Zeitschrift 

Staunen, was die
Zukunft bringt


Beiträge der Technik zu einer nachhaltigen Entwicklung

Zukunft und Technik
Produktion
Mobilität
Bauen und Wohnen
Biotechnologie
 

Heft 3/2003 
Hrsg.: LpB



 

Inhaltsverzeichnis

BAUSTEIN C

Mobilität


 

Mobilität ist seit alters her ein existenzielles Grundbedürfnis. Menschen wollten schon immer dorthin gelangen, wo sie sich bessere Lebens- und vor allem auch Überlebenschancen erhofften.

Verkehr ist sowohl Ausgangspunkt wie auch Folge dieses Mobilitätswunsches. Bei aller Faszination der technischen Entwicklung: Mobilität stützte sich über Jahrtausende zunächst auf das menschliche Gehen und dann auf die Leistungsfähigkeit von Transporttieren. Erst die - noch gar nicht so lange zurückliegende - Industrialisierung brachte dann eine neue Dimension: die Geschwindigkeit. Die technischen Erfindungen und die daraus resultierenden Errungenschaften wie die Eisenbahn, das Dampfschiff, das Automobil und das Flugzeug bedeuteten eine enorme Steigerung gerade auch der individuellen Mobilität. In der Folge wurden unsere Lebensräume durch diese neuen Möglichkeiten der Mobilität grundlegend umgestaltet und entwickelten sich teilweise so chaotisch, dass planend und regulierend eingegriffen werden musste und auch weiterhin eingegriffen werden muss.

Zur Überwindung von Entfernungen, zur Realisierung der massenhaft vorhandenen Mobilitätswünsche, benötigt man technische Voraussetzungen und vor allem Energie, und zwar der Tendenz nach umso mehr, je höher die Geschwindigkeit und je komplizierter die Systeme sind.

In diesem Zusammenhang muss auch die globale Dimension bedacht werden: wollten etwa die Entwicklungs- und die Schwellenländer in gleichem Maße mobil sein wie die Industrieländer, würde das in kürzester Zeit unweigerlich zu einem Kollaps unseres Planeten führen: nicht nur dass die vorhandenen Energievorräte bald erschöpft wären; die anfallenden Emissionen würden menschliches Leben ersticken und unmöglich machen. Es besteht also erheblicher Handlungsbedarf - weltweit, aber auch bei uns in Deutschland.

Alle Prognosen gehen davon aus: Personen- und Güterverkehr werden in Deutschland auch in den nächsten Jahren kräftig wachsen, wobei steigender Personenverkehr nicht automatisch die Mobilität der Menschen erhöht.

In verschiedenen Szenarien hat das Umweltbundesamt die Eckpunkte einer nachhaltigen Mobilität formuliert (Besser leben durch Umweltschutz - die Zukunft dauerhaft umweltgerecht gestalten. Kernpunkte der Studie "Nachhaltige Entwicklung in Deutschland", Berlin 2002, S. 15 ff.): "Die Mobilitätsbedürfnisse in Deutschland müssen so befriedigt werden, dass sie mit den Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung vereinbar sind. Dies ist dann der Fall, wenn die Ziele zum Klimaschutz, zur Luftreinhaltung, zum Schutz vor Lärm, zum Natur- und Landschaftsschutz, zur Wohnumfeldqualität sowie zum Ressourcenschutz erreicht werden."

Weitgehend unbestritten ist heute, dass es ein ungenügender Ansatz zur Erreichung einer nachhaltigen Mobilität wäre, die Mobilität etwa durch Gebote und Verbote begrenzen zu wollen. Dem steht die menschliche Psyche, das Grundbedürfnis nach nahezu unbegrenzter Mobilität entgegen. Es wird also realistischer sein, nach der Rolle von Innovationen und dem Beitrag der technischen Entwicklung zu fragen.

Bei allem Vertrauen in die technische Entwicklung: Sie allein wird allerdings auch nicht ausreichen, um hinsichtlich aller Problemfelder (Schadstoffausstoß, Lärmbelästigung, Flächen- und Ressourcenverbrauch für Verkehrs- und Siedlungszwecke) eine nachhaltige Verkehrsentwicklung bis zum Jahr 2030 zu erreichen. In allen Szenarien, die eine nachhaltige Mobilität zum Ziel haben, wird deshalb zusätzlich zu technischen Verbesserungen gefordert, dass Verkehr konsequenter als bisher vermieden, verlagert und optimiert werden muss.

In jedem Fall - gerade wenn auf die historische Entwicklung gesehen wird - lässt sich vergegenwärtigen, dass die heutigen Formen der Befriedigung von Mobilitätsbedürfnissen (Berufs- und Warenverkehr, Kontakte und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben) und Mobilitätssehnsüchten (Freizeit- und Urlaubsreisen) sicher nicht den letzten Entwurf in der Geschichte der Mobilität darstellen.

 

1. Mobil sein - früher und heute

C 1 (Geschichte der Mobilität) kann unter der Frage ausgewertet werden, welche Folgen jeweils die einzelnen Meilensteine der Geschichte der Mobilität gehabt haben. Was hat sich durch die betreffende Erfindung, durch dieses Ereignis verändert, verbessert? Wurde damit etwas überflüssig? Sind die Konsequenzen im Sinne einer umweltverträglichen Entwicklung zu begrüßen? Ein Arbeitsauftrag könnte auch darin bestehen, die einzelnen Stationen mit in der Regel leicht zugänglichen Bildern in einer Zeitleiste als Bildgeschichte darzustellen.

C 2 liefert bildhaft die Begründung dafür, mit allen verfügbaren Mitteln an der Erhaltung und umweltverträglichen Gestaltung unserer Mobilität zu arbeiten. Die Zivilisation hat den Menschen befähigt, schnell, bequem und sicher von einem Ort zum anderen zu gelangen, um seinen Geschäften nachzugehen oder um seine Freizeit zu verbringen. Infolge der massenhaften Mobilität besteht allerdings heute die Gefahr, dass die Möglichkeit zur Mobilität den Menschen und die menschliche Umwelt "überspült". Die Schülerinnen und Schüler werden gebeten, Möglichkeiten der Abhilfe zu diskutieren.

Die Umweltprobleme, die sich weltweit stellen, zwingen zu raschem und nachhaltigem Handeln (siehe Einleitung). Die Menschen in noch nicht so stark entwickelten Gegenden Europas, aber vor allem in der dritten und vierten Welt wollen nach Möglichkeit bald so mobil sein wie die Menschen im hoch entwickelten und mobilen Westen und Norden der Erde. Das aber wiederum verschärft die Probleme und lässt besonders nach technischen Innovationen fragen.

Der Text C 3 liefert in einem Alltagsbericht einige Hintergründe für den Motorisierungswunsch vieler Chinesen. Die Grafik C 4 spitzt zu und macht deutlich, was zu erwarten ist, wenn die Chinesen - vielleicht aus der "Angst, etwas zu verpassen" (das ist nach Horst Opaschowski die höchste Mobilitätsmotiva-tion im Westen) - in naher Zukunft massenhaft (auto-)mobil sein möchten. Die Rechenaufgabe lautet, die Zahl der Automobile auszurechnen, die erforderlich wären, wenn China einen Mobilisierungsgrad erreichen sollte wie ihn heute die USA oder Deutschland haben. Welche Konsequenzen würde das haben? Was ist zu tun? Welchen Beitrag kann die technologische Entwicklung leisten?

 

2. Lösungen und Entwicklungen

C 5 stellt eine neue Busgeneration vor, die ihren Antrieb aus Brennstoffzellen bezieht und derzeit in neun Großstädten erprobt wird. Zur spielerischen Beschäftigung mit Bustypen verschiedener Zeiten eignet sich ein didaktisches Quartett "Bewegte Welt", das beim Ministerium für Umwelt und Verkehr unter oeffentlichkeitsarbeit@uvm.bwl.de  angefordert werden kann. Die Bilderserie des Quartetts macht deutlich, dass bei den Bussen hinsichtlich des Designs, der Geschwindigkeit, der Kapazität und der Umweltbelastung deutliche Fortschritte erzielt werden konnten. Bei einem Modell gibt es zwar keine direkten CO2-Emissionen, dafür aber indirekte. Auch beim Citaro-Stadtbus wird erkannt, dass die technische Entwicklung mit diesem Versuchsmodell noch nicht ihren Abschluss gefunden hat. Eine weitere Aufgabe könnte darin bestehen, ähnliche Entwicklungen im Pkw-Bereich zu sammeln und zu dokumentieren (Entwicklungsstand? Marktfähigkeit? Markteinführung?). Als Anregung dazu dient das Foto C 7. Das physikalische Prinzip einer Brennstoffzelle ist im Baustein "Bauen und Wohnen" (D 8) kurz beschrieben und kann auch im Physikunterricht thematisiert werden.

Das Schaubild C 8 soll dazu anregen, sich über verschiedene Kraftstoff- und Antriebssysteme kundig zu machen und die jeweiligen Vor- und Nachteile zu diskutieren. In welche Richtung wird es in Zukunft gehen? Hier kann der Text C 6 Anregungen geben. Welche Alternativen gibt es? Welche Innovationen?

Dass technische Entwicklungen bereits in jüngster Vergangenheit dazu beigetragen haben und - seriösen Prognosen zufolge - verstärkt auch in Zukunft dazu beitragen werden, Umweltbelastungen deutlich zu reduzieren, kann die Abbildung C 9 eindrucksvoll belegen. Noch nicht hinreichend gelöste Problemstellungen werden nach bestem Stand der Technik angegangen und in ähnlicher Weise gelöst.

Die Darstellung C 12 zeigt, welche Fortschritte durch zum Teil kleinste technische Verbesserungen in den letzten Jahren erreicht werden konnten. Lärm ist unerwünschter Schall, der die Lebensqualität des Menschen unmittelbar beeinträchtigt. Das Ziel beim Verkehrslärm muss sein, auch bei steigenden Verkehrsmengen eine Reduktion der Lärmentwicklung und -belastung herbeizuführen.

Die Agenturmeldung C 10 (Lkw auf die Schiene) stellt stellvertretend für viele Ideen eine weitere Entwicklung vor, die nach Angaben der Wirtschaft in drei Jahren marktreif sein und die Straßen von stark zunehmendem Güterverkehr nachhaltig entlasten soll. Einige Schüler haben im Zusammenhang mit Gütertransporten sicher von unterirdischen Röhrentransportsystemen oder anderen Visionen gehört, die hier ebenfalls genannt werden sollten. Dabei müssten jeweils - bei allem Verständnis für unkonventionelle Ideen - auch die Chancen einer Realisierung diskutiert werden: Welche Voraussetzungen müssen grundsätzlich erfüllt sein, damit eine Entwicklung erfolgreich sein kann?

C 11 (Die Schienenflitzer) zeigt, dass sich die Eisenbahnen in Europa und in der Welt (Transrapid in München und in Shanghai) in einem rasanten Wandel befinden. Es wird darauf ankommen, Schienenfahrzeuge und Bahnhöfe so attraktiv zu machen, dass sie ihre größere Umweltfreundlichkeit gegenüber Flugzeugen und Automobilen überzeugend ausspielen können.

 

3. Und hinterm Horizont?

Der Text C 13 (Neue Denkfabrik für Automobiltechnik) umschreibt die großen Aufgaben der nächsten Jahrzehnte (Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs, Leichtbauweise, neue Antriebe, Sicherheit) und zeigt, dass sich Forschung, Wirtschaft und Politik der Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung bewusst sind. Die Schülerinnen und Schüler werden gebeten, weitere Berichte über Innovationen und Forschungsvorhaben zu sammeln und zu diskutieren.

C 14 zielt auf das Freizeitverhalten (jede zweite Autofahrt findet heute in der Freizeit statt) und entwirft ein Zukunftsszenario, in dem Wohnen, Freizeit, Urlaub und Inselgefühl in intaktem Umfeld möglich erscheinen. Zu erörtern wären die Vor- und Nachteile derartiger "Insel(t)räume": Wie willst du in Zukunft leben und Urlaub machen? Kennst du ähnliche Zukunftsentwürfe? Wie beurteilst du solche Visionen?

Der Text C 15 schließt diesen Baustein ab. Im Katalog zur Ausstellung Erde 2.0 ist "eine (noch) nicht ganz ernst gemeinte Geschichte" aus dem Jahr 2052 enthalten, die sich mit der Frage beschäftigt, wie wir uns in fünfzig Jahren fortbewegen werden. Eine Aufgabe könnte sein, die Kernaussagen zusammenzufassen und eine Bewertung aus heutiger Sicht zu versuchen. Welche anderen Entwicklungen lassen sich vorstellen?


Texte und Materialien
BAUSTEIN C Mobilität

C 1 bis C 4 Mobil sein - früher und heute
C 5 bis C 13 Lösungen und Entwicklungen
C 14 und C 15 Und hinterm Horizont?

 


Copyright ©   2003  LpB Baden-Württemberg HOME

Kontakt / Vorschläge / Verbesserungen bitte an: lpb@lpb-bw.de