Zeitschrift 

Mitmachen statt Zuschauen

BAUSTEIN A:
Der Sportverein

A 7 bis A 11 Warum wir dabei sind

Heft 4/2000 , Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis 


 A 7

  Ehrenamtliche Arbeit

In einer Meinungsumfrage an einer Realschule im oberschwäbischen Raum wurden 152 Personen (Schüler und Lehrer) befragt, was ihnen der Begriff "Ehrenamt" sagt. Am häufigsten wurden folgende Angaben gemacht:

  • Freiwillig
  • Unentgeltlich
  • Viel Arbeit für wenig Geld
  • Arbeiten für die Gesellschaft
  • Amt in Verein oder Partei
  • Besondere Aufgaben innehaben
  • Ohne Ehrenamt keine Vereine
  • Uneigennützig
  • "Ehrenhalber"
  • Nutzbringend
  • Soziales Engagement
  • Man trägt Verantwortung
  • Keine persönlichen Vorteile
  • Freiwillig gewählte Leute
  • Nicht selbstverständlich
  • Außerberuflich
  • Idealismus

Paul Hempfer

 

 A 8

  Ja, es lohnt sich

Motive für das Mitmachen können sein:

"Ich engagiere mich für eine gute Sache."

"Die Jugendarbeit gibt mir viel, darin gehe ich auf."

"Ich sehe, dass ich etwas bewegen kann."

"Mein ehrenamtliches Engagement hat mir schon manche berufliche Tür geöffnet."

"Im Verein habe ich gelernt, vor einer Gruppe von Menschen frei zu reden."

"Das Planen und Organisieren bringt mir auch im Privaten und Beruflichen sehr viel."

"Ich mache hier in der Gemeinschaft viele schöne und nützliche Erfahrungen."

"Mein Vorsitzender fördert mich, wo er kann."

"In einem Team Gleichgesinnter muss man einfach Spaß am Arbeiten haben."

Ein Kind sagte nach einer gelungenen Veranstaltung: "Danke für diesen schönen Tag."

Paul Hempfer

 

 A 9

  Motive

Warum stellen sich so viele Menschen in unseren Sportvereinen immer wieder freiwillig zur Verfügung?

Sie wollen

  • die Interessen anderer Menschen vertreten,
  • einen Teil unserer Gesellschaft mitgestalten und Einfluss nehmen,
  • Abwechslung vom beruflichen Alltag erleben,
  • neue Kontakte und Beziehungen mit Gleichgesinnten aufnehmen,
  • Anerkennung für geleistete Tätigkeiten erfahren,
  • bisher unbekannte Situationen und Herausforderungen erleben und die Erfahrung machen, diese bewältigen zu können,
  • die eigene Persönlichkeit stärken und Selbstbewusstsein gewinnen,
  • durch die Teilnahme an Aus- und Fortbildung neue Kompetenzen erwerben.

Im Rückblick bewerten 90 Prozent der früher ehrenamtlich Tätigen ihr Engagement als wertvolle Erfahrung. 78 Prozent der ehrenamtlich Tätigen bezeichnen ihr Engagement als wichtigen oder sehr wichtigen Teil ihres Lebens.

Deutscher Sportbund (Hrsg.): Danke. Arbeitshilfe zur Förderung ehrenamtlicher Mitarbeit im Sport. Frankfurt am Main 2000, S. 5 und 6

 

 A 10

  Was bringt's?

Ein Gespräch mit der Gymnasiastin Marina (17)

In welchen Bereichen engagierst du dich?
Als Übungsleiterin beim Mädchensport einmal wöchentlich und fast jedes Wochenende im Seniorenheim.

Warum machst du das?
Es macht mir sehr viel Spaß, mit Leuten umzugehen. Besonders die Arbeit mit Kindern macht mir sehr viel Freude. Gerne organisiere ich Veranstaltungen, zum Beispiel Aufführungen. Ich lerne auch viel, wenn ich die Übungsstunden vorbereite. Ich komme in Kontakt mit vielen Leuten, die ganz unterschiedlich sind. Eine kleine Aufwandsentschädigung erhalte ich außerdem.

Was bringt dir dieses Engagement?
Es zeigt mir, wie es ist zu arbeiten. Die Schule kann einem diese Übung nicht bieten, für die spätere Berufswahl sind solche Erfahrungen außerhalb der Schule aber sehr wertvoll. Ich lerne auch, mich durchzusetzen, zu planen und zu organisieren - gerade in der Jugendarbeit. Außer den vielen netten menschlichen Kontakten, bekomme ich auch eine gewisse Anerkennung. Zum Beispiel bewundern viele, wenn man sich in der Altenpflege engagiert.

Die Fragen stellte Angelika Schober-Penz

 

 A 11

  Vereinsbedürfnis

Von Hannes Lockenvitz

Selbst unser Dorf, das muss so sein,
hat neben dem Gesangverein
den Club, in dem man turnt und spielt
und mit dem Ball auf Tore zielt.

Dann gibt's die Schützen, Schach und Rodeln,
Hausfrau'ngymnastik, Tennis, Jodeln,
Senioren-Jogging, Wassertreten,
den Faschings-Club und Leichtathleten.

Da können die Vereinsstrategen
in einem Dorf schon was bewegen.
Man setzt sich ein, man wagt und wankt,
man diskutiert und plant und schwankt -
es geht selbst innerfamiliär
mit heißen Köpfen hin und her.

Zwar schafft man's nie, bei solchen Sachen
es jedem jeweils recht zu machen -
doch wohl dem Dorf und wohl der Stadt,
wo man noch die Vereine hat;
denn da ist häufig unentgeltlich
ein wenig Menschlichkeit erhältlich,
weil man sich dort, genau betrachtet,
trotz aller Schwächen braucht und achtet.

Wohl ist so manchem mit den Jahren
der Hexenschuss ins Kreuz gefahren -
die Praxis ist daher mitunter
nicht mehr ganz jugendfrisch und munter.
Doch bleibt die Welt trotz allem heil:
Man fühlt sich als Gemeinschaftsteil
und macht sich als erfahr'ne Stütze
im Hintergrund ein wenig nütze.

Manch einer meint, der das nicht kennt,
das sei ein überlebter Trend -
doch insgeheim hätt er zuletzt
solch eine Tradition geschätzt,
wenn er, vereinsamt und verstockt,
allein in seiner Wohnung hockt
und wenn, nachdem sein Leben endet,
ihm niemand einen Nachruf spendet.

Hannes Lockenvitz: Und niemand räumt die Hürden fort. Zum Schmunzeln und Nachdenken für Menschen wie du und ich.
© Consens-Verlag Hellmuth Hirschel, Stuttgart 1990

 


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