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Zeitschrift Staunen, was die Zukunft
und Technik Heft 3/2003 |
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E 5 - E 9 Biotechnologie
Aus Science-Fiction ist Realität geworden Was vor wenigen Jahren noch Utopie schien, ist längst Wirklichkeit. Durch Unfall oder Krankheit zerstörte Körperteile können heute in hochspezialisierten Labors nachgezüchtet werden - aus körpereigenem Zell-Material, das nicht vom Immunsystem attackiert und abgestoßen wird. Unter den wetteifernden Zentren gehören die deutschen Biotechnologie-Firmen zu den weltweit führenden. Meistens sind sie Universitätskliniken angegliedert und entwickeln deren Grundlagenforschung zur Anwendungsreife fort. Vieles ist bereits gelungen, das meiste noch "in Arbeit". Geradezu sensationelle Erfolge konnten Freiburger Wissenschaftler vorweisen. Sie entwickelten die Züchtung von Ersatzhaut und ließen ein funktionstüchtiges Fingergelenk nachwachsen (Foto unten). Doch die großen Ziele sind noch nicht erreicht: zum Beispiel ein komplettes, schlagendes Herz.
Stammzellen von Embryonen sind nicht mehr nötig Ideal für die Gewebszüchtung wären embryonale Stammzellen, die sich zu jedem Zell-Typ entwickeln: zu Nerven, Haut, Leber usw. Damit entfielen Eingriffe in den Körper, um Material für die Gewebszüchtung zu gewinnen. Doch die deutsche Gesellschaft lässt nicht zu, ungeborenes Leben zu opfern (Embryonen-Schutzgesetz), selbst wenn damit Leben gerettet werden könnte. Dr. Dieter Scharnweber vom Max-Bergmann-Zentrum der Technischen Universität Dresden beruhigt: "Meistens sind embryonale Stammzellen gar nicht mehr nötig. Aus dem Knochenmark lassen sich vergleichsweise unkompliziert adulte (erwachsene) Stammzellen isolieren, die gleiche Fähigkeiten haben. Ethische Probleme sind somit ausgeschlossen."
Von Kopf bis Fuß körpereigener Zell-Nachwuchs Mehrere Biotechnologie-Zentren in Deutschland haben sich auf die Entwicklung unterschiedlichster "Ersatzteile" spezialisiert, zum Beispiel: Haut-Ersatz Patienten mit chronischen Wunden und Verbrennungsopfer profitieren vom ersten "BioTissue"-Erfolg: individueller Zuchthaut. Kieferknochen Spezialisierte Zahnärzte bauen geschwundenen Kieferknochen wieder auf - oft Voraussetzung dafür, dass Implantate Halt finden. Zuchtmaterial liefern gesunde Kiefer-Areale oder Hüftknochen. Knorpel Immer häufiger reparieren Ärzte unfallgeschädigte oder durch Sport verschlissene Kniegelenke mit Knorpel-Züchtungen. Intakte Zellen lassen sie im Spezial-Labor vermehren und implantieren die gewonnene Masse wieder. Nach rund einem Jahr ist das Kniegelenk fast wie neu. Arthrose Die Brandenburger Firma "Cod.on" hilft seit sechs Jahren Arthrose-Patienten mit nachgezüchtetem Knorpel-Ersatz. Erfolgsquote 92%! Bandscheiben Seit neuestem bietet "Cod.on" Rückenkranken individuell gezüchtete Bandscheiben-Transplantate an. Das Urmaterial stammt aus Zellen der lädierten Bandscheibe. Fingergelenk Vor zwei Jahren gelang der Freiburger "BioTissue" die Sensation: Sie züchteten ein Fingergelenk für einen Arbeiter, der seinen Finger durch Unfall verlor. Entnommene Knorpel- und Knochenzellen wuchsen auf einem Polymergerüst heran. Sechs Monate nach der Implantation konnte der Hobby-Musiker wieder Trompete spielen. Ohrmuschel Ein anderer Unfallpatient erhielt das passgenau nachgezüchtete Stück seiner abgetrennten Ohrmuschel eingepflanzt. Es war aus Knorpelzellen seiner Rippen in Nährlösung herangereift. Schlagadern Ersatz für Lungenschlagadern, die durch Unfall oder Krankheit zerstört wurden, liefern Dr. Ulrich Stock und seine Mitarbeiter an der Klinik für Herz-, Thorax-, Gefäßchirurgie der Universität Jena. Grundmaterial dafür sind Blutgefäße und Zellen aus Venensegmenten eines Schafes. Dennoch ist das Implantat voll bioverträglich und ruft keinerlei Abstoßreaktionen hervor. Herzklappen Dr. Stefan Jockenhövel und sein Team an der Medizinischen Hochschule Hannover züchten komplette Herzklappen, die bei Tieren bereits funktionieren. Zukunfts-Vision Das höchste Ziel der Gewebe-Ingenieure ist die Züchtung vollständiger, funktionsfähiger Organe - bitter nötig bei dem dramatischen Mangel an Spenderorganen. Allerdings gibt's da noch Probleme. Journal für die Frau 25/2002
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