Heft 3/98 Kein Ich ohne Wir
Baustein B: Meine Familie
B 11 - B14: Die Familie als soziale Gruppe
B 11 Was bedeutet Familie?
Frage: "Wenn Sie einmal an Ihre Familie denken: was bedeutet die Familie
für Sie?"
Dezember 1994, Zahlen in % |
Bevölk. insg. |
| Menschen, die sich gegenseitig helfen | 82 |
| Menschen, auf die ich bauen, denen ich vertrauen kann | 78 |
| Lieben und geliebt werden | 77 |
| Jemanden haben, der für mich da ist | 75 |
| Viel Freude | 72 |
| Menschen, die mich verstehen | 70 |
| Für Menschen Verantwortung tragen | 70 |
| Gemeinsame Unternehmungen | 70 |
| Menschen, die sich verbunden fühlen | 68 |
| Menschen, die mich anerkennen | 65 |
| Frei seine Meinung sagen können | 63 |
| Der Ort, wo ich so sein kann, wie ich bin | 62 |
| Rücksicht nehmen müssen | 60 |
| Ort, wo ich neuen Mut bekomme, wenn ich mal traurig bin | 60 |
| Geborgenheit, Ort, wo ich alle Sorgen vergessen kann | 58 |
| Menschen, auf die man stolz sein kann | 58 |
| Menschen, für die ich große Opfer bringen würde | 57 |
| Anregende Gespräche | 54 |
| Geregeltes Leben | 53 |
| Viel Zeit mit Kindern verbringen | 48 |
| Opfer bringen, verzichten müssen | 44 |
| Finanziell abgesichert sein | 40 |
| Ort, wo ich mich entfalten kann | 39 |
| Unter Menschen sein, die denken wie ich | 37 |
| Wissen, daß mir nichts passieren kann, wenn ich in Geldnot gerate | 33 |
| Erwartungen und Ansprüche erfüllen müssen | 32 |
| Streit, Auseinandersetzungen | 28 |
| Viel arbeiten müssen | 25 |
| Keinen Zwängen ausgesetzt sein | 24 |
| Daß man sein Leben lang gebunden ist | 21 |
| Streß | 19 |
| Immer scharf rechnen, den Pfennig umdrehen müssen | 15 |
| Von anderen abhängig sein | 14 |
| Unruhe, gestört werden | 13 |
| Langeweile | 5 |
| Gemeinsame Arbeit | 2 |
Elisabeth Noelle-Neumann, Renate Köcher (Hrsg.): Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1993-1997, München: K. G. Saur, S. 104
B 12 Liebe, Ehe, Kinder und Karriere
Sechs 17jährige Münchener Gymnasiasten diskutieren mit
"Focus"
Focus: Möchtet ihr später heiraten und Kinder haben?
Waltraud: Kinder möchte ich auf jeden Fall. Ich glaube, daß sie Halt geben. Aber heiraten? Muß nicht sein.
Claudia: Stimmt, heiraten will ich auch nicht unbedingt. Ob ich Kinder will, weiß ich noch nicht genau. Vielleicht adoptiere ich welche.
Martin: Konkrete Vorstellungen habe ich nicht. Ich weiß nur, daß ich nicht jung heiraten möchte. Es braucht schließlich lange, bis man jemanden wirklich kennt. Ich will mir sicher sein, daß es nicht schiefgeht.
Focus: Wer ernährt die Familie?
Waltraud: Bevor ich Kinder kriege, will ich finanziell unabhängig sein. Wenn ich wenig verdiene, ist das egal. Heute zum Beispiel bin ich auch gerade pleite, und es geht irgendwie.
Lukas: Aber du hast heute keine Verantwortung, deshalb geht es. Ich stelle mir vor, daß ich erst Kinder habe, wenn ich Geld verdiene, also nicht vor 30. Claudia: Wer den besseren Job hat, sollte arbeiten, und der andere kümmert sich hauptsächlich um die Kinder - egal ob Mann oder Frau.
Focus: Wie stellt ihr euch euren Lebenspartner vor? Waltraud: Ich glaube an die große Liebe. Wie sie sein wird, weiß ich nicht. Aber ich freue mich darauf. Leopold: Mann und Frau müssen sich ergänzen. Jeder sollte sein Leben perfekt mit dem des anderen verbinden.
Sabine: Ja, keiner darf von dem anderen abhängig sein. Das ist ganz wichtig.
Lukas: Ich glaube nicht, daß es funktioniert, wenn die Frau Karriere machen will. Das geht einfach nicht mit Kindern. Da muß sie zu Hause bleiben.
Focus: Was glaubt ihr, weshalb sich so viele Ehe paare scheiden lassen?
Claudia: Sie geben sich zuwenig Mühe miteinander.
Lukas: Stimmt, und es wird zu spontan geheiratet. Martin: Ja, das finde ich auch. Alles geht viel zu schnell. Auch Kinder kommen zu schnell. Es ist schrecklich, wenn die Eltern sich nicht verstehen.
Focus: Würdet ihr eure Kinder so erziehen, wie ihr erzogen wurdet?
Leopold: Ich ja. Genauso.
Lukas: Ich auch. Meine Eltern haben immer Zeit, wenn ich sie brauche. Das ist das Beste an unserer Familie.
Martin: Vielleicht würde ich einiges anders machen. Ich finde, zu einer Familie gehört eine kleine heile Welt. Die möchte ich meinen Kindern bieten.
Focus: Wie wichtig sind Geld und Karriere?
Leopold: Ohne guten Job keine richtige Familie. Und
wenn es in der Familie stimmt, funktioniert es auch im Job.
Martin: Das ist doch eine Idealvorstellung.
Lukas: Wieso? Das sehe ich auch so. Ein Vater muß gut verdienen, um seiner Familie etwas bieten zu können.
Claudia: Blödsinn. Wichtig ist, daß Eltern für ihre Kinder da sind. Deshalb könnte ich mir auch vor stellen, den Wunsch nach einer Familie zurückzustellen, wenn der Job Spaß macht. Aber so etwas kann man nicht planen, das muß man auf sich zu kommen lassen.
Waltraud: Am wichtigsten ist Freiheit. Leider spielt Geld dafür eine riesige Rolle. Vor allem Frauen brauchen viel Geld. Deshalb sollten sie einen Super lob haben, um von Männern unabhängig zu sein.
Focus: Habt ihr einen Traum?
Sabine: Ich möchte mit 26 mein Studium beendet haben. Eigentlich hätte ich zwischendrin gern Kinder. Aber das funktioniert wohl nicht, also warte ich.
Lukas: Als Rentner zufrieden zurückschauen - das wär's. Und meine Kinder zu anständigen Menschen erziehen.
Leopold: Ich will wirklich große Dinge im Beruf bewegen, sozusagen ein wichtiges Zahnrad im Ge triebe sein.
Claudia: Und ich möchte irgend etwas im Weltgeschehen ändern.
Martin: Ich habe nur Tagträume.
Focus 46/1997, S. 61
B 13 Staat und Familie
Im Laufe der Geschichte haben sich die Aufgaben der Familie mehrfach
verändert. Die Familie hat aber nichts von ihrer zentralen Bedeutung für die Gesellschaft eingebüßt. Auch die heutige Familie sieht nach wie vor ihre vorrangige Aufgabe in
der Erziehung ihrer Kinder; sie setzt die Erziehungsziele und beeinflußt darüber hinaus
entscheidend den Bildungsweg der Kinder ... Die Bundesregierung fördert die Familie mit
dem Ziel, der Familie als Ganzes sowie Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die
bestmögliche Entfaltung zu sichern. Die Familie kann ... nicht ersetzt werden. Kinder
werden durch die Familie in Sprache, Denkweise und Werte unserer Kultur eingeführt.
Durch die Zuwendung der Eltern gewinnen Kinder das für ihre persönliche Entwicklung und
ihre Eingliederung in die Gesellschaft notwendige Vertrauen in ihre Umwelt ... Die gesetzgeberischen Maßnahmen auf dem Gebiet des Familienrechts zielen darauf ab, intakte
Familien ab zusichern und bei Störung der Familienverhältnisse die erforderliche
Hilfestellung zu geben ... Verbindungen, bei denen Mann und Frau eine Lebensgemeinschaft
bilden, die nicht auf der Grundlage einer rechtsgültig geschlossenen Ehe beruht, werden
vom Staat nicht als Ehe anerkannt. Bundesministerium für Familie und Senioren (Hrsg.):
Familienbericht, Band 3, Bonn 1979
B
14 Familienförderung
Mutterschutz: Kündigungsschutz während der Schwangerschaft und bis vier Monate nach der Entbindung. Sechs Wochen vor und in der Regel acht Wochen nach der Geburt des Kindes dürfen Frauen außerdem nicht arbeiten.
Erziehungsurlaub: Insgesamt für drei Jahre nach der Geburt möglich, Eltern können sich dabei bis zu drei Mal abwechseln. Während des Erziehungsurlaubs besteht Kündigungsschutz.
Pflege kranker Kinder unter 12 Jahren: Berufs tätige Eltern, die gesetzlich krankenversichert sind, können sich von der Arbeit freistellen las sen.
Kinderbetreuung: Kinder haben in der Regel ab zweieinhalb oder drei Jahren Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Für jüngere Kinder gibt es Krippen, für Schulkinder Horte.
Erziehungs- und Familienberatung: Angebote gibt es in fast jeder Gemeinde.
Familienerholung: Zum Familienurlaub gibt es oft Länderzuschüsse oder/und günstige Reiseangebote von Familienferienstätten.
Familienpaß der Deutschen Bahn AG: Familien, die für mindestens drei Kinder Anspruch auf Kindergeld haben, können den kostenlosen Familienpaß beantragen. Bahnfahrten kosten damit nur noch die Hälfte.
Verbilligter Eintritt in Museen etc.: Manche Länder und Gemeinden bieten Vergünstigungen für Familien (z. B. "Landesfamilienpaß" in Baden Württemberg).
Bausparkasse Schwäbisch Hall AG: Mosaik 2/1998