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Zeitschrift Wirtschaft im Wandel New Economy – Neue Ökonomie B 4 bis B 9 Informations- und Kommunikationstechnologie |
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Das Telefonnetz ist zum Nervensystem der Wirtschaftswelt geworden. Kommunikative Macht lässt Unternehmen wachsen oder sterben, Produkte entstehen oder vergehen. Denn das Telefon überträgt den wichtigsten Bestandteil für den Wertschöpfungsprozess schlechthin: Informationen, Wissen, Know-how. Das Wissen, wie Produkte zu verbessern sind, wie neue Märkte aufgetan werden können und wo es sich zu investieren lohnt, hat sich längst als der bedeutendste Produktionsfaktor schlechthin herausgestellt – neben den „klassischen" Faktoren Boden, Arbeit, Kapital.
Know-how aber ist immateriell. Es gehört zum Reich der Software, die nicht nur im Sektor der EDV die Welt der Hardware bestimmen wird – die Welt der Gegenstände, des Stahls, der harten Arbeit, die man im Schweiße seines Angesichts vollbringt. „Bits statt Atome!" lautet das Schlagwort; „Entstofflichung" nennen es vornehmer die Wissenschaftler, weil ein immer kleinerer Teil in der Wertschöpfungskette der eigentlichen Produktion gewidmet wird. Schon heute ist die Mikroelektronik in einem Auto wertvoller als die Karosserie, ist der Wissensanteil am Computerchip um zigtausendfach wertvoller als der Quarzsand, aus dem er gefertigt ist. Selbst Werkzeugmaschinen oder Konsumgüter sind oft nur noch in dem Sinne „stofflich", als sie physisch vorhanden sind. Gemessen an den Komponenten ihrer Wertschöpfung sind sie längst zum Großteil virtuell erzeugt. Dynamit für die Arbeitswelt Dieses Wissen ist nicht neu. Neu ist nur die Relation: Nicht mehr die Mehrheit der amerikanischen Erwerbstätigen hat noch etwas mit Produktion und Herstellung zu tun wie noch vor dreißig Jahren, sondern nur ein gutes Sechstel. Ähnlich die deutsche Entwicklung. Alle anderen verwalten, erfinden, verarbeiten Informationen, bieten Dienstleistungen aller Art an ... Das Internet als gewaltige Bibliothek, die Großrechner als Regale, die Personalcomputer als Bücherborde – alles erschließt sich dem Privatnutzer vom heimischen PC aus. Immer mehr Güter lassen sich von ihrem atomaren Zustand in den digitalen überführen: Bücher, Musik, Blaupausen, Dienstleistungen, Informationen schlechthin, also genau jener Teil in der Wertschöpfungskette, der sich auch als ihr wichtigster entpuppt hat. Das macht es den Nationalstaaten fast unmöglich, alte Ordnungsstrukturen aufrechtzuerhalten. Wenn immer größere Teile der Wirtschaft in den Cyberspace abtauchen, werden die alten Instrumente der Politik stumpf. Betriebe, welche sich über mehrere Länder, ja Kontinente erstrecken, überspringen nicht nur Zeitzonen, sondern erst recht nationale Rechtsgrundlagen. Welches Sozialrecht etwa gilt in internationalen Datennetzen? Welche Arbeitsschutzbestimmungen hat der virtuelle Raum? Ladenschlusszeiten sind im Internet ohnehin passé. Homepages haben 24 Stunden lang geöffnet – ob in den USA, Schweden oder Deutschland ... Aber der Fiskus kann sich trösten: Die Mehrwertsteuer wird künftig eine größere Rolle spielen. Irgendwann nämlich werden die meisten Bits wieder zu Atomen, wenn die – nicht digitalisierbaren – Güter über den Postweg oder den Supermarkt zum Kunden gelangen. Dann gibt es eine Zwei-Klassen-Steuergesellschaft. Was sich in Atomen kondensiert, was physische Präsenz von Unternehmen, Personen oder Gütern erfordert, dessen wird der Gesetzgeber habhaft. Alles andere entzieht sich seinem Zugriff. Eine neue Gerechtigkeitsdebatte dürfte auf uns warten. Stephan Lorz: Virtualisierung. Der digitale Kapitalismus. Rheinischer Merkur Nr. 8 vom 25.2.2000, S. 15
B 5 Anteile der Informationstechnik international
B 6 Beschäftigte in Deutschland
B 7 Alltagsmedium Internet
Grafiken: Kaiser, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.1.2001
B 8 Kommunikationszentrale Haushalt
B 9 Neue Techniken in Unternehmen
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