Heft 3/98 Kein Ich ohne Wir
Vorwort des Herausgebers
Jeder Mensch lebt sein eigenes Leben. Aber er lebt es nicht allein. Zur Ausbildung der menschlichen Individualität bedarf es der sozialen Beziehungen. Die Gruppen, die den jungen Menschen prägen, brauchen ihrerseits gemeinschaftsfähige Individuen, um auf Dauer bestehen zu können. Der Titel dieser Ausgabe von Politik und Unterricht beschreibt dieses dialektische Spannungsverhältnis: Kein Ich ohne Wir, kein Wir ohne Ich.
Nach der Geburt kommt das Kind mit seiner unmittelbaren Umgebung in Berührung: der Familie. Die wichtigen Aufgaben der Familie, in erster Linie die der Erziehung, stehen im Zentrum der hier vorgestellten Unterrichtsvorschläge. Wenn das Kind den vertrauten Kreis der Familie verläßt, trifft es auf andere: Kinder zum Spielen, Klassenkameraden, Lehrerinnen und Lehrer in der Schule, Freundinnen und Freunde in der Gruppe der Gleichaltrigen. Im vorliegenden Heft werden die Funktion der Schule und die zunehmende Bedeutung des Freundeskreises für die Sozialisation der Jugendlichen besonders untersucht. Auf die Rolle der Medien wird hier nicht eingegangen, weil das den Umfang des Heftes gesprengt hätte.
Die Themen Familie und Schule finden sich in den Lehrplänen aller Schularten unseres Bundeslandes. Oft sind sie als fächerverbindende Projekte ausgewiesen. Die Autoren waren bestrebt, vor allem solche Texte und Materialien auszuwählen, die sich für den Unterricht im Sekundarbereich I eignen. Herausgeber und Redaktion sind sich aber sicher, daß auch die Lehrerinnen und Lehrer der gymnasialen Oberstufe von vielen Anregungen werden profitieren können.
Siegfried Schiele
Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg