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Zeitschrift Staunen, was die Zukunft
und Technik Heft 3/2003 |
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E 10 - E 14 Biotechnologie
Der Druck auf Europa wächst, seine Märkte für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen zu öffnen. Wahrscheinlich werden die Schranken fallen. Dann wird der Verbraucher kaum noch Gentechnikfreie Lebensmittel kaufen können. Schon bereitet sich die Industrie auf das Brechen der Dämme vor: 19 Anträge für die Zulassung neuer gentechnisch veränderter Pflanzen liegen bei dem Joint-Research Centre der EU-Kommission vor. Elf Anträge auf Zulassung neuer Mais-, Baumwoll- und Rapspflanzen sowie Zuckerrüben verschickte allein Weltmarktführer Monsanto ... Erbsen, die Stärke abbauende Enzyme für Futtermittel bilden, sprießen in den Gewächshäusern. Auf Versuchsfeldern wachsen Kartoffeln, die höhere Erträge bringen. Bei anderen der Knollen ist der Kohlehydratstoffwechsel so verändert, dass sie beim Braten nicht mehr braun werden - und damit weniger des mutmaßlich Krebs erzeugenden Acrylamids bilden. Sogar Tabakpflanzen, die Spinnenseidenproteine bilden sowie für die Impfstoffproduktion geeignete Kartoffeln werden hier entwickelt. Eine goldene Zukunft sagen Wissenschaftler den pflanzlichen Bio-Fabriken voraus. "Billiger und effizienter" könnten Pflanzen künftig Enzyme, Impfstoffe oder Nahrungsergänzungsstoffe herstellen, die heute noch in teuren Fermentern oder Chemielabors produziert würden, sagt Karin Herbers von der Gaterslebener Bio-Firma SunGene. Schon entwickelt das Unternehmen Raps mit doppeltem Vitamin-E-Gehalt. Tomaten sollen künftig vermehrt Antioxidantien produzieren, die gegen Krebs und frühzeitige Zellalterung helfen sollen. Jahre wird es noch dauern, bis solche Wunderpflanzen marktreif sind. Das Potenzial der Technik enthüllen jedoch schon die heute verfügbaren Gewächse. Die Megaseller der Gentechbranche sind entweder gegen ein bestimmtes, meist vom Saatguthersteller selbst vertriebenes Unkrautvernichtungsmittel resistent. Oder sie bilden eigenständig ein Bio-Gift, das Schadinsekten abtötet ... Die EU will Europas Bauern Wahlfreiheit garantieren. Sie sollen künftig selbst entscheiden können, ob sie ökologisch konventionell oder eben mit gentechnisch verändertem Saatgut wirtschaften wollen. Ob jedoch in der klein strukturierten Agrarlandschaft Europas die verschiedenen Pflanzensorten tatsächlich auseinander gehalten werden können, ist fraglich. "Denen, die künftig ohne Biotech produzieren wollen, dürfen auf keinen Fall neue Kosten entstehen", sagt Verbraucherministerin Renate Künast. Sie fordert klare Haftungsregeln für den Fall, dass Gentechnik ökologisch oder konventionell bewirtschaftete Felder kontaminiert. "Über kurz oder lang werden gentechnische Anteile in allen Nahrungsmitteln drin sein - ob es draufsteht oder nicht", sagt Gerhard Timm, Geschäftsführer des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland. Das widerspreche nicht nur dem Wunsch vieler Bauern nach Gentech-freier Landwirtschaft. Es beseitige auch die Wahlfreiheit der Verbraucher beim Einkauf. Aber vielleicht will der Verbraucher ja gar keine Wahlfreiheit. Denn am Ende - und darauf setzt wohl die Industrie - regelt sich oftmals doch alles über den Preis. Der Spiegel 12/2003
Mit fünf Pflanzen kann die Welternährung fast sichergestellt werden: Mais, Weizen, Raps, Soja und Reis. Bisher zielte die Gentechnik darauf ab, Pflanzen zu entwickeln, die gegen Schädlinge resistent sind oder denen Unkraut nichts anhaben kann. Mittlerweile arbeitet die Forschung aber daran, die Pflanzen qualitativ zu verändern: Der Eiweiß- oder Zuckergehalt zum Beispiel wird gesteigert. Pflanzen, die gegen Dürre oder Hitze beständig sind, könnten wesentlich zur Welternährung beitragen, ist Manfred Kern vom Bayerischen CropScience in Frankfurt überzeugt. "Wir brauchen zehn bis 15 Jahre Vorlaufzeit, um solche Pflanzen zu entwickeln. Wir wissen, dass große Teile der Erde durch Missmanagement mittlerweile versalzen sind, und wenn es uns gelingt - das ist in China gelungen - Pflanzen zu entwickeln, die hochgradig salztolerant sind, dann können wir dazu beitragen, den Hunger zu bekämpfen. Tomaten, die mit Salzwasser bewässert werden, stehen in China mittlerweile auf dem Feld." ( ... ) "Ich schätze, in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir 500 bis 600 Pflanzen haben, die gentechnisch modifiziert sein werden - zu den unterschiedlichsten Zwecken." Das wichtigste Argument der Gegner ist die Gefahr der Auskreuzung - dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen mit Wildpflanzen vermischen. Der Industrieforscher meint, man müsse deshalb die Ursprungszentren der Pflanzen betrachten. Denn zu 90 Prozent gehören die Getreidesorten, die wir in Europa anbauen, gar nicht in unsere Region. Dasselbe gilt für andere Sorten. "Das heißt, wir müssen schauen, wo Mais herkommt - dass man dann mit gentechnisch verändertem Material nicht gerade dort anbaut, sondern diese Ursprungszonen der Erde, wo unsere Kulturpflanzen herkommen, so isoliert und unbelastet lässt, wie es überhaupt möglich ist, um späteren Generationen den Zugang zu diesem genetischen Material offenzuhalten", so Kern. ( ... ) Bis 2025 muss sich allerdings die Nahrungsmittelproduktion verdoppeln, wenn acht Milliarden Menschen ernährt werden sollen, meint der Biologe. Der Trend zu mehr Fleisch schraubt den Bedarf an Nahrungsmitteln noch zusätzlich in die Höhe. Ulrich Schnitzler: Biotech-Industrie. Gentechnik gegen Welthunger; in: http://science.orf.at/science/news/57025/11.3.2002
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