg die Teuerungsrate auf über drei Prozent, ging die Auslandsnachfrage zurück und auch der private Konsum ließ trotz Steuerentlastung eher nach. Die Zuwachsrate des Bruttoinlandsproduktes betrug in den ersten drei Monaten nur noch 1,6 Prozent – im Vergleich zu den vergangenen Jahren enttäuschend gering. Bildlich ausgedrückt: Das Konjunkturauto bremst, es fährt jedoch immer noch vorwärts. Schon ist eine Diskussion darüber entbrannt, wie die Wirtschaftspolitik auf die geringeren Steuereinnahmen reagieren soll: Ausgabenkürzungen oder höhere Staatsverschuldung. Konjunkturprogramme lehnt die Bundesregierung (zumindest derzeit noch) ab. Der Baustein befasst sich mit den Grunddaten der gegenwärtigen Wirtschaftslage in der Bundesrepublik Deutschland und ihren Einflussfaktoren. Von „Konjunkturanalyse" zu sprechen, wäre sicher zu hoch gegriffen, aber elementare Begriffe und Zusammenhänge der konjunkturellen Entwicklung werden vorgestellt. Die Globalisierung und das wirtschaftliche Zusammenwachsen Europas haben das Instrumentarium nationalstaatlicher Konjunkturpolitik entscheidend verändert und verkleinert. Im zweiten Teil sollen aber die Probleme einer Stabilisierungs- und Wachstumspolitik unter den veränderten Umständen einer weltweiten Rezession zumindest angerissen werden, auch wenn hier klare Konzepte noch nicht erkennbar sind.
Unterrichtspraktische Hinweise Als Einstieg bieten sich selbstverständlich aktuelle Zeitungsartikel, Schaubilder und Karikaturen an. Die Materialien A 1 bis A 6 thematisieren den Begriff „Wachstum" als Einstiegsfrage. Was ist Wachstum? (A 1 bis A 6) Jahrelang war das Bruttosozialprodukt (BSP) gängigster und bekanntester Maßstab für den ökonomischen Erfolg einer Volkswirtschaft. Im Herbst 1992 hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Messlatte umgestellt. Damit passt sich die amtliche Statistik der Praxis anderer Industrienationen wie zum Beispiel USA und Japan an. Seit den siebziger Jahren wird diskutiert, ob diese quantitative Größe auch als Maßstab für den Wohlstand eines Landes taugt. Dass dies nicht generell der Fall ist, wird klar, wenn man berücksichtigt, dass das reale BIP pro Kopf nichts aussagt über
Heute werden „quantitatives" und „qualitatives" Wachstum – ergänzt durch das Prinzip der Nachhaltigkeit – nicht mehr als unumstößliche Gegensätze verstanden. Für die Beantwortung konjunktur- und verteilungspolitischer Fragen haben sich die Maßstäbe BIP oder BSP bewährt. Um dem qualitativen Aspekt besser gerecht zu werden, bietet das Statistische Bundesamt neben der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auch umweltökonomische Gesamtrechnungen an. Es ist unbestritten, dass der seit der Industrialisierung anhaltende Prozess wirtschaftlichen Wachstums (A 2 und A 4) zu einer Erhöhung des Lebensstandards geführt hat, der noch vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbar war. Die Materialien A 6 a–c zeigen verschiedene Betrachtungsweisen des Bruttoinlandsprodukts als Maßstab für Vergleiche aller Art. So vergleicht A 6 b die Wachstumsraten zwischen den deutschen Bundesländern und erstellt eine „Wachstumsliga". Auffallend ist z. B. das Nord-Süd-Gefälle. Hier könnte man nach den Gründen für diese Unterschiede fragen. Deutschland ist Spitzenreiter, was die Bevölkerung und das BIP anbelangt (A 6c). Durch eine einfache Rechenoperation (BIP geteilt durch die Bevölkerungszahl = BIP pro Kopf) können die Schüler eine neue Rangliste erstellen. Ein Gespräch über die mit solchen Darstellungen (wie in A 6) verbundenen Absichten und deren Sinn kann den kritischen Umgang mit statistischem Material schärfen und zu einer umfassenderen Wachstumsdebatte überleiten. Ausgehend von A 5 lässt sich darüber diskutieren, ob der wissenschaftlich-technische Fortschritt die Wachstumsproblematik lösen kann. Da „Wachstum" (genauer müsste man von einer Zunahme der Produktion von Gütern und Dienstleistungen sprechen) eine Grunderscheinung unserer Industriegesellschaft ist, können einige zentrale Fragestellungen bereits hier skizziert werden, zum Beispiel:• Wie entsteht eigentlich Wirtschaftswachstum?
Größen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (A 7 bis A 8) Diese Materialien erläutern wichtige Größen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Man unterscheidet je nach Blickwinkel Entstehungs-, Verwendungs- und Verteilungsrechnung. Entstehungsrechnung des BIP: Grundlage ist der Beitrag der einzelnen Wirtschaftsbereiche, die Wertschöpfung. Die grobe Einteilung in Gütererzeugung, Güterverteilung und Dienstleistungen gibt Auskunft über die Wirtschaftsstruktur (A 6 a und A 7) und deren Veränderung, wenn man diese Daten in einer Zeitreihe vergleicht (Strukturwandel). Verwendungsrechnung des BIP: Der größte Teil des BIP wird für den Konsum verwendet. Im Jahr 2000 betrug diese Konsumquote 77 Prozent. Der Rest legte den Grundstock für die Produktion des kommenden Jahres (in Form von Erneuerung und Erweiterung der Produktionsanlagen). Die Höhe der Investitionen hat entscheidende Bedeutung für das weitere Wirtschaftswachstum. Diese Investitionsquote belief sich im vergangenen Jahr auf 22,7 Prozent (A 7). Beim Konsum wird zwischen Individual- und Kollektivkonsum, das heißt zwischen Privatkonsum (58,1 %) und Staatsverbrauch (18,9 %) unterschieden. Die Verteilung des Volkseinkommens (A 8) zeigt die Verteilung auf die Faktoren Kapital (Unternehmer- und Vermögenseinkommen) und Arbeit (Löhne und Gehälter = Arbeitnehmerentgelte). Man erhält das Volkseinkommen, wenn man vom Bruttonationaleinkommen (früher BSP) die Produktions- und Importabgaben (Steuern, Zölle) und die Abschreibungen (für Abnutzung der Produktionsanlagen) abzieht. Man spricht hier von funktioneller Einkommensverteilung. Sie ist nicht identisch mit der personellen Einkommensverteilung, da viele Arbeitnehmer auch Einkommen aus Kapitalvermögen (z. B. Zinsen, Mieten, Dividenden) beziehen. Die Bezeichnung „Gewinnquote" für den Anteil Unternehmens- und Vermögenseinkommen ist deshalb irreführend, auch wenn hier die Unternehmensgewinne enthalten sind. Anhand von A 8 kann die Bedeutung der Lohnquote für die Tarifpolitik erörtert werden. Die Lohnquote schwankt stark mit der Konjunkturentwicklung. Im Aufschwung nimmt sie ab, im Abschwung zu. Grund dafür ist, dass die Unternehmensgewinne im Abschwung zurückgehen, die Arbeitseinkommen aber durch Tarifverträge gebunden sind. Ein wesentlicher Nachteil der Lohnquote ist, dass sie die Veränderungen der Beschäftigtenstruktur nicht berücksichtigt. Dem trägt die „bereinigte" Lohnquote Rechnung. Sie gibt die Quote an, die sich ergäbe, wenn das Verhältnis der beiden Erwerbstätigengruppen in Bezug auf ein Basisjahr gleich geblieben wären. So ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln für 1990 eine bereinigte Größe von 65,4 gegenüber der unbereinigten von 69,6 Prozent. Basisjahr war dabei 1970. Mithilfe von A 8 kann dieser Sachverhalt erläutert und dessen Bedeutung für die Konjunktur- und Tarifpolitik erörtert werden. Die Tabelle A 9 ist dem Monatsbericht Juni 2001 der Deutschen Bundesbank entnommen. Ihre Interpretation ist nicht ganz einfach und wohl nur auf der gymnasialen Oberstufe zu leisten. Lesehinweise zur Tabelle A 9
Als Anwendung der zuvor erarbeiteten Begriffe der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bietet die Tabelle A 9 eine Fülle von Möglichkeiten, um unter verschiedenen Fragestellungen durch Rechenoperationen und graphische Darstellungen ein Bild der Wirtschaftsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland von 1995 bis 2000 zu erstellen. Dabei kann man sich auf die Betrachtung des realen BIP (in Preisen von 1995) beschränken. Mögliche Aufgaben zu A 9
Beispielrechnung für 1995
Der Differenzbetrag 1,2 zu 100 Prozent ist der Anteil des so genannten „primären" Sektors (Landwirtschaft und Forstwirtschaft), der in den Tabellen der Bundesbank seit einigen Jahren gar nicht mehr ausgewiesen wird. (Dessen ungeachtet ist die Bezeichnung „primärer" Sektor erhalten geblieben.)
Legt das Modell A 4 zunächst die Vermutung nahe, die Konjunktur entwickle sich stetig nach oben, so wird durch die Darstellung der realen Zuwachsraten im Vergleich zum Vorjahr (A 10) klar, dass der Wirtschaftsablauf in der Bundesrepublik zyklischen Schwankungen unterliegt, die sich in vier Zeitphasen einteilen lassen: Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung und Rezession. Konjunkturen (A 10 bis A 13) In jüngster Zeit wird die Theorie von den „langen Wellen" (Kondratieffzyklen) als Erklärungsmuster für langfristige Trends in der Weltwirtschaft wieder hoffähig. (siehe Schaubild). Schaubild
Das Modell A 12 stellt den „typischen" Konjunkturverlauf dar. Idealtypisch fallen Produktion, Investitionen und Gewinne im Abschwung und in der Rezession, der Verbrauch stagniert oder geht leicht zurück, die Kapazitätsauslastung nimmt ab, die Arbeitslosigkeit steigt. Im Aufschwung und in der Hochkonjunktur nehmen Gewinne, Kapazitätsauslastung, Produktion und Beschäftigung zu, mit Verzögerung auch der Konsum und die Löhne. Diese Aussagen stützen sich auf beobachtete Faktoren in den einzelnen Zyklen bei den so genannten Konjunkturindikatoren. Die Konjunkturdiagnose ist in den letzten Jahren verfeinert worden und dient als Grundlage für Prognosen. Dabei sind „Frühindikatoren" wie Auftragseingänge besonders wichtig. Anhand der in A 11 aufgeführten Konjunkturindikatoren könnte der Bericht der Stuttgarter Zeitung präzisiert und konkretisiert werden. A 13 greift das Problem der Konjunkturprognosen auf. Empfohlen wird ein Vergleich der Prognosen im Einzelnen sowie eine Auseinandersetzung mit den von den Wirtschaftsforschungsinstituten gegebenen Begründungen und Ratschlägen. Stabilitätspolitik im Magischen Viereck Das Schaubild A 14 setzt die Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosigkeit und Preissteigerungsrate in Beziehung zu den Bundesregierungen seit 1949. Möglich ist eine über die gesamte Periode gehende Betrachtung der Zyklen und des Verhältnisses der einzelnen Faktoren zueinander. Man könnte auch danach fragen, ob und in welcher Weise die politische Verantwortung der Bundesregierungen für die Wirtschaft wahrgenommen wurde. Das Zielbündel des Stabilitätsgesetzes (A 15 und A 16) wird auch als Magisches Viereck bezeichnet, weil es nach Auffassung vieler Volkswirtschaftler nicht möglich ist, allen vier Einzelzielen zugleich gerecht zu werden. (Man vergleiche jedoch dazu die Wirtschaftsentwicklung der Aufbaujahre bis 1965.) Diese Ziele sind leicht quantifizierbar und unterscheiden sich dadurch von den in einem „Magischen Vieleck" genannten Zielen wie „gerechte" Einkommens- und Vermögensverteilung oder „gesunde" Umwelt. Im Folgenden werden ausgewählte Texte und Schaubilder zu drei Zielbereichen vorgestellt:
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht (A 17, A 18) Hinter den USA ist Deutschland das zweitgrößte Exportland der Welt. In den letzten Jahren lagen die Exporterlöse immer über den Importen (A 17 a). Das Ziel „Außenwirtschaftliches Gleichgewicht" gilt als erreicht, wenn der Außenbeitrag (Saldo der Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen) bezogen auf das nominale Bruttoinlandsprodukt 1,5 bis 2 Prozent im Jahr nicht übersteigt. Als stark mit der Weltwirtschaft verflochtenes Land soll Deutschlands internationale Zahlungsfähigkeit erhalten bleiben. Das geschieht dadurch, dass es vom Ausland auf Dauer nicht mehr Leistungen empfängt als es dorthin liefern kann. Ständig hohe Defizite in der Zahlungsbilanz bergen zudem die Gefahr der „importierten Inflation". Das Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts wurde in den letzten Jahren vernachlässigt, da der Export für die Bundesrepublik zu einer der wichtigsten Konjunkturstützen geworden ist. Über ein Drittel der in Deutschland produzierten Waren und Dienstleistungen wird ins Ausland verkauft. Anhand der Zahlen über die Handelsverflechtungen (A 17 b) sollte herausgearbeitet werden, welche wichtige Rolle ein freier Weltmarkt für uns spielt. Die Rolle der Terms of Trade kann bei einer Behandlung des Welthandels nicht außer Acht gelassen werden – besonders im Hinblick auf Länder der Dritten Welt. Der Text A 18 zeigt, dass die Terms of Trade der Bundesrepublik sich durch die hohen Energiekosten verschlechtert haben. Preisstabilität und Inflation (A 19 bis A 22) Zunächst geht es in A 19 um den Maßstab, mit dem man in der Bundesrepublik die Ausgaben für die Lebenshaltung misst. Im Vergleich der beiden Warenkörbe (A 19b) kann man über die Veränderungen des Verbraucherverhaltens sprechen. A 20 spiegelt zum einen eine Versechsfachung der Ausgaben für Nahrungsmittel in Deutschland in den letzten vierzig Jahren, wobei sich zum anderen der prozentuale Anteil an den gesamten Verbrauchsausgaben halbierte. Der Text A 21 stellt einen von der Europäischen Zentralbank angewandten harmonisierten Verbraucherpreisindex der Europäischen Union (HVPI) vor, der die Preisentwicklung in den Staaten der EU vergleichbar macht. Er setzt sich zusammen aus
Die Auswertung von A 21 zeigt, dass die Steigerung des HVPI auf eine stark gestiegene Energiekomponente zurückzuführen ist. Nach einer Analyse der jüngsten Verbraucherpreisentwicklung in Deutschland (A 22a und A 22b) soll der Frage nach Ursachen und möglichen Folgen nachgegangen werden. Vor allem die Auswirkungen auf die Reallöhne (A 22c) und die Haltung der Gewerkschaften kann näher beleuchtet werden. In diesem Zusammenhang muss auch über die Rolle der EZB gesprochen werden, die seit drei Jahren für die Stabilität des Geldwertes in Euroland verantwortlich ist. Als Zielwert gilt für die EZB eine Zunahme des HVPI unter 2 Prozent! (Siehe Baustein C.) Vollbeschäftigung und Arbeitslosigkeit Die hohe Arbeitslosigkeit ist seit vielen Jahren sicher das am gravierendsten verfehlte Ziel des Stabilitätsgesetzes. Eine gründliche Behandlung dieses wichtigsten Problems würde aber nicht nur den Rahmen des Bausteins sprengen. Die angebotenen Materialien beschränken sich deshalb auf ausgewählte Aspekte der konjunkturell bedingten Arbeitslosigkeit, wobei weitgehend Einigkeit darüber besteht, dass die hohe Sockelarbeitslosigkeit strukturell bedingt ist. Die Emnid-Umfrage vom Frühjahr 2001 (A 23) zeigt, dass die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nach wie vor als die wichtigste politische Aufgabe angesehen wird. Bemerkenswert ist auch, wie viele wirtschaftliche Fragen als Aufgabenbereich der Politik angesehen werden.
Als Einstieg in diese Unterrichtssequenz eignen sich die Karikaturen (A 24 und A 25). Thematisiert sind der Arbeitsplatzverlust durch Automatisierung (IT-Bereich, New Economy) und der Konjunkturaufschwung ohne Beschäftigungseffekt. Für die Sachanalyse können die Tabellen und Schaubilder A 26 bis A 28 herangezogen werden. Die Tabelle A 26 ermöglicht dabei eine sehr differenzierte Untersuchung der Entwicklung. A 27 vermittelt eine Momentaufnahme des deutschen Arbeitsmarktes im Juli 2001 und zeigt regionale Schwachstellen. (Ost-West-Gefälle? Nord-Süd-Gefälle?) Wer einen längeren Zeitraum untersuchen und dazu Näheres über die Arbeitslosen erfahren möchte (Qualifikation, Geschlecht, Alter, Dauer der Arbeitslosigkeit etc.), kann dies mit Hilfe von A 28 tun. Das Problem der „Schattenwirtschaft" oder der „Schwarzarbeit" (A 29) kann in diesem Zusammenhang in ihrer Bedeutung für den Arbeitsmarkt diskutiert werden. Mögliche Fragen zu A 29: Was kann man alles zur „Schattenwirtschaft" zählen? Warum arbeiten Beschäftigte und Arbeitslose „schwarz"? Was könnte man wirkungsvoll gegen Schwarzarbeit tun? Es wird interessant zu beobachten sein, wie die konjunkturelle Abkühlung des Jahres 2001 sich auf die Beschäftigung auswirkt. A 30 zeigt die enorm hohen gesellschaftlichen Kosten der Arbeitslosigkeit und die damit zusammen hängenden Finanzierungsprobleme. Als Erfolgsmodell der neunziger Jahre in Sachen Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum werden in den Medien immer wieder die USA genannt. Der Vergleich A 31 liefert Ansätze für einen (wenngleich hier nur oberflächlichen) Vergleich. Bei der Diskussion um geeignete Strategien zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit stehen zwei grundsätzlich verschiedene Modelle gegenüber, die in A 32 schematisch dargestellt sind. Als durchschlagendes Rezept gegen die schon seit Jahrzehnten anhaltende Massen-Arbeitslosigkeit hat sich keine der beiden Strategien erwiesen.
Wirtschaftspolitik (A 33 bis A 35) Bevor im letzten Teil die von der Bundesregierung heute verfolgte Wirtschafts- und Konjunkturpolitik zum Gegenstand gemacht wird, ist es notwendig und sinnvoll, sich die Rolle des Staates und der übrigen Akteure in Erinnerung zu rufen. Der Staat setzt nicht nur die Rahmenbedingungen der Wirtschafts- und Sozialordnung, er tritt auch selber massiv als Nachfrager und Anbieter von Kapital, Arbeit und Gütern am Markt auf. Dies kann anhand des Bundeshaushalts (A 33a) und der wichtigsten Steuerquellen 2001 (A 33b) erläutert und diskutiert werden. Eine wichtige Messzahl ist in diesem Zusammenhang die so genannte Staatsquote, das heißt der prozentuale Anteil der Staatsausgaben insgesamt am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Sie betrug 1999 noch 45,9 Prozent, nachdem sie 1995 mit 50,8 Prozent ihren bisher höchsten Wert erreicht hatte. Im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik Deutschland damit im oberen Bereich. Dass der Bund nicht allein das konjunkturpolitische Feld beherrscht, zeigt ein Blick auf die übrigen Akteure:
Dieser Vielzahl von Akteuren entspricht eine noch erheblich größere Zahl unterschiedlicher Ziele, Instrumente und Konzepte. Das Schaubild A 34 informiert über den deutschen Beitrag zum europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt. Diese aus den EWS-Verträgen (vgl. Baustein C) herrührenden Verpflichtungen zum Abbau der Staatsschulden und zur Begrenzung der Staatsausgaben setzen einer aktiven staatlichen Konjunkturpolitik in Zeiten des Abschwungs enge Grenzen. Die Grundlinien der konjunkturpolitischen Debatte werden in A 35 a–b deutlich: Bundes-Regierung: keine Konjunkturprogramme, Konsolidierung der Staatsfinanzen, Entlastung der Wirtschaft durch Steuersenkung und Senkung der Lohnnebenkosten u. a. Ein Gutachter: Kaufkraftsteigerung durch Vorziehen der Steuerreformschritte von 2003 und 2005 auf das Jahr 2002. Da es ungewiss ist, wie lange der gegenwärtige Abschwung anhalten und wie tief er gehen wird, wird die Debatte um die wichtigen Konzepte wohl noch eine Weile anhalten. Der Lehrer wird sich dann aktueller und politisch kontroverser Stellungnahmen im Unterricht bedienen.
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