Geleitwort des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport


Als 1991 der Jugoslawienkonflikt ausbrach, wurden viele von uns sehr unsanft aus der Utopie gerissen, wenigstens in Kerneuropa sei am Ende des 20. Jahrhunderts ein friedliches Zusammenleben der Völker möglich. Die weitverbreitete Unkenntnis über die langfristigen historischen Prozesse auf dem Balkan und über ihre Nachwirkungen mag dazu beigetragen haben, auch für diese Region genügend Vernunft vorauszusetzen, um Lehren aus einer zerstörerischen Vergangenheit zu ziehen. Statt dessen haben wir inzwischen fassungslos ein Lehrstück des Hasses, der Gewalt, der Intoleranz, aber auch des Versagens der Völkergemeinschaft erlebt, so daß sich Fragen aufdrängen, wie es zu dieser Eruption von Unmenschlichkeit kommen konnte und wie man ihr begegnen kann.

Das vorliegende Heft versucht sie mit nüchternen Informationen zu beantworten und unsere Schülerinnen und Schüler mit Gegebenheiten in einem Gebiet Europas vertraut zu machen, das üblicherweise nicht im Mittelpunkt des Unterrichts steht. Genügt es aber, lediglich Ursachen für eine Völkerkatastrophe zu begreifen oder einen aufgezwungenen Frieden zu verstehen? Wie trügerisch und labil jeder Frieden sein kann, der sich nicht auf Toleranz gründet, sollte sich uns allen am Beispiel Jugoslawien tief einprägen. Gemeint ist eine Toleranz, die den anderen in seinem Anderssein nicht nur duldet, sondern anerkennt und ihm ein Recht auf ethnische kulturelle Identität zubilligt.

Es wäre ein wichtiges erzieherisches Ziel, wenn die Materialien dieses Heftes über das Anliegen hinaus, die Unwissenheit über die Völker des Balkans zu vermindern, unsere Schülerinnen und Schüler dazu anhalten könnten, den Fremden zu achten und damit ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten. Die Landeszentrale schließt mit dieser Publikation eine bedauerliche Informationslücke, zumal Unwissenheit zur Mitschuld führen kann. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport wünscht dem Heft die ihm gebührende Beachtung an den Schulen.


Rudolf Pfeil
Gymnasialprofessor
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg


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