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Zeitschrift Türken bei uns
Geleitwort des Ministeriums für
Heft 3/2000 , Hrsg.: LpB |
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Türkische Läden, türkische Vereine, türkische Reisebüros, türkische Zeitungen - warum auch nicht? Wer sich daran stört, könnte einen Blick auf die Lebensformen deutscher Amerika-Auswanderer werfen: All jene Deutschen, die im 18. oder 19. Jahrhundert aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen in die Neue Welt emigrierten, reisten mit der Heimat im Gepäck. Sie konnten damit rechnen, auf Lebensverhältnisse zu stoßen, die denen ihres Heimatlandes nahezu glichen. Deutsche Auswanderer siedelten in bestimmten Gebieten und bildeten dort eigene Gemeinden. Sie heirateten fast nur untereinander, beschäftigten ausschließlich deutsches Personal. Deutsche Zeitungen, deutsches Theater und das importierte Vereinswesen garantierten die eigene nationale Identität. In den Schulen lernten die Kinder vor allem die Sprache und Kultur ihrer Eltern und nichts fürchteten die Deutschstämmigen so sehr wie die Amerikanisierung ihrer Jugend. Nun ist das Amerika des 19. Jahrhunderts nur schwer mit dem heutigen Deutschland vergleichbar. Um nur zwei Unterschiede zu nennen: Erstens wird im Einwanderungsland USA die multikulturelle Gesellschaft von vielen als Wert geschätzt, während sie bei uns eher kritisch betrachtet wird. Zweitens war die kulturelle Differenz zwischen den deutschen Einwanderern und dem Aufnahmeland Amerika relativ gering. Die gemeinsame christlich-abendländische Tradition verband. Demgegenüber markiert die Türkei nicht nur die religiöse Grenze zwischen Christentum und Islam, sondern im Bewusstsein vieler auch die kulturell-politische Grenze zwischen Okzident und Orient. Von vielen wird das als Bedrohung empfunden. Die Tatsache, dass die Türkei sich als Nato-Mitglied und EU-Beitrittskandidat auf dem Weg zu einem modernen Staat und auf dem Weg nach Europa befindet, wird dabei manchmal dem festgefügten Bild von der Türkei als einer rückständigen, sehr traditionellen Gesellschaft geopfert. Manche spektakulären Ereignisse bestätigen dieses Bild scheinbar. Aber viel bedeutender als solche Einzelfälle ist die deutlich erkennbare Entwicklung: Der Integrationsprozess beschleunigt sich. Es lässt sich nicht leugnen, dass im Zusammenleben Einheimischer und Fremder Probleme bestehen, aber irgendwann werden aus Fremden Einheimische. Dass dies geschieht, ist unter anderem ein Prozess des gegenseitigen Kennenlernens. Dieser Prozess kann auch in der Schule gefördert werden. Das vorliegende Heft der Landeszentrale für politische Bildung bietet Bausteine für den Unterricht, die über die Hintergründe der Migration von Türken in die Bundesrepublik und über das Leben zwischen zwei Kulturen informieren. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hofft, dass diese gute Möglichkeit vielfach genutzt wird, damit langfristig ein wirkliches Miteinander entsteht. Johanna Seebacher
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