Heft 3/98  Kein Ich ohne Wir


Baustein A: Ich lebe in Gruppen
A10 - A12  Soziale Normen und Ich-Identität


A 10 Im Schullandheim

Allgemeine, gleiche und gerechte - von den Schülerinnen und Schülern mitbeschlossene
Haus- und Verhaltensordnung

Warnung: Verstöße kommen vor den Schülerrat!

 

1. Im Haus darf nicht geraucht werden. Beim Rauchen außerhalb des Hauses müssen die Zigarettenstummel in die Metalleimer geworfen werden.

2. Alkohol (auch Bier) darf nur in Anwesenheit und mit Genehmigung des Lehrers/der Lehrerin getrunken werden.

3. Veränderung im Zimmer (Poster an den Wänden usw.) dürfen nur mit Genehmigung der Herbergseltern vorgenommen werden.

4. Wenn jemand etwas beschädigt hat, muß er/sie das gleich dem Klassenlehrer/der Klassenlehrerin melden.

5. Mit Beginn der Nachtruhe darf nur noch geflüstert werden. Besuche in anderen Zimmern sind dann verboten.

6. Beim Fernsehen gilt nicht das Recht des Stärkeren. Über das Programm wird allabendlich abgestimmt, sofern nicht andere Klassenveranstaltungen vorgesehen sind.

7. Wir beginnen und beenden die Mahlzeiten gemeinsam. Es fängt also keiner zu essen an, wenn noch nicht zum Essen gerufen wurde, und es verläßt keiner den Eßraum, solange noch nicht der weitere Tagesablauf und die anstehenden Fragen besprochen sind.

8. Jeden Tag berät die Klasse nach dem Abendessen alle Probleme, die tagsüber aufgetreten sind. Sie beschließt auch, was mit den Schülern oder Schülerinnen geschehen soll, die gegen die Hausordnung verstoßen haben. Auf Wunsch der Klasse wird als Schiedsgericht ein Schülerrat aufgestellt.

Siegfried Heinemann: Aktivitäten im Schullandheim. Lichtenau: AOL-Verlag, 4. Auflage, 1988

 

A 11 Zwölf persönliche Rechte

Aus Sicht der Kinder: Die zwölf persönlichen Rechte

1. Du hast das Recht, dein Verhalten, deine Gefühle und deine Gedanken selber zu beurteilen, und brauchst dich dafür weder zu rechtfertigen noch zu entschuldigen.

2. Du hast das Recht, deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse ebenso ernst zu nehmen wie die anderer Menschen.

3. Du hast das Recht, Fehler zu machen und die Folgen zu tragen.

4. Du hast das Recht, anderen eine Bitte abzuschlagen, ohne dich schuldig zu fühlen und für egoistisch zu halten.

5. Du hast das Recht, deine Meinung zu äußern. 6. Du hast das Recht, "unlogisch" zu sein.

7. Du hast das Recht, selber zu entscheiden, ob du das, was dir andere als Fehler vorwerfen, ändern willst.

8. Du hast das Recht, selber zu beurteilen, ob du für die Lösung der Probleme anderer Menschen mitverantwortlich bist.

9. Du hast das Recht, Fragen nicht zu beantworten.

10. Du hast das Recht zu sagen: "Ich verstehe nicht."

11. Du hast das Recht zu sagen: "Ich weiß nicht", wenn andere sagen: "Was wäre, wenn alle so dächten wie du?"

12. Du hast das Recht, Nein zu sagen, ohne dieses Nein zu begründen.

Die zwölf persönlichen Rechte. Sonderdruck des Medienzentrums "Kontra für Nichterwachsene" in Berlin (KinderRÄchts ZÄnker)

 

A 12 Für mehr als mich

Von Günter Kunert

Ich bin ein Sucher
Eines Weges.
Zu allem was mehr ist
Als
Stoffwechsel
Blutkreislauf
Nahrungsaufnahme
Zellenzerfall.

Ich bin ein Sucher
Eines Weges
Der breiter ist
Als ich.

Nicht zu schmal.
Kein Ein-Mann-Weg:
Aber auch keine
Staubige, tausendmal
Überlaufene Bahn.

Ich bin ein Sucher
Eines Weges.
Sucher eines Weges
Für mehr
Als mich.

Günter Kunert, Erinnerungen an einen Planeten. © 1962 Carl Hanser Verlag, München-Wien