Heft 3/98 Kein Ich ohne Wir
Baustein C: Die Schule und die Freunde
C 14 - C19 Die Bedeutung der Gleichaltrigen
C 14 Jung und Alt

Warum wollt Ihr denn nicht mit in den Zoo, das Affenfüttern hat doch immer soviel Spaß gemacht.
Aus Familienszenen, hrsg. vom Bundesministerium für Familie, Jugend und Gesundheit
C 15 Prioritäten der Jugend

Quelle: 12. Shell-Studie; Grafik: Sindelfinger Zeitung 25. 6.199 7, S. 16
C 16 Freunde
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C 17 Pfadis
Von freiwilligem Verzicht ist häufig die Rede, wenn Pfadfinder erklären, warum sie nicht mit Mama, Papa und der TUI in die Ferien fliegen. Da ist alles schon fertig. "Erst, wenn man sich die Dusche sel ber baut, wenn man ständig improvisieren muß, hat man nachher auch etwas zu erzählen", sagt Marvin Fromhagen, mit vierzehn Jahren der jüngste Wölflingsbetreuer am Ratzeburger See. "Man lernt, was man alles nicht braucht", ergänzt Carolin, "diesen Luxus, den jeder hat." Da übernachtet die resolute Sechzehnjährige doch lieber in Koten und Jurten und versucht, aus den Wölflingen eine ordentliche Sippe zu machen, welche die schwarzen Zelte aus knöpf- und schnürbaren Bahnen ohne fremde Hilfe aufbauen kann. "Wir dürfen keine Bücher und keine Gameboys haben", maulen Christoph, Niels und Sven. Sie wollen einen Cola-Automaten im Zelt, so einen, wie er nebenan steht, wo die Lübecker Feuerwehrjugend kampiert. Dort dröhnt Musik vom Band, aus einem Megaphon schallen Befehle, und die blitzblank gewienerten Feuerwehrbullis werden ständig hin und her gefahren. Die Nachwuchsfeuer wehr, meist männlich und in Uniform, versteht sich auch aufs Balzen: Die jungen Pfadfinderinnen klagen, daß ihnen auf dem Weg zu den Waschräumen ständig Beinchen gestellt werden. "Nicht beachten", wird ihnen geraten. Die Wölflinge ärgern sich zwar über ihre unbesinnlichen Nachbarn, geben sich aber tolerant. "Pfadfinder sind sozialer", sagt Marvin. "Beim Wandern drehen wir uns nach dem anderen um und vergewissern uns, ob der überhaupt noch da ist."
Ulrike Winkelmann: Pfadis, Lajus und Sozial-Hip-Hopper In: "Die Zeit" Nr 35 vom 22.8.1997 (Dossier)
C 18 Mitgliedschaften
| Mitgliedschaft in Vereinen und Organisationen (nach Alter) | |||
| Organisationen/Vereine | 12-14 | 15-17 | 18-21 |
| 1. Bürgerverein zur
Durchsetzung gesellschaftlicher/ politischer Ziele |
- |
- |
1 |
2. Gewerkschaftsjugend |
- | 2 | 2 |
| 3. Freiwillige
Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, Technisches Hilfswerk |
4 |
6 |
5 |
| 4. Heimatvereine wie
Volks- tanzgruppe, Trachtenverein |
4 |
2 |
2 |
| 5. Kirchliche,
konfessionelle Jugendgruppe |
13 |
9 |
7 |
| 6. Kulturverein, z. B. Theaterring, Jugendorchester | 9 |
6 |
5 |
| 7. Politische Partei | - | 1 | 1 |
| 8. Sportverein | 58 | 37 | 31 |
| 9. Umweltschutz-/Menschen- rechtsorganisationen wie Amnesty International, Greenpeace | 3 |
3 |
3 |
| 10. Fanclubs | 10 | 7 | 4 |
| 11. Jugendverband (z. B. Pfadfinder) | 5 |
4 |
3 |
(Angaben in Prozent)
Jugend '97: Zukunftsperspektiven, Gesellschaftliches Engagement, Politische OrientierungenlJugendwerk der Deut schen Shell (Hrsg.). Opladen: Leske und Budrich, 1997, S. 35 7
C 19 Kids werfen Kuscheltiere
Was früher Elvis Presley oder die Rolling Stones waren, sind heute die Backstreet Boys oder Caugth in the act, und monatlich kommen neue hinzu: "Boy groups sind das Ding der Neunziger."
Was anders ist als früher, ist das Publikum. Auf den Konzerten der Boygroups sieht man fast nur
Mädchen, junge Mädchen zwischen elf und fünf zehn, Mädchen aus allen sozialen Schichten: Kids. Nur ab und zu erblickt man einen Männerschopf zwischen Mädchenmähnen. Meistens handelt es sich um einen Vater, der seine Tochter sucht, oft vergeblich. Steht die Band dann endlich auf der Bühne, gibt es für die Fans kein Halten mehr. Die Pop Knaben müssen nicht einmal gut singen können, um die Teenager zur Raserei zu bringen. Die Mädchenmassen schieben sich immer näher an die Bühne heran, schließlich möchte jede ihrem Liebling so nahe wie möglich sein. Oft müssen Ordnungskräfte eingreifen und einzelne Mädchen aus der sie ein quetschenden Masse ziehen. Blaue Flecken sind da keine Seltenheit.
Völlig unbeeindruckt davon werfen die Teenager ihre Kuscheltiere und Blumen auf die Bühne. "I'll neuer break your heart", singen die Backstreet Boys aus Florida, aber wer ihre Fans ansieht, mag das nicht glauben.
Björn Gribbe: Kids werfen Kuscheltiere. Boygroups sind das Ding der Neunziger: Mädchen im Rausch. Jugendseite "Ju gend schreibt", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.5.1997, S. 3 7