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Zeitschrift Staunen, was die Zukunft
und Technik Heft 3/2003 |
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C 14 - C 15 Mobilität
Dabei handelt es sich um eine künstliche Insel, auf der ein achtzehnstöckiges Rundum-Hotel mit 4000 Kabinen rund 10 000 Urlaubern Platz bietet. Auf Komfort und Kontakt muss man auf einem solchen Eiland nicht mehr verzichten. Auch der zweite Nachteil einer Insel, auf das immer gleiche Panorama festgelegt zu sein, wäre aufgehoben. Denn das 300 mal 400 Meter große Gebilde würde mit immerhin zehn Knoten über die Weltmeere schippern, dem Gast also eine einmalige Kombination von kontemplativer Inselperspektive und raumgreifender Kreuzfahrt bieten. Das Beste an der Zoppini-Idee aber ist, dass sie eines der drängendsten Probleme des Tourismus zu lösen verspricht: die weltweite Überfüllung der Strände. Man stelle sich vor, die Mega-Insel ginge in Serie und hätte den Zulauf, den sie verdient! Auch an den klassischen Ferienstränden des Mittelmeers würden die Urlauber plötzlich zur Mangelware werden. Man könnte sich den Traum von der einsamen Insel also sparen. Nicht weniger begeistert dürften die Naturschützer sein. Denn auf einer Ferieninsel dieser Größenordnung gehören zeitgemäße Outdoor-Einrichtungen zum Standard: Kletterwände, Inline-Skating und Jogging-Parcours und vielleicht sogar Mountainbike-Downhill-Strecken. Davon angelockt, könnten Freizeitsportler vermehrt dazu übergehen, sich ihre Adrenalinkicks offshore zu holen und damit Flora und Fauna des Festlands in Ruhe zu lassen. An Bord stehen Naturschutz und Natursport jedenfalls in wünschenswertem Einklang: Es werden weder frei lebende Tiere geängstigt noch Rote-Liste-Pflänzchen zertreten und zerradelt. Zudem entspricht die Freizeitgestaltung auf einem schwimmenden Sport- und Spaßplatz dem "Prinzip der kurzen Wege", das vom Deutschen Sportbund eingeklagt wird: Die Einrichtungen liegen naturgemäß ganz dicht beieinander, die ökologisch bedenkliche Auto-Anfahrt entfällt. Sonntag Aktuell, 16. Februar 2003, Bild: AP Internet: www.zoppini.fr
Eine noch nicht ganz ernst gemeinte Geschichte Das weltweite Verkehrsaufkommen überschreitet erstmals die Grenze von 100 Billionen Personenkilometern. Damit ist das Verkehrsaufkommen gegenüber 1990 um 400 Prozent angewachsen. Wasserstoff ist der Treibstoff der Gegenwart. Die "brennbare Luft" wird als Energieträger in Brennstoffzellen genutzt und verbrennt sauber, ohne Abgase. Einen Teil der elektrischen Energie für die Wasserstoffgewinnung liefern gigantische Solaranlagen in der Südsahara. Der Großteil stammt jedoch aus Quadratkilometer großen schwimmenden Solarkraftwerken in den warmen Ozeanen. Diese "Solarmarine" haben den Vorteil, dass trotz großem Flächenanspruch keine Landbiotope zerstört werden. Der Großteil der Autos wird von emissionsarmen und nahezu geräuschlos arbeitenden Brennstoffzellen angetrieben, die den Strom für den Elektroantrieb erzeugen. Der Autofahrer des Jahres 2052 weiß nichts mehr von einer Kupplung oder einem Schaltgetriebe. Ebenso wenig kann er sich etwas unter einem Ölwechsel vorstellen. Die gewünschte Leistung lässt sich modular durch das intelligente Zusammenschließen mehrerer Brennstoffzellen erreichen. Seine Stärken spielt das Automobil vor allem in den Bereichen mittlerer Entfernungen aus: auf dem Land, wo der öffentliche Nahverkehr nicht flächendeckend angeboten wird, sowie als Zubringer zu Bahnhöfen und Flughäfen. Abstands- und tempogeregelt im Geleitzug legen die Autos auf den großen Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen ihre Kilometer zurück. Trotz ständig gestiegenen Verkehrsaufkommens sind die Unfallzahlen kontinuierlich zurückgegangen. Auch die Flugzeuge, riesige Düsenmaschinen mit zwei- bis dreitausend Passagieren, die den ganzen Erdball engmaschig verbinden, werden mit extrem emissionsarmem, synthetisch hergestelltem Benzin mit dem Namen Tetramethylsilan angetrieben. Dieser flüssige Kohlenstoff, der aus dem nahezu unerschöpflichen Rohstoff Sand gewonnen wird, verbrennt unter hoher Energieabgabe, die es erlaubt, in vier- bis fünffacher Schallgeschwindigkeit von einem Kontinent zum anderen zu reisen. Übrig bleiben geringe Mengen Kohlendioxid und Sand. Das Auffälligste an diesen Flugzeugen der neuesten Generation ist jedoch, dass sie nicht mehr auffallen - zumindest akustisch nicht. Mit dem Geräusch eines Segelfliegers heben die Super-Jumbos vom Stuttgarter Flughafen ab. Das Geheimnis der lautlosen Luftriesen sind ein Mikrofon und ein Lautsprecher direkt an der Turbine. Das Mikrofon misst die Schallwellen, die vom Flugzeugmotor erzeugt werden, und der Lautsprecher erzeugt Schallwellen mit umgekehrter Amplitude. So heben die einen Schallwellen die anderen auf, und das Flugzeug startet und landet so dezent, dass die Anwohner vom Luftverkehr nichts mehr mitbekommen. Ein Hochgeschwindigkeitsnetz verbindet alle Zentren auf den fünf Kontinenten dieser Welt miteinander. An den Bahnhöfen, den Knotenpunkten eines eng verzahnten intermodalen Verkehrssystems, stehen Car-Pools für die Weiterfahrt bereit. Fortschritte in der intermodalen Telematik, die diese enorm zuverlässig gemacht haben, haben die reibungslose Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger ermöglicht. Gerade im Nahbereich, besonders in den ökologisch aufgewerteten Innenstädten und Ballungsräumen, sind Busse, Bahnen und führerlose Großraumtaxis die Transportmittel schlechthin. Die Fahrzeiten und Häufigkeiten orientieren sich dabei nicht an einem fixen Fahrplan, sondern nach den Wünschen und Bedürfnissen der Fahrgäste ... Wer sein intermodales Mobilitätskontingent in Höhe von 10 000 km pro Jahr aufgebraucht hat und auch keine zusätzlichen Rechte auf der NYMEX (New York Mobility Exchange), der internationalen Mobilitätsbörse, hinzu kaufen kann, dem bleibt nichts anderes übrig als zu Fuß zu gehen. Auch im Jahr 2052 ist es im Übrigen überaus attraktiv, zu Fuß zu gehen und zu flanieren - heute wie damals die umweltfreundlichste Art der Fortbewegung. Ministerium für Umwelt und Verkehr B.-W. (Hrsg.): Ausstellungskatalog Erde 2.0, Stuttgart 2002, S. 270 ff.
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