Zeitschrift 

Staunen, was die
Zukunft bringt


Beiträge der Technik zu einer nachhaltigen Entwicklung

Zukunft und Technik
Produktion
Mobilität
Bauen und Wohnen
Biotechnologie
 

Heft 3/2003 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

E 5 - E 9 Biotechnologie


E 5 Klinische Forschung

 

 

2000: Insgesamt 79 gentechnisch hergestellte Medikamente mit 59 verschiedenen Wirkstoffen

1999. Anteil an den Neuzulassungen 30 %

1998: Anteil an den Neuzulassungen 13 %

 

Akademie für Technikfolgenabschätzung Baden-Württemberg (Hrsg.): Die Zukunft des Menschen, Kongressdokumentation, Stuttgart 2002, S. 73.

Grafik: Neckar-Verlag

 

E 6 Ärzte überlisten die Natur

Aus Science-Fiction ist Realität geworden

Was vor wenigen Jahren noch Utopie schien, ist längst Wirklichkeit. Durch Unfall oder Krankheit zerstörte Körperteile können heute in hochspezialisierten Labors nachgezüchtet werden - aus körpereigenem Zell-Material, das nicht vom Immunsystem attackiert und abgestoßen wird. Unter den wetteifernden Zentren gehören die deutschen Biotechnologie-Firmen zu den weltweit führenden. Meistens sind sie Universitätskliniken angegliedert und entwickeln deren Grundlagenforschung zur Anwendungsreife fort. Vieles ist bereits gelungen, das meiste noch "in Arbeit".

Geradezu sensationelle Erfolge konnten Freiburger Wissenschaftler vorweisen. Sie entwickelten die Züchtung von Ersatzhaut und ließen ein funktionstüchtiges Fingergelenk nachwachsen (Foto unten).

Doch die großen Ziele sind noch nicht erreicht: zum Beispiel ein komplettes, schlagendes Herz.

Das erste nachgezüchtete Fingergelenk ist voll funktionsfähig.
Eine "Tissue-Ingenieurin" präsentiert Zucht-Haut, die selbstständig weiterwächst.

Stammzellen von Embryonen sind nicht mehr nötig

Ideal für die Gewebszüchtung wären embryonale Stammzellen, die sich zu jedem Zell-Typ entwickeln: zu Nerven, Haut, Leber usw. Damit entfielen Eingriffe in den Körper, um Material für die Gewebszüchtung zu gewinnen. Doch die deutsche Gesellschaft lässt nicht zu, ungeborenes Leben zu opfern (Embryonen-Schutzgesetz), selbst wenn damit Leben gerettet werden könnte. Dr. Dieter Scharnweber vom Max-Bergmann-Zentrum der Technischen Universität Dresden beruhigt: "Meistens sind embryonale Stammzellen gar nicht mehr nötig. Aus dem Knochenmark lassen sich vergleichsweise unkompliziert adulte (erwachsene) Stammzellen isolieren, die gleiche Fähigkeiten haben. Ethische Probleme sind somit ausgeschlossen."

In Nährlösung wachsen Zellen zur Ohrmuschel heran - auf einem entsprechend geformten Gerüst, das sich später rückstandslos auflöst

 

Von Kopf bis Fuß körpereigener Zell-Nachwuchs

Mehrere Biotechnologie-Zentren in Deutschland haben sich auf die Entwicklung unterschiedlichster "Ersatzteile" spezialisiert, zum Beispiel:

Haut-Ersatz Patienten mit chronischen Wunden und Verbrennungsopfer profitieren vom ersten "BioTissue"-Erfolg: individueller Zuchthaut.

Kieferknochen Spezialisierte Zahnärzte bauen geschwundenen Kieferknochen wieder auf - oft Voraussetzung dafür, dass Implantate Halt finden. Zuchtmaterial liefern gesunde Kiefer-Areale oder Hüftknochen.

Knorpel Immer häufiger reparieren Ärzte unfallgeschädigte oder durch Sport verschlissene Kniegelenke mit Knorpel-Züchtungen. Intakte Zellen lassen sie im Spezial-Labor vermehren und implantieren die gewonnene Masse wieder. Nach rund einem Jahr ist das Kniegelenk fast wie neu.

Arthrose Die Brandenburger Firma "Cod.on" hilft seit sechs Jahren Arthrose-Patienten mit nachgezüchtetem Knorpel-Ersatz. Erfolgsquote 92%!

Bandscheiben Seit neuestem bietet "Cod.on" Rückenkranken individuell gezüchtete Bandscheiben-Transplantate an. Das Urmaterial stammt aus Zellen der lädierten Bandscheibe.

Fingergelenk Vor zwei Jahren gelang der Freiburger "BioTissue" die Sensation: Sie züchteten ein Fingergelenk für einen Arbeiter, der seinen Finger durch Unfall verlor. Entnommene Knorpel- und Knochenzellen wuchsen auf einem Polymergerüst heran. Sechs Monate nach der Implantation konnte der Hobby-Musiker wieder Trompete spielen.

Ohrmuschel Ein anderer Unfallpatient erhielt das passgenau nachgezüchtete Stück seiner abgetrennten Ohrmuschel eingepflanzt. Es war aus Knorpelzellen seiner Rippen in Nährlösung herangereift.

Schlagadern Ersatz für Lungenschlagadern, die durch Unfall oder Krankheit zerstört wurden, liefern Dr. Ulrich Stock und seine Mitarbeiter an der Klinik für Herz-, Thorax-, Gefäßchirurgie der Universität Jena. Grundmaterial dafür sind Blutgefäße und Zellen aus Venensegmenten eines Schafes. Dennoch ist das Implantat voll bioverträglich und ruft keinerlei Abstoßreaktionen hervor.

Herzklappen Dr. Stefan Jockenhövel und sein Team an der Medizinischen Hochschule Hannover züchten komplette Herzklappen, die bei Tieren bereits funktionieren.

Zukunfts-Vision

Das höchste Ziel der Gewebe-Ingenieure ist die Züchtung vollständiger, funktionsfähiger Organe - bitter nötig bei dem dramatischen Mangel an Spenderorganen. Allerdings gibt's da noch Probleme.

Journal für die Frau 25/2002

 

E 7 Gegen den Herzinfarkt

 

     
 

Rettung für den Herzmuskel

 
 

Das neue Medikament Metalyse wirkt schnell und ist unkompliziert

 
     
  Das Herz wird von den Herzkranzgefäßen, den so genannten Koronararterien, mit Sauerstoff und Blut versorgt. Wenn eines dieser Gefäße beispielsweise durch ein Blutgerinnsel verstopft wird, kommt es zu Herzinfarkt. Dabei können Teile des Herzmuskels absterben. Werden die Herzmuskelzellen gerettet, überlebt auch der Mensch. Bei einem Herzinfarktpatienten entscheidet deshalb wesentlich die Erstbehandlung über den Erfolg der Therapie. Boehringer Ingelheim hat ein Medikament entwickelt, das es dem Notarzt ermöglicht, rasch zu handeln und die lebensgefährlichen Blutgerinnsel effektiv aufzulösen. Der Wirkstoff Tenecteplase wird seit vergangenem Jahr in Deutschland unter dem Handelsnamen Metalyse vertrieben. Er wird nicht mehr wie die bisher üblichen Wirkstoffe mit Infusion verabreicht, sondern in die Vene gespritzt. Mehrere groß angelegte Studien belegen, dass das Medikament den Blutstau in den Gefäßen "noch schneller als viele der bisher verwendeten Medikamente" auflöst.
Der Wirkstoff Tenecteplase wird biotechnisch gewonnen.
Gerhard Heusel, Produktmanager bei Boehringer, hebt als großen Vorteil von Metalyse zwei Dinge heraus: Zum einen wirke das Medikament sehr schnell, und zum anderen könne es bequem und unkompliziert verabreicht werden. Infusionen müssten dagegen zwischen 30 und 90 Minuten angelegt werden. Boehringer wertet dies als "Meilenstein" in der Therapie von akuten Herzinfarktpatienten und betont: "Der Wirkstoff Tenecteplase, der bereits vom Notarzt mit einer Spritze verabreicht werden kann, hilft, überlebenswichtige Zeit zu gewinnen. Der zeitliche Abstand zwischen akutem Herzinfarkt und Behandlungsbeginn lässt sich deutlich verkürzen - zum Vorteil des Patienten."
 
     

 

Frankfurter Rundschau, 11. April 2002 (Christiane Fritzenkötter)

 

E 8 Zukunftsvision im 16. Jahrhundert

 

Lucas Cranach der Ältere, Der Jungbrunnen, Gemälde 1546

Bild: AKG

 

E 9  Zukunftsvision heute

 

Zeichnung: Jan Tomaschoff, 1991

 


 


Copyright ©   2003  LpB Baden-Württemberg HOME

Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de