Heft 3/98  Kein Ich ohne Wir


Baustein B: Meine Familie
B 1 - B10: Was ist eine Familie ?


B1 Wer gehört dazu ?

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Frage:

Wenn du von deiner Familie sprichst: An wen denkst du dabei? Wen zählst du zu deiner Familie?

Fragestellung in Anlehnung an: Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1993-1997, Bd. 10, 1997, S. 105

B2 Familie verändert sich

Familie ist die Beziehung von "Mutter und/oder Vater - Kind" ebenso wie "Oma - Opa - Enkelkind" und "Onkel - Tante - Nichte/Neffe", aber auch von "Mutter-Vater - Partnerin - Kind". Familie ist der gemeinsame Haushalt, die gemeinsam erlebte und verbrachte Zeit, die gemeinsamen Bindungen.

Und vor allem: Familie verändert sich. Es gab auch früher eine Vielfalt der Lebensformen. Aber diese Vielfalt hat sich geändert. Anders geworden sind unsere persönlichen, gesellschaftlichen und moralischen Vorstellungen davon, wie eine Familie aussehen sollte. Wir leben und akzeptieren heute verschiedene Lebensformen und entscheiden uns selbst in den verschiedenen Lebensphasen für unterschiedliche Modelle. Wenn eine Frau heute allein mit ihren Kindern lebt - Männer tun dies in der Regel nicht -, dann tut sie es meistens unter großen Schwierigkeiten, aber oft aus einer wohlüberlegten Entscheidung heraus. Singles leben allein oder mit Partnerin in einer Haushaltsgemeinschaft - ebenfalls aus selbstgewähltem Verständnis und Entschluß heraus - unabhängig und/oder fern von der Ursprungsfamilie. Für viele von ihnen ist es auch nur eine Übergangszeit. Die Ehe ist jedoch nicht mehr notwendige Voraussetzung für Familie.

Familie heute. Ausgewählte Aufsätze zur Situation der Familie in Baden-Württemberg. Hrsg. vom Ministerium für Familie, Frauen, Weiterbildung und Kunst Baden-Württemberg, Stuttgart 1994, S. 5 f.

B3 Formen des Zusammenlebens

Verliebt, verlobt, verheiratet - das ist immer noch der beliebteste soziale Lebensweg der Deutschen. Von den 36,9 Millionen Haushalten im Jahr 1995 waren 52 Prozent Ehepaare. Ohne Kindersegen, aber mit standesamtlich bescheinigtem Treueschwur leben 8,9 Millionen Paare. Nur in 4,8 Prozent der Haushalte wurde die Liebe nicht mit einem Trauschein besiegelt. Ob gewünschte Freiheit oder ungewollte Einsamkeit - 7,8 Millionen Frauen und 5,1 Millionen Männer führen in Deutschland ein Single-Dasein. Mit Kindern, aber ebenfalls ganz allein auf sich gestellt leben 1,9 Millionen Deutsche - sie müssen sich als Alleinerziehende durch das Leben schlagen.

Globus

B4 Familientypen

Familien in Baden-Württemberg 1961 bis 1995 (1961 und 1970 nach Volkszählungen, ansonsten Ergebnisse des Mikrozensus)

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Statistisch-prognostischer Bericht 1997, Stuttgart 1997, S. 91

B5 Mutterrolle

"Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht." So steht es im Artikel 6 unseres Grundgesetzes. Traditionell werden diese Elternpflichten oft alleine der Mutter zugeschrieben. Aber im Selbst- und Rollenverständnis von verheirateten Frauen sind nachhaltige Veränderungen festzustellen. So ist die Erwerbstätigkeit in Verbindung mit günstigen Ausbildungsvoraussetzungen viel selbstverständlicher geworden.

Untergliedert nach der Kinderzahl ist die Erwerbstätigkeit von Müttern am höchsten bei den Müttern mit nur einem Kind, mit steigender Kinderzahl in der Familie nehmen die Erwerbstätigkeitsquoten deutlich ab. Der Wandel der Familie hat in der Lebensplanung der Frau in den letzten Jahrzehnten große Änderungen hervorgerufen. Gewandeltes Selbstverständnis und Rollenverständnis der Ehepartner führen zu veränderten Grundeinstellungen gegenüber Ehe, Familie und Kinderhaben.

B6 Vaterrolle

Mit den Veränderungen im Rollenverständnis der Frau wird auch die typische Männer- und Vaterrolle in Frage gestellt. Der Aufgabenbereich des Mannes darf nicht auf die Sicherung der ökonomischen Versorgung der Familie beschränkt bleiben, sondern muß eine Verantwortlichkeit für Haushalt und Kindererziehung einschließen. Wenn auch der Vater, der für sich "Mutterschutz" beansprucht, noch selten ist, so gibt es doch sichtbare Anzeichen dafür, daß sich das Rollenverständnis des Mannes bezüglich seiner Vaterrolle erheblich gewandelt hat.

B 5 und 8 6 in Anlehnung an: Grundkurs Politik, hrsg. von den LpB Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, StuttgartlMainz, Neuaufl. 1992, Baustein 11 (Familie), S. 7

B7 Elternrolle

Väter sind besser als ihr Ruf: Nach der Geburt eines Babys stellen auch sie ihr gesamtes Leben auf das Kind ein. Eine neue Studie trägt zu ihrer Ehrenrettung bei.

Zwar übernehmen noch immer ganz traditionell die Mütter die meisten Arbeiten im Haushalt und sind fast rund um die Uhr mit dem Kind beschäftigt. Doch auch für junge Väter verändert die Geburt eines Kindes den Tagesablauf. Kaum ist der Nachwuchs auf der Welt, treiben junge Männer weniger Sport als vorher, gehen weniger in Kneipen und sitzen mehr Zeit vor dem Fernseher. Am Wochenende verbringen sie einen Großteil ihrer Freizeit mit dem Kind. Dies sind aktuelle Ergebnisse eines Projekts am Staatsinstitut für Familienforschung der Universität Bamberg (ifb).

Die Studie ergab, daß die meisten Männer nach der Familiengründung ihr berufliches Engagement erhöhen. Doch nicht Flucht vor dem kleinen Schreihals zu Hause steckt dahinter, sondern eher die veränderte Einkommenssituation.

Durch den Wegfall des Einkommens der Partnerin, die vor allem in den ersten ein bis drei Jahren beim Kind zu Hause bleibt, kommt es zu starken finanziellen Einbußen, die häufig durch Überstunden des Vaters kompensiert werden.

Rund eineinhalb Stunden beschäftigen sich berufstätige Väter an einem Werktag mit ihrem Kind. Statt Windeln wechseln und füttern stehen dabei allerdings meist Spiele auf dem Programm.

Am Wochenende verbringen Väter im Durchschnitt drei bis vier Stunden mit dem Kind und beteiligen sich im gleichen Umfang wie kinderlose junge Ehemänner an der Hausarbeit. Geht die Ehefrau wieder in den Beruf zurück, verbringen auch ihre Ehemänner wieder mehr Zeit mit dem Kind und mit Arbeiten im Haushalt.

Staatsinstitut für Familienforschung (ifb) der Universität Bamberg; zit. nach Heilbronner Stimme, 30.3.1998

B8 Heiraten in Deutschland

B9 Scheiden tut weh...

Rund 170 000 Ehen endeten im Jahr 1995 vor dem Scheidungsrichter; mit oft schmerzhaften Erfahrungen und einschneidenden Veränderungen vor allem für die Kinder dieser Ehen. In 55 Prozent aller Ehescheidungen sind Kinder mitbetroffen, insgesamt waren es 142 292, deren Eltern sich scheiden ließen. In Westdeutschland steigt die Zahl der Scheidungen wieder verstärkt an (um 18 Prozent in fünf Jahren), während sie in Ostdeutschland seit nunmehr zehn Jahren deutlich sinkt. Die westdeutschen Ehen sind zudem besonders gefährdet: Während in den alten Ländern 92 von 10 000 bestehenden Ehen scheiterten, sind es in den neuen Ländern nur 62 von 10 000. Globus

B10 Immer mehr leben allein

Die Haushalte in Deutschland werden immer kleiner. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in fast der Hälfte (44 Prozent) aller deutschen Haushalte mindestens fünf Personen, 1996 nur noch in jedem zwanzigsten. Im Gegenzug stieg der Anteil der Einpersonen-Haushalte im gleichen Zeitraum von sieben auf 35 Prozent. Dabei sind es nicht nur alleinlebende jüngere Leute, die sogenannten Singles, die an dieser Entwicklung maßgeblichen Anteil haben. Auch ältere Menschen - im wesentlichen Verwitwete und alleinstehende Rentner - wohnen heute häufiger als zur Jahrhundertwende ohne familiären Anhang im eigenen Haushalt. Globus