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Zeitschrift Türken bei uns Texte und Materialien
Heft 3/2000 , Hrsg.: LpB |
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B 1 Ausländeranteile 1998
B 2 Türken in Deutschland 30. Oktober 1961 Vereinbarung über die Anwerbung türkischer
Arbeitskräfte zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei
(Abkommen mit anderen Staaten: 1955 Italien, 1960 Griechenland und Spanien,
1963 Marokko, 1964 Portugal, 1965 Tunesien, 1968 Jugoslawien).
B 3 Einwanderer
B 4 Wie sie kamen
Die angeworbenen Arbeitskräfte fuhren, meistens in Sonderzügen, in mehr als fünfzigstündiger Fahrt von Istanbul-Sikerci nach München. Vor der Abfahrt des Zuges bekamen die Reisenden ein Verpflegungspaket. Die meist völlig erschöpften Menschen kamen in München auf Gleis 11 an. Durch die Weiterleitungsstelle wurden sie mit einer Mahlzeit versorgt und später zu den Zügen gebracht, mit denen sie zu ihren Arbeitgebern in der gesamten Bundesrepublik weiterfuhren.
B 5 Sprachhilfen
B 6 Freizeit
B 7 Hoffnungen
B 8 Erwartungen "Wir sind benötigt, aber nicht erwünscht"
Was die Deutschen wollten, steht im krassen Gegensatz zum Wesen des
modernen Menschen. Als die Deutschen aus dem Ausland "ausländische
Arbeitskräfte" anforderten, dürften sie nicht daran gedacht haben,
dass es dabei um Menschen geht...
B 9 "Gastarbeiter sind begehrt"
Besonders begehrt sind von der deutschen Industrie wieder die Gastarbeiter. Türken werden nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung am meisten angefordert. Deshalb sind sie auch am schwersten zu haben. Zehn Wochen müssen die Firmen allein auf Hilfsarbeiter warten. Türkinnen sind schon eher zu bekommen, vor allem die Analphabetinnen. Insgesamt stehen die Gastarbeiter in diesem Spätsommer hoch im Kurs. Weitgehend ausverkauft sind auch die Italiener, bis auf eine kleine Zahl von Handwerkern, wie Schneider, Maler und Elektromechaniker oder verwandte Berufe. Aus: Svenja Falk: Dimensionen kurdischer Ethinizität und Politisierung, 1998, S. 148 B 10 Empfang 1969
B 11 Begründungen
B 12 Ausländer in Westdeutschland Ausländische Wohnbevölkerung und ausländische
Arbeitnehmer in Westdeutschland 1973-1990
Türkische Beschäftigte und türkische
Wohnbevölkerung in Baden-Württemberg 1998
B 13 Aufenthaltsdauer türkischer Migranten
B 14 Vom Arzt bis zum Lehrer Insbesondere in den letzten zehn Jahren hat sich auch ein türkischer
Mittelstand etabliert, der sich außer aus selbstständigen Unternehmern
auch aus einer wachsenden Zahl von Ärzten, Lehrern, Sozialberatern
etc. zusammensetzt. Eine besondere Rolle nehmen die türkischen Sozialberater
ein. Seit 1961 liegt die Zuständigkeit für die Betreuung türkischer
Einwohner bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO). ... Mit dem Heranwachsen der
zweiten und dritten Ausländergeneration ist auch die Zahl der Sozialberater
türkischer Herkunft kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile gibt es
allein bei der AWO bundesweit 327 Sozialberater. ...
Faruk S¸en/Andreas Goldberg: Türken in Deutschland, 1994, S. 41 B 15 Türkische Studierende
B 16 Die Heimat - memleket
Fremde Heimat, S. 389 B 17
Drei Generationen von Türken leben in Deutschland
B 19 Erziehungsprobleme türkischer Eltern
Asiz Subayoglu würde im Zweifelsfall der Vorbereitung auf die Gesellschaft eine größere Bedeutung beimessen als dem Schutz vor ihr. "Mein Sohn soll mit mir überall hingehen, soll alles sehen und machen. Damit er dann später, wenn er allein sein wird, nicht ins Unglück gerät ... Lass mich so sagen: Wenn wir draußen was gesehen haben, was wir der Mutter nicht sagen können, dann ... wir müssen alles sehen, aber er muss lernen, dass er damit nicht sofort kommen und es der Mutter erzählen kann. Also zum Beispiel ich ... ach es ist nicht nötig alles zu erzählen." Ich weiß nicht genau, an was Azis hier denkt und assoziiere Peepshow oder Nachtklub - jedenfalls ist es sein Plan, seinen Sohn geradezu in die Gesellschaft zu initiieren, um ihn dadurch zu schützen ...
Yasar und Fatma würden dagegen bei einem Zielkonflikt dem Schutz vor der Gesellschaft größere Bedeutung beimessen als der Vorbereitung auf sie. Beide halten die Gefahren, die von ihr ausgehen, für bedrohlicher als andere Migranten: "In Deutschland ist alles frei. Vor allem die Sexualität, also beieinander zu sitzen, sich miteinander zu vergnügen, zu lachen, zu spielen. Alles das ist hier sehr frei. Unsere Bräuche und Sitten erlauben das nicht. Wir sind Muslime. Nun bekommen unsere Kinder Lust, wie Deutsche zu leben. Beispielsweise ist es im Islam verboten, Schweinefleisch zu essen. Jetzt sehen unsere Kinder, dass die deutschen, die italienischen, die griechischen Kinder Schweinefleisch essen. Sie sehen es und werden neugierig. Sie essen selbst Schweinefleisch." Werner Schiffauer: Die Migranten aus Subay, S. 241 ff. B 20 Islamunterricht Im Koranunterricht lernen die Kinder alles, was ein frommer Muslim wissen muss. Arabische Schriftzeichen, die wichtigsten Gebete und Regeln. Welches Fleisch sie essen dürfen und welche Getränke sie besser meiden. Wie sich ein Junge zu verhalten hat, wenn er "feuchte Träume" hat und "wie ein Mädchen sich waschen muss, in den Tagen der Regelblutung". Auf die islamische Sittenlehre legen die Lehrer besonderen Wert, versichert Mustafa Yoldas, Sprecher der Hamburger Moschee. Wer zu uns kommt, nimmt keine Drogen, ist nicht kriminell, hängt nirgendwo herum. Kurze Zeit später erklingt der Ruf zum Nachmittagsgebet. Junge Männer gehen durch die Reihen und richten die Kinder gen Mekka aus. Der Große Gebetsraum nebenan ist bereits gut gefüllt. Der letzte Junge nimmt den Kaugummi aus dem Mund. Dann werfen sich die Gläubigen zu Boden. Neue Heimat Islam.
B 21 Moscheen sind Orte der Begegnung Moscheen sind nicht nur Orte des Gebetes - in dieser Hinsicht also mit
Kirchen vergleichbar - sondern auch der Begegnung und Lehre sowie Ruheplätze
für Reisende. In Deutschland sind Moscheen oftmals in ehemaligen Fabriken
oder anderen Gebäuden, manchmal nur im Raum einer Wohnung untergebracht,
von außen also nicht ohne weiteres zu erkennen. In Deutschland gibt
es derzeit über 2000 Moscheen, in denen am Freitag der Muezzin die
Gläubigen zum Gebet ruft. Repräsentative Moscheen mit Kuppelbau
und Minarett, die auch von außen als Gotteshäuser erkennbar
sind, gibt es z.Zt. in Deutschland dreißig. Der Bau einer solchen
Moschee wird in den Gemeinden nicht vorbehaltslos genehmigt. Probleme um
die Höhe des Minaretts im Vergleich zu den höchsten Kirchtürmen
der Stadt tauchen regelmäßig auf. Manche Deutsche befürchten
eine Gefahr für das Christentum, da sie in solchen Moscheenbauten
ein Zeichen für die Ausbreitung des Islam sehen. Ohne Zweifel sind
solche Moscheenbauten, die sehr kostspielig sind, ein klares Zeichen, dass
die Verbleibabsicht der Mehrheit der Türken zugenommen hat.
B 22 Feste der türkischen Bevölkerung Das Opferfest
Fastenmonat (Ramazan)
Ramadanfest
Jost Cramer
B 23 Namaz
Ein gläubiger und praktizierender Muslim betet fünfmal am
Tag zu festgelegten, aber u.U. flexibel zu handhabenden Tageszeiten (namaz
beten). Das Gebet wird in Richtung der Stadt Mekka verrichtet, die das
größte Heiligtum des Islam, die Kaaba (ein würfelartiger
Bau, der von einer Moscheeanlage umgeben ist), beherbergt und auch Geburtsstadt
des Propheten Mohammed ist. Das Gebet kann überall verrichtet werden,
vorausgesetzt der Ort ist sauber, was durch die Verrichtung des Gebets
auf einem Teppich, Tuch oder eben im Notfall einer Zeitung gewährleistet
ist. Die Verrichtung des Gebets, das in wenigen Minuten und an jedem Ort
stattfinden kann, wird in Deutschland in vielen Betrieben nach wie vor
als Störung des Betriebsablaufs empfunden, auch wenn dies auf Grund
der relativ flexiblen Gebetszeiten (Spielraum von jeweils zwei Stunden)
kein Problem darstellen müsste.
Ein Kalenderblatt für den 4. Juli (Temmuz) 2000 aus dem islamischen Kalender zeigt die Gebetszeiten in verschiedenen Städten Westdeutschlands an. Ein solcher islamischer Kalender, der auch die religiösen Feste enthält, hängt in jeder Moschee. Nach ihm richtet sich das religiöse Leben der Muslime. Für den praktischen Gebrauch wird er an den gregorianischen Kalender angepasst, der, wie bei uns, auch in der Türkei offiziell gilt.
B 24 Reizthema Kopftuch Ein Reizthema, das in Deutschland immer wieder im Zusammenhang mit dem
Islam und der Stellung der Frau diskutiert wird, ist das Tragen von Kopftüchern
der türkischen bzw. muslimischen Frauen. Dabei erhitzen sich die Gemüter
derart, dass je nach Standpunkt das Kopftuch den Stellenwert eines Instruments
des Zwangs bzw. des Schutzes erhält. Ein Kopftuchzwang oder direktes
Schleiergebot wird im Koran weder ausgesprochen, noch wird es im Gesetz
allgemein gefordert. In der Türkei ist Mädchen und Frauen das
Tragen von Kopftüchern an Schulen und Universitäten sogar untersagt.
B 25 Zum Kopftuchstreit Hülya Kalan, 30, Bankkauffrau; Melek Bani, 20, Philosophiestudentin; Ahmet Demircioglu, 23, Student der Wirtschaftswissenschaften Was bedeutet Ihnen das Kopftuch? Melek Bani: Ich habe kein Problem damit. Früher war das eher schwierig. Da habe ich meine Mutter natürlich gefragt, ob sie es trägt, weil es Pflicht ist. Sie ist streng gläubig, also sie betet fünfmal am Tag. Das was im Koran steht, stimmt für sie. Und das ist ihre innere Überzeugung, und das respektiere ich ... Hülya Kalan: Ja, aber ich finde es erschreckend, wenn manche Eltern schon kleine Kinder dazu zwingen, mit Kopftüchern in die Schule zu gehen. Frag doch mal die Kinder, wie es ihnen damit geht. Damit unterscheiden sie sich. Dann fängt dieser Kampf, von dem wir geglaubt haben, dass wir ihn hinter uns gebracht haben, wieder von vorne an. Dabei hat unsere Generation doch schon so viele Wege geebnet. Ich kenne junge Mädchen, die mit dem Kopftuch zur Schule geschickt werden, wo sie es dann wieder abnehmen, weil sie ja dazugehören wollen. Das tut mir richtig weh. Ahmet Demircioglu: Ist ja richtig, es dient der Integration nicht, es ist ein Hindernis. Hülya Kalan: Es wird dann unschön, wenn wir uns als moderne Türken kritisieren lassen müssen. Wenn die Konservativen es so auslegen, dass, wenn du attraktiv sein willst, du dich angeblich gegen den Koran wendest. Stuttgarter Zeitung, 19.2.2000 (Interview) B 26 Offizielle Erklärungen a - Kurde. Name einer Gemeinschaft,
die großenteils aus Türken besteht, die ihre Sprache gewechselt
haben; die ein verderbtes Persisch spricht und in der Türkei, im Irak
und Iran lebt sowie jemand, der zu dieser Gemeinschaft gehört.
B 27 Daten zum türkisch-kurdischen Konflikt Ende des 19. Jh.
B 28 Die kurdischen Siedlungsgebiete Die Kurden sind weltweit die größte ethnische Gruppe ohne
eigenen Staat. Im kurdischen Siedlungsgebiet verteilen sich schätzungsweise
16 Millionen Kurden auf die Länder Syrien (800.000), Iran (5,4 Mio.),
Irak (3,5 Mio.), Türkei (6,2 Mio.). Weitere 7 Mio. leben verstreut
in den nichtkurdischen Gebieten der Türkei (5 Mio.), des Irak (ca.
900.000), des Irans (ca. 900.000), Syriens (ca. 200.000). Außerdem
leben schätzungsweise 1,4 Mio. Kurden außerhalb dieser vier
Länder in der Diaspora: Davon ca. 650.000 in Westeuropa, 350.000 in
GUS-Staaten, 300.000 im übrigen Nahen Osten sowie ca. 100.000 in anderen
Staaten. In der Bundesrepublik leben ca. 580.000 Kurden. Davon stammen
ca. 550.000 aus der Türkei, 5.000 aus dem Irak, 4.000 aus dem Iran,
4.000 aus Syrien und 15.000 aus dem Libanon. (Da die Kurden statistisch
nicht nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit, sondern nach ihren Herkunftsländern
erfasst werden, können die Angaben über die Anwesenheit von Kurden
nur auf Schätzungen beruhen (Falk S. 70 und 179).
B 29 Kurdische Frauen
In traditioneller Tracht in Berlin (1994)
B 30 Sprachprobleme Die 1959 geborene Kurdin Ayten, seit 1972 in Deutschland und Mutter zweier Kinder, spricht in einem Interview über Sprachprobleme ihrer Kinder: Wie erziehen Sie Ihre Kinder? Natürlich als Kurden. Unsere Schwierigkeit ist aber, dass wir den Kindern kein kurdisch beibringen können. In der Schule lernen sie kein kurdisch, sondern türkisch als "Muttersprache". Außerdem kann man den Kindern keine kurdischen Namen geben. Z.B. meine Tochter hat einen kurdischen Namen, sie heißt "Jinda". Das Standesamt war gegen diesen kurdischen Namen, und das türkische Konsulat akzeptierte diesen Namen absolut nicht. Wir mussten deshalb einen Namen aus der Liste wählen. Jetzt hat unsere Tochter zwei Namen, wobei der türkische Name bei Behörden und in der Schule gebraucht wird. Stellt dies für Ihre Kinder keine Identitätskonflikte dar? Natürlich stellt dies für unsere Kinder einen Identitätskonflikt
dar. Unsere Kinder wachsen in drei Kulturen auf, also in der kurdischen,
türkischen und deutschen. Meine Kinder sind zu Hause Kurden, auf der
Straße Türken und in der Schule sind sie Ausländer. Dies
ist für uns ein großes Problem.
Sengül Senol: Kurden in Deutschland, 1992, S. 144 f.
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