|
In einer Meinungsumfrage an einer Realschule im oberschwäbischen
Raum wurden 152 Personen (Schüler und Lehrer) befragt,
was ihnen der Begriff "Ehrenamt" sagt. Am häufigsten wurden
folgende Angaben gemacht:
- Freiwillig
- Unentgeltlich
- Viel Arbeit für wenig Geld
- Arbeiten für die Gesellschaft
- Amt in Verein oder Partei
- Besondere Aufgaben innehaben
- Ohne Ehrenamt keine Vereine
- Uneigennützig
- "Ehrenhalber"
- Nutzbringend
- Soziales Engagement
- Man trägt Verantwortung
- Keine persönlichen Vorteile
- Freiwillig gewählte Leute
- Nicht selbstverständlich
- Außerberuflich
- Idealismus
Paul Hempfer
Motive für das Mitmachen können sein:
"Ich engagiere mich für eine gute Sache."
"Die Jugendarbeit gibt mir viel, darin gehe ich auf."
"Ich sehe, dass ich etwas bewegen kann."
"Mein ehrenamtliches Engagement hat mir schon manche berufliche
Tür geöffnet."
"Im Verein habe ich gelernt, vor einer Gruppe von Menschen
frei zu reden."
"Das Planen und Organisieren bringt mir auch im Privaten
und Beruflichen sehr viel."
"Ich mache hier in der Gemeinschaft viele schöne und
nützliche Erfahrungen."
"Mein Vorsitzender fördert mich, wo er kann."
"In einem Team Gleichgesinnter muss man einfach Spaß
am Arbeiten haben."
Ein Kind sagte nach einer gelungenen Veranstaltung: "Danke
für diesen schönen Tag."
Paul Hempfer
Warum stellen sich so viele Menschen in unseren Sportvereinen
immer wieder freiwillig zur Verfügung?
Sie wollen
- die Interessen anderer Menschen vertreten,
- einen Teil unserer Gesellschaft mitgestalten und Einfluss
nehmen,
- Abwechslung vom beruflichen Alltag erleben,
- neue Kontakte und Beziehungen mit Gleichgesinnten aufnehmen,
- Anerkennung für geleistete Tätigkeiten erfahren,
- bisher unbekannte Situationen und Herausforderungen
erleben und die Erfahrung machen, diese bewältigen
zu können,
- die eigene Persönlichkeit stärken und Selbstbewusstsein
gewinnen,
- durch die Teilnahme an Aus- und Fortbildung neue Kompetenzen
erwerben.
Im Rückblick bewerten 90 Prozent der früher ehrenamtlich
Tätigen ihr Engagement als wertvolle Erfahrung. 78 Prozent
der ehrenamtlich Tätigen bezeichnen ihr Engagement als
wichtigen oder sehr wichtigen Teil ihres Lebens.
Deutscher Sportbund (Hrsg.): Danke. Arbeitshilfe
zur Förderung ehrenamtlicher Mitarbeit im Sport. Frankfurt
am Main 2000, S. 5 und 6
Ein Gespräch mit der Gymnasiastin Marina (17)
In welchen Bereichen engagierst du dich? Als Übungsleiterin
beim Mädchensport einmal wöchentlich und fast jedes
Wochenende im Seniorenheim.
Warum machst du das? Es macht mir sehr viel Spaß,
mit Leuten umzugehen. Besonders die Arbeit mit Kindern macht
mir sehr viel Freude. Gerne organisiere ich Veranstaltungen,
zum Beispiel Aufführungen. Ich lerne auch viel, wenn ich
die Übungsstunden vorbereite. Ich komme in Kontakt mit
vielen Leuten, die ganz unterschiedlich sind. Eine kleine Aufwandsentschädigung
erhalte ich außerdem.
Was bringt dir dieses Engagement? Es zeigt mir,
wie es ist zu arbeiten. Die Schule kann einem diese Übung
nicht bieten, für die spätere Berufswahl sind solche
Erfahrungen außerhalb der Schule aber sehr wertvoll. Ich
lerne auch, mich durchzusetzen, zu planen und zu organisieren
- gerade in der Jugendarbeit. Außer den vielen netten
menschlichen Kontakten, bekomme ich auch eine gewisse Anerkennung.
Zum Beispiel bewundern viele, wenn man sich in der Altenpflege
engagiert.
Die Fragen stellte Angelika Schober-Penz
Von Hannes Lockenvitz
Selbst unser Dorf, das muss so sein, hat neben dem Gesangverein den
Club, in dem man turnt und spielt und mit dem Ball auf Tore
zielt.
Dann gibt's die Schützen, Schach und Rodeln, Hausfrau'ngymnastik,
Tennis, Jodeln, Senioren-Jogging, Wassertreten, den Faschings-Club
und Leichtathleten.
Da können die Vereinsstrategen in einem Dorf schon
was bewegen. Man setzt sich ein, man wagt und wankt, man
diskutiert und plant und schwankt - es geht selbst innerfamiliär mit
heißen Köpfen hin und her.
Zwar schafft man's nie, bei solchen Sachen es jedem jeweils
recht zu machen - doch wohl dem Dorf und wohl der Stadt, wo
man noch die Vereine hat; denn da ist häufig unentgeltlich ein
wenig Menschlichkeit erhältlich, weil man sich dort,
genau betrachtet, trotz aller Schwächen braucht und
achtet.
Wohl ist so manchem mit den Jahren der Hexenschuss ins
Kreuz gefahren - die Praxis ist daher mitunter nicht mehr
ganz jugendfrisch und munter. Doch bleibt die Welt trotz
allem heil: Man fühlt sich als Gemeinschaftsteil und
macht sich als erfahr'ne Stütze im Hintergrund ein wenig
nütze.
Manch einer meint, der das nicht kennt, das sei ein überlebter
Trend - doch insgeheim hätt er zuletzt solch eine
Tradition geschätzt, wenn er, vereinsamt und verstockt, allein
in seiner Wohnung hockt und wenn, nachdem sein Leben endet, ihm
niemand einen Nachruf spendet.
Hannes Lockenvitz: Und niemand räumt
die Hürden fort. Zum Schmunzeln und Nachdenken für
Menschen wie du und ich. © Consens-Verlag Hellmuth Hirschel,
Stuttgart 1990
|